Montag, 28. Dezember 2009

Konjunkturszenarien

Die FTD gibt 4 Konjunkturszenarien des Magazins Capital wider (hier). Weiß der Henker, wie die Experten von Capital an ihre Wahrscheinlichkeiten für die Szenarien gekommen sind. Trotzdem gibt es einen guten Überblick über das, was kommen könnte.

Ich persönlich halte das "japanische Szenario" für wahrscheinlicher, dafür das rosige Szenario 1 für unwahrscheinlicher und würde dem "Horror-Inflatinosszenario" (4. in der Liste) keine Wahrscheinlichkeit über 1 % zumessen (dafür versteht man mittlerweile die Mechanismen der Geldpolitik zu gut).

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Allianz-Prognose

Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, fordert die Geldpolitik schnell zu straffen (ich meine das von ihm auch schon an anderer Stelle gelesen zu haben). Bei einer Allianzprognose für den Anstieg des realen BIP in 2010 von 2,8 % wäre das - eine ähnliche Entwicklung für den übrigen Euroraum unterstellt - wohl auch angebracht.

Ich weiß nur nicht, wo sooo viel Optimismus herkommt. Um nur einen Punkt zu nennen: Es ist alles andere als klar, dass das deutsche Bankensystem wieder gesund genug ist, einen Aufschwung zu finanzieren. Im Gegenteil: Hohe Abschreibungen dürften die Situation im kommenden Jahr noch angespannter werden lassen.

Und bei einer deutlich pessimistischeren Einschätzung der konjunkturellen Dynamik besteht wohl für längere Zeit kein Risiko, dass die Verbraucherpreise deutlich anziehen - eher im Gegenteil: Das Deflationsrisiko ist zwar nicht akut...könnte es aber werden, wenn die EZB zu früh restriktiver wird.

Mit seinem Argumten, dass sich gerade wahrscheinlich schon wieder Blasen an den Finanzmärkten bilden, hat Herr Heise natürlich ein gutes Argument. Nur kann dagegen meiner Meinung nach nicht mit dem gleichen Instrument, das zur Sicherung des Verbraucherpreisniveaus genutzt wird (den EZB-Zinsen), vorgegangen werden, sondern es sollten Mechanismen/Regelungen im Bereich Kapitalanforderungen o.Ä. gesucht werden, die Finanzblasenbildung bei konjunkturell gebotenem niedrigen Zinsniveau verhindern.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Interview mit N. Walter

Norbert Walter, der scheidende Chef-Ökonom der Deutschen Bank, hat dem Handelsblatt ein langes "Abschiedsinterview" gegeben - über Konjunkturprognosen, Bankensektor, wirtschaftspolitische Interventionen, ...

Samstag, 19. Dezember 2009

Lesestoff 2009-12-19

Dies wird die letzte wöchentliche Linksammlung für dieses Jahr sein - ich mache Weihnachtsurlaub! Allen Lesern wünsche ich Fröhliche Weihnachten und einen Guten Rutsch ins kommende Jahr und hoffe alle auch dann wieder auf meiner Seite begrüßen zu können.
  1. Wolfgang Münchau schreibt wider die übermäßige Verbreitung von Kreditderivaten. Meiner Meinung nach sollten diese nur von demjenigen gekauft werden können, der auch den Kredit besitzt - also genau 1 Derivat zur Absicherung von Risiko auf 1 Kreditkontrakt.
  2. Google is everywhere! Der neue Trend im Forecasting. Insbesondere im Bereich der Vorhersage von Epedemien scheint Google ein nützliches Werkzeug zu sein. Für Zeitreihenanalysen fehlen leider lange Reihen...aber so langsam scheint sich auch hier die Nützlichkeit der Google-Informationen zu zeigen.
  3. Eine Studie darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass die USA in den kommenden Jahren ihr Staatsdefizit einfach "weginflationieren". Sicher wäre es gefährlich, wenn die Notenbank die Kontrolle über die Inflationserwartungen verliert. Aber ob ein angekündigtes erhöhtes stabiles Inflationsziel von 4-5 Prozent nicht sinnvoller wäre, als sich sklavisch an den (im Grunde genommen auch beliebigen) 2-3 Prozent festzuhalten - da bin ich mir ehrlich gesagt alles andere als sicher.
  4. Und für alle, die noch ein bisschen über den kürzlich verstorbenen Paul A. Samuelson lesen wollen. Hier der Link zu einer Kurzbibliographie.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Dezemberprognose

Hier gibt's die neue Konjunkturprognose des IfW. Die Prognosen für die Veränderung des realen BIP liegen für 2010 und 2011 bei 1,2 % bzw. 2,0 %.

Auch das IMK hat eine neue Prognose publiziert und rechnet für das kommende Jahr mit einer Wachstumsrate von 2,0.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Kapitalverkehrskontrollen

Ich bin gerade auf eine Pressemitteilung des DIW gestoßen, in der es um eine Einschätzung der jüngsten Ankündigung der EZB geht, die unbegrenzte Liquiditätsversorgung des Bankensektors demnächst wieder einzuschränken. Unter anderem steht darin der folgende Satz, der sich auf eine Situation bezieht, in der die Fed die Inflation nicht unter Kontrolle hält, die EZB dies aber trotzdem tun sollte:
„Die resultierenden Carry Trades in Verbindung mit Kapitalverkehrskontrollen [gemeint sind wohl Kontrollen, die die Carry Trades verhindern] wären eindeutig das kleinere Übel, verglichen mit der Entstehung einer neuen Monsterblase.“
Ich kann das nur so interpretieren, dass hier gefordert wird, für den Fall, dass eine Koordination der Geldpolitik scheitert, unilateral Kapitalverkehrskontrollen einzuführen. Das kann man machen - und vielleicht ist es sogar die "second-best"-Lösung. Aber ziemlich starker Tobak ist es schon...und ich wunder mich, dass dieser Vorschlag anscheinend sonst noch nirgens diskutiert wurde.

Vizemeister

Das IfW, an dem ich bis Dezember 2008 angestellt war, und für das ich auch momentan noch an den Prognosen mitarbeite, ist von der FTD für das Jahr 2009 zum "Vizeprognosemeister" gewählt worden.

Von den Instituten folgen auf den Plätzen 10 und 11 das ifo bzw. das RWI, das IWH auf Platz 16, das IMK auf Platz 20 und das DIW abgeschlagen auf Platz 36.

"Gewonnen" hat Frédérique Cerisier von der BNP Paribas aus Frankreich.

Freitag, 11. Dezember 2009

Globale Finanzmarktsteuer

Nachdem die Briten bereits eine 50-prozentige Steuer auf Boni im Finanzsektor eingeführt haben, scheint sich die EU jetzt darauf geeinigt zu haben, für eine globale Finanzmarktsteuer einzutreten. Es geschehen noch Zeichen und Wunder!

Bleibt nur zu hoffen, dass diese Steuer im Erfolgsfall auch dazu genutzt wird, Externalitäten richtig zu preisen und damit auf eine Reduzierung des systemischen Risikos hinzuarbeiten, und nicht einfach nur zur Einnahmengenerierung konzipiert wird.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Industrieproduktion im Oktober

Die Industrieproduktion ist in Deutschland im Oktober um 1,8 % gegenüber dem September zurückgegangen (saisonbereinigt). Da wird der Aufschwung im vierten Quartal doch keine Pause eingelegt haben? Stark wird das Quartal jedenfalls nicht und die Wachstumswette für 2010 von RvH auf Herdentrieb wäre dann wieder gut im Rennen.

(Keine) Inflationsgefahr

Teile nicht alles, was Lucas Zeise schreibt - aber darauf, dass wir in den kommenden zwei, drei Jahren kein Inflationsproblem bekommen, würde ich wetten (, wenn man denn hier z.B. Leerverkäufe tätigen könnte ;-).

Samstag, 5. Dezember 2009

Lesestoff 2009-12-05

Heute erst mal zwei Beiträge zur Sanierung bzw. Reregulierung des Finanzsektors:
  1. Die deutschen Banken warnen nun auch davor, die Kapitalvorschriften kurzfristig zu erhöhen; ganz so rosig, wie bislang immer von Bankenseite behauptet, scheint es wohl doch nicht auszusehen.
  2. Harald Uhlig möchte am liebsten überhaupt keine Regulierung der Finanzmärkte - jedenfalls hört sich sein im gewohnt forschen Ton aber ohne viel ausgewogene Argumente geschriebener Beitrag danach an. Eigentlich peinlich bis bedenklich, wenn einer der erfolgreichsten deutschen Ökonomen in diesem Stil schreibt. (Wie wohltuend dagegen der Ton der sachorientierten Diskussion in den USA - wie z.B. in diesem Beitrag.)
  3. Im German Economic Review ist jetzt ein ganz witziger Beitrag erschienen, der statistische Methoden zusammen mit Benfords Gesetz nutzt, um vermeintliche Tricksereien in empirischen ökonomischen Aufsätzen aufzudecken.
  4. Schließlich ist diese Woche eine Sammlung von Beiträgen zur Finanzkrise von Forschern des IfW erschienen. Manches davon ist lesenswert, manches eher nicht. Lesenswert: Die Beiträge ab Seite 2, ab Seite 57, ab Seite 93 und ab Seite 109.

Freitag, 4. Dezember 2009

Liquiditätseinschränkung im Euroraum

Im Dezember wird es ein letztes Mal unbegrenzt Zentralbankliquidität für 12 Monate für die Banken im Euroraum geben (hier). Die Liquiditätsparty läuft langsam aus...aber die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Outlook für die US-Wirtschaft

GS ist ziemlich pessimistisch, was die Entwicklung bis Ende 2011 angeht. Und Justin Wolfers weist richtigerweise darauf hin, dass Unsicherheit über diese Entwicklung nicht automatisch heißt, dass die Zinsen früh steigen müssen, da die Unsicherheit ja in beide Richtungen wirkt.

Verhinderung der Kreditklemme

Anscheinend wurden heute auf dem "Anti-Kreditklemmen-Gipfel" einige Maßnahmen beschlossen, bzw. von Banken versprochen, die das Kreditangebot für sich genommen erhöhen sollten.

Das ist auch alles gut und schön - nur die Rekapitalisierung des Bankensektors treibt das nicht voran. Und im hinblick auf die Wachstumsaussichten für die kommenden Jahre sehe ich dies als ein zu lösendes Haupthindernis (siehe auch die Meinung hier).

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Sind die Angelsachsen die neuen Japaner?

Das befürchtet zumindest der Economist, auch wenn die wirtschaftpolitischen Reaktionen auf die Finanzkrise mit ihren enormen Vermögensverlusten viel stärker waren als in Japan zu Beginn der 1990er. In dem Artikel ziehen die Autoren dennoch Parallelen zwischen der Entwicklung des Sparverhaltens der Privaten und des öffentlichen Sektors.

Eine ähnliche Story erzählt auch Richard Koo mit seinem Konzept der balance sheet recession.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Buiter hat ausgebloggt

Willem Buiter stellt Ende des Jahres seinen Blog Maverecon ein, weil er in die Privatwirtschaft zu Citi wechselt.

Schade! Die Beiträge waren immer sehr pointiert und zum Denken anregend.