Freitag, 14. August 2009

"Lehman-Schock"?!?

Nachdem die Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal positiv überrascht hat, finden sich in der Presse schon wieder einige Stimmen, die einen schnellen und starken Aufschwung kommen sehen. Allen historischen Erfahrungen nach könnte diese Hoffnung trügerisch sein, weil die Nachwirkungen der Finanzkrise die Weltwirtschaft noch eine ganze Weile beschäftigen könnten. In diesem Post will ich schematisch darstellen, in welcher Situation wir uns im Moment befinden könnten.


Die Abbildung zeigt schematische Konjunkturverläufe für verschiedene Szenarien. Die grüne Linie verdeutlicht die Produktionsentwicklung, wenn es gar keine Rezession gibt (bei konstantem Trendwachstum). Die graue Linie zeigt den Verlauf bei einer "normalen" Rezession (ohne Finanzkrise), bei der die Produktion schnell wieder auf das Niveau findet, das sie ohne Rezession erreicht hätte (vgl. zu dem sogenannten CDR-Effekt auch hier, S.7/8). Die blaue Linie verdeutlicht die Entwicklung nach einer durch eine Banken-/Finanzkrise verschlimmerten Rezession (, der üblicherweise ein überdurchschnittlich großer Boom vorausgeht, der zu aller Hand von Übertreibungen an den Finanz- und Kreditmärkten führt); dass solche Krisen durchschnittlich länger dauern und auch tiefer sind, habe ich zusammen mit Nils Jannsen in diesem Aufsatz gezeigt.

Die orangene Linie nun könnte darstellen, was wir im Moment erleben, nämlich eine Bankenkrise, die durch den "Fast-Zusammenbruch" des gesamten Finanzsystems nach der Pleite von Lehman Brothers im vergangenen Jahr noch mit einem zusätzlichen "Vertrauens-Schock" angereichert wurde. Dieser Schock hat zu einer "Schockstarre" geführt, die die enormen Produktionseinbußen im Winterhalbjahr verursacht hat. Ich vermute nun, dass diese Produktionsverluste schnell wieder aufgeholt werden können (wir werden also nach dem überraschend positiven zweiten Quartal vielleicht ein enorm starkes drittes Quartal sehen). Allerdings ist es wahrscheinlich, dass sich danach die Wirtschaft erst langsam erholt, weil das Finanzsystem noch eine Weile an den Folgen der Finanzkrise zu knabbern haben.

Es könnte also sehr wahrscheinlich zu früh sein, einen langen und starken Aufschwung auszurufen!

1 Kommentar:

Ulrich Fritsche hat gesagt…

Hi Jonas, beim Lesen des Papiers streikt mein Acrobat. Irgendein Datei-Fehler. Idee? Gruß, Uli

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