Dienstag, 14. Juli 2009

Und das Karussell dreht sich weiter...

Goldman Sachs hat im zweiten Quartal wieder ein Ergebnis von (+) 3,4 Mrd. US-Dollar erziehlt und nimmt das zum Anlass wieder üppigste Boni auszuzahlen (hier). Das hat in den USA bereits zu Verärgerung geführt (hier)...

...und sollte es auch! Nur zur Erinnerung: Noch im September des vergangenen Jahres wurde das gesamte Finanzsystem nur durch massive staatliche Eingriffe vor dem Kollaps gerettet, d.h. anders ausgedrückt: ohne diese Hilfe läg auch der Firmenwert von GS wahrscheinlich nahe 0 US-Dollar und die jetzt bonieinfordernden Investmentbanker hätten sich schon längst einen anderen Job in einer anderen Branche suchen müssen! Und da kann es doch nicht sein, dass dort jetzt schon wieder Kapital in großem Ausmaß in Form von Gewinnausschüttungen an Arbeitnehmer (und demnächst wahrscheinlich Eigentümer) abfließt anstatt die Kapitaldecke des Bankensektors zu erhöhen, um den Puffer für Krisenrückschläge zu vergrößern.

Anscheinend ist der Markt nicht mehr fähig, den Exzessen im Finanzsektor Einhalt zu bieten. Regulierung in der einen oder anderen Form definitiv nötig!!!

Kommentare:

Lasse hat gesagt…

Grundsätzlich schon richtig, dass die Zahlung von Boni in der derzeitigen Situation mindestens wirtschaftsethisch fragwürdig sind. Allerdings kann man bei einer Kernkapitalquote (Tier-1) von 13,8% nicht unbedingt von einer dünnen Kapitaldecke sprechen...

JD hat gesagt…

@Lasse:
...nicht bei GS. Aber im Bankensystem insgesamt. Und hier profitiert GS dann davon, dass das als Ganzes insolvente System staatlich aufgefangen wird, bzw. jederzeit davon ausgegangen werden kann, dass es dies im Zweifelsfall werden wird. Und diese positive Externalität sollte sich die Allgemeinheit in der einen oder anderen Weise vergüten lassen...und Regulierungsmaßnahmen, die zwar vielleicht die kurzfristige Profitabilität einzelner Banken senken, aber das Risiko der Notwendigkeit des Eingreifen des Saates verkleinern würden, wären eine solche Maßnahme.

Bernd hat gesagt…

Goldman wäre ein "Kollateralschaden" der Finanzkrise gewesen, auch wenn dieser Begriff viel zu harmlos klingt, gemessen an dem was wir in den letzten Monaten im weltweiten Finanzsystem gesehen haben. Obwohl die Goldmänner selbst frühzeitig ihr Engagement bei Immobilienkrediten zurückgefahren haben und durch Spekulationen am Crash mitverdient haben, wären sie natürlich bei einem Zusammenbruch des Bankensystems genauso wie alle anderen weggewaschen worden.

Auch deswegen basiert das amerikanische Bankenrekapitalisierungsprogramm auf Zwang, wie ein Artikel aus der ZEIT (http://www.zeit.de/2009/23/F-Bankenrettung) eindrucksvoll und unterhaltsam darlegt. Leider hat die amerikanische Regierung versäumt, gleichzeitig mit der Rekapitalisierung auch das Geschäftsmodell vieler Wall Street Banken weg von kreditfinanzierter Spekulation zu ändern.

Mit den durchaus guten Quartalsergebnissen z.B. von Goldman - die nebenbei bemerkt durch die Pleite von Lehman, Bear Stearns und dem Fastzusammenbruch von Merrill auch durch eine deutlich niedrigeren Wettbewerb im Investment Banking zustandekommen - bekommen die Banker natürlich wieder Oberwasser. Hoffen wir mal, dass damit nicht alle notwendigen Regulierungsversuche im Sande politischer Abstimmungsprozesse und Lobbyarbeit verlaufen!

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