Mittwoch, 30. September 2009

Blase in China

Nun warnt mit dem IWF auch die erste internationale Organisation vor Übertreibungen in China. So die Aussage im heute veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht. (Siehe auch hier.)

Dienstag, 29. September 2009

Auswertung der Wahlprognosen

Wie versprochen hier eine kurze Auswertung der Wahlprognosen.


FR-
Prognosemarkt
betfair-Prognosemarkt infratest-
dimap
CDU -2.2 1.0 1.2
SPD 2.0 2.6 3.0
FDP -1.8 -1.1 -0.6
Grüne 0.0 0.7 -0.7
Linke -0.7 -0.6 -0.9
Sonstige 2.9 -2.6 -2.0
Ungew. MAE 1.6 1.4 1.4
Ungew. RMSE 4.5 4.0 4.0
Gew. MAE 1.7 1.4 1.5

IfD Allensbach Forschungsgruppe Wahlen Forsa
CDU 1.2 2.2 -0.8
SPD 1.0 2.0 2.0
FDP -1.1 -1.6 -0.6
Grüne 0.3 -0.7 -0.7
Linke -0.4 -0.9 0.1
Sonstige -1.0 -1.0 0.0
Ungew. MAE 0.8 1.4 0.7
Ungew. RMSE 2.2 3.7 2.3
Gew. MAE 0.9 1.7 0.9


"Gewonnen" hat demnach ein Anbieter, Forsa, den ich bei der Auflistung am Samstag noch vergessen hatte (Danke an Conny Jers für den Hinweis). Sowohl nach dem ungewichteten absoluten Prognosefehler (Ungew. MAE) als auch dem (nach Stimmanteilen) gewichteten absoluten Prognosefehler (Gew. MAE) liegt Forsa vorne. Einzig nach der Wurzel des mittleren quadratischen Prognosefehlers (RMSE) hat das Institut für Demoskopie Allensbach die Nase vorne.

Für weitergehende Analysen habe ich im Moment leider nicht die Zeit. Auffällt aber, dass das Wahlergebnis der SPD durch die Bank überschätzt wurde - es lag letztendlich noch unter den pessimistischen Wahlprognosen.

Samstag, 26. September 2009

Prognosen - Bundestagswahl 2009

Eine Übersicht über die letzten Wahlprognosen vor der Bundestagswahl (ich werde nach der Wahl dann kurz beleuchten, welche relativ gut und welche relativ schlecht abgeschnitten haben).


infratest-
dimap
IfD Allensbach Forschungsgruppe Wahlen

CDU 35.0 35.0 36.0

SPD 26.0 24.0 25.0

FDP 14.0 13.5 13.0

Grüne 10.0 11.0 10.0

Linke 11.0 11.5 11.0

Sonstige 4.0 5.0 5.0

Total 100.0 100.0 100.0



















FR-
Prognosemarkt
betfair-Prognosemarkt
CDU 31.7 34.8
SPD 25.0 25.6
FDP 12.8 13.6
Grüne 10.7 11.4
Linke 11.3 11.4
Sonstige 8.9 3.4
Total 100.3 100.0





























Lesestoff 2009-09-26

Heute ein bisschen "harte Kost" für nicht-Ökonomen...aber nicht uninteressant:
  1. Eine Rede von Charles Bean auf der EEA-Tagung in Barcelona. Insbesonder lesenswert seine Beschreibung des Vorfelds der Krise (Seite 2ff.) und seine Schlussfolgerungen (Seite 16f.).
  2. Richard Posner findet, dass Keynes' The General Theory of Employment, Interest, and Money "is the best guide we have to the crisis".
  3. Sehr lesenswert auch zwei Kapitel des neuen World Economic Outlooks des IWFs. Kapitel 3 analysiert welche Folgen das Platzen von Asset-Preis-Blasen in der Vergangenheit hatte und wie Geldpolitik damit umgehen sollte.
  4. Im Kapitel 4 wird untersucht, wie sich das mittelfristige Wachstum nach Finanzkrisen in der Vergangenheit üblicherweise entwickelt hat. Die schlechte Nachricht: Meistens wurde der Vor-Krisen-Produktionstrend nicht wieder erreicht, sondern die Produktion verlief entlang einem neuen - niedrigeren - Pfad.
Ein schönes Wochenende!

(Kommende Woche bin ich auf Dienstreise...und werde - wenn überhaupt - nur gelegentlich bloggen können.)

Freitag, 25. September 2009

Zimmermann zu Wirkungen von Prognosen

Klaus Zimmermann, Chef des DIW, bleibt bei seiner Meinung, dass das Veröffentlichen von "pessimistischen" Konjunkturprognosen im vergangenen Herbst den Abwärsstrudel der Rezession verstärkt hätten.

Mir ist dagegen keine einzige Studie bekannt, die diese Wirkungsrichtung belegt (also dass niedrige Konjunkturprognosen die Stimmung dämpfen und dann ursächlich für einen stärkeren Wirtschaftseinbruch sind). Vielmehr ist es doch (leider) so, dass sich die kurzfristigen Prognosemodelle alle auf Frühindikatoren wie Auftragseingänge oder Umfragen stützen, in denen der Abschwung schon sichtbar sein muss, bevor er in Prognosen umgesetzt wird - die Prognosen hinken der Wirklichkeit deshalb eher hinterher als sie zu beeinflussen.

(Technisch ausgedrückt gibt es eine Granger-Kausalität von Wirtschaftsindikatoren auf Konjunkturprognosen - man findet sie aber nicht in der umgekehrten Wirkungsrichtung.)

Herbstprognosen der Institute

Letzte Woche haben mit dem IMK und dem RWI die letzten beiden Institute, von denen die eine erstellen, ihre Herbstprognose veröffentlicht. Alle Institute haben ihre Prognosen aufgrund des überraschend starken zweiten Quartals nach oben revidiert. Hier die Prognosen im einzelnen:
  1. BIP 2009:
    IfW: -4,9 Prozent
    ifo: -6,3 Prozent (Sommerprognose)
    RWI: -5,0 Prozent
    IWH: -5,2 Prozent
    IMK: -5,2 Prozent
    DIW: -6,4 Prozent (Sommerprognose)
  2. BIP 2010:
    IfW: 1,0 Prozent
    ifo: -0,3 Prozent (Sommerprognose)
    RWI: 1,2 Prozent
    IWH: 0,9 Prozent
    IMK: 0,5 Prozent
    DIW: 0,5 Prozent (Sommerprognose)
Wie immer der Hinweis, dass die Prognosen mit großer Unsicherheit behaftet sind (aber das wissen ja auch alle). Dazu eine Abbildung aus der vergangenen Prognose des IfW:


Nach den historischen Erfahrungswerten liegt die Veränderung des realen BIPs im kommenden Jahr also mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen -1,3 Prozent und +3,5 Prozent. Das mag für manche eine überraschend große Spanne sein - aber mehr ist auf dem derzeitigen Stand der Forschung nicht drin...und wird wohl auch in Zukunft nicht drin sein, weil das System "Wirtschaft" einfach zu komplex ist.

Kommende Woche beginnen dann in Essen die Abschlussarbeiten zur Gemeinschaftsdiagnose für diesen Herbst. Von den oben genannten Instituten sind daran beteiligt: IfW, ifo, RWI, IWH und IMK. Das Gutachten wird am 15. Oktober um 11h veröffentlicht.

Übersetzung: Fed --> Deutsch

Aus der FTD.

Mittwoch, 23. September 2009

Colander on DSGE-Models

David Colander beschreibt in seinem Bericht an US-Kongress, was er für die wichtigste Fehlentwicklung der modernen Makroökonomie hält, nämlich, dass die seit den 1980ern entwickelten Modelle des allgemeinen Gleichgewichts (Dynamik Stochastic General Equilibrium (DSGE) Models) nicht mehr als ein Instrument zum Verstehen der Welt, sondern als DAS Abbild der Welt betrachtet wurden und die Entwicklung von andere Aspekte beleuchtenden Modellen weitgehend eingestellt wurde.

Einige Zitate:
" In my view the problem is not the models; the problem is the way economic models are used."
"It was a tragedy for the science of economics because it led economists away from developing a wide variety of models that would creatively explore the extraordinarily difficult questions that the complexity of the economy raised, questions for which new analytic and computational technology opened up new avenues of investigation. Instead, the economics profession spent much of its time dotting i’s and crossing t’s on what was called a Walrasian general equilibrium model which was more analytically tractable."
"Had the DSGE model been seen as an aid to common sense, it could have been a useful model. When early versions of this model first developed back in the early 1980s, it served the useful purpose of getting some intertemporal issues straight that earlier macroeconomic models had screwed up. But then, for a variety of sociological reasons that I don’t have time to go into here, a majority of macroeconomists started believing that the DSGE model was useful not just as an aid to our understanding, but as the model of the macroeconomy. That doesn’t say much for the common sense of rocket economists. As the DSGE model became dominant, important research on broader non-linear dynamic models of the economy that would have been more helpful in understanding how an economy would be likely to crash, and what government might do when faced with a crash, was not done."
" Unfortunately, the warning labels on the models that should have been there in bold print—these models are based on assumptions that do not fit the real world, and thus the models should not be relied on too heavily—were not there."
Die Auswahl an Zitaten trifft's meiner Meinung nach ziemlich genau.

Dienstag, 22. September 2009

Die größte Blase der Welt

Ein Analyst der SG warnt davor, dass sich die Euphorie über die Entwicklung Chinas als die größte Blase, die die Welt je gesehen hat, herausstellen könnte. Er zieht Paralellen zu der Situation Japans Mitte der 1980er Jahre, als dieses als die neue Weltmacht gefeiert wurde - aber durch die selbe demographische Entwicklung "ausgebremst" wurde wie in den kommenden Jahrzehnten seiner Meinung nach China.

Tatsache bleibt aber - bei allen Problemen die Japan derzeit hat -, dass es während der 1970er und 1980er zu einer wichtigen Industrienation aufgestiegen ist. China wird dieselbe Entwicklung durchlaufen und aufgrund seiner Größe die dominierende Ökonomie der Weltwirtschaft werden - selbst wenn es zu enormen Problemen kommen sollte.

Dass es momentan in China zu Übertreibungen kommt, die sich mittelfristig jederzeit in Aktiencrashs und anderen unschönen Dingen abbauen könnten, ist aber wohl richtig - die Investitionsquote ist einfach zu hoch. (In einem Gespräch hörte ich vor kurzem die saloppe Feststellung: "Die Stahlnachfrage in China ist so hoch, weil andauernd neue Stahlwerke gebaut werden.")

Montag, 21. September 2009

Teufelszeug

Der IWF empfiehlt, die Märkte für Kreditverbriefungen zu re-aktivieren, um so die Verarbeitung der "Krisenaltlasten" zu erleichtern. Er hat damit Recht. Denn wie so oft, ist nicht die Verbriefungstechnik an sich gefährlich, sondern die exzessiven Auswüchse auf dem Markt für solche Produkte, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben ("Die Dosis macht das Gift"). Der Markt sollte aber deswegen in Zukunft stärker reguliert werden, um mehr Transparenz zu schaffen.

Info: Verbriefung von Krediten meint, dass ein Kreditgeber, z.B. eine Bank, ein Portfolio aus vielen von ihm vergebenen Krediten zusammenstellt und es anteilig an verschiedene Investoren verkauft. Auf diese Weise wird das Risiko gestreut; und weil einzelne Banken so Kreditrisiko "verkaufen" können, sind sie in der Lage, größere oder mehr Kredite zu vergeben, auch wenn sich gerade kein Partner für syndizierte Kredite findet.

FTD-Wahlempfehlung

In angelsächsischer Tradition gibt die FTD vor jeder Bundestagswahl eine Wahlempfehlung ab. Als wirtschaftslastige Zeitung gewichtet sie dabei ökonomische Argumente hoch. Die FTD votiert dabei für die CDU und würde am ehesten eine Koalition mit den Grünen bevorzugen:
"Wenn die Financial Times Deutschland sich eine Wunschkoalition zusammenstellen könnte, dann wäre diese schwarz-grün: eine Regierung unter Führung von Angela Merkel, die durch den kleinen Partner zur Öko-Innovation getrieben wird, in der aber zugleich der größere, konservative Partner dafür sorgt, dass der finanzpolitische Kurs solide bleibt, Ausgabenprogramme also nicht zu Wunschkonzerten und Steuerpläne nicht zum bloßen Abkassieren mutieren."
...was ein wenig komisch ist, denn positives über die Union ist in den Anmerkungen zu den einzelnen Parteien nur wenig zu lesen. Zur CDU heißt es:
"In der Wirtschaftspolitik hat sich Merkel zuletzt als unideologisch und lernfähig erwiesen. Ihre persönlichen Fähigkeiten als Analytikerin, Vermittlerin und Machtstrategin werden längst auch von Gegnern anerkannt, auf dem internationalen Parkett hat sie sich souverän und erfolgreich bewegt.
Die große Schwäche der Kandidatin Merkel ist, dass hinter ihrer Person praktisch keine konkreten Inhalte mehr zu erkennen sind. Die programmatische Debatte in ihrer Partei ist so gut wie tot. Die CDU hat sich in diesem Wahlkampf geradezu provozierend hinter hohlen Floskeln versteckt."
Zur SPD heißt es:
"Wichtige Impulse, von der Konzeption der Konjunkturprogramme bis hin zum Vorschlag einer internationalen Börsenumsatzsteuer, kamen zunächst von der SPD [...] Die SPD hat in der Krise allerdings auch ihr strukturkonservatives Gesicht gezeigt [...] Die SPD ist hier ständig in der Gefahr, sich in einen Überbietungswettlauf mit der Linkspartei zu begeben [...]"
Zu den Grünen heißt es:
"Eine Mischung aus hochfliegenden Visionen und realistischen Vorschlägen haben die Grünen erarbeitet. Wie keine andere Partei verknüpfen sie die Konzepte für eine neue, nachhaltigere Wirtschaftsstruktur mit den aktuellen Herausforderungen der Krise. [...]"
Zur FDP heißt es:
"Das aktuelle Programm der FDP kann dennoch aus zwei Gründen nicht überzeugen. Zum einen ist es unglaubwürdig, wenn gleichzeitig kräftige Steuersenkungen und eine konsequente Beseitigung der Haushaltsdefizite versprochen werden. [...] Zudem hat die FDP programmatisch kaum Konsequenzen aus der Finanzkrise gezogen."
Zur Linken heißt es:
"Man kann manche Vorschläge der Linken für originell und bedenkenswert halten - als seriöse politische Kraft diskreditiert sie sich aber selbst."
Ich werde hier jetzt nicht meine Wahlentscheidung öffentlich machen, habe nur oben schon angemerkt, dass ich die Begründung der FTD für die Union für eher schwach halte.


Kulturelle Faktoren für Verhalten auf dem Arbeitsmarkt

Das Handelsblatt berichtet über eine Studie von Forschern aus der Schweiz, die untersucht haben, ob kulturelle Faktoren den "Erfolg" von Arbeitnehmern auf dem Arbeitsmarkt beeinflussen. Sie finden, dass bis zu 20% der durchschnittlichen Dauer der Arbeitslosigkeit davon bestimmt sind (in diesem Fall machen sie die Unterscheidung zwischen frankophonen und nicht-frankophonen Schweizern). Sollte in der Studie für alle anderen Einflussfaktoren richtig kontrolliert worden sein (ich habe noch nicht reingeguckt), wäre dies ein sehr interessantes Ergebniss, das direkte Implikationen z.B. für die Arbeitsmarktpolitik haben könnte.

Auch hier wieder - wie in meinem Post von gestern - die Feststellung, dass eine solche Untersuchung auch für Deutschland interessant wäre (Ost vs. West, Nord vs. Süd, katholisch vs. protestantisch). Auch auch hier wieder: Falls es solche Studien schon gibt, bitte den Link per Kommentar mitteilen.

Sonntag, 20. September 2009

SPD legt zu

Die Teilnehmer am Prognosemarkt zur Bundestagswahl 2009 haben durch ihre Aktionen in den vergangnen Tagen angezeigt, dass mittlerweile von einem deutlich höheren Stimmanteil der SPD ausgegangen wird als noch vor dem Kandidatenduell vor einer Woche. Üblicherweise sind Prognosemärkte immer ziemlich genau...es lohnt sich also diese Entwicklung weiter zu verfolgen.

Wirtschaftspolitische Einstellung amerikanischer Ökonomen

Ein Aufsatz von Robert Whaples fasst die Ergebnisse einer Umfrage unter Mitgliedern der American Economic Association zusammen, in der nach Einstellungen zu wirtschaftspolitischen Fragestellungen gefragt wurde. Das eindeutigste Ergebniss ist, dass Freihandel befürwortet wird, auf der anderen Seite aber auch höhere Unterstützung für Arbeitnehmer, die durch die Globalisierung ihren Job verlieren.

Interessant wäre, eine solche Umfrage mal unter deutschen Ökonomen durchzuführen. Oder gibt's das schon? Hinweise willkommen.

Samstag, 19. September 2009

Lesestoff 2009-09-19

Ich war bis gestern auf einem Seminar für Firmengründer und bin deshalb ein wenig mit dem Samstagsbeitrag für diese Woche in Verzug gekommen. Hier ist er aber jetzt:
  1. Der erste Hinweis schließt an meine Woche an; das Handelsblatt berichtet über eine Studie, die abschreckende Wirkung von Gründerkursen an Unis findet. Mein Gefühl über die vergangenen fünf Tage und die Aussagen der anderen Teilnehmer bestätigen das nicht.
  2. Holger Görg, ein ehemaliger Kollege von mir am IfW, hat vom Verein für Socialpolitik den Gossen-Preis erhalten. Hier ein Portrait über ihn.
  3. Ulrich Fritsche weist in seinem Blog auf eine Liste von Mark Thoma hin, die eine Vielzahl von jüngst erschienenen Beiträge über den "Zustand der Makroökonomie" enthält.
Allen Lesern ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 17. September 2009

Die nächste Welle

Diskutiert wurde schon länger über mögliche nächste "Wellen" der Finanzmarktkrise. Abschreibungen auf auf Gewerbeimmobilien basierende Wertpapiere standen dabei immer im Vordergrund. Jetzt warnen auch offizielle Stellen, in diesem Fall die Fed von San Francisco.

Sonntag, 13. September 2009

It's the Economy stupid...

...auch beim "Kandidatenduell" vor der Bundestagswahl. Die ersten 2/3 der Zeit wurde über Wirtschaftsthemen gesprochen...und jetzt geht es mit der Gesundheitspolitik weiter, also irgendwie auch einem Thema, wo Ökonomen mitspielen.

Eigentlich schade, dass wichtigeren gesellschaftspolitischen Themen wie der Bildungspolitik anscheinend nur so wenig Raum eingeräumt wird.

Update: Im Fall der Bildungspolitik gar kein Raum!!!

Samstag, 12. September 2009

Lesestoff 2009-09-12

Herbstprognose ist abgeschlossen und auch bei anderen Projekten ist es im Moment etwas ruhiger...und schon habe ich ein bisschen mehr Zeit, um Kommentare und andere Beiträge im Netz zu verfolgen. Hier eine Auswahl für diese Woche:
  1. Zwei Gastkommentare in der FTD: Für Ken Rogoff ist gerade Winter und die Krise sowas wie ein Murmeltier. (Hoffen wir mal nicht, dass dieses ab jetzt jährlich grüßt.)
  2. Paul De Grauwe macht sich Gedanken darüber, wie sich die Staaten in den nächsten Jahren die Kosten für die Finanzmarktrettung von den Banken zurück holen können. Sein Vorschlag: Staatsgarantien sollten permanent gemacht werden und auch permanent von den Banken dafür kassiert werden, weil sowieso klar ist, dass der Staat im Ernstfall eingreiffen muss/sollte/wird - und diese Garantie soll er sich in De Grauwes Augen auch durchgehend bezahlen lassen. Sympathischer Ansatz! Vor allem der Vorschlag die Garantiegebühr für jede Bank in Abhängigkeit von der Bilanzsumme progressiv zu gestalten hat einen gewissen Charme (Stichwort: To-big-to-fail).
  3. Der Economist beschäftigt sich mit der Frage, wie die Banken wieder besser kapitalisiert werden können.
  4. Und für alle, die sich für Konjunkturprognosen und -analysen interessieren, hier noch mal die Links zur IfW-Prognose für die Weltwirtschaft und Deutschland.
Viel Spaß beim Lesen!

Freitag, 11. September 2009

Eichengreen on Predicting the Crisis

Barry Eichengreen schreibt über die Illusion der "Großen Moderation" und warum die breite Masse die Krise nicht hat kommen sehen. Sein Resumee:
"The problem was not an inability to imagine that conflicts of interest, self-dealing and herd behavior could arise, but a peculiar failure to apply those insights to the real world."
Nebenbei schreibt er einen Absatz, der sich wie ein Beitrag zum deutschen Ökonomenstreit liest:
"Not surprisingly, the best students have responded. The top young economists are, increasingly, empirically oriented. They are concerned not with theoretical flights of fancy but with the facts on the ground. To the extent that their work is rooted concretely in observation of the real world, it is less likely to sway with the latest fad and fashion. Or so one hopes."

Donnerstag, 10. September 2009

Buiter on Empirical Methods

Willem Buiter ist skeptisch, was den Nutzen von empirischen Methoden in den Wirtschaftswissenschaften angeht. Im Hinblick auf Prognosen merkt er an, dass "[t]he forecast itself is indeed likely to be much less important than the reasoning behind it".

Ein Punkt, der sich bei Journalisten und in der Öffentlichkeit durchsetzen sollte: Konjunkturprognosen sollten ex-post nicht (oder zumindest nur zum Teil) auf Basis "der Zahlen" sondern der zugrundeliegenen Argumentationslinie bewertet werden.

Mittwoch, 9. September 2009

Analyse zur Entwicklung des Arbeitsmarkts in Deutschland

Das IfW präsentiert in seiner soeben veröffentlichten Herbstprognose eine Analyse der Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. In dem Bericht wird auf den Seiten 19-29 argumentiert, dass neben der Hortung von Arbeitskräften (erleichtert über das Instrument der Kurzarbeit) vor allem die relative Abnahme der Arbeitskosten in den vergangenen Jahren noch nachwirkt und eine Tendenz zum weiteren Beschäftigungsaufbau angelegt ist, die den rezessionsbedingten Abbau von Arbeitsplätzen abfedert.

Nachrichtlich: Das IfW hat seine Prognosen für die Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts für die Jahre 2009 und 2010 auf -4,9 Prozent und +1,0 Prozent revidiert.

Update: Makromodelle und Finanzmarktkrise

Die EZB scheint schnell auf die gewonnenen Erkenntnisse aus der Finanzmarktkrise zu reagieren und ein Modell zu entwickeln, in dem Geld- und Kreditströme explizit modelliert werden.

Gerade angesichts des für die EZB geltenden Analyserahmens mit realwirtschaftlicher und monetärer Säule ein folgerichtiger Schritt.

(Siehe auch Post hier.)

Update: Reform der Finanzmarktregulierung

Das Thema ist auch auf der Agenda des Global Economic Symposiums (GES), das von heute Abend bis Freitag in Plön stattfindet. Hier eine Vorschau auf die Session über Finanzmarktregulierung.

Dienstag, 8. September 2009

Reform der Finanzmarktregulierung

Alan Blinder schreibt in der NYT, dass ein hohes Risiko besteht, dass nötige Reformen der Finanzmarktregulierung in den USA nicht umgesetzt werden, obwohl im letzten Herbst auf dem Höhepunkt der Krise die Chancen dafür so gut standen, wie lange nicht.

Er nennt für das Risiko fünf Gründe: 1) Der Höhepunkt der Krise ist schon zu lange her, 2) Es stehen zu viele andere Punkte auf der Agenda der Legislative, 3) Der Bankensektor hat eine zu starke Lobby, 4) Streit zwischen verschiedenen involvierten Bundesbehörden, 5) "Lack of Focus".

Ich vertrete seit vergangenem Oktober die Position, dass es insbesondere aufgrund der Kombination von 1) und 3) auch im Euroraum besser gewesen wäre, wenn man direkt nach der Eskalation der Krise mit regulatorischen Maßnahmen geantwortet hätte, als sich der Finanzsektor noch in der Schockstarre befand.

Denn: Zu Deregulieren, falls man im Eifer des Gefechts über das Ziel hinausgeschossen ist, ist wahrscheinlich einfacher...

Industrieproduktion in Deutschland

Heute wurde bekanntgegeben, dass die Industrieproduktion in Deutschland im Juli um 0,9 Prozent gegenüber Juni zurückgegangen ist (saisonbereinigt). Allerdings wurde der Juniwert von -0,1 Prozent auf +0,8 Prozent revidiert. Insgesamt scheint der Trend einer leichten Erholung der Konjunktur intakt.


Dafür sprechen auch die weiter steigenden Auftragseingänge in der Industrie. Zuletzt legten auch die Aufträge aus dem Inland deutlich zu, d.h. der "Aufschwung" scheint sowohl von einer internen Dynamik als auch von Impulsen aus dem Auslang getragen zu werden.


Insgesamt deutet immer noch alles auf ein ziemlich starkes drittes Quartal hin. Und das würde dann auch erstmal ein wenig Abwärtsdruck vom Arbeitsmarkt nehmen (, der sich in Deutschland aber ja sowieso sehr erstaunlich positiv entwickelt (mehr dazu morgen)).

Makromodelle und die Finanzkrise

Ein interessanter Aufmacher in der FT von Dirk Bezemer über die Frage, warum keiner die Finanzkrise hat kommen sehen bzw. warum manche halt doch! Der Beitrag basiert auf diesem Aufsatz von Bezemer, in dem er zeigt, dass solche Modelle, die explizit Finanzierungsstöme berücksichtigen, das Risiko für eine Finanzmarktkrise angezeigt haben, während eine solche bei den Standardmodellen per Definition ausgeschlossen war...und also nicht erkannt werden konnte.

Seine zentrale Schlussfolgerung ist:
"Central to the contrarians’ thinking is an accounting of financial flows (of credit, interest, profit and wages) and stocks (debt and wealth) in the economy, as well as a sharp distinction between the real economy and the financial sector (including property)."

Samstag, 5. September 2009

Lesestoff 2009-09-05

Bin immer noch gut beschäftigt (es ist mal wieder Prognosezeit); deswegen wieder eine etwas kürzere Liste.

  1. In der FAZ habe ich ein interessantes Interview mit Robert Shiller gefunden (hier), in dem er über schlechte Konjunkturaussichten und das Selbstbild der Ökonomen spricht.
  2. Im Handelsblatt gab es einen Essay über die Verschuldung des japanischen Staates. Der Tenor der Autoren ist, dass dieser auf einen Kollaps zusteuert. Der entscheidende Satz, allerdings, der dies relativiert steht auf Seite 4: "Dass Japan für Investoren immer noch einen guten Ruf hat, liegt an einer Besonderheit der japanischen Schulden. Sie bleiben fast ganz im Inland.", d.h. die gesamte japanische Wirtschaft exportiert mehr Kapital als sie importiert, lebt also - salopp gesagt - nicht über ihre Verhältnisse. Richard Ko bietet mit seiner "Balance-Sheet-Recession-Theorie" eine alternative Erklärung für die Entwicklung in Japan seit Anfang der 1990er, die zu weniger pessimistischen Schlussfolgerungen kommt.
Ein schönes Wochenende!

Freitag, 4. September 2009

Krugman über die Entwicklung der Makroökonomie

Paul Krugman beschreibt in der NYT anschaulich, wie sich die Makroökonomie über die vergangenen Jahrhunderte entwickelt hat und beschreibt ihren Zustand während der derzeitigen Krise. Seine Schlussfolgerungen:
"So here’s what I think economists have to do. First, they have to face up to the inconvenient reality that financial markets fall far short of perfection, that they are subject to extraordinary delusions and the madness of crowds. Second, they have to admit — and this will be very hard for the people who giggled and whispered over Keynes — that Keynesian economics remains the best framework we have for making sense of recessions and depressions. Third, they’ll have to do their best to incorporate the realities of finance into macroeconomics."
Auf jedenfall die letzte Schlussfolgerung deckt sich mit den Forderungen der Gruppe von Ökonomen, über die ich hier schrieb.


Prognosemarkt zur Bundestagswahl 2009

Die Frankfurter Rundschau organisiert einen Prognosemarkt zur Bundestagswahl 2009. D.h. auf der Plattform kann man die Stimmanteile der Parteien wie Aktien handeln. Die Idee ist, dass sich aus den Informationen und Meinungen aller Marktteilnehmer eine optimale Prognose für den Ausgang der Bundestagswahl ergibt, die den Prognosen aus Wahlumfragen überlegen ist.

Evidenz in anderen Ländern zeigt, dass Prognosemärkte oft bessere Prognosen liefern als Umfragen oder Expertenstudien. Hier ein Überblick von Wolfers und Zitzewitz. Die Methode wird mehr und mehr auch in Firmen z.B. für die Analyse von Absatzchancen von Produkten eingesetzt.

PS: Mitmachen lohnt sich. Es wird zwar nicht mit richtigem Geld spekuliert, aber man kann einen edlen Tropfen Wein gewinnen.

Donnerstag, 3. September 2009

Bankenkrise und Shareholder Value

Das Handelsblatt berichtet über eine Studie, die belegt, dass gerade die Banken in der Finanzkrise unter die Räder gekommen sind, die vorher a) stark nach dem "shareholder value"-Prinzip agiert haben und/oder b) bei denen die Vergütung des Führungspersonals eng an die kurzfristige Performance der Bank gekoppelt war.

Irgendjemand überrascht?

Dienstag, 1. September 2009

Landesbanken

Da macht sich Gott und die Welt Gedanken, wie man den deutschen "Landesbankensektor" konsolidieren könnte; und die allgemeine Einsicht ist, dass sich in Zukunft nicht jede Landesregierung eine eigene Landesbank ohne richtiges Geschäftsmodell halten sollte.

Und jetzt scheint das Saarland die kleineste der deutschen Landesbanken wieder ein Stückchen selbstständiger zu machen bzw. unter stärkere Kontrolle der saarländischen Landesregierung zu bringen.

So wird das ja nie was...!

Studie zur Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft

Das Prognosezentrum des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) arbeitet momentan an einer Studie für das BMF über die Kreditversorgung der Unternehmen in Deutschland. Das BMF hat den Zwischenbericht hier veröffentlicht.

Gleichzeitig beriet Peer Steinbrück heute mit Bankenvertretern über die momentane Situation (hier) und erreichte eine Selbstverpflichtung der Banken zur Vermeidung einer Kreditklemme (was auch immer das heißen mag).

Zero Bound

Wolfgang Münchau nimmt die Tatsache, dass die schwedische Notenbank Anfang Juli den Zinssatz für Zentralbankeinlagen von Banken auf unter 0 Prozent gesenkt hat, zum Anlass über den "Zero Bound" für Zinssätze zu schreiben.

Siehe auch die Kommentare zu diesem Post.