Montag, 30. November 2009

Bezahlung vs. Reputation

Anscheinend müssen sich Wirtschaftswissenschaftler irgendwann im Leben fragen, ob sie lieber reicher oder in der Profession mehr respektiert werden wollen (Blog und Paper).

In der Tat ein verwirrendes Ergebniss.

Samstag, 28. November 2009

Lesestoff 2009-11-28

Diese Woche habe ich wieder ein paar empfehlenswerte Texte gefunden:
  1. Ein Beitrag von Axel Leijonhufvud über das Gleichgewichtsparadigma in der Makroökonomie und warum es verhindert, das Wirtschaftsgeschehen besser zu verstehen muss ich einfach wegen eines schönen Satzes empfehlen: “Freshwater” and “saltwater” macroeconomists came to a “brackish” compromise known as the New Neoclassical Synthesis."
  2. Im Handelsblatt stand ein erster Erfahrungsbericht über den neu eingerichteten Prognosemarkt. (Ich liege zur Zeit ungefähr auf Rang 15 von ca. 650 Händlern; not too bad.)
  3. Schon recht "freaky" was die Neuroökonomen so treiben - aber vielleicht hilfts irgendwann ja mal das menschliche Verhalten zu verstehen.
  4. John Gray hält das Buch "Animal Spirits: How Human Psychology Drives the Economy, and Why It Matters for Global Capitalism" von Akerlof und Schiller für interessant aber überbewertet. Seine Rezension ist aber für sich genommen schon lesenswert. (Dank an Nils Jannsen für den Hinweis.)
  5. Zwar keine neuen Erkenntnisse - aber immer wieder gut zu lesen: Die Effekte von Konjunkturpolitik. Diesmal untersucht vom IWF (Studie).
  6. Und noch was für alle Wirtschafts-Doktoranden oder jene, die es mal werden wollen.
Schönes Wochenende!

Donnerstag, 26. November 2009

Modelle mit Geld

Die Finanzkrise scheint zumindest bewirkt zu haben, dass Geld in mehr und mehr Modellen überhaupt mal wieder berücksichtigt wird. Hier ein Beispiel von Charles Goodhart und Dimitri Tsomocos.

Das ist ja immerhin schon mal ein Anfang.

Montag, 23. November 2009

Der unsichere aktuelle Rand

Auf Voxeu ist heute ein Beitrag von Giannone et al. erschienen, in dem die Autoren implizit verdeutlichen, wie unsicher allein die Datenlage für makroökonomische Daten am aktuellen Rand ist. Dass dann die Prognosen mit noch viel größerer Unsicherheit behaftet sind, kann man sich ja an drei Fingern abzählen.

Heißt das, das alle Prognosen Blödsinn sind? Ich denke nicht. Die Aufgabe jedes Prognostikers besteht aber darin, die Unsicherheit möglichst akkurat zu beziffern, damit Entscheidungsträger sie in ihr Kalkül mit einbeziehen können.

Samstag, 21. November 2009

Lesestoff 2009-11-21

  1. Axel Börsch-Supan spricht in einem Interview über den Demographiewandel in Deutschland und darüber, wie gut die Sozialsysteme in Deutschland darauf eingestellt sind.
  2. Auf Voxeu ist eine einfach zu lesende Zusammenfassung des Aufsatz von Paul De Grauwe erschienen, den ich hier verlinkt hatte.
  3. Auch auf Voxeu ein Plädoyer dafür den Bankensektor rasch zu rekapitalisieren, weil eine Dämpfung des Kreditangebots den Aufschwung verzögern könnte.
  4. Außerdem habe ich noch ein interessantes Interview über Blasen, Renditedruck und das Ende der Krise mit Steve Koltes von CVC Capital Partners gelesen.
Ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 19. November 2009

MwSt auf Hotelübernachtungen

Der von SPON zitierte Ausspruch von Thomas de Maizière passt auf die ganze Idee/den ganzen Beschluss: "ein bisschen gaga".

Warum kann eine der Parteien sich nicht mal dazu durchringen sich als obersten Programmpunkt "Anti-Klientel-Politik" auf die Fahnen zu schreiben und das dann auch durchzuziehen?

Dividenden statt Jobs?

Dieter Fockenbrock vom Handelsblatt findet es gut, dass deutsche Topkonzerne tendenziell den gesamten Unternehmensgewinn an die Aktionäre ausschütten - manche sogar an die Reserven gehen, um trotz Rezession üppige Dividenden auszuzahlen. Er begrüßt die Konzentration auf die "Shareholder" anstatt die Interessen aller "Stakeholder" zu berücksichtigen.

Er begründet das mit dem üblichen Argument, dass sich Deutschland ja nicht dem internationalen Kapitalmarkt entziehen könne und die Interessen der Aktionäre bedienen müsse, damit auch im nächsten Aufschwung genug Kapital nach Deutschland fließt...blablabla. Zitat:
Ein Großteil unseres Wohlstands beruht auf der weltweiten Verflechtung. Das gilt auch für die Kapitalbeschaffung. Wenn es wieder aufwärtsgeht, wird der Kapitalhunger groß sein. Dann erinnern sich die milliardenschweren internationalen Investoren gern an Dividendenkönige in schweren Zeiten.
Ist es aber nicht so, dass Deutschland seit Jahren (sowohl während der Wachstumsschwäche ab 2002 als auch im vergangenen Aufschwung) einen gewaltigen Leistungsbilanzüberschuss produziert - es also an so Manchem mangeln mag, aber wohl nicht an Kapital? Deutschland ist seit Jahren per Saldo nicht auf ausländisches Kapital angewiesen.

Bottom-Up Macroeconomics

In einem neuen Diskussionspapier stellt Paul De Grauwe ein makroökonomisches Modell vor, in dem die Wirtschaftssubjekte immer nur einen kleinen Teil des Geschehens verstehen und durch "trial and error" herausfinden müssen, wie sie sich am besten innerhalb des Gesamtsystems verhalten sollten.

Im Gegensatz zu den heutigen Standardmodellen gibt es in diesem Modell endogene Konjunkturzyklen, die durch Optimismus- bzw. Pessimismuswellen getrieben werden. Dieses Feature hat auch weitreichende Auswirkungen für Wirkung von Geldpolitik - die nämlich abhängig vom jeweils aktuellen Zustand des Systems wird.

De Grauwes Schlussfolgerungen:

First, the behavioural model creates correlations in beliefs which in turn generate waves of optimism and pessimism. The latter produce endogenous cycles which are akin to the Keynesian animal spirits.

Second, the bottom-up behavioural model produces a degree of uncertainty about the transmission of monetary policy shocks that is different from the uncertainty obtained in rational expectations (DSGE) -models. In the latter linear models, uncertainty about the effects of monetary policy shocks arises only because of the lack of precision in the estimation of the structural parameters of the model. In the behavioural model there is an additional dimension to uncertainty. This is that the same policy shock can have different effects depending on the state of the economy, including the degree of optimism and pessimism agents have about the future.

Finally, the behavioural model provides for a very different theory of the business cycle as compared to the business cycle theory implicit in the rational expectations (DSGE) models. [...] In contrast to the rational expectations model, agents in the behavioural model experience an informational problem. They do not fully understand the nature of the shock nor its transmission. They use a trial and error learning process aimed at distilling information. This cognitive problem then creates the inertia in output and prices. Thus a very different theory of the business cycles is obtained.
Vergleiche auch hier und hier.

Dienstag, 17. November 2009

Ackermann schlägt Bankenotfallfonds vor

Josef Ackermann hat vorgeschlagen, einen Notfallfonds einzurichten, der in Zukunft einspringen könnte, wenn einzelne Banken in Schieflage kommen. Der Fonds soll nach Ackermanns Meinung von Mitteln der Banken und staatlichen Geldern gespeist werden.

Frage: Warum genau soll sich eigentlich der Staat an dem Fonds beteiligen? (Ist das der Versuch auf die Diskussion zu reagieren, eine Steuer einzuführen, die sich nach der Höhe der Bankbilanz richtet, weil diese ja die Banken implizit in einen solchen Fonds einzahlen lassen würde - und zwar alleine?)

Montag, 16. November 2009

Kurzfristige Refinanzierung der Banken

Eine Studie von Moody's zeigt anscheinend, dass bei dem gegebenen Regulierungsrahmen die Niedrigzinspolitik der vergangenen Jahre - und insbesondere der vergangenen Quartale - erste negative Konsequenzen auch für die Refinanzierungsstruktur der Banken weltweit hat (hier).

Die Analyse von 25 Bankensystemen weltweit zeige, dass die durchschnittliche Laufzeit neu ausgegebener Bankanleihen, die von Moody's bewertet werden, in den vergangenen fünf Jahren von 7,2 Jahren auf 4,7 Jahre gefallen seien.

D.h. Banken refinanzieren sich immer mehr über kurzfristige Anleihen, weil das Niveau der kurzfristigen Zinsen einfach so niedrig ist. Und den Banken selber kann man da noch nicht mal einen Vorwurf deswegen machen...

...ABER: es ist fehlende/falsche Regulierung, die unmittelbar die ganzen Probleme verursacht - nicht der mittelbare Effekt der Geldpolitik.

Arbeitsplatzabbau in der Industrie

Die Wirtschaftskrise schlägt weiter auf den Arbeitsmarkt durch. Vor allem die Industrieunternehmen bauen weiter Beschäftigung ab (hier). Ende September lag die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe um 4,4 % unter dem Vorjahresstand.

Das wird sich wohl auch noch eine Weile so fortsetzen, weil der Aufschwung nicht stark genug ist, neue Jobs entstehen zu lassen - und der Arbeitsplatzabbau üblicherweise der Wirtschaftsentwicklung etwas "hinterher läuft".

Update: Kfz-Steuer in den Niederlanden

Experten begrüßen die neue niederländische Steuersteuersteuer - die deutsche Öffentlichkeit (angeblich) nicht (hier).

Kfz-Steuer in den Niederlanden

In den Niederlanden soll eine verbrauchsorientierte Kfz-Steuer das herkömmliche System ersetzten (hier und hier). In Zukunft sollen alle Autos nach der Anzahl der gefahrenen Kilometer besteuert werden - dafür fällt die "flat tax" weg.

Meiner Ansicht nach der richtige Weg, Umweltverschmutzung und Straßenabnutzung dort zu besteuern, wo sie entstehen.

Auch Greg Mankiw, der Pigou-Steuer-Fan, scheint sich zu freuen.

Freitag, 13. November 2009

Wirtschaft in 09Q3 auf Erholungskurs

Das reale Bruttoinlandsprodukt in Deutschland lag im dritten Quartal um 0,7 % über dem Wert vom Vorquartal - das ist etwas weniger als ich erwartet hatte. Dafür wurde aber der Anstieg im zweiten Quartal um 0,1 Prozentpunkte nach oben revidiert.

Das Statistische Bundesamt schreibt zu den vorläufigen Zahlen:
Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) insbesondere von den Exporten und den Investitionen in Ausrüstungen und Bauten. Allerdings stiegen auch die Importe im Vergleich zum Vorquartal kräftig an, was unter anderem zu einem Aufbau der Lagerbestände führte. Die privaten Konsumausgaben gingen dagegen zurück und bremsten das Wirtschaftswachstum.
Detaillierte Ergebnisse gibt es dann am 24. November 2009.


Donnerstag, 12. November 2009

Mittwoch, 11. November 2009

Credit Crunch? Or Not?

André Kühnlenz schreibt im Wirtschaftswunder einen schönen Überblick über die Kreditmarktentwicklung im Euroraum und in Deutschland (und zitiert netterweise aus der Gemeinschaftsdiagnose und dem Gutachten des IfWs fürs BMF).

Bottom line: Es könnte gut sein, dass wir just in diesen Monaten in die Kreditklemme laufen - jedenfalls stimmen die Zahlen zu den Kreditvolumina nicht sehr optimistisch.

Dienstag, 10. November 2009

Industrie boomte im dritten Quartal

Die Industrieproduktionszahlen für September waren noch mal "bombastisch", so dass die Industrieproduktion im dritten Quartal insgesamt gegenüber dem zweiten (real und saisonbereinigt) um 3,5 % zugenommen hat - das sind annualisierte 14,8 %. Das heißt, dass das BIP im dritten Quartal eigentlich um mehr als 1 % zugenommen haben müsste - die Zahlen werden am 13.11. bekannt gegeben.

Ich hatte im Übrigen nach Bekanntgabe der August-Zahlen eine annualisierte Rate von 13,2 % für die Industrieproduktion geschätzt - jetzt ist es noch besser gekommen.

Eine Studie - zwei Meldungen

Die FTD betont mittelfristiges Preissenkungspotential für die Gaspreise und SPON macht eine Schlagzeile damit, dass es langfristig wohl zu wenig Erdgasförderung geben wird, um bei heutigen Bedingungen die Nachfrage zu befriedigen, und dadurch die Preise wohl stark steigen werden.

Beide Meldungen basieren auf der gleichen Studie der IEA.

Fazit: Gerade wenn's um Prognosen geht...immer genau lesen. Was wird prognostiziert? Auf welchen Prognosehorizont beziehen sich bestimmte Aussagen? Und wie prognostiziert man überhaupt den Weltmarkt für Erdgas im Jahr 2030?

Einstellung deutscher Ökonomen

Vor ein paar Wochen berichtete ich über eine Studie, die die Einstellung von US-Ökonomen untersucht, und fragte, ob es sowas auch für Deutschland gibt.

Jetzt gibt es es: Ulrich Fritsche hat in seinem Blog einen Aufsatz von Frey et al. verlinkt, in dem die Autoren eine Umfrage unter den Mitgliedern des Vereins für Socialpolitik auswerten.

Bottom line: Der deutsche Ökonom ist Neoklassiker und findet, dass man in einem Forschungsbereich richtig, richtig, richtig gut sein sollte.

Montag, 9. November 2009

Ostdeutschland 20 Jahre nach dem Mauerfall

Michael Burda, amerikanischer Ökonom und Professor in Berlin, findet, dass der Aufholprozess in Ostdeutschland schon ganz schön weit vorangekommen ist - und das stimmt ja auch, wenn man sich die Ausgangslage (in Bezug auf Prokopfeinkommen) 1990 und den derzeitigen Stand vor Augen hält.

Er schreibt aber auch in seinem Fazit:
The last bit of convergence is going to be tough. It’s my guess that East Germany in the 21st century will reproduce the existing north-south divide in the West. This is because convergence is not only about equating East and West Germans’ levels of physical and human capital, but also endowing them with the same level of social, institutional, business and marketing infrastructure. On this metric, the Eastern German economy looks like a mixed bag, like much in life, a glass half-empty and half-full at the same time.
HWS schlägt dazu vor, die Sozialtransfersätze (speziell ALG II) nach dem jeweiligen lokalen Preisniveau zu differenzieren, um Arbeitsanreize zu schaffen. Nun ja...das ist wohl einer jener Ökonomenvorschläge, die so fern jeder politischen Durchsetzbarkeit sind, dass man sie schnell wieder vergessen sollte.

Samstag, 7. November 2009

Brown für Beteiligung der Banken an "Aufräumkosten"

Gordon Brown scheint sich dafür einzusetzen, die Banken über Transaktionssteuern an den Krisenkosten zu beteiligen. Von der Zielsetzung her finde ich das begrüßungswert. Ich denke aber, dass man das besser über eine progressive Steuer auf die Bilanzsumme lösen könnte - weil dies neben Einnahmen auch noch Externalitäten (systemisches Risiko durch Großbanken) da besteuern würde, wo sie entstehen (siehe auch hier und hier).

Sollte das nicht durchsetzbar sein - die Transaktionssteuer aber wohl...dann nur her damit!

Lesestoff 2009-11-07

Diese Woche bin ich oft fündig geworden. Hier die zur Abwechslung mal etwas längere Liste:
  1. Das Unbehagen über die andauernde Nullzinspolitik nimmt zu. Wolfgang Münchau plädiert für einen baldigen Exit (hier und hier) und auch Nouriel Roubini warnt.
  2. Das Handelsblatt meint in einem Leitartikel, dass der Ausspruch "Don't waste a crisis." von Rahm Emanuel nicht befolgt wurde - und die Politik international nach Ausbruch der Finanzkrise die Regulierung nur sehr marginal verbessert hat.
  3. Auch aus dem Handelsblatt ein Kommentar zu dem, was die Sozial- und im Speziellen Wirtschaftswissenschaften in der Politikberatung leisten können/sollten.
  4. Und noch mal aus dem Handelsblatt ein Bericht über eine Studie, die sich damit befasst, ob die herrschenden Bilanzregeln ursächlich für den Ausbruch oder zumindest die Eskalation der Finanzkrise waren.
  5. Und schließlich möchte ich noch auf die neue Prognosebörse hinweisen, die das Handelsblatt, das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, das Institut für Informationswirtschaft- und management und das Forschungszentrum Informatik, die beide dem Karlsruher Institut für Technologie angegliedert sind, vor kurzem eingerichtet hat.
Ein schönes Wochenende!

Freitag, 6. November 2009

Zweistellige Arbeitslosenquote in den USA

In den USA ist die Arbeitslosenquote im Oktober auf 10,2 % geklettert und damit erstmals seit 1982 wieder zweistellig (hier).

Da sind wir in Deutschland bislang ja noch gut bedient (Oktober 7,7 %).

Auf Calculated Risk habe ich diesen Zyklenvergleich gefunden (hier):


Gerade die letzten Rezessionen (1990/2001) waren dadurch gekennzeichnet, dass sich der Arbeitsmarkt erst sehr langsam wieder erholte, nachdem die Wirtschaft wieder begonnen hatte zu wachsen. Von dem derzeitigen Niveau des Jobverlustes (über 5 %) ist es bei einem ähnlichen Verlauf noch ein langer, langer Weg zurück zum Vorkrisenbeschäftigungsniveau in den USA.

Krugman gegen Fama (once again)

Think about this and this.

Donnerstag, 5. November 2009

Konjunkturmotor China?

Wenn es stimmt, dass Teile der Arbeitsmarktstatistik (Arbeitsplätze für Uni-Absolventen, keine amtlichen Zahlen, aber von den Universitäten veröffentlicht) gefälscht sind, dann ist das wieder ein Indiz mehr dafür, dass auch die von der Finanzkrise wenig in Mitleidenschaft gezogenen offiziellen Zahlen für die Konjunkturentwicklung in China mit Vorsicht zu genießen sind.

Probleme im Bankensektor

Zweimal anekdotische Evidenz dafür, dass der deutsche Bankensektor noch schwer zu kämpfen hat:
  1. Die Commerzbank muss die Risikovorsorge abermals erhöhen, vor allem, um auf Kreditausfälle in Osteuropa vorbereitet zu sein (hier).
  2. Die Postbank verliert durch Geschäfte mit der inzwischen insolventen CIS (hier).
Bei der hohen internationalen Verflechtung nützt es also nichts, dass sich die Kreditausfälle in Deutschland bislang in Grenzen halten (, obwohl auch das sich in den kommenden Monaten ändern dürfte).

Dienstag, 3. November 2009

US-Arbeitsmarkt noch nicht im Aufschwung

Calculated Risk brachte heute einen Beitrag, in dem die Beschäftigungskomponente des Einkaufsmanagerindex ISM dazu genutzt wird, die Veränderung der Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe in den USA zu erklären bzw. für den abgelaufenen Monat zu prognostizieren.


CR schätzt eine einfache Regressionsgleichung um den Zusammenhang zwischen den beiden Größen abzubilden. Der "Fit" der Gleichung ist erstaunlich gut für monatliche Zeitreihen mit einer hohen Volatilität. CR kommt auf Basis der Gleichung, die in der Abbildung in dem Beitrag geschrieben steht, zu der Prognose, dass die Beschäftigung im VG im Oktober um ca. 4 000 zugelegt haben dürfte.

Zwei Punkte dazu. Ein kleinerer: Die 4 000 ergeben sich, wenn man die gerundeten Koeffizienten aus der Gleichung nutzt. Auf Basis der genauen Schätzung, die CR durchgeführt hat, ergibt sich eine Prognose von ca. 20 000 - also noch eine positivere Einschätzung.

Nun gibt es aber ein kleines Problem - und das ist der wichtigere zweite Punkt: Die Gleichung ist nicht stabil und somit die Prognose nicht optimal. Ich habe den gleichen Zusammenhang modelliert und für Brüche in der Konstanten (in Juli 1980 und März 1999) sowie in dem Koeffizienten für den ISM (in März 1980) kontrolliert. Im Ergebniss ergibt sich, dass das durchschnittliche Wachstum der Beschäftigung nach 1999 deutlich gesunken ist und dass ein Anstieg des ISM seit Anfang der 1980er Jahre nur noch einen kleineren Anstieg der Beschäftigung anzeigt. Beides zusammen führt dazu, dass die Prognose für Oktober auf Basis der korrekt spezifizierten Gleichung nur -7 500 beträgt. Der US-Arbeitsmarkt (zumindest im VG) befand sich also anders als durch CR geschätzt wahrscheinlich immer noch im Abwärtstrend!


Montag, 2. November 2009

Zinsdifferenz und Wechselkurs

Momentan hört man häufig das Argument, dass der Euro weiter gegenüber dem US-Dollar aufwerten wird, weil das Zinsniveau in den Staaten deutlich niedriger ist als im Euroraum und dies auch noch ein Weilchen so bleiben wird und weil dadurch Investitionen im Euroraum attraktiver sind und Kapital anziehen. Zuletzt hat der EZB-Schattenrat dieses Argumentation angeführt, um zu fordern, dass die EZB die Zinsen weiter senken bzw. sich klar zu einer langen Phase der Niedrigzinspolitik bekennen solle (hier).

Die Argumentation ist auf den ersten Blick plausibel. Ein zweiter Blick auf die historischen Verläuf e der Zinsdifferenz zwischen den USA und dem Euroraum (jeweils Deutschland vor 1999) sowie des $/€-Wechselkurses zeigt allerdings nichts von einem solchen Zusammenhang.


Die Daten reichen bis zum zweiten Quartal 2009. Die Korrelation zwischen den beiden Reihen beträgt 0.12 - und auch wenn man eine der beiden Reihen verzögert sieht es nicht viel besser aus.

Sonntag, 1. November 2009

Schrumpfung der Bankenriesen

Nach der von der EU-Kommission geforderten Teilung von ING steht nun auch die Regierung im Vereinigten Königreich davor, die verstaatlichten Banken in Teilen zu verkaufen und so drei neue Großbanken zu schaffen (hier). Die Idee dahinter: Man möchte erstens den Wettbewerb im Bankensektor anfachen und zweitens das Problem des "Too-big-to-fail" minimieren - wobei dies wohl "never ever" realisiert werden kann, wenn selbst der Bankrott von Banken wie der HRE, der IKB oder der HSH-Nordbank als systemgefährdend eingestuft wird.

Die FTD kommentiert wohlwollend aber auch ein wenig skeptisch.