Samstag, 25. Juli 2009

Urlaub

So, bin bis zum kommenden Wochenende in Urlaub. Kein Posting bis dahin. Kommentare und Fragen werden dann danach beantwortet.

Lesestoff 2009-07-25

Und hier wieder ein wenig Lektüre fürs Wochenende:
  1. Ulrich Thielemann nimmt im Wirtschaftsdienst (hier der vom Wirtschaftswunder verlinke Beitrag) auf den Streit unter deutschen Ökonomen Bezug und merkt an, dass die Diskussion seiner Meinung nach völlig an der Kernproblematik unserer Wissenschaft vorbeigeht.
  2. Die EZB hat in ihrem Monatsbericht für Juli einen Aufsatz über die fiskalischen Belastungen aus den Programmen zur Rettung der Bankensektoren in den europäischen Ländern. Guter Überblick mit interessantem Zahlenmaterial (hier, S. 63-74).
  3. Im Monatbericht der Bundesbank findet sich auf den Seiten 31-47 der Aufsatz über die Tragfähigkeit der deutschen Staatsfinanzen, der in den letzten Tagen unter dem Schlagwort "Rente mit 69" Furore in den Nachrichten gemacht hat (z.B. hier).
Die nächste Woche über bin ich in Urlaub. Deswegen wird die nächste Ausgabe wohl erst wieder in zwei Wochen erscheinen. Bitte ein bisschen Geduld bis dahin...

Mittwoch, 22. Juli 2009

Update: Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit

Zu meinem Post von gestern noch ein kleiner Nachtrag: Auch Nouriel Roubini ("Dr. Doom") befürchtet, dass der einsetzende Abschwung am Arbeitsmarkt die Gesamtlage in den kommenden Monaten weltweit deutlich verschlechtern wird und einer wirtschaftlichen Erholung entgegenwirkt. Unter anderem merkt er an:
"Fügt man in Kreditausfallsmodelle eine Arbeitslosenrate von zehn oder elf Prozent ein, ergeben sich hässliche Zahlen. Und das nicht nur bei Eigenheimen, sondern auch bei Gewerbeimmobilien, Kreditkarten, Studien- und Autokrediten. Die Verluste der Banken aus ihren toxischen Papieren und ihr Kapitalbedarf werden viel höher sein als angenommen, und das wiederum wird die Kreditklemme verschärfen."
Erhöhte Arbeitslosigkeit wirkt also nicht nur über eine Dämpfung der privaten Nachfrage sondern hat über das Bankensystem auch indirekte Auswirkungen, weil das Kreditangebot aufgrund der fälligen Abschreibungen auf (vor allem) Konsumentenkredite deutlich abnehmen wird.

Dienstag, 21. Juli 2009

Update 2: Credit Crunch

Hier der Link zu einem Kommentar der FTD zu den Gerüchten über Bankenzwangs-kapitalisierungsmaßnahmen in Deutschland. Tenor: Zu spät, zu spät, zu spät!

Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit

Zurzeit wird (auch international) die gute Performance des deutschen Arbeitsmarktes vor dem Hintergrund der enormen Wirtschaftskrise bestaunt. Während die Produktion weitaus stärker eingebrochen ist als jemals zuvor, ist die Arbeitslosigkeit bislang kaum gestiegen und auch die Beschäftigung noch nicht nennenswert gesunken. Allerdings zeigt ein Blick auf die geleisteten Arbeitsstunden der Angestellten, dass pro Kopf im Durchschnitt viel weniger gearbeitet wird als noch vor ca. einem Jahr.


Dies ist - neben der Inanspruchnahme von flexiblen Arbeitszeitregelungen in den Betrieben - vor allem damit zu erklären, dass die Kurzarbeit enorm in Anspruch genommen wird. Die Zahl der Arbeitnehmer, die in Kurzarbeit ist, ist im ersten Quartal diesen Jahres (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) dramatisch gestiegen, nämlich auf knapp 1 Million Beschäftigte. (Dabei zeigt sich, dass vor allem Westdeutschland betroffen ist - ein Anstieg von 130 000 auf 810 000. Dies ist damit zu erklären, dass hier ein weitaus größerer Teil der Arbeitnehmer in der Industrie beschäftigt sind, die mit viel größeren Nachfragerückgängen zu kämpfen hat als der Dienstleistungssektor, der in Ostdeutschland relativ bedeutender ist.)


Sollte sich die Konjunktur in den kommenden Monaten nicht sehr stark erholen (wovon im Moment nicht auszugehen ist) wird die Krise wohl Ende des Jahres und im laufe des kommenden Jahres auf die Beschäftigtenzahlen durchschlagen, wenn Kurzarbeiterregelungen in großem Stil auslaufen, bzw. Betrieben trotz Kurzarbeit in die Insolvenz gehen, und die betroffenen Arbeitnehmer dann ihre Stellen verlieren. Dies dürfte dann, wegen der Einkommensverluste, auch den privaten Konsum dämpfen und eine Erholung der Konjunktur zusätzlich erschweren. Nicht so gute Aussichten also...

...trotzdem ist das Instrument der Kurzarbeit, denke ich, positiv zu bewerten, da es zumindest jene Arbeitnehmer vor Arbeitsplatzverlust - und damit mittelfristig Humankapitalverlust - schützt, deren Unternehmen wirklich nur einen temporären Nachfrageausfall überstehen müssen.

Montag, 20. Juli 2009

Update: Credit Crunch

Anscheinend neue Entwicklung im Umgang mit der Bankenkrise in Deutschland. Die Sueddeutsche Zeitung berichtet heute, dass die Bundesregierung darüber nachdenkt, "den Banken - ähnlich wie in den USA und Großbritannien - staatliche Hilfe aufzuzwingen". Dem Bericht zufolge setzt sich in den zuständigen Ministerien die Einsicht durch, dass es ein Fehler war bislang "ausschließlich freiwillige Lösungen anzubieten". Endlich! Ein solches Umdenken wurde schon lange von vielen Beobachtern (wie z.B. von der Gemeinschaftsdiagnose) gefordert.

Durch eine solche Aktion würde die Kapitalbasis des deutschen Bankensystems gestärkt und einzelne Institute hätten wieder mehr Freiraum ihr Kreditneugeschäft auszuweiten.

In meinen Augen wäre ein Einstieg des Staates ein guter Schritt hin zu einer Rekapitalisierung des Systems, bei dem die Allgemeinheit im Gegenzug für ihre Hilfe auch eine adequate Gegenleistung bekäme - nämlich in Form von Anteilen an den Banken, die nach ein paar Jahren wieder veräußert werden könnten. Leider wird es mit so einem Programm - wenn überhaupt - wohl erst nach der Bundestagswahl etwas...

Samstag, 18. Juli 2009

Lesestoff 2009-07-18

Wann hat man Zeit auch mal etwas längere Berichte und Aufsätze zu lesen, wenn nicht am Wochenende...!

Deshalb habe ich mir vorgenommen, jeweils samstags den "Lesestoff der Woche" zu veröffentlichen. D.h. jeweils eine kleine Sammlung von Hinweisen auf Texte, auf die ich während der Woche gestoßen bin oder auf die man mich hingewiesen hat und die mir lesenswert erscheinen.

Diese Woche startet die Reihe mit drei Beiträgen im Economist, auf die mich Ulrich Fritsche netterweise aufmerksam gemacht hat:
  1. Der erste Beitrag fragt sich, was mit in der Ökonomik schiefgelaufen ist und wie sich die Herangehensweise der Ökonomen an Themen ändern muss (hier).
  2. Der zweite Beitrag greift das gleiche Thema etwas detaillierter auf (hier).
  3. Der dritte Beitrag fragt sich, was nach der Finanzmarktkrise von der "Hypothese der effizienten Kapitalmärkte" noch übrig ist (hier)
Desweiteren lesenswert:
  1. Der Jahresbericht der BIZ (hier). (Übrigens auch schon empfohlen und kommentiert von Dieter Wermuth und hier zusammengefasst von Stephen Cecchetti.)
  2. Gedanken von Willem Buiter darüber, wie man den Finanzsektor (nicht) reformieren sollte (hier).
Obs jeden Samstag so viel wird, kann ich nicht sagen...ich werde aber versuchen, dass jeweils für mehrere Themenbereiche was dabei ist. Viel Spaß beim Lesen!

Update: Und das Karussell dreht sich weiter...

Paul Krugman hat auch eine Meinung zu den jüngsten Nachrichten über Ergebniss und Boniausschüttung bei GS (hier). Grundsätzlich stellt er fest, dass die Nachrichten der letzten Woche uns drei Sachen sagen:

"First, it tells us that Goldman is very good at what it does. Unfortunately, what it does is bad for America.

Second, it shows that Wall Street’s bad habits — above all, the system of compensation that helped cause the financial crisis — have not gone away.

Third, it shows that by rescuing the financial system without reforming it, Washington has done nothing to protect us from a new crisis, and, in fact, has made another crisis more likely."
...da kann man eigentlich nur zustimmen!

Freitag, 17. Juli 2009

Credit Crunch

Die FTD hat einen Beitrag mit dem Titel "Banken vertuschen Kreditklemme" veröffentlicht, in dem sie den "Beweis durch Bundesbankdaten" erbringt, dass die Kredite an Firmen und Selbständige außerhalb der Finanzbranche in Deutschland bereits im ersten Quartal "drastisch gesunken" sind - nämlich laut FTD um 2,7 Mrd. Euro.

Ich habe mir die Daten bei der Bundesbank mal angeschaut (Statistikteil des Monatsbericht, Tabelle IV. Banken, 6. Kredite der Banken (MFIs) in Deutschland an inländische Unternehmen und Privatpersonen, Wohnungsbaukredite, Wirtschaftsbereiche). Ich habe von den gesamten Krediten an Unternehmen und Selbstständige jene Kredite abgezogen, die an Finanzierungsinstitutionen (ohne MFIs) und Versicherungsgewerbe vergeben wurden. Die folgende Abbildung zeigt das Ergebnis.


Meinen Berechnungen nach lag diese Größe am Ende des ersten Quartals um 2,3 Mrd. Euro unter dem Stand von Ende Dezember 2008 - das entspricht einem Rückgang des ausstehenden Kreditvolumens von 0,2 Prozent. (Gleichzeitig stiegen die Kredite an Versicherungen und andere Finanzunternehmen, die keine Banken sind, um rund ein Viertel oder knapp 33 Mrd. Euro.)

Obwohl der Swing vom vierten Quartal zum ersten Quartal natürlich heftig war, stellt sich die Frage, ob man diese Entwicklung als Kreditklemme bezeichnen sollte. Nicht zuletzt, weil man "nicht genau messen [kann], wie stark die Kreditnachfrage der Unternehmen wegen des weltweiten Konjunktureinbruchs zurückgegangen ist" wie Gustav Horn im FTD Artikel zutreffend zitiert wird.

Der "reißerische" FTD-Titel verspricht aber auf jeden Fall mehr, als die Daten hergeben...

...was nicht heißt, dass die Versorgung der Unternehmen mit Krediten in den kommenden Monaten weiter abnimmt, sobald Abschreibungen bei Banken und Insolvenzen bei Unternehmen zunehmen.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Deutscher Ökonomenstreit

Vor einigen Wochen verfasste - ausgelöst durch die Diskussion der Neubesetzung einer Reihe von Lehrstühlen für VWL an der Universität Köln - eine Gruppe von (eher älteren) Ökonomen in der FAZ einen Aufruf wider die Theoriesierung der VWL und wider die angebliche Zurückdrängung wirtschaftspolitischer Fragestellungen aus der Ökonomik. Die Verfasser wenden sich ausdrücklich gegen die Abschaffung von ausschließlich der Wirtschaftspolitik gewidmeten Lehrstühlen und die Einführung des angelsächsischen Systems, in dem Lehrstühle nach konkreten Themen (wie Arbeitsmarktökonomik, Umweltökonomik, Mikroökonomik, etc...) aufgeteilt sind. Der Aufruf wurde von einer Gruppe von (eher jüngeren und/oder im Ausland tätigen) Ökonomen im Handelsblatt mit einem "Gegenaufruf" erwiedert, welche eine Ausrichtung der deutschen VWL-Fakultäten nach gerade diesem internationalen Standard fordern.

Ein Hauptanliegen der Unterzeichner des ursprünglichen Aufrufs scheint zu sein, die VWL fit für wirtschaftspolitische Beratungsleistungen zu machen, bzw. zu halten. Durch das angelsächsische System der Fakultätsaufteilung und Forschungsherangehensweise sehen sie dies anscheinend gefährdet: "Die Ökonomen ziehen sich aus der Wirklichkeit zurück, weil die Karriereanreize in ihrem Fach verzerrt sind. Die vorherrschende Ausrichtung der universitären Forschung und Lehre bietet kaum einen Anreiz für Nachwuchswissenschaftler, sich mit wirtschaftspolitischen Fragen zu beschäftigen."

Allerdings lässt sich bezweifeln, dass dies so stimmt. Im Gegenaufruf steht richtigerweise: "Die wirtschaftspolitische Beratung findet sich [vor Allem] in den USA zunehmend wieder in den Händen akademischer Spitzenökonomen, die zuvor bahnbrechende Beiträge in unserer Wissenschaft geleistet haben." Der im ursprünglichen Aufruf bemängelte Einflussverlust der wirtschaftspolitischen Forschung scheint also ein eher spezifisch deutsches Problem zu sein, das in anderen Ländern (die ohne als explizit wirtschaftspolitisch ausgewiesene Lehrstühle auskommen müssen) nicht zu beobachten ist.

Und neben der Politikberatung dürfte wohl auch die Lehre nicht unter einer Neuordnung der Fakultäten leiden. Im Gegenteil. Zwar hat eine Umfrage der Fachschaft unter Kölner VWL-Studenten nun offenbart, dass rund die Hälfte der Studenten, das alte Modell favorisieren - anscheinend vor allem, weil sie einen stärkeren Bezug der Lehre zur Realität wünschen. Hier scheinen meiner Meinung nach aber nun zwei Sachen vermischt zu werden: Gute und schlechte Lehre ist das Eine! Die Struktur der Fakultäten das Andere! Und ist es nicht so, dass die Kölner Fakultät bislang nach dem "deutschen" Modell geordnet war...demnach die Studenten also von ebenjenem System enttäuscht sind, das sie dann laut Umfrage häufiger als das gewünschte nennen?

Ich denke, in Bachelorstudiengängen sollten Konzepte so paxisnah und intuitiv vermittelt werden wie es nur irgends geht, um Studenten auf Jobs in Wirtschaft oder Politikberatung vorzubereiten - aber warum soll das nicht im Rahmen von Kursen zu einzelnen Fachgebieten gehen? Danach, also während der Masterprogramme und Doktorandenausbildung, müssen angehende Ökonomen aber das komplette methodische Rüstzeug vermittelt bekommen, das international Standard ist - auch und gerade damit sie in die Lage versetzt werden, in die internationale Wissenschaftsdiskussion einzugreifen, bzw. diese zu verfolgen. Und dies geschieht auf jeden Fall am besten, wenn die Struktur der Lehrstühle den fachlichen Gebieten der Ökonomik folgt.

Update: Fiskalischer Multiplikator

Reaktionen von Paul Krugman und Brad DeLong auf den Aufsatz von Eichenbaum, Christiano und Rebelo, den ich hier verlinkt habe.

Außerdem bin ich heute morgen auf einen Aufsatz des belgischen Federal Planning Bureaus gestoßen, der Pflichtlektüre für jeden sein sollte, der sich mit der Wirksamkeit von Fiskalpolitik befasst. Der Aufsatz bietet eine umfassende Meta-Übersicht über die Ergebnisse verschiedenster Studien hinsichtlich der Höhe des fiskalischen Multiplikators und zeigt anschaulich ein paar theoretische Hintergründe auf.

Dienstag, 14. Juli 2009

Und das Karussell dreht sich weiter...

Goldman Sachs hat im zweiten Quartal wieder ein Ergebnis von (+) 3,4 Mrd. US-Dollar erziehlt und nimmt das zum Anlass wieder üppigste Boni auszuzahlen (hier). Das hat in den USA bereits zu Verärgerung geführt (hier)...

...und sollte es auch! Nur zur Erinnerung: Noch im September des vergangenen Jahres wurde das gesamte Finanzsystem nur durch massive staatliche Eingriffe vor dem Kollaps gerettet, d.h. anders ausgedrückt: ohne diese Hilfe läg auch der Firmenwert von GS wahrscheinlich nahe 0 US-Dollar und die jetzt bonieinfordernden Investmentbanker hätten sich schon längst einen anderen Job in einer anderen Branche suchen müssen! Und da kann es doch nicht sein, dass dort jetzt schon wieder Kapital in großem Ausmaß in Form von Gewinnausschüttungen an Arbeitnehmer (und demnächst wahrscheinlich Eigentümer) abfließt anstatt die Kapitaldecke des Bankensektors zu erhöhen, um den Puffer für Krisenrückschläge zu vergrößern.

Anscheinend ist der Markt nicht mehr fähig, den Exzessen im Finanzsektor Einhalt zu bieten. Regulierung in der einen oder anderen Form definitiv nötig!!!

BIP-Prognosen der Institute

Die Konjunkturprognosen der Prognostiker sind im Verlauf der Rezession von einer breiten Öffentlichkeit beachtet worden. Gerade die Tatsache, dass die Voraussagen oft und heftig revidiert wurden, hat die Konjunkturbeobachter zum Teil heftiger Kritik ausgesetzt. Diese ist zum Teil wohl berechtigt, in ihrer Pauschalität aber sicher nicht gerechtfertigt. Ich werde demnächst noch zu diesem Thema schreiben...

Auch um ggf. Unterschiede zwischen den einzelnen Instituten aufzuzeigen, werde ich in Zukunft in unregelmäßigen Abständen die Entwicklung der BIP-Prognosen der Konjunkturabteilungen in diesem Blog darstellen. Die Abbildungen in diesem Post reichen bis zum 14. Juli 2009. Zunächst berücksichtige ich die Prognosen des IfW, des ifo, des IWH, des RWI sowie des IMK. Ich betrachte eine Prognose jeweils als revidiert an dem Tag, an dem eine neue Prognose per Pressemitteilung (oder anderer Publikationsform) veröffentlicht wird. D.h. bei den meisten Instituten ändert sich die Prognose ungefähr alle 3 Monate; in manchen Fällen nur jedes halbe Jahr.


Zur Zeit liegen die Prognosen für die jahresdurchschnittliche Veränderung des realen BIP bei:
  1. IfW - 2009: -6,0 %, 2010: 0,4 %
  2. ifo - 2009: -6,4 %, 2010: -0,3 %
  3. IWH - 2009: -4,8 %, 2010: -0,2 %
  4. RWI - 2009: 6,4 %, 2010: 0,2 %
  5. IMK - 2009: -6,5 %, 2010: -0,4 %
Insgesamt liegen die Prognosen - nach enormen Streuungen im Winterhalbjahr - also wieder relativ eng beieinander. Nur für die Aussichten für das kommende Jahr gehen die Meinungen auseinander: Während IfW und RWI zumindest mit einem leichten Anstieg der Produktion rechnen, gehen die anderen Institute davon aus, dass diese im Jahresdurchschnitt auch im kommenden Jahr sinkt (verursacht durch den enormen Unterhang (dazu demnächst auch mal ein Post) am Jahresende 2009). Was allerdings klar sein dürfte: Einen Aufschwung der den Namen verdient hat, wird es so schnell nicht geben...

Green Shoots

Im Mai ist die Industrieproduktion in Deutschland zum dritten Mal nacheinander saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat gestiegen. Amerikaner würden dies als einen der ein baldiges Ende der Rezession andeutenden "green shoots" bezeichnen.


Zuversichtlich stimmt auch, dass gerade in der Chemieindustrie, die üblicherweise Vorleistungsgüter für andere Industriebereiche herstellt, wieder deutlich mehr produziert wird.

Insgesamt lag die Produktion im Mai knapp über dem Durchschnitt des ersten Quartals. Nimmt man die guten Zahlen zum Auftragseingang als Beleg dafür, dass die Produktion auch im Juni zugenommen hat, dürfte der Rückgang der Industrieproduktion im zweiten Quartal mit einer "roten oder schwarzen Null" gestoppt worden sein.

Montag, 13. Juli 2009

Return of the Banking Crisis

Nachdem sich die Lage im Bankensektor der USA trotz insgesamt bislang 53 Bankenpleiten im Jahr 2009 beruhigt zu haben schien, scheint mit der CIT nun wieder ein Schwergewicht vor existenziellen Problemen zu stehen (hier und da). Mit Aktiva im Volumen von 75,7 Mrd. US-Dollar wäre dies die größte Pleite seit dem Fall von Washington Mutual Inc. im vergangenen September. CIT ist insbesondere als Finanzierer für mittelständige Unternehmen tätig, so dass ein Zusammenbruch für den Unternehmenssektor direkte adverse Konsequenzen für die Finanzierungskosten hätte.

Trouble again...

...at the DIW:

Diesmal ein "Datenskandal", in dem das Statistische Bundesamt dem DIW vorwirft nicht zur Veröffentlichung vorgesehenes anonymes Datenmaterial über Steuerzahlungen von Haushalten in zwei Publikationen öffentlich gemacht zu haben. Die öffentliche Stellungnahme des DIW finden Sie hier.

Wie es scheint, ist das DIW diesmal wirklich "unschuldig"...

Kritik an der volkswirtschaftlichen Mainstream-Methodik

Eine Gruppe von Volkswirten um Colander und Lux haben kürzlich eine Abrechnung mit den gängigen Methoden der derzeitigen volkswirtschaftlichen Forschung veröffentlicht (hier). In ihrem Aufsatz führen die Autoren das Unvermögen ihrer Profession, viele Aspekte der Finanzkrise im Vorfeld nicht zu sehen und nun nicht erklären zu können, darauf zurück, dass die Standardmodelle der Ökonomik die Kernfaktoren, welche Märkte in der realen Welt treiben, nicht ausreichend, bzw. überhaupt nicht, berücksichtigen. Außerdem kritisieren sie, dass die Limitationen der volkswirtschaftlichen Modelle nur ungenügend kommuniziert wurden und dadurch Praktiker in Wirtschaft und an den Finanzmärkten zu sorglos wurden.

Die Autoren fordern, die Forschung stärker empirisch auszurichten und mehr Augenmerk auf Netzwerkstrukturen an den Finanzmärkten zu legen, die die explosionsartige Verbreitung der Krise verursacht haben.

Fiskalischer Multiplikator

Seit die Staaten dieser Welt nach Ausbruch der Wirtschaftskrise ein Fiskalprogramm nach dem anderen aufgelegt haben, ist in der Ökonomenzunft die Diskussion wieder aufgekommen, welche expansiven Effekte solchen Stimulierungsprogrammen zuzubilligen seinen. Grob gesagt argumentieren die beiden Seiten so: Gegner solcher Programme führen an, dass aufgrund von Zinseffekten private Investitionen durch die staatlichen Ausgaben verdrängt werden und sich Konsumenten "ricardianisch" verhalten, d.h. in Antizipation kommender Steuererhöhungen ihren Konsum einschränken, so dass ein Konjunkturprogramm in Höhe von 1 Prozent des BIP kurzfristig das BIP um nicht viel mehr als 1 Prozent hebt und der Effekt mittel- bis langfristig negativ ist. Beführworter argumentieren, dass der Staat eine temporäre Nachfragelücke ausgleichen kann und damit Kapazitäten auslastet und dadurch Hystereseeffekte vermeidet.

Bislang wurden dazu hauptsächlich die Arbeiten von Romer und Bernstein, beides Mitarbeiter aus dem Beratungsumfeld der US-Regierung, die Fiskalprogrammen eine große Effektivität beimessen, und Cogan, Cwik, Taylor und Wieland, die auf Basis von makroökonomischen Standardmodellen zeigen, dass Fiskalprogramme unter den üblichen Annahmen keine Wirkung entfallten.

Kürzlich ist nun ein Aufsatz von Eichenbaum, Christiano und Rebelo erschienen, in dem die Autoren explizit auf die Wirksamkeit von Fiskalprogrammen in einer Situation eingehen, in der die Geldpolitik aufgrund der Schranke für den Zinssatz bei 0 Prozent, auf üblichem Wege keine expansiven Impulse mehr setzen kann. Sie zeigen, dass in diesem Fall Fiskalprogramme selbst dann sinnvoll sind, wenn die Haushalte diese eigentlich für schlecht halten. Eichenbaum et al. zeigen, dass der fiskalische Multiplikator in einer solchen Situation sehr viel größer als 1 ist.

Anscheinend kommt die Forschungsgemeinschaft in die Gänge und entwickelt Analyse-Tools, die der derzeitig ausergewöhnlichen Situation Rechnung tragen. Ich bin gespannt auf weitere Beiträge...