Samstag, 31. Oktober 2009

Lesestoff 2009-10-31

Und wieder eine Woche vorbei...
  1. Geogre Soros hat sich mit einem Gastbeitrag zu nötigen Regulierungsmaßnahmen für die Finanzmärkte zu Wort gemeldet.
  2. Ein Beitrag im WSJ über Finanzkrise, die Hypothese der effizienten Finanzmärkte und wie beides zusammenpasst.
  3. Eine detaillierte Betrachtung der BIP-Zahlen für die US-Ökonomie findet sich in der FTD. (Ein "Lebenszeichen" muss ja nicht viel sein, ich bleibe relativ pessimistisch, was die weitere Entwicklung in den USA angeht.)
  4. Auch Paul Krugman bleibt skeptisch, was eine kräftige Erholung angeht (hier und hier).
Ein schönes Wochenende.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Robuster Arbeitsmarkt

Die Arbeitsmarktentwicklung hat im Oktober wieder mal überrascht. Die Zahl der Arbeitslosen sank sogar saisonbereinigt - und das kurz nach der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte.

Ausschlaggebend dafür dürfte neben dem Instrument der Kurzarbeit auch die moderate Lohnentwicklung der vergangenen Jahre gewesen sein. Siehe dazu auch die Seiten 19-29 hier.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

This time is really different

Cecchetti et al. stellen in ihrem Voxeu-Beitrag eine Studie vor, in der sie die Krisenvergleiche a la Reinhart und Rogoff über Cluster-Analysen differenzierter betrachten. Sie kommen zu dem Schluss, dass die jüngste Finanzkrise sehr verschieden von historischen Krisen ist.

Ihr Ergebniss was die Konjunktur betrifft: "[...] they [the results] suggest that the major economies currently affected will regain their pre-crisis levels of output by the second half of 2010".

Ihr weisester Satz: "After all, variation is the econometrician’s friend."

Montag, 26. Oktober 2009

Angebot und Nachfrage

Justin Wolfers zeigt anschaulich, warum die Identifizierung von (aggregierter) Nachfrage- und Angebotskurve bisweilen zum Haareraufen ist.

(Keine) Kapitalerhöhungen bei deutschen Banken

Die FTD fragt "Worauf warten Commerzbank und Deutsche Bank noch?". Und genau das frage ich mich in Bezug auf das gesamte deutsche Bankensystem auch schon eine ganze Weile. Die Gründe dafür, dass sich deutsche Banken zieren, neues Kapital aufzunehmen, während der Rest der Welt sein Kapital ordentlich stärkt, haben sich mir leider noch nicht erschlossen.

Any ideas?!?

Samstag, 24. Oktober 2009

Lesestoff 2009-10-24

Viel Spaß beim Lesen für diese Woche:
  1. Schwedens Finanzminister (vom letztjährigen GES kann ich sagen: ein sehr lustiger Typ) fordert die Beteiligung des Bankensektors an den Kosten der impliziten Staatsgarantien über eine weltweite "Stabilitätsgebühr" von 0,036 Prozent der jeweiligen Bankverbindlichkeiten.
  2. Ein interessanter Aufsatz von Biggs et al. über den Zusammenhang zwischen Konjunktur und der Entwicklung des Kreditvolumens.
  3. In den USA steigt der Druck, die unkonventionellen Maßnahmen zurück zu nehmen und die Geldpolitik wieder weniger expansiv zu gestalten.
  4. Paul Krugman sorgt sich über die Manipulation des Wechselkurses zwischen dem Chinesischen Yuan/Renminbi und dem US-Dollar.
Ein schönes Wochenende!

Bankensterben wird dreistellig

Die Reihe von Bankenpleiten in den USA geht unvermindert weiter. Ich hatte schon länger auf die 100. für dieses Jahr gewartet - und dann traf es gestern direkt sieben Institute, so dass die Zahl der Pleiten nun bei 106 für das Jahr 2009 steht.

Zum Glück betrifft das nur kleinere Regionalbanken; aber die Entwicklung zeigt trotzdem, dass noch nicht wieder alles in Ordnung ist.

Freitag, 23. Oktober 2009

Rekordrezession im UK

Die Briten trifft's härter und härter - dort ist die Rezession immer noch nicht vorbei. Auch im dritten Quartal ging die Wirtschaftsleistung zurück - zum sechsten Mal in Folge.

In Deutschland lief's ja schon im zweiten Quartal besser - und die Daten für's dritte, die am 13. November veröffentlicht werden, dürften noch mal deutlich besser sein.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

"30 Euro "-Banknote

Eine "30 Euro"-Banknote wäre doch mal was Neues gewesen. Schade. ;-)

Tricksen, täuschen, tarnen...

"Tricksen, täuschen und tarnen" scheint ja in der Finanzpolitik derzeit schwer in Mode zu sein, um die Wahrheit zu vernebeln. Bei den Koalitionsverhandlungen und auch bei der Berechnung der Bildungsausgaben (hier).

Bislang kannte man sowas doch nur aus der Arbeitsmarktpolitik...

Schattenhaushalt

In der Tat eine ziemliche Frechheit, was finanzpolitisch momentan anscheinend verhandelt wird bei den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP (hier).

Wenn die Regierung in spe meint, Wachstumsimpulse durch nicht gegenfinanzierte Ausgaben setzen zu müssen (es könnte ja sein, dass das im Moment sogar angebracht ist, wie einige Kommentatoren (z.B. hier) meinen), dann soll sie das gefällist im offiziellen Haushalt machen.

Intransparenzen in der Finanzpolitik scheint es im Euroraum ja leider schon zu Genüge zu geben (hier) - da braucht Deutschland nicht noch mitzumachen.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Zinsen im Euroraum

Dieterm Wermuth prognostiziert in seinem Investment Outlook, dass die EZB die Zinsen im kommenden Jahr weiter senken wird.

Im Gutachten der Gemeinschaftsdiagnose haben wir diesen Schritt zwar gefordert - sind aber nicht davon ausgegangen, dass die EZB es wirklich macht, weil einige Gründe aus Sicht der EZB wohl dagegensprechen bzw. einige Indizien andeuten, dass die EZB es nicht tun wird (Seite 66).

Ich muss aber zugeben, dass wir dem Wechselkursargument keine große Aufmerksamkeit gewidmet haben (Hintergrund: Die Zinsen im Euroraum sind höher als in allen anderen großen Währungsräumen - es ist also lohnend derzeit hier Geld anzulegen. Dafür braucht man dann erst mal Euros und die Nachfrage nach diesen treibt den Europreis, dito den Wechselkurs gegenüber anderen Währungen (vor allem dem US-Dollar), nach oben.).

Strategie gegen Finanzkrise

Eben ist mir ein außergewöhnlich guter Artikel auf SPON aufgefallen, in dem der Autor dafür plädiert, die Banken stärker zu regulieren bzw. sogar "tief greifende Reformen am System" fordert.

Er zitiert noch mal, wie führende Banker auf die Forderung von u.a. Axel Weber, das Bankensystem stärker zu regulieren bzw. konkret keine Dividenden auszuschütten, bis die Kapitalsituation sich wieder gebessert hat, reagiert haben.

Andreas Schmitz, Chef der Trinkaus-Bank und, immerhin, Präsident des Deutschen Bankenverbands, konnte seine Empörung nur mühsam zügeln. "Es ist die ureigenste Pflicht eines Vorstands, selbst zu erkennen, wenn er Gewinne einbehalten sollte", ließ er sich zitieren. "Da braucht er keinen Hinweis von Herrn Professor Weber."

Dazu habe ich hier eigentlich schon alles gesagt - und stimme mit Wolfgang Kaden überein.

Kaden schreibt im weiteren Text (und dem ist in weiten Zügen uneingeschränkt zuzustimmen):
[...] Zukünftig sollte wieder der Grundsatz gelten: Die Geldversorgung von Unternehmen und Verbrauchern ist eine hoheitliche Aufgabe. Sie obliegt den (staatlichen) Notenbanken. Die Geschäftsbanken handeln als der verlängerte Arm der Notenbanken, quasi als deren Hilfsorgane. Sie sind daher auch nicht mit anderen Unternehmen zu vergleichen. "Die Funktionsfähigkeit der Banken ist ein öffentliches Gut", sagt zu Recht Hannes Rehm, der Sprecher des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin). [...]

Totale Sicherheit wird es in einer freiheitlich organisierten Wirtschaftsordnung nicht geben. Dynamische Systeme sind von Natur aus instabil. Es kann immer nur um ein Mehr oder ein Weniger an Sicherheit gehen. Und das heißt: Bei aller Unvermeidlichkeit von Einbrüchen - das gesamte System der globalen Wirtschaft darf nicht mehr sehenden Auges aufs Spiel gesetzt werden. Mögen die volkswirtschaftliche Kosten für dieses Mehr an Sicherheit auch hoch sein. [...]

Eine Reform, die an die Wurzeln geht, muss das gegenwärtige System der globalen Banken in Frage stellen. Diese Monster-Institute sind heute so allgegenwärtig, dass sie bei einer drohenden Pleite erneut jede Regierung erpressen und zur Hilfeleistung mit Steuergeldern zwingen können. [...]

Sein [William Blakes] Vorschlag läuft dem aktuellen Trend zuwider: "Man muss die Banken zwingen, kleiner zu werden. Einerseits durch Regulierung, andererseits durch Steuern, die höher werden, desto größer sie sind." [...]

Lassen sich Banken wirklich klein-regulieren? Das wird eine schwierige Operation, zumal sie nur Erfolg haben kann, wenn alle bedeutenden Länder mitmachen. Politik und Wirtschaftswissenschaft sind gefordert. Sie dürfen sich nicht durch die Einwände der Banker irritieren lassen. Denn dass die Geldhändler sich, um auf den deutschen Banken-Präsidenten Andreas Schmitz zurückzukommen, "ihrer ureigensten Pflichten besinnen" - darauf sollten wir uns nun wirklich nicht verlassen.

Montag, 19. Oktober 2009

Sonntag, 18. Oktober 2009

Zielvariable der EZB

Das WSJ beobachtet, dass die EZB mehr und mehr auf die Kerninflationsrate schaut und nicht mehr so oft die Gesamtinflationsrate in ihrer Argumentation benutzt.

Das hätte sie besser schon im vergangenen Jahr gemacht, als zwar die Inflationsrate aufgrund der starken Ölpreissteigerungen hoch war aber die Inflationserwartungen und die Kernrate relativ stabil bei 2 Prozent lagen. Die Gemeinschaftsdiagnose hat im Herbst 2008 darauf auch hingewiesen (ab Seite 76).

Samstag, 17. Oktober 2009

Lesestoff 2009-10-17

So, hier die Links für heute:
  1. Das Buch von Carmen Reinhart und Ken Rogoff über Finanzkrisen ist erschienen. Die Autoren betrachten darin das Entstehen und den Verlauf von Finanzkrisen in den vergangenen Jahrhunderten. Wer sich für das Thema interessiert, für den ist das sicherlich eine Pflichtlektür. Eine Onlineversion kann man hier runterladen.
  2. Mal was eher BWL-lastiges: Eine Studie hat die Beweggründe und das private Umfeld von Leuten untersucht, die sich selbstständig machen. Z.T. sehr interessante Einblicke.
  3. David Altig disskutiert im Macroblog anschaulich die Rolle der Geldpolitik bei der derzeitigen Rezession.
  4. Wanne know, why the financial system collapsed? Answer is here.
  5. Und hier noch eine kurze aktuelle Meldung, die zeigt, dass der richtige Aufschwung in den USA wohl noch auf sich warten lässt.
Ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Ein paar Hinweise zur Gemeinschaftsdiagnose

Im internationalen Teil betont die Gemeinschaftsdiagnose (GD) , dass die Folgen der Finanzkrise das Wachstum noch längere Zeit dämpfen werden. Außerdem werden die Risiken betont, die sich dadurch ergeben, dass die extrem expanisve wirtschaftspolitik weltweit demnächst irgendwann beendet werden muss.

"Erhebliche Risiken für die Weltwirtschaft bergen zudem die Herausforderungen, die das Ende der Rezession für die Wirtschaftspolitik mit sich bringt. Der Ausstieg aus der expansiven Wirtschaftspolitik kann zu früh, aber auch zu spät erfolgen. In der Prognose wird unterstellt, dass der Expansionsgrad von Geld- und Finanzpolitik erst dann zurückgeführt wird, wenn die Wirtschaft nicht mehr auf die wirtschaftspolitischen Impulse angewiesen ist. Dem Finanzsektor werden im Prognosezeitraum nach und nach Stützen von Seiten der Wirtschaftspolitik entzogen. Schon im September ist die staatliche Garantie der Geldmarktfonds in den USA beendet worden, und im Oktober läuft dort ein Programm zur Übernahme von Garantien für Schuldverschreibungen von Finanzinstituten aus. Ob der Finanzsektor auf solche Hilfsmaßnahmen tatsächlich nicht mehr angewiesen ist, muss sich erst noch erweisen."

Für den Euroraum und Deutschland wird die Gefahr einer Kreditklemme betont; für das Basisszenario spricht aber einiges dafür, dass nötige Maßnahmen getroffen werden, um das schlimmste zu verhindern.

"Aufgrund der noch zu tätigenden Abschreibungen im Bankensektor ist ferner damit zu rechnen, dass die Standards für Unternehmenskredite im Verlauf des Prognosezeitraums noch weiter verschärft werden. Zu einer ausgeprägten Kreditklemme wird es im Euroraum aber wohl nicht kommen, da bereits staatliche Programme zur Stützung des Kreditangebots bestehen und die Politik mit weiteren Maßnahmen reagieren dürfte, sollte sich abzeichnen, dass die Gefahr einer Unterversorgung der Wirtschaft mit Krediten deutlich zunimmt."

"In den kommenden Quartalen dürfte sich die Situation auf dem Kreditmarkt verschlechtern, weil der Bankensektor aus verschiedenen Gründen Abschreibungen wird vornehmen müssen und dadurch die Eigenkapitalausstattung einer zunehmenden Anzahl von Banken zurückgehen dürfte. Quantitativ am bedeutsamsten werden wohl nun nicht mehr Abschreibungen auf „toxische“ Wertpapiere sein, sondern die durch eine steigende Zahl von Unternehmensinsolvenzen konjunkturell bedingten Abschreibungen. Zusätzlich wird die Bilanzsituation der Banken wohl weiter dadurch belastet, dass sich der Prozess von Bonitätsherabstufungen fortsetzt. Selbst ohne Realisierung von Abschreibungen sinkt dadurch aufgrund der höheren Gewichtung von risikoreicheren Anlagen die risikogewichtete Eigenkapitalquote der Banken. Während bisher in erster Linie Groß- und Landesbanken Abschreibungen vornehmen mussten, könnte es in Zukunft auch verstärkt die Genossenschaftsbanken und Sparkassen treffen, weil in den kommenden Quartalen der Großteil der Abschreibungen aus dem Kreditgeschäft, die das Kerngeschäft dieser Banken darstellt, und nicht wie bislang aus den Portfolien mit „toxischen“ Assets kommen dürfte.

Es sind jedoch verschiedene Entwicklungen denkbar, die eine Kreditverknappung kompensieren bzw. ihren Effekt abmildern könnten. So könnten Banken bei einer Verschärfung der Lage eher geneigt sein, die von der Bundesregierung bereitgestellten Instrumente zur Bewältigung von Eigenkapitalproblemen in Anspruch zu nehmen (Rekapitalisierungsmaßnahmen im Rahmen des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung sowie Einrichtung von Bad Banks im Rahmen des Gesetzes zur Fortentwicklung der Finanzmarkt stabilisierung). Eine gewisse Entspannung könnte von einer Wiederbelebung des Verbriefungsmarktes kommen, die bereits in Ansätzen zu erkennen ist. Auch haben insbesondere Großunternehmen, die laut Bank Lending Survey im weiteren Verlauf besonders stark von der zurückhaltenden Kreditvergabe betroffen sind, die Möglichkeit Schuldverschreibungen zu emittieren, zumal die Renditen in den letzten Monaten stark gesunken sind. Trotz alledem ist selbst im günstigsten Fall mit Reibungsverlusten bei der Unternehmensfinanzierung zu rechnen."

Auch um die Höhe der konjunkturbedingten Abschreibungen zu minimieren, fordern die Institute die EZB auf, den Leitzins unter das derzeitige Niveau zu senken; sie gehen aber davon aus, dass dies nicht geschehen wird.

"Die Institute gehen weiterhin davon aus, dass die EZB den Hauptrefinanzierungssatz nicht unter das derzeitige Niveau von 1 % senken wird. Erstens scheint sie die Risiken, die sich aus einem Zinssatz nahe 0 % für das Funktionieren bestimmter Bereiche der Finanzmärkte ergeben könnten, höher als andere Zentralbanken einzuschätzen. Zweitens hat sie ein Hauptziel, das sie seit Ausbruch der Finanzkrise verfolgte, nämlich den Geldmarkt wiederzubeleben, durch ihre liquiditätspolitischen Maßnahmen erreicht, auch wenn dieser noch nicht wieder voll funktionsfähig ist. Drittens hat die EZB durch die relative Verschiebung der Fristigkeiten der angebotenen Refinanzierungsgeschäfte hin zu längeren Laufzeiten direkt die Geldmarktzinsen am langen Ende gedrückt. Schließlich hat sie mit dem Aufkaufprogramm für Pfandbriefe gezeigt, dass sie eher gewillt ist, punktuell auf bestimmten Marktsegmenten für langfristige Anlagen mit quantitativen Lockerungsmaßnamen zu intervenieren, als das kurzfristige Zinsniveau weiter zu senken.
Die Maßnahmen der EZB, die über die Zinspolitik hinausgehen, sind zu begrüßen, denn sie haben die durch die Finanzkrise beeinträchtigte Funktionsfähigkeit des Bankensektors verbessert. Darüber hinaus sprechen die aufgrund der persistent niedrigen Kapazitätsauslastung sowie der Verlangsamung der breiten Kredit- und Geldmengenentwicklung niedrigen Inflationserwartungen dafür, den Hauptrefinanzierungssatz auf 0,5 % zu senken. Dies hatten die Institute in ihrer Diagnose vom Frühjahr empfohlen. Allerdings könnte eine Zinssenkung im Widerspruch zu der Notwendigkeit stehen, die Liquiditätsbereitstellung auf ein Normalmaß zurückzuführen, so dass sich der Tagesgeldsatz wieder an den Hauptrefinanzierungssatz anpasst und von der reichlichen Liquidität keine Gefahren für die Preisstabilität auf Finanz- und Gütermärkten ausgehen."

Hervorgehoben wird die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt in Deutschland, die vor allem auf zwei Faktoren zurückgeführt wird: Hortung von Arbeitskräften wegen Fachkräftemangels und die Lohnmoderation der vergangenen Jahre.

"Dass sich die Lage am Arbeitsmarkt in Anbetracht der Krise so wenig verschlechtert hat, dürfte zum einen eine Folge des im vergangenen Aufschwung beobachteten Fachkräftemangels sein. Das Horten von Arbeitskräften wurde zudem durch den erweiterten Zugang zum Instrument der Kurzarbeit und flexiblere tarifvertragliche Regelungen wie Arbeitszeitkonten erleichtert. Zum anderen dürfte die bemerkenswerte Lohnmoderation der vergangenen Jahre eine Rolle gespielt haben. Hierdurch ist die Relation von realen Lohnkosten zu Produktivität nach 2003 zunächst deutlich gesunken, um sich dann mit der 2006 einsetzenden Zunahme des Arbeitsvolumens und ab 2008 auch wegen des stärkeren Lohnanstiegs wieder ihrem alten Niveau anzunähern. Gleichwohl lag sie zu Beginn der Rezession deutlich unterhalb ihres Standes vor Beginn der Lohnmoderation. Ohne die Rezession hätte sich deshalb der Anstieg des Arbeitsvolumens im Jahr 2009 wohl fortgesetzt."

Ansonsten ist noch der Abschnitt über die mittelfristige Haushaltskonsolidierung (ab Seite 66) interessant.

Herbstgutachten der Gemeinschaftsdiagnose

Heute um 11h wurde das Gutachten der Gemeinschaftsdiagnose offiziell veröffentlicht. (Es kann z.B. hier eingesehen werden.) Die Institute gehen für dieses Jahr von einem Rückgang des realen BIP um 5 Prozent aus und für das kommende Jahr von einem Anstieg um 1,2 Prozent. Weitere Kommentare später.

Update: Erste Pressemeldungen zum Herbstgutachten (SPON, FTD, Handelsblatt, SZ, FAZ).

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Prognosen in der Krise

Paul Krugman spricht sich dafür aus, Prognosen zurzeit stärker auf fundamentalen Analysen der Situation und weniger auf konventionellen Frühindikatoren zu basieren.

Für Prognosen, die - sagen wir mal - das kommende Jahr betreffen, ist dem zuzustimmen, weil - gerade was die monetären Indikatoren angeht - die Zusammenhänge zwischen Variablen durch die Finanzkrise und das sehr niedrige Zinsniveau wahrscheinlich andere sind als in den historischen Daten. Für die laufende Entwicklung und das nächste Quartal sind die konventionellen Indikatoren (wie Auftragseingänge, Unternehmensbefragungen und Ähnliches) und Modelle aber sicherlich immer noch hilfreich, weil die Auswirkungen der Krise ja auch in den Indikatoren reflektiert wird.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Industrieproduktion in 09Q3

Nachdem die Industrieproduktionsdaten für August veröffentlicht wurden und auch die Auftragseingänge für August vorliegen, kann man die Entwicklung der Industrieproduktion im Durchschnitt des dritten Quartals schon recht gut abschätzen. Interessant für die Schätzung des BIP im dritten Quartal ist dann die daraus abgeleitete Entwicklung der Bruttowertschöpfung im produzierenden Gewerbe.

Ich habe meine Modelle gerade “angeschmissen” und komme zu den folgenden Ergebnissen. Für die Industrieproduktion (ohne Bau) schätze ich eine annualisierte Rate von 13.2 Prozent für’s dritte Quartal. Für die Veränderung der realen Bruttowertschöpfung im produzierenden Gewerbe ergibt sich auf Basis dieser Zahl und anderer Modelle auf Basis der Auftragseingänge eine durchschnittliche Prognose von 13.1 Prozent, wobei die Modelle auf Basis der Produktion mit 11.5 Prozent im Durchschnitt deutlich unter den Modellen auf Basis des Auftragseingangs (18.2 Prozent) liegen.

(Ich verwende hier den Ansatz, die Prognosen mehrere Modelle zu mitteln. Üblicherweise erhält man damit eine höhere Prognosequalität. Vielleicht später mal ein ausführlicher Post zu diesem Thema.)

Montag, 12. Oktober 2009

Lowercase W = Wellblech

In den USA ist die Beschreibung des Konjunkturprofils anhand von Buchstaben schwer en vogue. Jetzt werden sogar schon Kleinbuchstaben zur Differenzierung der unterschiedlichen Sichtweisen herangezogen.

Ich kann mich erinnern, dass in Deutschland während der Schwächephase zwischen 2002 und 2005 der Ausdruck von der "Wellblechkonjunktur" häufig bebraucht wurde, um zu beschreiben, dass es keinen richtigen Aufschwung gab, sondern immer wieder kleine Rückschläge und Erholungsansätze. (Der Begriff wurde auch in den 1980er Jahren schon gebraucht.)

Zu übersetzen scheint das heutzutage mit "lowercase W" zu sein. Da ist der deutsche Begriff doch viel schöner und man sollte den Amis mal zu etwas mehr Kreativität raten.

And the Winner Is...

Soeben wurde bekannt gegeben, dass in diesem Jahr Elinor Ostrom und Oliver E. Williamson den "Wirtschaftsnobelpreis" erhalten. Ostrom hatte wohl niemand "auf dem Schirm", während Williamson auf den Kandidatenlisten stets oben dabei war.

Update: Elinor Ostrom ist nebenbei die erste Frau, die den Wirtschaftsnobelpreis erhält.
Update 2: Eine Einschätzung von Paul Krugman.
Update 3: Ein Kommentar von Steven Levitt ("[...] the economics profession is going to hate the prize going to Ostrom even more than Republicans hated the Peace prize going to Obama. Economists want this to be an economists’ prize (after all, economists are self-interested). This award demonstrates, in a way that no previous prize has, that the prize is moving toward a Nobel in Social Science, not a Nobel in economics.")

Update: Wetten auf "Nobelpreisträger" für Wirtschaftswissenschaften

Hier die Vorhersagen der Teilnehmer des Tippspiels an der Harvard-Universität.

Bald wissen wir mehr...!

Samstag, 10. Oktober 2009

Lesestoff 2009-10-10

Heute starten wir mal wieder mit einem Beitrag zur Krise der Ökonomie:
  1. Im Handelsblatt ein Auszug aus dem neuen Buch von Olaf Storbeck, in dem er die Diskussion über den falschen Fokus in der VWL aufnimmt. U.a. spricht er über den Beitrag von Colander et al. (hier).
  2. In der Zeit ein Interview mit Timothy Geithner über Finanzmarktregulierung, die Sparquote in den USA, die internationale Koordination der Wirtschaftspolitik und den Wert des US-Dollars.
  3. Der Economist kommentiert das Wahlergebnis in Deutschland. (Mal nett einen Blick von außen zu lesen...aber im Endeffekt wenig originell.)
  4. Außerdem meint er, in China (noch) keine Blasen zu sehen. (Anders als die SG-Studie und der IWF.)
Allen ein schönes Wochenende.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Wetten auf "Nobelpreisträger" für Wirtschaftswissenschaften

Eugene Fama scheint bei den Wettanbietern der Favorit auf den Nobelpreis zu sein. Eigentlich komisch; denn ich denke/glaube/hoffe, dass mitten in der schwersten Finanzmarktkrise seit Jahrzehnten nach einer der größten Vermögenspreisblasen der Geschichte nicht ein Vertreter unseres Fachs geehrt werden sollte, der bis heute die uneingeschränkte Effizienz der Kapitalmärkte postuliert und die Existenz von Blasen so oft und gut wie möglich leugnet (hier und hier).

Deutsche Bankenaufsicht

Die Regierung in spe scheint sich darauf geeinigt zu haben, die deutsche Bankenaufsicht in Zukunft komplett bei der Bundesbank anzusiedeln (hier und hier). Diese soll demnach die Zuständigkeiten der BaFin übernehmen. Dies ist sicherlich ein guter Schritt, wenn man die Abstimmungsprobleme während der Finanzkrise bedenkt (dem ersten größeren Ernstfall für die Bankenaufsicht in Deutschland) und die Tatsache, dass Stabilität im Bankensektor, Geldpolitik und makroökonomische Entwicklung sehr interdependent sind (siehe einen Forschungsbeitrag von mir und Koautoren dazu).

Freakonomics

Wozu Ökonomen doch alles gut sind (hier).

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Europäische Finanzaufsicht

Wolfgang Münchau plädiert für die mittelfristige Einführung einer gesamteuropäischen Finanzaufsicht, um die transnationalen Finanzmärkte effektiver kontrollieren zu können. Ökonomisch sicher angesagt - politisch wahrscheinlich nicht durchsetzbar.

Auftragseingänge in der Industrie

Weiter positive Signale von den Auftragseingängen in der deutschen Industrie - zumindest auf den ersten Blick. Insgesamt stiegen diese im August um 1,4 % - das ist der sechste Anstieg in Folge. ABER: 1) liegen sie noch immer ca. 20 % unter dem Vorjahreswert, 2) gingen die Aufträge aus dem Inland zurück, während nur jene aus dem Ausland zulegten, 3) beschleunigte sich der Rückgang der Auftragseingänge bei den Konsumgüterproduzenten.

Für eine starke interne Dynamik des "Aufschwungs" spricht das nicht!

Zinswende

Wird nach Israel und Australien auch die Fed bald die Zinsen erhöhen? Ich denke, das wird noch ein bisschen dauern. Aber sie wird wohl früher damit beginnen als die EZB (hier).

Liquidität und Solvenz

Willem Buiter beschreibt in seinem Blog noch mal anschaulich den Unterschied zwischen Liquidität und Solvenz im Bankensektor und welche ökonomischen Implikationen dieser hat. Er zeigt, dass sich die Politik im vergangenen Jahr in erster Linie versucht hat die Liquidität im Bankensystem wiederherzustellen bzw. die Banken dahin zu treiben viel zu viel liquide Aktiva zu halten, während eigentlich die Zentralbanken einfach nur als letzte Instanz für "Notliquidität" herhalten könnten. Im Gegensatz dazu wurde laut Buiter sträflich vernachlässigt das Solvenzproblem im Bankensektor auch nur annähernd ausreichend zu thematisieren und darauf wirtschaftspolitisch zu reagieren.

Hintergrund: Nach dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise im vergangenen Herbst konnten Banken nicht mehr auf dem "freien Markt" kurzfristig liquide Aktiva handeln, weil das Vertrauen zwischen Banken weg war. Das wurde durch die Notenbanken aufgefangen. Aber es ist immer noch so, dass die Banken viel mehr Liquidität halten als sie eigentlich benötigen, weil sie immer noch nicht sicher sind, ob sie im Notfall schnell genug Mittel am Markt aufnehmen können, wenn es bei ihnen zu einem Liquiditätsengpass kommt. Hier geht es also um kurzfristige Liquiditätsengpässe.

Dagegen ist das Hauptproblem im Bankensektor (weswegen auch über eine Kreditklemme orakelt wird), dass das Eigenkapital der Banken relativ zu ihrer Bilanzsumme zu gering ist - die durchschnittliche Bank steht der Insolvenz näher als es gut wäre. Hier geht es also um eine Schieflage in der Bilanz der Banken. Dieses Problem ist aber - gerade in Deutschland - bislang noch nicht mit besonders viel Energie angegangen worden.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Interbankenmarkt

Europe EconoMonitor hat einen interessanten Beitrag über den Interbankengeldmarkt im Euroraum, in dem die Ergebnisse der "Geldmarktumfrage" der EZB interpretiert werden.

Die wichtigste Schlussfolgerung scheint zu sein, dass bei Weitem noch nicht wieder alles im Lot ist im Bankensektor - vor allem kleinere und mittelgroße Banken scheinen immer noch immense Schwierigkeiten zu haben sich am Markt kurzfristig Liquidität zu beschaffen:
"Our impression is that there is a non-negligible part of the banking system plainly cut-off from market funding."
Noch keine Vollständige Entwarnung also was die Bankenkrise angeht!

Montag, 5. Oktober 2009

Der "Quasi-Bankrott"

George Soros hat sich zum Zustand der US-amerikanischen Wirtschaft und seines Bankensystems im besonderen geäußert. Sein Fazit: Das Bankensystem ist faktisch bankrott und eine kräftige Erholung nicht in Sicht.

Vielleicht etwas pointiert - aber wenn Soros eine Meinung hat sollte man auf jeden Fall zweimal drüber nachdenken.

Einziger Punkt, in dem ich gar nicht zustimme: Ich denke die Reihe von Zinsanhebungen wird im Euroraum später einsetzen als in den USA.

Dividendenmoratorium für Banken

Axel Weber, Chef der Bundesbank, plädiert dafür, im Notfall Banken mit einem Verbot von Dividenenausschüttungen dazu zu zwingen, mehr Eigenkapital aufzubauen, sollten diese dies nicht von alleine tun.

J. Ackermann wird dazu zitiert:
"Man muss auch die Aktionäre zufriedenstellen."
Und Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken und Chef von HSBC Trinkaus & Burkhardt:
"Es ist die ureigenste Pflicht eines Vorstands, selbst zu erkennen, wenn er Gewinne einbehalten sollte. Da brauche ich keinen Hinweis von Herrn Professor Weber."
Da fragt man sich vor allem beim letzten Zitat, wie dann letztes Jahr Banken zuhauf vor der Insolvenz standen. Anscheinend hatten die Herren Banker jedenfalls bis dahin Schwierigkeiten einzuschätzen, wie viel Eigenkapital sie brauchen!

Samstag, 3. Oktober 2009

Lesestoff 2009-10-03

Hier die neuen "Fundstücke":
  1. Während der Arbeiten zur Gemeinschaftsdiagnose habe ich mich mal wieder ein wenig mit der Finanzkrise befasst. Ein Aufsatz von Bezemer weist darauf hin, dass eine bestimmte Art von Modellen, nämlich jene die Finanzierungsströme berücksichtigt, wirkungsvoll bei der Identifizierung der Krise waren. (Hier die Kurzzusammenfassung.)
  2. In der Zeit habe ich ein interessantes Streitgespräch zwischen dem Jesuitenpater Friedhelm Hengsbach und dem ordoliberalen Ethiker Karl Homann gefunden, in dem die beiden über das moralische Fundament des Kapitalismus diskutieren.
Ein schönes Wochenende!

Freitag, 2. Oktober 2009

Schwache Binnennachfrage in den USA

In den USA scheint die Binnennachfrage immer noch am Boden zu liegen. Nachdem, der Einkaufsmanagerindex für Chicago bereits wieder unter die "Expansionsschwelle" gesunken war, lassen die neuen Daten zum Automarkt vermuten, dass die Erholung der vergangenen Monate ausschließlich auf die US-Version der "Abwrackprämie" zurückzuführen war.

Vieles spricht im Moment dafür, dass die Erholung der Wirtschaft in der größten Volkswirtschaft der Welt schwach bleiben wird.