Montag, 28. Dezember 2009

Konjunkturszenarien

Die FTD gibt 4 Konjunkturszenarien des Magazins Capital wider (hier). Weiß der Henker, wie die Experten von Capital an ihre Wahrscheinlichkeiten für die Szenarien gekommen sind. Trotzdem gibt es einen guten Überblick über das, was kommen könnte.

Ich persönlich halte das "japanische Szenario" für wahrscheinlicher, dafür das rosige Szenario 1 für unwahrscheinlicher und würde dem "Horror-Inflatinosszenario" (4. in der Liste) keine Wahrscheinlichkeit über 1 % zumessen (dafür versteht man mittlerweile die Mechanismen der Geldpolitik zu gut).

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Allianz-Prognose

Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, fordert die Geldpolitik schnell zu straffen (ich meine das von ihm auch schon an anderer Stelle gelesen zu haben). Bei einer Allianzprognose für den Anstieg des realen BIP in 2010 von 2,8 % wäre das - eine ähnliche Entwicklung für den übrigen Euroraum unterstellt - wohl auch angebracht.

Ich weiß nur nicht, wo sooo viel Optimismus herkommt. Um nur einen Punkt zu nennen: Es ist alles andere als klar, dass das deutsche Bankensystem wieder gesund genug ist, einen Aufschwung zu finanzieren. Im Gegenteil: Hohe Abschreibungen dürften die Situation im kommenden Jahr noch angespannter werden lassen.

Und bei einer deutlich pessimistischeren Einschätzung der konjunkturellen Dynamik besteht wohl für längere Zeit kein Risiko, dass die Verbraucherpreise deutlich anziehen - eher im Gegenteil: Das Deflationsrisiko ist zwar nicht akut...könnte es aber werden, wenn die EZB zu früh restriktiver wird.

Mit seinem Argumten, dass sich gerade wahrscheinlich schon wieder Blasen an den Finanzmärkten bilden, hat Herr Heise natürlich ein gutes Argument. Nur kann dagegen meiner Meinung nach nicht mit dem gleichen Instrument, das zur Sicherung des Verbraucherpreisniveaus genutzt wird (den EZB-Zinsen), vorgegangen werden, sondern es sollten Mechanismen/Regelungen im Bereich Kapitalanforderungen o.Ä. gesucht werden, die Finanzblasenbildung bei konjunkturell gebotenem niedrigen Zinsniveau verhindern.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Interview mit N. Walter

Norbert Walter, der scheidende Chef-Ökonom der Deutschen Bank, hat dem Handelsblatt ein langes "Abschiedsinterview" gegeben - über Konjunkturprognosen, Bankensektor, wirtschaftspolitische Interventionen, ...

Samstag, 19. Dezember 2009

Lesestoff 2009-12-19

Dies wird die letzte wöchentliche Linksammlung für dieses Jahr sein - ich mache Weihnachtsurlaub! Allen Lesern wünsche ich Fröhliche Weihnachten und einen Guten Rutsch ins kommende Jahr und hoffe alle auch dann wieder auf meiner Seite begrüßen zu können.
  1. Wolfgang Münchau schreibt wider die übermäßige Verbreitung von Kreditderivaten. Meiner Meinung nach sollten diese nur von demjenigen gekauft werden können, der auch den Kredit besitzt - also genau 1 Derivat zur Absicherung von Risiko auf 1 Kreditkontrakt.
  2. Google is everywhere! Der neue Trend im Forecasting. Insbesondere im Bereich der Vorhersage von Epedemien scheint Google ein nützliches Werkzeug zu sein. Für Zeitreihenanalysen fehlen leider lange Reihen...aber so langsam scheint sich auch hier die Nützlichkeit der Google-Informationen zu zeigen.
  3. Eine Studie darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass die USA in den kommenden Jahren ihr Staatsdefizit einfach "weginflationieren". Sicher wäre es gefährlich, wenn die Notenbank die Kontrolle über die Inflationserwartungen verliert. Aber ob ein angekündigtes erhöhtes stabiles Inflationsziel von 4-5 Prozent nicht sinnvoller wäre, als sich sklavisch an den (im Grunde genommen auch beliebigen) 2-3 Prozent festzuhalten - da bin ich mir ehrlich gesagt alles andere als sicher.
  4. Und für alle, die noch ein bisschen über den kürzlich verstorbenen Paul A. Samuelson lesen wollen. Hier der Link zu einer Kurzbibliographie.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Dezemberprognose

Hier gibt's die neue Konjunkturprognose des IfW. Die Prognosen für die Veränderung des realen BIP liegen für 2010 und 2011 bei 1,2 % bzw. 2,0 %.

Auch das IMK hat eine neue Prognose publiziert und rechnet für das kommende Jahr mit einer Wachstumsrate von 2,0.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Kapitalverkehrskontrollen

Ich bin gerade auf eine Pressemitteilung des DIW gestoßen, in der es um eine Einschätzung der jüngsten Ankündigung der EZB geht, die unbegrenzte Liquiditätsversorgung des Bankensektors demnächst wieder einzuschränken. Unter anderem steht darin der folgende Satz, der sich auf eine Situation bezieht, in der die Fed die Inflation nicht unter Kontrolle hält, die EZB dies aber trotzdem tun sollte:
„Die resultierenden Carry Trades in Verbindung mit Kapitalverkehrskontrollen [gemeint sind wohl Kontrollen, die die Carry Trades verhindern] wären eindeutig das kleinere Übel, verglichen mit der Entstehung einer neuen Monsterblase.“
Ich kann das nur so interpretieren, dass hier gefordert wird, für den Fall, dass eine Koordination der Geldpolitik scheitert, unilateral Kapitalverkehrskontrollen einzuführen. Das kann man machen - und vielleicht ist es sogar die "second-best"-Lösung. Aber ziemlich starker Tobak ist es schon...und ich wunder mich, dass dieser Vorschlag anscheinend sonst noch nirgens diskutiert wurde.

Vizemeister

Das IfW, an dem ich bis Dezember 2008 angestellt war, und für das ich auch momentan noch an den Prognosen mitarbeite, ist von der FTD für das Jahr 2009 zum "Vizeprognosemeister" gewählt worden.

Von den Instituten folgen auf den Plätzen 10 und 11 das ifo bzw. das RWI, das IWH auf Platz 16, das IMK auf Platz 20 und das DIW abgeschlagen auf Platz 36.

"Gewonnen" hat Frédérique Cerisier von der BNP Paribas aus Frankreich.

Freitag, 11. Dezember 2009

Globale Finanzmarktsteuer

Nachdem die Briten bereits eine 50-prozentige Steuer auf Boni im Finanzsektor eingeführt haben, scheint sich die EU jetzt darauf geeinigt zu haben, für eine globale Finanzmarktsteuer einzutreten. Es geschehen noch Zeichen und Wunder!

Bleibt nur zu hoffen, dass diese Steuer im Erfolgsfall auch dazu genutzt wird, Externalitäten richtig zu preisen und damit auf eine Reduzierung des systemischen Risikos hinzuarbeiten, und nicht einfach nur zur Einnahmengenerierung konzipiert wird.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Industrieproduktion im Oktober

Die Industrieproduktion ist in Deutschland im Oktober um 1,8 % gegenüber dem September zurückgegangen (saisonbereinigt). Da wird der Aufschwung im vierten Quartal doch keine Pause eingelegt haben? Stark wird das Quartal jedenfalls nicht und die Wachstumswette für 2010 von RvH auf Herdentrieb wäre dann wieder gut im Rennen.

(Keine) Inflationsgefahr

Teile nicht alles, was Lucas Zeise schreibt - aber darauf, dass wir in den kommenden zwei, drei Jahren kein Inflationsproblem bekommen, würde ich wetten (, wenn man denn hier z.B. Leerverkäufe tätigen könnte ;-).

Samstag, 5. Dezember 2009

Lesestoff 2009-12-05

Heute erst mal zwei Beiträge zur Sanierung bzw. Reregulierung des Finanzsektors:
  1. Die deutschen Banken warnen nun auch davor, die Kapitalvorschriften kurzfristig zu erhöhen; ganz so rosig, wie bislang immer von Bankenseite behauptet, scheint es wohl doch nicht auszusehen.
  2. Harald Uhlig möchte am liebsten überhaupt keine Regulierung der Finanzmärkte - jedenfalls hört sich sein im gewohnt forschen Ton aber ohne viel ausgewogene Argumente geschriebener Beitrag danach an. Eigentlich peinlich bis bedenklich, wenn einer der erfolgreichsten deutschen Ökonomen in diesem Stil schreibt. (Wie wohltuend dagegen der Ton der sachorientierten Diskussion in den USA - wie z.B. in diesem Beitrag.)
  3. Im German Economic Review ist jetzt ein ganz witziger Beitrag erschienen, der statistische Methoden zusammen mit Benfords Gesetz nutzt, um vermeintliche Tricksereien in empirischen ökonomischen Aufsätzen aufzudecken.
  4. Schließlich ist diese Woche eine Sammlung von Beiträgen zur Finanzkrise von Forschern des IfW erschienen. Manches davon ist lesenswert, manches eher nicht. Lesenswert: Die Beiträge ab Seite 2, ab Seite 57, ab Seite 93 und ab Seite 109.

Freitag, 4. Dezember 2009

Liquiditätseinschränkung im Euroraum

Im Dezember wird es ein letztes Mal unbegrenzt Zentralbankliquidität für 12 Monate für die Banken im Euroraum geben (hier). Die Liquiditätsparty läuft langsam aus...aber die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Outlook für die US-Wirtschaft

GS ist ziemlich pessimistisch, was die Entwicklung bis Ende 2011 angeht. Und Justin Wolfers weist richtigerweise darauf hin, dass Unsicherheit über diese Entwicklung nicht automatisch heißt, dass die Zinsen früh steigen müssen, da die Unsicherheit ja in beide Richtungen wirkt.

Verhinderung der Kreditklemme

Anscheinend wurden heute auf dem "Anti-Kreditklemmen-Gipfel" einige Maßnahmen beschlossen, bzw. von Banken versprochen, die das Kreditangebot für sich genommen erhöhen sollten.

Das ist auch alles gut und schön - nur die Rekapitalisierung des Bankensektors treibt das nicht voran. Und im hinblick auf die Wachstumsaussichten für die kommenden Jahre sehe ich dies als ein zu lösendes Haupthindernis (siehe auch die Meinung hier).

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Sind die Angelsachsen die neuen Japaner?

Das befürchtet zumindest der Economist, auch wenn die wirtschaftpolitischen Reaktionen auf die Finanzkrise mit ihren enormen Vermögensverlusten viel stärker waren als in Japan zu Beginn der 1990er. In dem Artikel ziehen die Autoren dennoch Parallelen zwischen der Entwicklung des Sparverhaltens der Privaten und des öffentlichen Sektors.

Eine ähnliche Story erzählt auch Richard Koo mit seinem Konzept der balance sheet recession.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Buiter hat ausgebloggt

Willem Buiter stellt Ende des Jahres seinen Blog Maverecon ein, weil er in die Privatwirtschaft zu Citi wechselt.

Schade! Die Beiträge waren immer sehr pointiert und zum Denken anregend.

Montag, 30. November 2009

Bezahlung vs. Reputation

Anscheinend müssen sich Wirtschaftswissenschaftler irgendwann im Leben fragen, ob sie lieber reicher oder in der Profession mehr respektiert werden wollen (Blog und Paper).

In der Tat ein verwirrendes Ergebniss.

Samstag, 28. November 2009

Lesestoff 2009-11-28

Diese Woche habe ich wieder ein paar empfehlenswerte Texte gefunden:
  1. Ein Beitrag von Axel Leijonhufvud über das Gleichgewichtsparadigma in der Makroökonomie und warum es verhindert, das Wirtschaftsgeschehen besser zu verstehen muss ich einfach wegen eines schönen Satzes empfehlen: “Freshwater” and “saltwater” macroeconomists came to a “brackish” compromise known as the New Neoclassical Synthesis."
  2. Im Handelsblatt stand ein erster Erfahrungsbericht über den neu eingerichteten Prognosemarkt. (Ich liege zur Zeit ungefähr auf Rang 15 von ca. 650 Händlern; not too bad.)
  3. Schon recht "freaky" was die Neuroökonomen so treiben - aber vielleicht hilfts irgendwann ja mal das menschliche Verhalten zu verstehen.
  4. John Gray hält das Buch "Animal Spirits: How Human Psychology Drives the Economy, and Why It Matters for Global Capitalism" von Akerlof und Schiller für interessant aber überbewertet. Seine Rezension ist aber für sich genommen schon lesenswert. (Dank an Nils Jannsen für den Hinweis.)
  5. Zwar keine neuen Erkenntnisse - aber immer wieder gut zu lesen: Die Effekte von Konjunkturpolitik. Diesmal untersucht vom IWF (Studie).
  6. Und noch was für alle Wirtschafts-Doktoranden oder jene, die es mal werden wollen.
Schönes Wochenende!

Donnerstag, 26. November 2009

Modelle mit Geld

Die Finanzkrise scheint zumindest bewirkt zu haben, dass Geld in mehr und mehr Modellen überhaupt mal wieder berücksichtigt wird. Hier ein Beispiel von Charles Goodhart und Dimitri Tsomocos.

Das ist ja immerhin schon mal ein Anfang.

Montag, 23. November 2009

Der unsichere aktuelle Rand

Auf Voxeu ist heute ein Beitrag von Giannone et al. erschienen, in dem die Autoren implizit verdeutlichen, wie unsicher allein die Datenlage für makroökonomische Daten am aktuellen Rand ist. Dass dann die Prognosen mit noch viel größerer Unsicherheit behaftet sind, kann man sich ja an drei Fingern abzählen.

Heißt das, das alle Prognosen Blödsinn sind? Ich denke nicht. Die Aufgabe jedes Prognostikers besteht aber darin, die Unsicherheit möglichst akkurat zu beziffern, damit Entscheidungsträger sie in ihr Kalkül mit einbeziehen können.

Samstag, 21. November 2009

Lesestoff 2009-11-21

  1. Axel Börsch-Supan spricht in einem Interview über den Demographiewandel in Deutschland und darüber, wie gut die Sozialsysteme in Deutschland darauf eingestellt sind.
  2. Auf Voxeu ist eine einfach zu lesende Zusammenfassung des Aufsatz von Paul De Grauwe erschienen, den ich hier verlinkt hatte.
  3. Auch auf Voxeu ein Plädoyer dafür den Bankensektor rasch zu rekapitalisieren, weil eine Dämpfung des Kreditangebots den Aufschwung verzögern könnte.
  4. Außerdem habe ich noch ein interessantes Interview über Blasen, Renditedruck und das Ende der Krise mit Steve Koltes von CVC Capital Partners gelesen.
Ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 19. November 2009

MwSt auf Hotelübernachtungen

Der von SPON zitierte Ausspruch von Thomas de Maizière passt auf die ganze Idee/den ganzen Beschluss: "ein bisschen gaga".

Warum kann eine der Parteien sich nicht mal dazu durchringen sich als obersten Programmpunkt "Anti-Klientel-Politik" auf die Fahnen zu schreiben und das dann auch durchzuziehen?

Dividenden statt Jobs?

Dieter Fockenbrock vom Handelsblatt findet es gut, dass deutsche Topkonzerne tendenziell den gesamten Unternehmensgewinn an die Aktionäre ausschütten - manche sogar an die Reserven gehen, um trotz Rezession üppige Dividenden auszuzahlen. Er begrüßt die Konzentration auf die "Shareholder" anstatt die Interessen aller "Stakeholder" zu berücksichtigen.

Er begründet das mit dem üblichen Argument, dass sich Deutschland ja nicht dem internationalen Kapitalmarkt entziehen könne und die Interessen der Aktionäre bedienen müsse, damit auch im nächsten Aufschwung genug Kapital nach Deutschland fließt...blablabla. Zitat:
Ein Großteil unseres Wohlstands beruht auf der weltweiten Verflechtung. Das gilt auch für die Kapitalbeschaffung. Wenn es wieder aufwärtsgeht, wird der Kapitalhunger groß sein. Dann erinnern sich die milliardenschweren internationalen Investoren gern an Dividendenkönige in schweren Zeiten.
Ist es aber nicht so, dass Deutschland seit Jahren (sowohl während der Wachstumsschwäche ab 2002 als auch im vergangenen Aufschwung) einen gewaltigen Leistungsbilanzüberschuss produziert - es also an so Manchem mangeln mag, aber wohl nicht an Kapital? Deutschland ist seit Jahren per Saldo nicht auf ausländisches Kapital angewiesen.

Bottom-Up Macroeconomics

In einem neuen Diskussionspapier stellt Paul De Grauwe ein makroökonomisches Modell vor, in dem die Wirtschaftssubjekte immer nur einen kleinen Teil des Geschehens verstehen und durch "trial and error" herausfinden müssen, wie sie sich am besten innerhalb des Gesamtsystems verhalten sollten.

Im Gegensatz zu den heutigen Standardmodellen gibt es in diesem Modell endogene Konjunkturzyklen, die durch Optimismus- bzw. Pessimismuswellen getrieben werden. Dieses Feature hat auch weitreichende Auswirkungen für Wirkung von Geldpolitik - die nämlich abhängig vom jeweils aktuellen Zustand des Systems wird.

De Grauwes Schlussfolgerungen:

First, the behavioural model creates correlations in beliefs which in turn generate waves of optimism and pessimism. The latter produce endogenous cycles which are akin to the Keynesian animal spirits.

Second, the bottom-up behavioural model produces a degree of uncertainty about the transmission of monetary policy shocks that is different from the uncertainty obtained in rational expectations (DSGE) -models. In the latter linear models, uncertainty about the effects of monetary policy shocks arises only because of the lack of precision in the estimation of the structural parameters of the model. In the behavioural model there is an additional dimension to uncertainty. This is that the same policy shock can have different effects depending on the state of the economy, including the degree of optimism and pessimism agents have about the future.

Finally, the behavioural model provides for a very different theory of the business cycle as compared to the business cycle theory implicit in the rational expectations (DSGE) models. [...] In contrast to the rational expectations model, agents in the behavioural model experience an informational problem. They do not fully understand the nature of the shock nor its transmission. They use a trial and error learning process aimed at distilling information. This cognitive problem then creates the inertia in output and prices. Thus a very different theory of the business cycles is obtained.
Vergleiche auch hier und hier.

Dienstag, 17. November 2009

Ackermann schlägt Bankenotfallfonds vor

Josef Ackermann hat vorgeschlagen, einen Notfallfonds einzurichten, der in Zukunft einspringen könnte, wenn einzelne Banken in Schieflage kommen. Der Fonds soll nach Ackermanns Meinung von Mitteln der Banken und staatlichen Geldern gespeist werden.

Frage: Warum genau soll sich eigentlich der Staat an dem Fonds beteiligen? (Ist das der Versuch auf die Diskussion zu reagieren, eine Steuer einzuführen, die sich nach der Höhe der Bankbilanz richtet, weil diese ja die Banken implizit in einen solchen Fonds einzahlen lassen würde - und zwar alleine?)

Montag, 16. November 2009

Kurzfristige Refinanzierung der Banken

Eine Studie von Moody's zeigt anscheinend, dass bei dem gegebenen Regulierungsrahmen die Niedrigzinspolitik der vergangenen Jahre - und insbesondere der vergangenen Quartale - erste negative Konsequenzen auch für die Refinanzierungsstruktur der Banken weltweit hat (hier).

Die Analyse von 25 Bankensystemen weltweit zeige, dass die durchschnittliche Laufzeit neu ausgegebener Bankanleihen, die von Moody's bewertet werden, in den vergangenen fünf Jahren von 7,2 Jahren auf 4,7 Jahre gefallen seien.

D.h. Banken refinanzieren sich immer mehr über kurzfristige Anleihen, weil das Niveau der kurzfristigen Zinsen einfach so niedrig ist. Und den Banken selber kann man da noch nicht mal einen Vorwurf deswegen machen...

...ABER: es ist fehlende/falsche Regulierung, die unmittelbar die ganzen Probleme verursacht - nicht der mittelbare Effekt der Geldpolitik.

Arbeitsplatzabbau in der Industrie

Die Wirtschaftskrise schlägt weiter auf den Arbeitsmarkt durch. Vor allem die Industrieunternehmen bauen weiter Beschäftigung ab (hier). Ende September lag die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe um 4,4 % unter dem Vorjahresstand.

Das wird sich wohl auch noch eine Weile so fortsetzen, weil der Aufschwung nicht stark genug ist, neue Jobs entstehen zu lassen - und der Arbeitsplatzabbau üblicherweise der Wirtschaftsentwicklung etwas "hinterher läuft".

Update: Kfz-Steuer in den Niederlanden

Experten begrüßen die neue niederländische Steuersteuersteuer - die deutsche Öffentlichkeit (angeblich) nicht (hier).

Kfz-Steuer in den Niederlanden

In den Niederlanden soll eine verbrauchsorientierte Kfz-Steuer das herkömmliche System ersetzten (hier und hier). In Zukunft sollen alle Autos nach der Anzahl der gefahrenen Kilometer besteuert werden - dafür fällt die "flat tax" weg.

Meiner Ansicht nach der richtige Weg, Umweltverschmutzung und Straßenabnutzung dort zu besteuern, wo sie entstehen.

Auch Greg Mankiw, der Pigou-Steuer-Fan, scheint sich zu freuen.

Freitag, 13. November 2009

Wirtschaft in 09Q3 auf Erholungskurs

Das reale Bruttoinlandsprodukt in Deutschland lag im dritten Quartal um 0,7 % über dem Wert vom Vorquartal - das ist etwas weniger als ich erwartet hatte. Dafür wurde aber der Anstieg im zweiten Quartal um 0,1 Prozentpunkte nach oben revidiert.

Das Statistische Bundesamt schreibt zu den vorläufigen Zahlen:
Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) insbesondere von den Exporten und den Investitionen in Ausrüstungen und Bauten. Allerdings stiegen auch die Importe im Vergleich zum Vorquartal kräftig an, was unter anderem zu einem Aufbau der Lagerbestände führte. Die privaten Konsumausgaben gingen dagegen zurück und bremsten das Wirtschaftswachstum.
Detaillierte Ergebnisse gibt es dann am 24. November 2009.


Donnerstag, 12. November 2009

Mittwoch, 11. November 2009

Credit Crunch? Or Not?

André Kühnlenz schreibt im Wirtschaftswunder einen schönen Überblick über die Kreditmarktentwicklung im Euroraum und in Deutschland (und zitiert netterweise aus der Gemeinschaftsdiagnose und dem Gutachten des IfWs fürs BMF).

Bottom line: Es könnte gut sein, dass wir just in diesen Monaten in die Kreditklemme laufen - jedenfalls stimmen die Zahlen zu den Kreditvolumina nicht sehr optimistisch.

Dienstag, 10. November 2009

Industrie boomte im dritten Quartal

Die Industrieproduktionszahlen für September waren noch mal "bombastisch", so dass die Industrieproduktion im dritten Quartal insgesamt gegenüber dem zweiten (real und saisonbereinigt) um 3,5 % zugenommen hat - das sind annualisierte 14,8 %. Das heißt, dass das BIP im dritten Quartal eigentlich um mehr als 1 % zugenommen haben müsste - die Zahlen werden am 13.11. bekannt gegeben.

Ich hatte im Übrigen nach Bekanntgabe der August-Zahlen eine annualisierte Rate von 13,2 % für die Industrieproduktion geschätzt - jetzt ist es noch besser gekommen.

Eine Studie - zwei Meldungen

Die FTD betont mittelfristiges Preissenkungspotential für die Gaspreise und SPON macht eine Schlagzeile damit, dass es langfristig wohl zu wenig Erdgasförderung geben wird, um bei heutigen Bedingungen die Nachfrage zu befriedigen, und dadurch die Preise wohl stark steigen werden.

Beide Meldungen basieren auf der gleichen Studie der IEA.

Fazit: Gerade wenn's um Prognosen geht...immer genau lesen. Was wird prognostiziert? Auf welchen Prognosehorizont beziehen sich bestimmte Aussagen? Und wie prognostiziert man überhaupt den Weltmarkt für Erdgas im Jahr 2030?

Einstellung deutscher Ökonomen

Vor ein paar Wochen berichtete ich über eine Studie, die die Einstellung von US-Ökonomen untersucht, und fragte, ob es sowas auch für Deutschland gibt.

Jetzt gibt es es: Ulrich Fritsche hat in seinem Blog einen Aufsatz von Frey et al. verlinkt, in dem die Autoren eine Umfrage unter den Mitgliedern des Vereins für Socialpolitik auswerten.

Bottom line: Der deutsche Ökonom ist Neoklassiker und findet, dass man in einem Forschungsbereich richtig, richtig, richtig gut sein sollte.

Montag, 9. November 2009

Ostdeutschland 20 Jahre nach dem Mauerfall

Michael Burda, amerikanischer Ökonom und Professor in Berlin, findet, dass der Aufholprozess in Ostdeutschland schon ganz schön weit vorangekommen ist - und das stimmt ja auch, wenn man sich die Ausgangslage (in Bezug auf Prokopfeinkommen) 1990 und den derzeitigen Stand vor Augen hält.

Er schreibt aber auch in seinem Fazit:
The last bit of convergence is going to be tough. It’s my guess that East Germany in the 21st century will reproduce the existing north-south divide in the West. This is because convergence is not only about equating East and West Germans’ levels of physical and human capital, but also endowing them with the same level of social, institutional, business and marketing infrastructure. On this metric, the Eastern German economy looks like a mixed bag, like much in life, a glass half-empty and half-full at the same time.
HWS schlägt dazu vor, die Sozialtransfersätze (speziell ALG II) nach dem jeweiligen lokalen Preisniveau zu differenzieren, um Arbeitsanreize zu schaffen. Nun ja...das ist wohl einer jener Ökonomenvorschläge, die so fern jeder politischen Durchsetzbarkeit sind, dass man sie schnell wieder vergessen sollte.

Samstag, 7. November 2009

Brown für Beteiligung der Banken an "Aufräumkosten"

Gordon Brown scheint sich dafür einzusetzen, die Banken über Transaktionssteuern an den Krisenkosten zu beteiligen. Von der Zielsetzung her finde ich das begrüßungswert. Ich denke aber, dass man das besser über eine progressive Steuer auf die Bilanzsumme lösen könnte - weil dies neben Einnahmen auch noch Externalitäten (systemisches Risiko durch Großbanken) da besteuern würde, wo sie entstehen (siehe auch hier und hier).

Sollte das nicht durchsetzbar sein - die Transaktionssteuer aber wohl...dann nur her damit!

Lesestoff 2009-11-07

Diese Woche bin ich oft fündig geworden. Hier die zur Abwechslung mal etwas längere Liste:
  1. Das Unbehagen über die andauernde Nullzinspolitik nimmt zu. Wolfgang Münchau plädiert für einen baldigen Exit (hier und hier) und auch Nouriel Roubini warnt.
  2. Das Handelsblatt meint in einem Leitartikel, dass der Ausspruch "Don't waste a crisis." von Rahm Emanuel nicht befolgt wurde - und die Politik international nach Ausbruch der Finanzkrise die Regulierung nur sehr marginal verbessert hat.
  3. Auch aus dem Handelsblatt ein Kommentar zu dem, was die Sozial- und im Speziellen Wirtschaftswissenschaften in der Politikberatung leisten können/sollten.
  4. Und noch mal aus dem Handelsblatt ein Bericht über eine Studie, die sich damit befasst, ob die herrschenden Bilanzregeln ursächlich für den Ausbruch oder zumindest die Eskalation der Finanzkrise waren.
  5. Und schließlich möchte ich noch auf die neue Prognosebörse hinweisen, die das Handelsblatt, das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, das Institut für Informationswirtschaft- und management und das Forschungszentrum Informatik, die beide dem Karlsruher Institut für Technologie angegliedert sind, vor kurzem eingerichtet hat.
Ein schönes Wochenende!

Freitag, 6. November 2009

Zweistellige Arbeitslosenquote in den USA

In den USA ist die Arbeitslosenquote im Oktober auf 10,2 % geklettert und damit erstmals seit 1982 wieder zweistellig (hier).

Da sind wir in Deutschland bislang ja noch gut bedient (Oktober 7,7 %).

Auf Calculated Risk habe ich diesen Zyklenvergleich gefunden (hier):


Gerade die letzten Rezessionen (1990/2001) waren dadurch gekennzeichnet, dass sich der Arbeitsmarkt erst sehr langsam wieder erholte, nachdem die Wirtschaft wieder begonnen hatte zu wachsen. Von dem derzeitigen Niveau des Jobverlustes (über 5 %) ist es bei einem ähnlichen Verlauf noch ein langer, langer Weg zurück zum Vorkrisenbeschäftigungsniveau in den USA.

Krugman gegen Fama (once again)

Think about this and this.

Donnerstag, 5. November 2009

Konjunkturmotor China?

Wenn es stimmt, dass Teile der Arbeitsmarktstatistik (Arbeitsplätze für Uni-Absolventen, keine amtlichen Zahlen, aber von den Universitäten veröffentlicht) gefälscht sind, dann ist das wieder ein Indiz mehr dafür, dass auch die von der Finanzkrise wenig in Mitleidenschaft gezogenen offiziellen Zahlen für die Konjunkturentwicklung in China mit Vorsicht zu genießen sind.

Probleme im Bankensektor

Zweimal anekdotische Evidenz dafür, dass der deutsche Bankensektor noch schwer zu kämpfen hat:
  1. Die Commerzbank muss die Risikovorsorge abermals erhöhen, vor allem, um auf Kreditausfälle in Osteuropa vorbereitet zu sein (hier).
  2. Die Postbank verliert durch Geschäfte mit der inzwischen insolventen CIS (hier).
Bei der hohen internationalen Verflechtung nützt es also nichts, dass sich die Kreditausfälle in Deutschland bislang in Grenzen halten (, obwohl auch das sich in den kommenden Monaten ändern dürfte).

Dienstag, 3. November 2009

US-Arbeitsmarkt noch nicht im Aufschwung

Calculated Risk brachte heute einen Beitrag, in dem die Beschäftigungskomponente des Einkaufsmanagerindex ISM dazu genutzt wird, die Veränderung der Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe in den USA zu erklären bzw. für den abgelaufenen Monat zu prognostizieren.


CR schätzt eine einfache Regressionsgleichung um den Zusammenhang zwischen den beiden Größen abzubilden. Der "Fit" der Gleichung ist erstaunlich gut für monatliche Zeitreihen mit einer hohen Volatilität. CR kommt auf Basis der Gleichung, die in der Abbildung in dem Beitrag geschrieben steht, zu der Prognose, dass die Beschäftigung im VG im Oktober um ca. 4 000 zugelegt haben dürfte.

Zwei Punkte dazu. Ein kleinerer: Die 4 000 ergeben sich, wenn man die gerundeten Koeffizienten aus der Gleichung nutzt. Auf Basis der genauen Schätzung, die CR durchgeführt hat, ergibt sich eine Prognose von ca. 20 000 - also noch eine positivere Einschätzung.

Nun gibt es aber ein kleines Problem - und das ist der wichtigere zweite Punkt: Die Gleichung ist nicht stabil und somit die Prognose nicht optimal. Ich habe den gleichen Zusammenhang modelliert und für Brüche in der Konstanten (in Juli 1980 und März 1999) sowie in dem Koeffizienten für den ISM (in März 1980) kontrolliert. Im Ergebniss ergibt sich, dass das durchschnittliche Wachstum der Beschäftigung nach 1999 deutlich gesunken ist und dass ein Anstieg des ISM seit Anfang der 1980er Jahre nur noch einen kleineren Anstieg der Beschäftigung anzeigt. Beides zusammen führt dazu, dass die Prognose für Oktober auf Basis der korrekt spezifizierten Gleichung nur -7 500 beträgt. Der US-Arbeitsmarkt (zumindest im VG) befand sich also anders als durch CR geschätzt wahrscheinlich immer noch im Abwärtstrend!


Montag, 2. November 2009

Zinsdifferenz und Wechselkurs

Momentan hört man häufig das Argument, dass der Euro weiter gegenüber dem US-Dollar aufwerten wird, weil das Zinsniveau in den Staaten deutlich niedriger ist als im Euroraum und dies auch noch ein Weilchen so bleiben wird und weil dadurch Investitionen im Euroraum attraktiver sind und Kapital anziehen. Zuletzt hat der EZB-Schattenrat dieses Argumentation angeführt, um zu fordern, dass die EZB die Zinsen weiter senken bzw. sich klar zu einer langen Phase der Niedrigzinspolitik bekennen solle (hier).

Die Argumentation ist auf den ersten Blick plausibel. Ein zweiter Blick auf die historischen Verläuf e der Zinsdifferenz zwischen den USA und dem Euroraum (jeweils Deutschland vor 1999) sowie des $/€-Wechselkurses zeigt allerdings nichts von einem solchen Zusammenhang.


Die Daten reichen bis zum zweiten Quartal 2009. Die Korrelation zwischen den beiden Reihen beträgt 0.12 - und auch wenn man eine der beiden Reihen verzögert sieht es nicht viel besser aus.

Sonntag, 1. November 2009

Schrumpfung der Bankenriesen

Nach der von der EU-Kommission geforderten Teilung von ING steht nun auch die Regierung im Vereinigten Königreich davor, die verstaatlichten Banken in Teilen zu verkaufen und so drei neue Großbanken zu schaffen (hier). Die Idee dahinter: Man möchte erstens den Wettbewerb im Bankensektor anfachen und zweitens das Problem des "Too-big-to-fail" minimieren - wobei dies wohl "never ever" realisiert werden kann, wenn selbst der Bankrott von Banken wie der HRE, der IKB oder der HSH-Nordbank als systemgefährdend eingestuft wird.

Die FTD kommentiert wohlwollend aber auch ein wenig skeptisch.

Samstag, 31. Oktober 2009

Lesestoff 2009-10-31

Und wieder eine Woche vorbei...
  1. Geogre Soros hat sich mit einem Gastbeitrag zu nötigen Regulierungsmaßnahmen für die Finanzmärkte zu Wort gemeldet.
  2. Ein Beitrag im WSJ über Finanzkrise, die Hypothese der effizienten Finanzmärkte und wie beides zusammenpasst.
  3. Eine detaillierte Betrachtung der BIP-Zahlen für die US-Ökonomie findet sich in der FTD. (Ein "Lebenszeichen" muss ja nicht viel sein, ich bleibe relativ pessimistisch, was die weitere Entwicklung in den USA angeht.)
  4. Auch Paul Krugman bleibt skeptisch, was eine kräftige Erholung angeht (hier und hier).
Ein schönes Wochenende.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Robuster Arbeitsmarkt

Die Arbeitsmarktentwicklung hat im Oktober wieder mal überrascht. Die Zahl der Arbeitslosen sank sogar saisonbereinigt - und das kurz nach der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte.

Ausschlaggebend dafür dürfte neben dem Instrument der Kurzarbeit auch die moderate Lohnentwicklung der vergangenen Jahre gewesen sein. Siehe dazu auch die Seiten 19-29 hier.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

This time is really different

Cecchetti et al. stellen in ihrem Voxeu-Beitrag eine Studie vor, in der sie die Krisenvergleiche a la Reinhart und Rogoff über Cluster-Analysen differenzierter betrachten. Sie kommen zu dem Schluss, dass die jüngste Finanzkrise sehr verschieden von historischen Krisen ist.

Ihr Ergebniss was die Konjunktur betrifft: "[...] they [the results] suggest that the major economies currently affected will regain their pre-crisis levels of output by the second half of 2010".

Ihr weisester Satz: "After all, variation is the econometrician’s friend."

Montag, 26. Oktober 2009

Angebot und Nachfrage

Justin Wolfers zeigt anschaulich, warum die Identifizierung von (aggregierter) Nachfrage- und Angebotskurve bisweilen zum Haareraufen ist.

(Keine) Kapitalerhöhungen bei deutschen Banken

Die FTD fragt "Worauf warten Commerzbank und Deutsche Bank noch?". Und genau das frage ich mich in Bezug auf das gesamte deutsche Bankensystem auch schon eine ganze Weile. Die Gründe dafür, dass sich deutsche Banken zieren, neues Kapital aufzunehmen, während der Rest der Welt sein Kapital ordentlich stärkt, haben sich mir leider noch nicht erschlossen.

Any ideas?!?

Samstag, 24. Oktober 2009

Lesestoff 2009-10-24

Viel Spaß beim Lesen für diese Woche:
  1. Schwedens Finanzminister (vom letztjährigen GES kann ich sagen: ein sehr lustiger Typ) fordert die Beteiligung des Bankensektors an den Kosten der impliziten Staatsgarantien über eine weltweite "Stabilitätsgebühr" von 0,036 Prozent der jeweiligen Bankverbindlichkeiten.
  2. Ein interessanter Aufsatz von Biggs et al. über den Zusammenhang zwischen Konjunktur und der Entwicklung des Kreditvolumens.
  3. In den USA steigt der Druck, die unkonventionellen Maßnahmen zurück zu nehmen und die Geldpolitik wieder weniger expansiv zu gestalten.
  4. Paul Krugman sorgt sich über die Manipulation des Wechselkurses zwischen dem Chinesischen Yuan/Renminbi und dem US-Dollar.
Ein schönes Wochenende!

Bankensterben wird dreistellig

Die Reihe von Bankenpleiten in den USA geht unvermindert weiter. Ich hatte schon länger auf die 100. für dieses Jahr gewartet - und dann traf es gestern direkt sieben Institute, so dass die Zahl der Pleiten nun bei 106 für das Jahr 2009 steht.

Zum Glück betrifft das nur kleinere Regionalbanken; aber die Entwicklung zeigt trotzdem, dass noch nicht wieder alles in Ordnung ist.

Freitag, 23. Oktober 2009

Rekordrezession im UK

Die Briten trifft's härter und härter - dort ist die Rezession immer noch nicht vorbei. Auch im dritten Quartal ging die Wirtschaftsleistung zurück - zum sechsten Mal in Folge.

In Deutschland lief's ja schon im zweiten Quartal besser - und die Daten für's dritte, die am 13. November veröffentlicht werden, dürften noch mal deutlich besser sein.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

"30 Euro "-Banknote

Eine "30 Euro"-Banknote wäre doch mal was Neues gewesen. Schade. ;-)

Tricksen, täuschen, tarnen...

"Tricksen, täuschen und tarnen" scheint ja in der Finanzpolitik derzeit schwer in Mode zu sein, um die Wahrheit zu vernebeln. Bei den Koalitionsverhandlungen und auch bei der Berechnung der Bildungsausgaben (hier).

Bislang kannte man sowas doch nur aus der Arbeitsmarktpolitik...

Schattenhaushalt

In der Tat eine ziemliche Frechheit, was finanzpolitisch momentan anscheinend verhandelt wird bei den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP (hier).

Wenn die Regierung in spe meint, Wachstumsimpulse durch nicht gegenfinanzierte Ausgaben setzen zu müssen (es könnte ja sein, dass das im Moment sogar angebracht ist, wie einige Kommentatoren (z.B. hier) meinen), dann soll sie das gefällist im offiziellen Haushalt machen.

Intransparenzen in der Finanzpolitik scheint es im Euroraum ja leider schon zu Genüge zu geben (hier) - da braucht Deutschland nicht noch mitzumachen.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Zinsen im Euroraum

Dieterm Wermuth prognostiziert in seinem Investment Outlook, dass die EZB die Zinsen im kommenden Jahr weiter senken wird.

Im Gutachten der Gemeinschaftsdiagnose haben wir diesen Schritt zwar gefordert - sind aber nicht davon ausgegangen, dass die EZB es wirklich macht, weil einige Gründe aus Sicht der EZB wohl dagegensprechen bzw. einige Indizien andeuten, dass die EZB es nicht tun wird (Seite 66).

Ich muss aber zugeben, dass wir dem Wechselkursargument keine große Aufmerksamkeit gewidmet haben (Hintergrund: Die Zinsen im Euroraum sind höher als in allen anderen großen Währungsräumen - es ist also lohnend derzeit hier Geld anzulegen. Dafür braucht man dann erst mal Euros und die Nachfrage nach diesen treibt den Europreis, dito den Wechselkurs gegenüber anderen Währungen (vor allem dem US-Dollar), nach oben.).

Strategie gegen Finanzkrise

Eben ist mir ein außergewöhnlich guter Artikel auf SPON aufgefallen, in dem der Autor dafür plädiert, die Banken stärker zu regulieren bzw. sogar "tief greifende Reformen am System" fordert.

Er zitiert noch mal, wie führende Banker auf die Forderung von u.a. Axel Weber, das Bankensystem stärker zu regulieren bzw. konkret keine Dividenden auszuschütten, bis die Kapitalsituation sich wieder gebessert hat, reagiert haben.

Andreas Schmitz, Chef der Trinkaus-Bank und, immerhin, Präsident des Deutschen Bankenverbands, konnte seine Empörung nur mühsam zügeln. "Es ist die ureigenste Pflicht eines Vorstands, selbst zu erkennen, wenn er Gewinne einbehalten sollte", ließ er sich zitieren. "Da braucht er keinen Hinweis von Herrn Professor Weber."

Dazu habe ich hier eigentlich schon alles gesagt - und stimme mit Wolfgang Kaden überein.

Kaden schreibt im weiteren Text (und dem ist in weiten Zügen uneingeschränkt zuzustimmen):
[...] Zukünftig sollte wieder der Grundsatz gelten: Die Geldversorgung von Unternehmen und Verbrauchern ist eine hoheitliche Aufgabe. Sie obliegt den (staatlichen) Notenbanken. Die Geschäftsbanken handeln als der verlängerte Arm der Notenbanken, quasi als deren Hilfsorgane. Sie sind daher auch nicht mit anderen Unternehmen zu vergleichen. "Die Funktionsfähigkeit der Banken ist ein öffentliches Gut", sagt zu Recht Hannes Rehm, der Sprecher des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin). [...]

Totale Sicherheit wird es in einer freiheitlich organisierten Wirtschaftsordnung nicht geben. Dynamische Systeme sind von Natur aus instabil. Es kann immer nur um ein Mehr oder ein Weniger an Sicherheit gehen. Und das heißt: Bei aller Unvermeidlichkeit von Einbrüchen - das gesamte System der globalen Wirtschaft darf nicht mehr sehenden Auges aufs Spiel gesetzt werden. Mögen die volkswirtschaftliche Kosten für dieses Mehr an Sicherheit auch hoch sein. [...]

Eine Reform, die an die Wurzeln geht, muss das gegenwärtige System der globalen Banken in Frage stellen. Diese Monster-Institute sind heute so allgegenwärtig, dass sie bei einer drohenden Pleite erneut jede Regierung erpressen und zur Hilfeleistung mit Steuergeldern zwingen können. [...]

Sein [William Blakes] Vorschlag läuft dem aktuellen Trend zuwider: "Man muss die Banken zwingen, kleiner zu werden. Einerseits durch Regulierung, andererseits durch Steuern, die höher werden, desto größer sie sind." [...]

Lassen sich Banken wirklich klein-regulieren? Das wird eine schwierige Operation, zumal sie nur Erfolg haben kann, wenn alle bedeutenden Länder mitmachen. Politik und Wirtschaftswissenschaft sind gefordert. Sie dürfen sich nicht durch die Einwände der Banker irritieren lassen. Denn dass die Geldhändler sich, um auf den deutschen Banken-Präsidenten Andreas Schmitz zurückzukommen, "ihrer ureigensten Pflichten besinnen" - darauf sollten wir uns nun wirklich nicht verlassen.

Montag, 19. Oktober 2009

Sonntag, 18. Oktober 2009

Zielvariable der EZB

Das WSJ beobachtet, dass die EZB mehr und mehr auf die Kerninflationsrate schaut und nicht mehr so oft die Gesamtinflationsrate in ihrer Argumentation benutzt.

Das hätte sie besser schon im vergangenen Jahr gemacht, als zwar die Inflationsrate aufgrund der starken Ölpreissteigerungen hoch war aber die Inflationserwartungen und die Kernrate relativ stabil bei 2 Prozent lagen. Die Gemeinschaftsdiagnose hat im Herbst 2008 darauf auch hingewiesen (ab Seite 76).

Samstag, 17. Oktober 2009

Lesestoff 2009-10-17

So, hier die Links für heute:
  1. Das Buch von Carmen Reinhart und Ken Rogoff über Finanzkrisen ist erschienen. Die Autoren betrachten darin das Entstehen und den Verlauf von Finanzkrisen in den vergangenen Jahrhunderten. Wer sich für das Thema interessiert, für den ist das sicherlich eine Pflichtlektür. Eine Onlineversion kann man hier runterladen.
  2. Mal was eher BWL-lastiges: Eine Studie hat die Beweggründe und das private Umfeld von Leuten untersucht, die sich selbstständig machen. Z.T. sehr interessante Einblicke.
  3. David Altig disskutiert im Macroblog anschaulich die Rolle der Geldpolitik bei der derzeitigen Rezession.
  4. Wanne know, why the financial system collapsed? Answer is here.
  5. Und hier noch eine kurze aktuelle Meldung, die zeigt, dass der richtige Aufschwung in den USA wohl noch auf sich warten lässt.
Ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Ein paar Hinweise zur Gemeinschaftsdiagnose

Im internationalen Teil betont die Gemeinschaftsdiagnose (GD) , dass die Folgen der Finanzkrise das Wachstum noch längere Zeit dämpfen werden. Außerdem werden die Risiken betont, die sich dadurch ergeben, dass die extrem expanisve wirtschaftspolitik weltweit demnächst irgendwann beendet werden muss.

"Erhebliche Risiken für die Weltwirtschaft bergen zudem die Herausforderungen, die das Ende der Rezession für die Wirtschaftspolitik mit sich bringt. Der Ausstieg aus der expansiven Wirtschaftspolitik kann zu früh, aber auch zu spät erfolgen. In der Prognose wird unterstellt, dass der Expansionsgrad von Geld- und Finanzpolitik erst dann zurückgeführt wird, wenn die Wirtschaft nicht mehr auf die wirtschaftspolitischen Impulse angewiesen ist. Dem Finanzsektor werden im Prognosezeitraum nach und nach Stützen von Seiten der Wirtschaftspolitik entzogen. Schon im September ist die staatliche Garantie der Geldmarktfonds in den USA beendet worden, und im Oktober läuft dort ein Programm zur Übernahme von Garantien für Schuldverschreibungen von Finanzinstituten aus. Ob der Finanzsektor auf solche Hilfsmaßnahmen tatsächlich nicht mehr angewiesen ist, muss sich erst noch erweisen."

Für den Euroraum und Deutschland wird die Gefahr einer Kreditklemme betont; für das Basisszenario spricht aber einiges dafür, dass nötige Maßnahmen getroffen werden, um das schlimmste zu verhindern.

"Aufgrund der noch zu tätigenden Abschreibungen im Bankensektor ist ferner damit zu rechnen, dass die Standards für Unternehmenskredite im Verlauf des Prognosezeitraums noch weiter verschärft werden. Zu einer ausgeprägten Kreditklemme wird es im Euroraum aber wohl nicht kommen, da bereits staatliche Programme zur Stützung des Kreditangebots bestehen und die Politik mit weiteren Maßnahmen reagieren dürfte, sollte sich abzeichnen, dass die Gefahr einer Unterversorgung der Wirtschaft mit Krediten deutlich zunimmt."

"In den kommenden Quartalen dürfte sich die Situation auf dem Kreditmarkt verschlechtern, weil der Bankensektor aus verschiedenen Gründen Abschreibungen wird vornehmen müssen und dadurch die Eigenkapitalausstattung einer zunehmenden Anzahl von Banken zurückgehen dürfte. Quantitativ am bedeutsamsten werden wohl nun nicht mehr Abschreibungen auf „toxische“ Wertpapiere sein, sondern die durch eine steigende Zahl von Unternehmensinsolvenzen konjunkturell bedingten Abschreibungen. Zusätzlich wird die Bilanzsituation der Banken wohl weiter dadurch belastet, dass sich der Prozess von Bonitätsherabstufungen fortsetzt. Selbst ohne Realisierung von Abschreibungen sinkt dadurch aufgrund der höheren Gewichtung von risikoreicheren Anlagen die risikogewichtete Eigenkapitalquote der Banken. Während bisher in erster Linie Groß- und Landesbanken Abschreibungen vornehmen mussten, könnte es in Zukunft auch verstärkt die Genossenschaftsbanken und Sparkassen treffen, weil in den kommenden Quartalen der Großteil der Abschreibungen aus dem Kreditgeschäft, die das Kerngeschäft dieser Banken darstellt, und nicht wie bislang aus den Portfolien mit „toxischen“ Assets kommen dürfte.

Es sind jedoch verschiedene Entwicklungen denkbar, die eine Kreditverknappung kompensieren bzw. ihren Effekt abmildern könnten. So könnten Banken bei einer Verschärfung der Lage eher geneigt sein, die von der Bundesregierung bereitgestellten Instrumente zur Bewältigung von Eigenkapitalproblemen in Anspruch zu nehmen (Rekapitalisierungsmaßnahmen im Rahmen des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung sowie Einrichtung von Bad Banks im Rahmen des Gesetzes zur Fortentwicklung der Finanzmarkt stabilisierung). Eine gewisse Entspannung könnte von einer Wiederbelebung des Verbriefungsmarktes kommen, die bereits in Ansätzen zu erkennen ist. Auch haben insbesondere Großunternehmen, die laut Bank Lending Survey im weiteren Verlauf besonders stark von der zurückhaltenden Kreditvergabe betroffen sind, die Möglichkeit Schuldverschreibungen zu emittieren, zumal die Renditen in den letzten Monaten stark gesunken sind. Trotz alledem ist selbst im günstigsten Fall mit Reibungsverlusten bei der Unternehmensfinanzierung zu rechnen."

Auch um die Höhe der konjunkturbedingten Abschreibungen zu minimieren, fordern die Institute die EZB auf, den Leitzins unter das derzeitige Niveau zu senken; sie gehen aber davon aus, dass dies nicht geschehen wird.

"Die Institute gehen weiterhin davon aus, dass die EZB den Hauptrefinanzierungssatz nicht unter das derzeitige Niveau von 1 % senken wird. Erstens scheint sie die Risiken, die sich aus einem Zinssatz nahe 0 % für das Funktionieren bestimmter Bereiche der Finanzmärkte ergeben könnten, höher als andere Zentralbanken einzuschätzen. Zweitens hat sie ein Hauptziel, das sie seit Ausbruch der Finanzkrise verfolgte, nämlich den Geldmarkt wiederzubeleben, durch ihre liquiditätspolitischen Maßnahmen erreicht, auch wenn dieser noch nicht wieder voll funktionsfähig ist. Drittens hat die EZB durch die relative Verschiebung der Fristigkeiten der angebotenen Refinanzierungsgeschäfte hin zu längeren Laufzeiten direkt die Geldmarktzinsen am langen Ende gedrückt. Schließlich hat sie mit dem Aufkaufprogramm für Pfandbriefe gezeigt, dass sie eher gewillt ist, punktuell auf bestimmten Marktsegmenten für langfristige Anlagen mit quantitativen Lockerungsmaßnamen zu intervenieren, als das kurzfristige Zinsniveau weiter zu senken.
Die Maßnahmen der EZB, die über die Zinspolitik hinausgehen, sind zu begrüßen, denn sie haben die durch die Finanzkrise beeinträchtigte Funktionsfähigkeit des Bankensektors verbessert. Darüber hinaus sprechen die aufgrund der persistent niedrigen Kapazitätsauslastung sowie der Verlangsamung der breiten Kredit- und Geldmengenentwicklung niedrigen Inflationserwartungen dafür, den Hauptrefinanzierungssatz auf 0,5 % zu senken. Dies hatten die Institute in ihrer Diagnose vom Frühjahr empfohlen. Allerdings könnte eine Zinssenkung im Widerspruch zu der Notwendigkeit stehen, die Liquiditätsbereitstellung auf ein Normalmaß zurückzuführen, so dass sich der Tagesgeldsatz wieder an den Hauptrefinanzierungssatz anpasst und von der reichlichen Liquidität keine Gefahren für die Preisstabilität auf Finanz- und Gütermärkten ausgehen."

Hervorgehoben wird die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt in Deutschland, die vor allem auf zwei Faktoren zurückgeführt wird: Hortung von Arbeitskräften wegen Fachkräftemangels und die Lohnmoderation der vergangenen Jahre.

"Dass sich die Lage am Arbeitsmarkt in Anbetracht der Krise so wenig verschlechtert hat, dürfte zum einen eine Folge des im vergangenen Aufschwung beobachteten Fachkräftemangels sein. Das Horten von Arbeitskräften wurde zudem durch den erweiterten Zugang zum Instrument der Kurzarbeit und flexiblere tarifvertragliche Regelungen wie Arbeitszeitkonten erleichtert. Zum anderen dürfte die bemerkenswerte Lohnmoderation der vergangenen Jahre eine Rolle gespielt haben. Hierdurch ist die Relation von realen Lohnkosten zu Produktivität nach 2003 zunächst deutlich gesunken, um sich dann mit der 2006 einsetzenden Zunahme des Arbeitsvolumens und ab 2008 auch wegen des stärkeren Lohnanstiegs wieder ihrem alten Niveau anzunähern. Gleichwohl lag sie zu Beginn der Rezession deutlich unterhalb ihres Standes vor Beginn der Lohnmoderation. Ohne die Rezession hätte sich deshalb der Anstieg des Arbeitsvolumens im Jahr 2009 wohl fortgesetzt."

Ansonsten ist noch der Abschnitt über die mittelfristige Haushaltskonsolidierung (ab Seite 66) interessant.

Herbstgutachten der Gemeinschaftsdiagnose

Heute um 11h wurde das Gutachten der Gemeinschaftsdiagnose offiziell veröffentlicht. (Es kann z.B. hier eingesehen werden.) Die Institute gehen für dieses Jahr von einem Rückgang des realen BIP um 5 Prozent aus und für das kommende Jahr von einem Anstieg um 1,2 Prozent. Weitere Kommentare später.

Update: Erste Pressemeldungen zum Herbstgutachten (SPON, FTD, Handelsblatt, SZ, FAZ).

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Prognosen in der Krise

Paul Krugman spricht sich dafür aus, Prognosen zurzeit stärker auf fundamentalen Analysen der Situation und weniger auf konventionellen Frühindikatoren zu basieren.

Für Prognosen, die - sagen wir mal - das kommende Jahr betreffen, ist dem zuzustimmen, weil - gerade was die monetären Indikatoren angeht - die Zusammenhänge zwischen Variablen durch die Finanzkrise und das sehr niedrige Zinsniveau wahrscheinlich andere sind als in den historischen Daten. Für die laufende Entwicklung und das nächste Quartal sind die konventionellen Indikatoren (wie Auftragseingänge, Unternehmensbefragungen und Ähnliches) und Modelle aber sicherlich immer noch hilfreich, weil die Auswirkungen der Krise ja auch in den Indikatoren reflektiert wird.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Industrieproduktion in 09Q3

Nachdem die Industrieproduktionsdaten für August veröffentlicht wurden und auch die Auftragseingänge für August vorliegen, kann man die Entwicklung der Industrieproduktion im Durchschnitt des dritten Quartals schon recht gut abschätzen. Interessant für die Schätzung des BIP im dritten Quartal ist dann die daraus abgeleitete Entwicklung der Bruttowertschöpfung im produzierenden Gewerbe.

Ich habe meine Modelle gerade “angeschmissen” und komme zu den folgenden Ergebnissen. Für die Industrieproduktion (ohne Bau) schätze ich eine annualisierte Rate von 13.2 Prozent für’s dritte Quartal. Für die Veränderung der realen Bruttowertschöpfung im produzierenden Gewerbe ergibt sich auf Basis dieser Zahl und anderer Modelle auf Basis der Auftragseingänge eine durchschnittliche Prognose von 13.1 Prozent, wobei die Modelle auf Basis der Produktion mit 11.5 Prozent im Durchschnitt deutlich unter den Modellen auf Basis des Auftragseingangs (18.2 Prozent) liegen.

(Ich verwende hier den Ansatz, die Prognosen mehrere Modelle zu mitteln. Üblicherweise erhält man damit eine höhere Prognosequalität. Vielleicht später mal ein ausführlicher Post zu diesem Thema.)

Montag, 12. Oktober 2009

Lowercase W = Wellblech

In den USA ist die Beschreibung des Konjunkturprofils anhand von Buchstaben schwer en vogue. Jetzt werden sogar schon Kleinbuchstaben zur Differenzierung der unterschiedlichen Sichtweisen herangezogen.

Ich kann mich erinnern, dass in Deutschland während der Schwächephase zwischen 2002 und 2005 der Ausdruck von der "Wellblechkonjunktur" häufig bebraucht wurde, um zu beschreiben, dass es keinen richtigen Aufschwung gab, sondern immer wieder kleine Rückschläge und Erholungsansätze. (Der Begriff wurde auch in den 1980er Jahren schon gebraucht.)

Zu übersetzen scheint das heutzutage mit "lowercase W" zu sein. Da ist der deutsche Begriff doch viel schöner und man sollte den Amis mal zu etwas mehr Kreativität raten.

And the Winner Is...

Soeben wurde bekannt gegeben, dass in diesem Jahr Elinor Ostrom und Oliver E. Williamson den "Wirtschaftsnobelpreis" erhalten. Ostrom hatte wohl niemand "auf dem Schirm", während Williamson auf den Kandidatenlisten stets oben dabei war.

Update: Elinor Ostrom ist nebenbei die erste Frau, die den Wirtschaftsnobelpreis erhält.
Update 2: Eine Einschätzung von Paul Krugman.
Update 3: Ein Kommentar von Steven Levitt ("[...] the economics profession is going to hate the prize going to Ostrom even more than Republicans hated the Peace prize going to Obama. Economists want this to be an economists’ prize (after all, economists are self-interested). This award demonstrates, in a way that no previous prize has, that the prize is moving toward a Nobel in Social Science, not a Nobel in economics.")

Update: Wetten auf "Nobelpreisträger" für Wirtschaftswissenschaften

Hier die Vorhersagen der Teilnehmer des Tippspiels an der Harvard-Universität.

Bald wissen wir mehr...!

Samstag, 10. Oktober 2009

Lesestoff 2009-10-10

Heute starten wir mal wieder mit einem Beitrag zur Krise der Ökonomie:
  1. Im Handelsblatt ein Auszug aus dem neuen Buch von Olaf Storbeck, in dem er die Diskussion über den falschen Fokus in der VWL aufnimmt. U.a. spricht er über den Beitrag von Colander et al. (hier).
  2. In der Zeit ein Interview mit Timothy Geithner über Finanzmarktregulierung, die Sparquote in den USA, die internationale Koordination der Wirtschaftspolitik und den Wert des US-Dollars.
  3. Der Economist kommentiert das Wahlergebnis in Deutschland. (Mal nett einen Blick von außen zu lesen...aber im Endeffekt wenig originell.)
  4. Außerdem meint er, in China (noch) keine Blasen zu sehen. (Anders als die SG-Studie und der IWF.)
Allen ein schönes Wochenende.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Wetten auf "Nobelpreisträger" für Wirtschaftswissenschaften

Eugene Fama scheint bei den Wettanbietern der Favorit auf den Nobelpreis zu sein. Eigentlich komisch; denn ich denke/glaube/hoffe, dass mitten in der schwersten Finanzmarktkrise seit Jahrzehnten nach einer der größten Vermögenspreisblasen der Geschichte nicht ein Vertreter unseres Fachs geehrt werden sollte, der bis heute die uneingeschränkte Effizienz der Kapitalmärkte postuliert und die Existenz von Blasen so oft und gut wie möglich leugnet (hier und hier).

Deutsche Bankenaufsicht

Die Regierung in spe scheint sich darauf geeinigt zu haben, die deutsche Bankenaufsicht in Zukunft komplett bei der Bundesbank anzusiedeln (hier und hier). Diese soll demnach die Zuständigkeiten der BaFin übernehmen. Dies ist sicherlich ein guter Schritt, wenn man die Abstimmungsprobleme während der Finanzkrise bedenkt (dem ersten größeren Ernstfall für die Bankenaufsicht in Deutschland) und die Tatsache, dass Stabilität im Bankensektor, Geldpolitik und makroökonomische Entwicklung sehr interdependent sind (siehe einen Forschungsbeitrag von mir und Koautoren dazu).

Freakonomics

Wozu Ökonomen doch alles gut sind (hier).

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Europäische Finanzaufsicht

Wolfgang Münchau plädiert für die mittelfristige Einführung einer gesamteuropäischen Finanzaufsicht, um die transnationalen Finanzmärkte effektiver kontrollieren zu können. Ökonomisch sicher angesagt - politisch wahrscheinlich nicht durchsetzbar.

Auftragseingänge in der Industrie

Weiter positive Signale von den Auftragseingängen in der deutschen Industrie - zumindest auf den ersten Blick. Insgesamt stiegen diese im August um 1,4 % - das ist der sechste Anstieg in Folge. ABER: 1) liegen sie noch immer ca. 20 % unter dem Vorjahreswert, 2) gingen die Aufträge aus dem Inland zurück, während nur jene aus dem Ausland zulegten, 3) beschleunigte sich der Rückgang der Auftragseingänge bei den Konsumgüterproduzenten.

Für eine starke interne Dynamik des "Aufschwungs" spricht das nicht!

Zinswende

Wird nach Israel und Australien auch die Fed bald die Zinsen erhöhen? Ich denke, das wird noch ein bisschen dauern. Aber sie wird wohl früher damit beginnen als die EZB (hier).

Liquidität und Solvenz

Willem Buiter beschreibt in seinem Blog noch mal anschaulich den Unterschied zwischen Liquidität und Solvenz im Bankensektor und welche ökonomischen Implikationen dieser hat. Er zeigt, dass sich die Politik im vergangenen Jahr in erster Linie versucht hat die Liquidität im Bankensystem wiederherzustellen bzw. die Banken dahin zu treiben viel zu viel liquide Aktiva zu halten, während eigentlich die Zentralbanken einfach nur als letzte Instanz für "Notliquidität" herhalten könnten. Im Gegensatz dazu wurde laut Buiter sträflich vernachlässigt das Solvenzproblem im Bankensektor auch nur annähernd ausreichend zu thematisieren und darauf wirtschaftspolitisch zu reagieren.

Hintergrund: Nach dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise im vergangenen Herbst konnten Banken nicht mehr auf dem "freien Markt" kurzfristig liquide Aktiva handeln, weil das Vertrauen zwischen Banken weg war. Das wurde durch die Notenbanken aufgefangen. Aber es ist immer noch so, dass die Banken viel mehr Liquidität halten als sie eigentlich benötigen, weil sie immer noch nicht sicher sind, ob sie im Notfall schnell genug Mittel am Markt aufnehmen können, wenn es bei ihnen zu einem Liquiditätsengpass kommt. Hier geht es also um kurzfristige Liquiditätsengpässe.

Dagegen ist das Hauptproblem im Bankensektor (weswegen auch über eine Kreditklemme orakelt wird), dass das Eigenkapital der Banken relativ zu ihrer Bilanzsumme zu gering ist - die durchschnittliche Bank steht der Insolvenz näher als es gut wäre. Hier geht es also um eine Schieflage in der Bilanz der Banken. Dieses Problem ist aber - gerade in Deutschland - bislang noch nicht mit besonders viel Energie angegangen worden.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Interbankenmarkt

Europe EconoMonitor hat einen interessanten Beitrag über den Interbankengeldmarkt im Euroraum, in dem die Ergebnisse der "Geldmarktumfrage" der EZB interpretiert werden.

Die wichtigste Schlussfolgerung scheint zu sein, dass bei Weitem noch nicht wieder alles im Lot ist im Bankensektor - vor allem kleinere und mittelgroße Banken scheinen immer noch immense Schwierigkeiten zu haben sich am Markt kurzfristig Liquidität zu beschaffen:
"Our impression is that there is a non-negligible part of the banking system plainly cut-off from market funding."
Noch keine Vollständige Entwarnung also was die Bankenkrise angeht!

Montag, 5. Oktober 2009

Der "Quasi-Bankrott"

George Soros hat sich zum Zustand der US-amerikanischen Wirtschaft und seines Bankensystems im besonderen geäußert. Sein Fazit: Das Bankensystem ist faktisch bankrott und eine kräftige Erholung nicht in Sicht.

Vielleicht etwas pointiert - aber wenn Soros eine Meinung hat sollte man auf jeden Fall zweimal drüber nachdenken.

Einziger Punkt, in dem ich gar nicht zustimme: Ich denke die Reihe von Zinsanhebungen wird im Euroraum später einsetzen als in den USA.

Dividendenmoratorium für Banken

Axel Weber, Chef der Bundesbank, plädiert dafür, im Notfall Banken mit einem Verbot von Dividenenausschüttungen dazu zu zwingen, mehr Eigenkapital aufzubauen, sollten diese dies nicht von alleine tun.

J. Ackermann wird dazu zitiert:
"Man muss auch die Aktionäre zufriedenstellen."
Und Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken und Chef von HSBC Trinkaus & Burkhardt:
"Es ist die ureigenste Pflicht eines Vorstands, selbst zu erkennen, wenn er Gewinne einbehalten sollte. Da brauche ich keinen Hinweis von Herrn Professor Weber."
Da fragt man sich vor allem beim letzten Zitat, wie dann letztes Jahr Banken zuhauf vor der Insolvenz standen. Anscheinend hatten die Herren Banker jedenfalls bis dahin Schwierigkeiten einzuschätzen, wie viel Eigenkapital sie brauchen!

Samstag, 3. Oktober 2009

Lesestoff 2009-10-03

Hier die neuen "Fundstücke":
  1. Während der Arbeiten zur Gemeinschaftsdiagnose habe ich mich mal wieder ein wenig mit der Finanzkrise befasst. Ein Aufsatz von Bezemer weist darauf hin, dass eine bestimmte Art von Modellen, nämlich jene die Finanzierungsströme berücksichtigt, wirkungsvoll bei der Identifizierung der Krise waren. (Hier die Kurzzusammenfassung.)
  2. In der Zeit habe ich ein interessantes Streitgespräch zwischen dem Jesuitenpater Friedhelm Hengsbach und dem ordoliberalen Ethiker Karl Homann gefunden, in dem die beiden über das moralische Fundament des Kapitalismus diskutieren.
Ein schönes Wochenende!

Freitag, 2. Oktober 2009

Schwache Binnennachfrage in den USA

In den USA scheint die Binnennachfrage immer noch am Boden zu liegen. Nachdem, der Einkaufsmanagerindex für Chicago bereits wieder unter die "Expansionsschwelle" gesunken war, lassen die neuen Daten zum Automarkt vermuten, dass die Erholung der vergangenen Monate ausschließlich auf die US-Version der "Abwrackprämie" zurückzuführen war.

Vieles spricht im Moment dafür, dass die Erholung der Wirtschaft in der größten Volkswirtschaft der Welt schwach bleiben wird.

Mittwoch, 30. September 2009

Blase in China

Nun warnt mit dem IWF auch die erste internationale Organisation vor Übertreibungen in China. So die Aussage im heute veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht. (Siehe auch hier.)

Dienstag, 29. September 2009

Auswertung der Wahlprognosen

Wie versprochen hier eine kurze Auswertung der Wahlprognosen.


FR-
Prognosemarkt
betfair-Prognosemarkt infratest-
dimap
CDU -2.2 1.0 1.2
SPD 2.0 2.6 3.0
FDP -1.8 -1.1 -0.6
Grüne 0.0 0.7 -0.7
Linke -0.7 -0.6 -0.9
Sonstige 2.9 -2.6 -2.0
Ungew. MAE 1.6 1.4 1.4
Ungew. RMSE 4.5 4.0 4.0
Gew. MAE 1.7 1.4 1.5

IfD Allensbach Forschungsgruppe Wahlen Forsa
CDU 1.2 2.2 -0.8
SPD 1.0 2.0 2.0
FDP -1.1 -1.6 -0.6
Grüne 0.3 -0.7 -0.7
Linke -0.4 -0.9 0.1
Sonstige -1.0 -1.0 0.0
Ungew. MAE 0.8 1.4 0.7
Ungew. RMSE 2.2 3.7 2.3
Gew. MAE 0.9 1.7 0.9


"Gewonnen" hat demnach ein Anbieter, Forsa, den ich bei der Auflistung am Samstag noch vergessen hatte (Danke an Conny Jers für den Hinweis). Sowohl nach dem ungewichteten absoluten Prognosefehler (Ungew. MAE) als auch dem (nach Stimmanteilen) gewichteten absoluten Prognosefehler (Gew. MAE) liegt Forsa vorne. Einzig nach der Wurzel des mittleren quadratischen Prognosefehlers (RMSE) hat das Institut für Demoskopie Allensbach die Nase vorne.

Für weitergehende Analysen habe ich im Moment leider nicht die Zeit. Auffällt aber, dass das Wahlergebnis der SPD durch die Bank überschätzt wurde - es lag letztendlich noch unter den pessimistischen Wahlprognosen.

Samstag, 26. September 2009

Prognosen - Bundestagswahl 2009

Eine Übersicht über die letzten Wahlprognosen vor der Bundestagswahl (ich werde nach der Wahl dann kurz beleuchten, welche relativ gut und welche relativ schlecht abgeschnitten haben).


infratest-
dimap
IfD Allensbach Forschungsgruppe Wahlen

CDU 35.0 35.0 36.0

SPD 26.0 24.0 25.0

FDP 14.0 13.5 13.0

Grüne 10.0 11.0 10.0

Linke 11.0 11.5 11.0

Sonstige 4.0 5.0 5.0

Total 100.0 100.0 100.0



















FR-
Prognosemarkt
betfair-Prognosemarkt
CDU 31.7 34.8
SPD 25.0 25.6
FDP 12.8 13.6
Grüne 10.7 11.4
Linke 11.3 11.4
Sonstige 8.9 3.4
Total 100.3 100.0





























Lesestoff 2009-09-26

Heute ein bisschen "harte Kost" für nicht-Ökonomen...aber nicht uninteressant:
  1. Eine Rede von Charles Bean auf der EEA-Tagung in Barcelona. Insbesonder lesenswert seine Beschreibung des Vorfelds der Krise (Seite 2ff.) und seine Schlussfolgerungen (Seite 16f.).
  2. Richard Posner findet, dass Keynes' The General Theory of Employment, Interest, and Money "is the best guide we have to the crisis".
  3. Sehr lesenswert auch zwei Kapitel des neuen World Economic Outlooks des IWFs. Kapitel 3 analysiert welche Folgen das Platzen von Asset-Preis-Blasen in der Vergangenheit hatte und wie Geldpolitik damit umgehen sollte.
  4. Im Kapitel 4 wird untersucht, wie sich das mittelfristige Wachstum nach Finanzkrisen in der Vergangenheit üblicherweise entwickelt hat. Die schlechte Nachricht: Meistens wurde der Vor-Krisen-Produktionstrend nicht wieder erreicht, sondern die Produktion verlief entlang einem neuen - niedrigeren - Pfad.
Ein schönes Wochenende!

(Kommende Woche bin ich auf Dienstreise...und werde - wenn überhaupt - nur gelegentlich bloggen können.)