Montag, 3. August 2009

Finanzstressindikator

In diesem Post will ich einen Finanzmarkt-Stress-Indikator vorstellen, den ich mir nach Ausbruch der Finanzmarktkrise immer mal wieder berechnet habe, um ein Gesamtbild der Entwicklung zu bekommen. Der Indikator basiert nicht auf irgendwelchen „harten“ Kriterien und "optimal hergeleiteten" Gewichtungen sondern fasst ad‑hoc eine Reihe von Einzelindikatoren zusammen, die jeweils das Maß an „Stress“ in bestimmten Marktsegmenten reflektieren. Im Einzelnen gehen in den Indikator ein:
  1. Term-Spread: Der Renditeabstand zwischen 10-jährigen Bundesanleihen und dem Satz für unbesichertes Dreimonatsgeld (im Interbankenhandel), wenn dieser negativ ist. Sonst nimmt dieser Teilindikator den Wert 0 an.
  2. Euribor-Spread: Die Differenz zwischen den Sätzen für unbesichertes und besichertes Dreimonatsgeld (Euribor vs. Eurepo).
  3. Unternehmenskredit-Spread: Differenz zwischen Rendite für 1-bis-2-jährige Unternehmenskredite und dem Satz für besichertes Dreimonatsgeld.
  4. Konsumentenkredit-Spread: Differenz zwischen Rendite für 1-bis-5-jährige Konsumentenkredite und dem Satz für besichertes Dreimonatsgeld.
  5. Veränderung des DAX: Veränderung des DAX gegenüber dem Vormonat, wenn er fällt. Sonst nimmt dieser Teilindikator den Wert 0 an.
  6. Überschussreserve: Wert der Depositen der Banken bei der EZB, die über die erforderliche Mindestreserve hinausgehen.
Dabei werden alle Faktoren gleich gewichtet. Um einen Einfluss der unterschiedlichen Maßeinheiten und Volatilitäten zu vermeiden, werden alle Teilindikatoren vor dem Berechnen des Indikators mit ihrer Standardabweichung skaliert.


Die Abbildung zeigt die Entwicklung des Indikators seit Anfang 2003. Man sieht deutlich den Beginn der Krise Mitte 2007, als die Geldmärkte anfingen nicht mehr ordentlich zu funktionieren. Noch deutlicher ist dann die Eskalation der Krise nach der Pleite von Lehman-Brothers im September 2008. Seit Dezember fällt der Indikator - vor allem weil sich die Zinsstrukturkurve wieder normalisiert hat (der Term-Spread also wieder positiv ist) und sich die Situation im Bankensektor wieder etwas beruhigt hat, so dass der Euribor-Spread deutlich gesunken ist und auch die Überschussreserven nicht mehr so hoch sind wie auf dem Höhepunkt der Krise. Dagegen zeigt sich an den immer noch steigenden Spreads für Unternehmens- und Konsumentenkrediten, dass die Krise mehr und mehr auf die "Realwirtschaft" übergegriffen hat und sich dort - was das Kreditangebot angeht - die Lage auch noch weiter anspannen dürfte.

In den kommenden Wochen sollte sich die Situation weiter entspannen. Zu einer neuerlichen Zuspitzung der Lage wird es wohl nicht mehr kommen. Eher werden wir eine lange Phase mit einem sich "berappelnden" Finanzsektor erleben...wird aber wohl noch dauern bis wieder eine so "stressfreie" Zeit kommt wie in den Jahren 2005-Mitte 2007.

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