Dienstag, 21. Juli 2009

Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit

Zurzeit wird (auch international) die gute Performance des deutschen Arbeitsmarktes vor dem Hintergrund der enormen Wirtschaftskrise bestaunt. Während die Produktion weitaus stärker eingebrochen ist als jemals zuvor, ist die Arbeitslosigkeit bislang kaum gestiegen und auch die Beschäftigung noch nicht nennenswert gesunken. Allerdings zeigt ein Blick auf die geleisteten Arbeitsstunden der Angestellten, dass pro Kopf im Durchschnitt viel weniger gearbeitet wird als noch vor ca. einem Jahr.


Dies ist - neben der Inanspruchnahme von flexiblen Arbeitszeitregelungen in den Betrieben - vor allem damit zu erklären, dass die Kurzarbeit enorm in Anspruch genommen wird. Die Zahl der Arbeitnehmer, die in Kurzarbeit ist, ist im ersten Quartal diesen Jahres (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) dramatisch gestiegen, nämlich auf knapp 1 Million Beschäftigte. (Dabei zeigt sich, dass vor allem Westdeutschland betroffen ist - ein Anstieg von 130 000 auf 810 000. Dies ist damit zu erklären, dass hier ein weitaus größerer Teil der Arbeitnehmer in der Industrie beschäftigt sind, die mit viel größeren Nachfragerückgängen zu kämpfen hat als der Dienstleistungssektor, der in Ostdeutschland relativ bedeutender ist.)


Sollte sich die Konjunktur in den kommenden Monaten nicht sehr stark erholen (wovon im Moment nicht auszugehen ist) wird die Krise wohl Ende des Jahres und im laufe des kommenden Jahres auf die Beschäftigtenzahlen durchschlagen, wenn Kurzarbeiterregelungen in großem Stil auslaufen, bzw. Betrieben trotz Kurzarbeit in die Insolvenz gehen, und die betroffenen Arbeitnehmer dann ihre Stellen verlieren. Dies dürfte dann, wegen der Einkommensverluste, auch den privaten Konsum dämpfen und eine Erholung der Konjunktur zusätzlich erschweren. Nicht so gute Aussichten also...

...trotzdem ist das Instrument der Kurzarbeit, denke ich, positiv zu bewerten, da es zumindest jene Arbeitnehmer vor Arbeitsplatzverlust - und damit mittelfristig Humankapitalverlust - schützt, deren Unternehmen wirklich nur einen temporären Nachfrageausfall überstehen müssen.

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