Montag, 10. August 2009

Interaktion zwischen Konjunktur und Bankensektor

Ich befasse mich zurzeit wieder mal mit dem Link zwischen Konjunktur und der Verfassung des Bankensystems. Ein Verständnis der gegenseitigen Abhängigkeiten ist von hoher Bedeutung, um momentan Konjunkturprognosen zu erstellen. Denn wenn die Entwicklung im Bankensystem signifikante Auswirkungen auf den weiteren Konjunkturverlauf hätte und es zu einer Verknappung des Kreditangebots käme, würde das bedeuten, dass die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten/Jahren nicht so gut laufen würde, wie nach einer "normalen" Rezession ohne ausgewachsene Bankenkrise.

Um herauszufinden, wie verschiedene Schocks eine Reihe von Variablen beeinflussen werden häufig sogenannte vektorautoregressive (VAR) Modelle genutzt, in denen angenommen wird, dass sich alle Variablen gegenseitig beeinflussen können. Mit einem solchen Modell mit BIP-Wachstum, der Inflationsrate, dem Notenbankzins und der Abschreibungsquote des Bankensektors (als Maß für den "Gesundheitszustand" desselbigen) kann man die oben beschriebenen Zusammenhänge analysieren. Eine ähnliche Version des Modells ist hier auf den Seiten 35/36 beschrieben.

Im Unterschied zu dem verlinkten Beitrag habe ich nun noch einigen Annahmen getroffen, um die Auswirkungen von strukturellen (d.h. unabhängig voneinander seienden) Schocks zu analysieren. (Für Kenner: Ich habe ein strukturelles VAR identifiziert, in dem ich eine rekursive Ordnung der Variablen unterstellt habe BIP>Inflation>Zinssatz>Abschreibungsquote, d.h. während das BIP kontemporär nur durch einen "BIP-Schock" beeinflusst wird, wird die Abschreibungsquote von allen vier Schocks des Systems direkt beeinflusst.) Die Impuls-Antwort-Folgen (IRFs) sind in der Abbildung dargestellt.


Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl der Zustand des Bankensystems auf makroökonomische Schocks reagiert ("BIP-Schocks": Spalte 1, Reihe 4, "Zins-Schocks": Spalte 3, Reihe 4). Allerdings läuft die Kausalität auch andersherum: Auch ein Schock im Bankensystem (Spalte 4) beeinflusst den Konjunkturverlauf (Reihe 1) und das Verhalten der Notenbank (Reihe 3). Anders gesagt: Wenn es im Bankensystem anfängt zu brennen, dann läuft in den nächsten 3 Jahren die Konjunktur schwächer und die Notenbank senkt 2 Jahre lang die Zinsen (gedacht: jeweils gegenüber einer Situation ohne Probleme im Bankensystem).

In der momentanen Situation bedeutet dies, dass man bei der Erstellung einer Konjunkturprognose berücksichtigen sollte, dass die Abschreibungsquote im Bankensystem in den Jahren 2008(Daten liegen noch nicht vor)/2009 wohl sehr hoch liegen dürfte (wahrscheinlich höher als 2002 nach dem Platzen der Technologieblase) und man deswegen ein paar Zehntel schwächeres Wachstum unterstellen sollte (genaue Quantitäten wie immer schwer zu bestimmen!!!).

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