Mittwoch, 21. Oktober 2009

Strategie gegen Finanzkrise

Eben ist mir ein außergewöhnlich guter Artikel auf SPON aufgefallen, in dem der Autor dafür plädiert, die Banken stärker zu regulieren bzw. sogar "tief greifende Reformen am System" fordert.

Er zitiert noch mal, wie führende Banker auf die Forderung von u.a. Axel Weber, das Bankensystem stärker zu regulieren bzw. konkret keine Dividenden auszuschütten, bis die Kapitalsituation sich wieder gebessert hat, reagiert haben.

Andreas Schmitz, Chef der Trinkaus-Bank und, immerhin, Präsident des Deutschen Bankenverbands, konnte seine Empörung nur mühsam zügeln. "Es ist die ureigenste Pflicht eines Vorstands, selbst zu erkennen, wenn er Gewinne einbehalten sollte", ließ er sich zitieren. "Da braucht er keinen Hinweis von Herrn Professor Weber."

Dazu habe ich hier eigentlich schon alles gesagt - und stimme mit Wolfgang Kaden überein.

Kaden schreibt im weiteren Text (und dem ist in weiten Zügen uneingeschränkt zuzustimmen):
[...] Zukünftig sollte wieder der Grundsatz gelten: Die Geldversorgung von Unternehmen und Verbrauchern ist eine hoheitliche Aufgabe. Sie obliegt den (staatlichen) Notenbanken. Die Geschäftsbanken handeln als der verlängerte Arm der Notenbanken, quasi als deren Hilfsorgane. Sie sind daher auch nicht mit anderen Unternehmen zu vergleichen. "Die Funktionsfähigkeit der Banken ist ein öffentliches Gut", sagt zu Recht Hannes Rehm, der Sprecher des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin). [...]

Totale Sicherheit wird es in einer freiheitlich organisierten Wirtschaftsordnung nicht geben. Dynamische Systeme sind von Natur aus instabil. Es kann immer nur um ein Mehr oder ein Weniger an Sicherheit gehen. Und das heißt: Bei aller Unvermeidlichkeit von Einbrüchen - das gesamte System der globalen Wirtschaft darf nicht mehr sehenden Auges aufs Spiel gesetzt werden. Mögen die volkswirtschaftliche Kosten für dieses Mehr an Sicherheit auch hoch sein. [...]

Eine Reform, die an die Wurzeln geht, muss das gegenwärtige System der globalen Banken in Frage stellen. Diese Monster-Institute sind heute so allgegenwärtig, dass sie bei einer drohenden Pleite erneut jede Regierung erpressen und zur Hilfeleistung mit Steuergeldern zwingen können. [...]

Sein [William Blakes] Vorschlag läuft dem aktuellen Trend zuwider: "Man muss die Banken zwingen, kleiner zu werden. Einerseits durch Regulierung, andererseits durch Steuern, die höher werden, desto größer sie sind." [...]

Lassen sich Banken wirklich klein-regulieren? Das wird eine schwierige Operation, zumal sie nur Erfolg haben kann, wenn alle bedeutenden Länder mitmachen. Politik und Wirtschaftswissenschaft sind gefordert. Sie dürfen sich nicht durch die Einwände der Banker irritieren lassen. Denn dass die Geldhändler sich, um auf den deutschen Banken-Präsidenten Andreas Schmitz zurückzukommen, "ihrer ureigensten Pflichten besinnen" - darauf sollten wir uns nun wirklich nicht verlassen.

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