Donnerstag, 30. Dezember 2010

Steuern als Strafe?

Zwei VWL-Professoren, Hanno Beck und Aloys Prinz, argumentieren in der FTD gegen die Einführung von "neue[n] Lasten für Umweltsünder, Reiche und Banker".

Im Detail stimmen ihre Ausführungen, wenn sie darauf hinweisen, dass z.B. ein Großteil von Bankensteuern von den Kunden dieser Institute getragen werden müssen (ich würde hier zufügen: so sie denn nicht von weiteren Regulierungsschritten begleitet werden) und am Ende das Steuersystem wohlmöglich einfach nur komplexer wird - nicht aber diejenigen belastet, die man eigentlich treffen wollte.

Ihr zentrales Argument ist aber, dass der Staat sein Steuersystem nicht auf den Moralvorstellungen der Bürger aufbauen sollte - es bestehe die Gefahr, dass, wenn "
die Politik die Moralvorstellungen der Bürger für ihre Zwecke instrumentalisiert, [...] ein noch ineffizienteres, inkonsistenteres und intransparenteres Steuersystem [droht]."

Gegenfrage: Na, wie sollte es denn anders sein? Steuern sind natürlich zum einen dazu da, einfach Einnahmen für den Staatshaushalt zu generieren (und wäre dies das einzige Ziel, so würde es am besten über unverzerrende Steuern, wie die Umsatzsteuer, erfolgen). Zum anderen dient das Steuersystem aber doch ganz klar dazu das Verhalten von Bürgern oder Unternehmen und die Einkommens- und Vermögensverteilung in der Gesellschaft zu - ja! - steuern. (Zumindest jedem des Deutschen mächtigen sollte dieser Zusammenhang allein aufgrund des Wortes "Steuer" einleuchten.) Und eben diese Steuerfunktion basiert immer und jederzeit auf den moralischen Vorstellungen darüber, wie die Gesellschaft aussehen soll (zumindest sollte sie darauf basieren).

Wenn die Gesellschaft nun die Bevorzugung des Flugverkehrs gegenüber anderen Verkehrsmitteln als schädlich erkannt hat, weil enorme Externalitäten (in Form von Umweltverschmutzung und Lärmbelästigung) nicht besteuert werden, dann führt sie eben eine Steuer auf Flüge ein. Wer diese am Ende bezahlt, und wer weniger oder wer noch genausoviel fliegt, ergibt sich dann im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Unter dem Strich bleibt aber eine Besteuerung von Externalitäten und (bei nicht perfekt inelastischer Nachfragekurve) eine Reduzierung der besteuerten Sache.

Zusammenfassend: Mir kommt in dem Beitrag die Steuerfunktion von Steuern viel zu kurz. Und auch die Aussage, dass die moralische Fundierung von Steuern höchst problematisch ist, kann ich nicht teilen, weil die Mehrzahl der Steuern auf moralischen Überlegungen basiert und dies meiner Meinung nach auch sollte. (Welchen anderen Grund gibt es für eine progressive Einkommenssteuer?) Und Steuern sind, um bei meinem Beispiel zu bleiben, dann eben die "Strafe" dafür, dass man die Dienstleistung "Fliegen" zu einem Preis einkauft, der die Schäden davon, nicht komplett abdeckt.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Kreditfinanzierung weniger wichtig

In Deutschland läuft der Aufschwung - aber die Kreditvergabe an Unternehmen bleibt weiter schwach. Mittlerweile zeigen verschiedene Daten ziemlich verlässlich, dass dies nachfrageseitig bedingt ist, d.h. die Unternehmen weichen einfach auf andere Finanzierungsquellen aus und fragen weniger Kredite bei Banken nach.

Für mich ist das eine gute Nachricht, weil i) die Unternehmen unabhängiger vom (fragilen Bankensystem) werden und ii) es ein Argument weniger gibt, eine deutlich straffere Regulierung des Bankensektors kategorisch abzulehnen.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Vermögenseffekte

Ein Koautor von mir hat einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er mit seinen Koautoren eine neue Methode vorstellt, mit der die Effekte von Vermögensveränderungen auf den Konsum von Haushalten geschätzt werden kann. Sie finden für die USA, dass " the immediate (next-quarter) marginal propensity to consume from a $1 change in housing wealth is about 2 cents, with a final eventual effect around 9 cents, substantially larger than the effect of shocks to financial wealth".

Dieser Effekt, also dass Haushalte sich bei steigenden Hauspreisen reicher fühlen, hat in den vergangenen Jahren in Ländern wie den USA, Spanien oder Irland dazu geführt, dass die privaten Haushalte ihren Konsum sehr stark ausgeweitet und sich immer mehr verschuldet haben.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Euro-Bonds

Der Brüssler Thinktank Bruegel hat ein Dokument veröffentlicht, in dem der Vorschlag, eine gemeinsame Euro-Anleihe ins Leben zu rufen, ausgewogen erörtert wird.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Mein früherer Beitrag sollte nicht so verstanden werden, dass ich für solche Anleihen bin. Bislang habe ich mir dazu keine abschließende Meinung gebildet - ich plädiere nur dafür, den Vorschlag genau zu prüfen und nicht, wie die Mehrheit in Deutschland, kategorisch (auf Basis fragwürdiger Berechnungen) abzulehnen.

IWH-Prognose

Nun hat auch das IWH in Halle seine Dezemberprognose veröffentlicht - und schließt sich dem "Lager der Optimisten" an. Hier berichtet das Handelsblatt und hier gibt's die komplette Fassung.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Die Geschichte der Staatsschulden

In der FAZ gab es einen interessanten Artikel zur Geschichte der Staatsschulden. Von der "Erfindung" von Staatsanleihen im mitteralterlichen Italien bis zur Zwischenschaltung der Finanzindustrie zwischen Schuldner Staat und den privaten Gläubigern.

Freitag, 17. Dezember 2010

"Neues" über Mindestlöhne

Das Handelsblatt hat gestern eine Studie über die Beschäftigungseffekte von Mindestlöhnen besprochen. Den ganzen Aufsatz, auf den sich der Artikel bezieht findet sich hier.

In ihrer Studie basierend auf Daten für einzelne US-Counties zeigen die Autoren, dass Mindestlöhne üblicherweise keine negativen Beschäftigungseffekte haben. Sie erklären in ihrer Studie auch, warum weniger aufwändige Untersuchungen in der Vergangenheit zum Teil zu anderen Ergebnisse kamen.

Die Erklärung für den Befund dürfte jedem einleuchten: Gerade im Niedriglohnsegment ist der Arbeitsmarkt kein Markt, auf dem ideale Bedingungen herrschen. Vielmehr haben die Arbeitgeber ggü. den dort meist nicht organisierten Arbeitnehmern ein gewisses Maß an Marktmacht und können die Löhne so diktieren, dass sie unter dem sich bei effizienten Märkten ergebenden Niveau liegen. Der Arbeitgeber kann die Differenz als Rente einfahren. Setzt nun ein Mindestlohn diesem Treiben nach unten eine Schranke, so entscheidet sich der Arbeitgeber die Arbeitnehmer trotzdem zu beschäftigen, weil er immer noch den Gewinn erziehlt, den er in einem effizienten Markt erreichen könnte - nur weniger zusätzliche (aus seiner Marktmacht resultierende) Rente.

Und weiter geht's

Das ifo-Geschäftsklima kennt derzeit nur eine Richtung: Aufwärts. Im Dezember stiegen sowohl die Geschäftserwartungen als auch die Lagebeurteilung erneut an.


Das deutet darauf hin, das es sowohl im vierten Quartal als auch im ersten des kommenden Jahres eine (leichte) Beschleunigung des Produktionsanstiegs ggü. dem dritten Quartal geben wird.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Warum die EZB nicht vor dem Kollaps steht!

Das zeigt ein Beitrag auf FT Alphaville ganz anschaulich. Basierend auf Zahlen von Barclays wird dargestellt, dass die bisher nach MTM-Methode aufgelaufenen Verluste der EZB aus den Staatsanleihekäufen wohl so um die 500 Millionen liegen dürfte (ganzes ESZB allerdings 5 Milliarden).


Hinzu kommt, dass die EZB ja plant, die Dinger bis zum Ende zu halten; d.h. wenn es nicht wirklich zu einem Zahlungsausfall kommt (den ich für bisher ausgegebene Anleihen für sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich, weil politisch nicht gewollt, halte), dann kratzt die EZB die nun niedrige Notierung überhaupt nicht.

Das Spiel mit der Kapitalerhöhung ist wohl wirklich nur ein politischer Schachzug, um den Regierungen deutlich zu machen, dass die EZB mehr und mehr Aufkäufe von Staatsanleihen nicht als "Lösung" für die Schuldenkrise akzeptieren und unterstützen wird.

Update: Die Kapitalerhöhung ist jetzt wohl beschlossene Sache. Und die FTD kommentiert sie als "politisches Signal".

IfW-Prognose

Nun hat auch das IfW seine Dezemberprognose veröffentlicht. Was die prognostizierten Aussichten für die deutsche Wirtschaft angeht, liegen meine ehemaligen Kollegen für 2011 und 2012 mit moderaten Zuwachsraten für das reale BIP eher am unteren Ende des Prognosespektrums.

Hier die Links zur Übersicht, zur kompletten Deutschlandprognose und zur kompletten Weltprognose.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Update: EZB-Wertpapierkäufe

Als Hintergrund für die Berichte über eine mögliche Kapitalerhöhung der EZB hier die aktualisierte Übersicht über die Wertpapierkäufe zu geldpolitischen Zwecken der EZB:


(Angaben sind in Millionen Euro.)

Die Käufe von Staatsanleihen haben sich in den vergangenen zwei Wochen deutlich beschleunigt.

Dienstag, 14. Dezember 2010

KE - Konjunkturprognose

Unsere neue Konjunkturprognose bei Kiel Economics ist heute fertiggestellt worden. Die Kurzversion ist hier abrufbar. Die Vollversion kann man hier bestellen.

Auch neu veröffentlicht sind die Prognose des RWI und vom ifo Institut.

Update: Eine Auswahl aus dem Presseecho auf unsere Prognose: Handelsblatt, FTD I, FTD II.

EBZ-Kapitalerhöhung

Es gibt Gerüchte darüber, dass die EZB eine Kapitalerhöhung plant. Auch wenn die Situation nicht so dramatisch ist, wie sie vielleicht scheint, ist das doch ein weiteres Zeichen dafür, dass mit dem Herumgegurke endlich Schluss sein muss und eine tragfähige, permanente Lösung für die Schuldenkrise her muss.

Samstag, 11. Dezember 2010

FAZ-Propaganda

Was ist denn mit der guten alten, für ihre fundierten Beiträge bekannten FAZ los? Holger Steltzner schreibt einen Artikel, in dem er "ausrechnet", dass die Schaffung des "Euro-Bonds" nach Vorschlag von Jean-Claude Juncker und Giulio Tremonti die Bundesrepublik 17 Mrd. Euro pro Jahr kosten würde.

Er macht sich darüber lustig, dass Herr Juncker der deutschen Regierung vorwarf "ein bisschen simpel zu denken", um im Anschluss daran eine Rechnung und Argumentation aufzustellen, bzw. wiederzugeben, für die das Wort "simpel" eigentlich nicht ausreicht. Fangen wir mal an:

Das zentrale Argument ist, dass der Zinssatz auf die Euroanleihe höher wäre als der für Bundesanleihen. Dadurch müsste Deutschland für Schulden in Höhe von 40% des BIP höhere Zinsen bezahlen als jetzt. Stimmt. Die zentralen Fragen sind nur, wie viel mehr und was die Opportunitätskosten sind. Die Rechnung zum ersten Punkt in dem Artikel ist sehr simple und der zweite Punkt kommt nicht wirklich vor.

Punkt 1:
"Aus der Mischung von bester Bonität und fragwürdigem Ruf ergibt sich eine Durchschnittsverzinsung von 3,31 Prozent für alle in der Eurozone umlaufenden Staatspapiere. Das Volumen aller im Markt aktiv gehandelten Euro-Wertpapiere der Mitglieder der Währungsunion beträgt 4,8 Billionen Euro. Juncker und die von eigenen Interessen geleiteten Banken verweisen auf den Vorteil eines großen, liquiden Euro-Anleihemarkts, wenn sie ihre vage Hoffnung auf niedrigere Durchschnittszinsen zu begründen suchen. Doch nicht die Größe macht den Zins, sondern die Qualität des Schuldners ist für jeden Gläubiger Maßstab für das Risiko und die Rendite."
Ist natürlich eine super Rechnung, wenn man die aktuell durch die Unsicherheit hochgetriebenen Zinsen, die die Problemländer zahlen müssen, dazu nutzt die Durchschnittsrendite für eine hypothetische Anleihe auszurechnen, die gegenüber allen restlichen Staatsschulden im Euroraum vorrangingen Status haben würde. Auch das dem Unverständnis des "all-else-equal"-Konzepts geschuldete Negieren des Liquiditätseffektes zeugt nicht gerade von einer ausgewogenen ökonomischen Erörterung des Sachverhalts!

Punkt 2:

Natürlich würden die Zinskosten nach Einführung einer solchen Anleihe steigen. Aber die Kosten müssen ja in jeder Analyse denen gegenübergestellt werden, die sich in anderen Szenarien ergeben würden. Und die dürften sowohl bei einem Bail-Out (Schuldenübernahme), als auch einer Monetarisierung (höhere Inflation) oder einem Auseinanderbrechen des Euroraums (steile Aufwertung der "neuen DM" und Einbruch der Exporte) beträchtlich sein ... da kommen selbst 17 Mrd. Euro schnell zusammen.

Hinzu kommt meiner Meinung noch ein (aus Respekt vor Autor und Gleichgesinnten unterstelle ich einmal willentliches) Missverständnis, bzw. ungenaues Wiedergeben des Juncker-Vorschlages:
"Euro-Bonds belohnten unsolide Länder. Die Einführung von Gemeinschaftsanleihen nähmen jeden Anreiz für gute Haushaltsführung."
Der Vorschlag enthält ja explizit die Komponente, dass alle Schulden, die über 40% des BIP eines Landes hinausgehen, durch nationale Anleihen finanziert werden sollen, die ggü. den Euroanleihen nachranging sind. Hier könnte der Markt duch Zinsdifferentiale die Staaten zur guten Haushaltsführung "zwingen". Denn: Der Vorschlag sagt explizit, dass Mechanismen geschaffen werden sollen, die es ermöglichen, dass die privaten Investoren Verluste aus Investitionen in diese nationalen Anleihen auch selber tragen sollen.

Bottom line: Mich stört, dass der Vorschlag in Deutschland fast durch die Bank (W. Schäuble ist nach allem was man hört die große Ausnahme) ohne tiefgreifende politische und ökonomische Analyse verdammt wird! Er hört sich zumindest plausibler an als alle anderen Vorschläge zur permanenten Lösung der Krise (so es denn bisher überhaupt Vorschläge gegeben hat, die wirklich mehr als eine vorübergehende Linderung der Krise zum Ziel haben).

Freitag, 10. Dezember 2010

EZB-Einkaufsliste

Das sind ja wikileaksmäßige Infos, die Mark Schieritz auf Herdentrieb präsentiert: Eine Liste mit Preisen, zu denen die EZB Anleihen verschiedener Länder und Laufzeiten kauft.

Krisenerholung

Und schon wieder ein Beitrag meiner ehemaligen Kollegen am IfW, Joachim Scheide und Nils Jannsen. Diesmal dazu, warum die Erholung der Konjunktur momentan mit so unterschiedlichen Geschwindigkeiten passiert.

Der Policy Brief dazu wurde vom Wirtschaftswunder der FTD aufgegriffen.

Der Tenor des Beitrags: Rezessionen, die mit einer Banken-/Immobilienkrise einhergehen dauern länger und haben deutlich stärkere permanente Effekte als "normale" Wirtschaftsabschünge. Deswegen kommen diejenigen Länder momentan nicht so richtig in die Puschen, in denen eine Immobilienpreisblase geplatz, bzw. das Bankensystem stark in Mitleidenschaft gezogen ist. Für die Wirtschaftspolitik bedeutet dies, dass es nach dem Platzen einer Blase sehr schwer ist, das Potential der Volkswirtschaft einzuschätzen und demnach sehr schwer ist, den richtigen Expansionsgrad der Finanz- und Geldpolitik zu finden.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

QE Explained

Schon seit einiger Zeit in Blogs verlinkt und jetzt auch vom Handelsblatt aufgegriffen: Ein satirischer Youtube-Clip, der erklärt wieso, warum, weshalb "quantitative easing"



Bei allem Schmunzeln muss man zugeben, dass der Clip schön zeigt, dass a) der Öffentlichkeit nicht im Entferntesten erklärt wurde, warum einige Sachen gemacht wurden/werden mussten und b) einige der Maßnahmen vielleicht wirklich nicht optimal sind.

Dienstag, 7. Dezember 2010

EZB shoppt wieder mehr

Die EZB kauft wieder von Woche zu Woche mehr Anleihen von Eurostaaten. In der vergangenen Woche für 1,965 Mrd. Euro (hier mal der Link zur ausführlichen EZB-Publikation).


Die Abbildung zeigt das Volumen der Wertpapiere, die die EZB zu "geldpolitischen Zwecken" hält. Angaben sind in Mio. Euro. Mittlerweile hat die EZB mehr Anleihen der Staaten mit Schuldenproblemen als Pfandbriefe angehäuft.

(Die Käufe werden allerdings sterilisiert; insgesamt zeigt die Bilanzsumme der EZB eine eher rückläufige Tendenz.)

Steuerpolitik in den USA

Präsident Obama muss den neuen Machtverhältnissen im Senat Tribut zollen und hat sich mit den Republikanern auf einen Kompromiss bei der Verängerung der Steuererleichterungen geeinigt. Auch für die ganz einkommensstarken Haushalte wird die Senkung der Steuersätze verlängert.

Das heißt für mich nur, dass es länger dauern wird das Budgetdefizit zu verringern - und dass es am Ende stärkere makroökonomische Konsequenzen haben wird.

Montag, 6. Dezember 2010

Finanzstressindikator, Ergebnisse für November

Der von mir berechnete Finanzstressindikator ist im November ggü. dem Vormonat leicht gesunkten. Sein Wert ging von (ganz leicht aufwärtsrevidierten) 0,24 auf 0,13 zurück. Das ist trotz der jüngsten Probleme Irlands deutlich niedriger als im Frühjahr, als Griechenland in Probleme kam.


Momentan scheint die Schuldenkrise im Euroraum immer noch nicht auf den deutschen Finanzmarkt durchzuschlagen. Das würde sich natürlich in dem Moment ändern, in dem Banken Abschreibungen zu leisten hätten. Den Fall sehe ich aber kurz- bis mittelfristig nicht, da es so scheint, dass die Politik im Euroraum die Banken nicht zu hart anfassen möchte.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Immer mehr, immer mehr, immer mehr, ...

Ben Bernanke hat öffentlich angekündigt, dass er sich auch eine nochmalige Ausweitung der QE-Maßnahmen vorstellen kann (über das jüngste 600 Mrd.-Programm hinaus).

Ich sehe zwei Probleme. Das eine ist, dass die Glaubwürdigkeit der Fed leiden könnte (wie auch meine ehemaligen Kollegen im Handelsblatt argumentieren). Diese Gefahr ergibt sich zum Teil auch aus dem zweiten, nämlich, dass mehr und mehr auch in der Öffentlichkeit deutlich wird, dass es keinerlei Erfahrungen und sicheren quantitativen Erkenntnisse darüber gibt, wie solche Maßnahmen zur quantitiativen Lockerung wirken. Die Notenbanken erscheinen in der Folge als immer weniger seriös und weniger Herr der Lage.

Entgegen mancher anderer Kommentatoren sehe ich aber kurz bis mittelfristig keine hohe Inflationsgefahr; dafür läuft der Entschuldungsprozess in vielen Ländern noch zu stark.

Samstag, 4. Dezember 2010

Karlspreis für Trichet

Der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, erhält im kommenden Jahr den Aachener Karlspreis für seine Verdienste für die Stabilität des Euro.

Schauen wir mal, in welchem Licht diese Wahl bei der Preisverleihung im Frühsommer erscheint. Bis dahin kann ja noch viel passieren.

Der Euro selber hat den Preis übrigens auch schon mal bekommen: 2002.

Freitag, 3. Dezember 2010

Und dann gab's nur das Übliche

Keine neuen Informationen hat die Pressekonferenz der EZB heute geliefert. Erst die Veröffentlichungen zu den Anleihenkäufen in den kommenden Wochen werden wohl Aufschluss darüber gehen, wohin die QE-Reise im Euroraum geht...

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Morgen Kinder wird's was geben ...

... und zwar eine ziemlich interessante Sitzung des EZB-Präsidiums. Das Handelsblatt erklärt in einer Vorschau, wieso Marktteilnehmer, Politiker und Wissenschaftler den Ergebnissen der morgigen EZB-Diskussion entgegenfiebern.

Wichtig werden vor allem Hinweise darauf sein, ob die EZB in Zukunft eher mehr oder eher weniger Staatsanleihen kaufen wird als bisher.

Keiner hat eine so gute Lobby wie die Banken

Das trifft es ganz genau. Und das Problem an der Sache ist, dass es einfach keinen Widerpart für die Banken in diesem Lobbyspiel gibt, in dem die Politik ob des (scheinbar) komplexen Sachverhalts wenig anderen Informationsquellen hat.

Dienstag, 30. November 2010

Portugiesischer Finanzmarkt fragil

Die Notenbank in Portugal warnt in ihrem Finanzstabilitätsbericht davor, dass der Bankensektor Probleme bekommen wird, sollte es nicht gelingen, die Haushaltskonsolidierung schnell und glaubhaft durchzuführen.

Die Meldung wird die Flucht aus portugiesischen Staatsanleihen höchstwahrscheinlich nicht verlangsamen.

Konjunktur läuft weiter

Der Arbeitsmarktbericht für den November zeigt, dass die Konjunktur in Deutschland weiter gut läuft. Die Arbeitslosigkeit sank erneut.

Freitag, 26. November 2010

Stoppt den Wahnsinn

So langsam sollte mal eine ordentliche Lösung her, die dem Spuk ein Ende setzt.

Jetzt wird das Griechenland/Irland/Portugal-Spiel anscheinend mit Spanien gespielt. Einem Land, das natürlich Probleme hat hinsichtlich der Verschuldung des privaten Sektors und der Wettbewerbsfähigkeit. Das aber auf der anderen Seite in der Vergangenheit eine beispielhafte staatliche Haushaltsführung gezeigt hat und außerdem bei der vernünftigen Regulierung des Bankensektors ziemlich weit vorne war.

Sollte hier also demnächst wirklich was schief gehen, dann ist es an der Zeit über andere Dinge als die Sinnhaftigkeit oder die sinnvolle Ausgestaltung des Stabilitäts- und Wachstumspakts zu diskutieren.

Donnerstag, 25. November 2010

Finanzstabilitätsbericht

Kurz nachrichtlich: Die Bundesbank hat heute ihren Finanzstabilitätsbericht publiziert. Darin erkennt sie eine langsame Gesundung der Bankenbilanzen in Deutschland, spricht aber auch noch von Risiken. Hier eine Zusammenfassung aus dem Handelsblatt. Und hier der Link zum kompletten Bericht.

Mittwoch, 24. November 2010

Wirtschaft weiter optimistisch

Bzw. optimistischer! Das ifo-Geschäftsklima ist im November nochmals gestiegen. Mittlerweile liegt es so hoch wie noch nie nach der Wiedervereinigung. Positiv zu vermerken ist, dass sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungen nach oben korrigiert wurden.


Es zeichnet sich immer mehr ab, dass der Aufschwung (so man denn bei der noch immer niedrigen Kapazitätsauslastung schon von einem solchen spricht) in Deutschland wohl noch einige Zeit kräftig weitergeht.

Dienstag, 23. November 2010

Planungen für die Zeit nach Auslaufen des Rettungsfonds

Die FAZ berichtet über ein Arbeitspapier der Bundesregierung, in dem ein mögliches Verfahren zur Vermeidung von Zahlungsunfähigkeit einzelnen Euroraummitgliedsstaaten skizziert wird. Wichtigstes Element ist anscheinend eine einfachere (automatische) Beteiligung von Gläubigern an Umschuldungsmaßnahmen.

Exporte oder Nettoexporte

Hubert Beyerle argumentiert in der FTD, dass "der Exportbeitrag (ohne den Abzug der Importe) wichtiger als der Beitrag der Binnennachfrage fürs Wachstum". Da frage ich mich: Was bringt mir eine Betrachtung der Exporte anstatt der Nettoexporte (also mit Abzug der Importe)? Und ich antworte mir: Nichts.

Stellen wir uns eine Welt des super ausbalancierten Wachstums vor, in der es aber derzeit einen kräftigen Globalisierungsschub gibt, der dazu führt, dass in jedem Land der Welt, der Konsum hin zu ausländischen Waren verschoben wird. Herr Beyerle käme in dieser Welt zu dem Schluss, dass in allen Ländern, der Export viel wichtiger ist für die Wirtschaftsentwicklung als die Binnennachfrage, während tatsächlich der Wachstumsbeitrag des Außenbeitrag in jedem Land gleich 0 wäre. Und da frage ich mich eben: Welchen Sinn macht eine Solche Betrachtung. (Und das in einer ansonsten passablen Zeitung!)

Zahlen zum Schuldennetzwerk im Euroraum

Als Hintergrundinfo zu den Schuldenkrisen von Griechenland, Irland und denen, die da noch kommen könnten, hier eine kleine Tabelle auf Basis von Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich:


Wie man sieht ist Irland ein besonders großer Schuldner für das deutsche Bankensystem. Vielleicht poltert unsere Regierung auch deswegen diesmal im Gegensatz zum Griechenland-Fall so wenig rum!

Portugal ist dann wieder eher ein Problem der Franzosen und vor allem Spanier ...

Details zur Wirtschaftsentwicklung in Q3 veröffentlicht

Die Details zur Entwicklung des BIPs im dritten Quartal zeigen, dass die Binnennachfrage 0,4% und der Außenbeitrag 0,3% zum Anstieg der Produktion beigetragen haben. Dies ist bereits das dritte Quartal in Folge, in dem die Binnennachfrage mehr beiträgt als die Nettoexporte.

Ich erwarte, dass sich dieser Trend in den kommenden Quartalen fortsetzen wird.

Sonntag, 21. November 2010

Irland hebt die Hand

Nun ist es offiziell: Irland hat darum gebeten, Finanzhilfen über den Rettungsfonds zu bekommen. In den nächsten Tagen werden die Verhandlungen anlaufen.

Interessant wird, welche Bedingungen der irischen Regierung aufgedrückt werden.

Update: Anscheinend ist schon generell beschlossen, dass geholfen werden soll (Umfang so ca. 100 Mrd. Euro). Bin gespannt auf den Ausgang der Verhandlungen hinsichtlich der Bedingungen.

Freitag, 19. November 2010

Niedriglohnsektor in Deutschland

Guter Kommentar, wie ich finde, zu den Problemen des Niedriglohnsektors in Deutschland in der FTD. Die zwei Hauptforderungen: Die Abgabenlast sollte wie das Steuersystem progressiv gestaltet werden und Kombilöhne sollten mit einem moderaten gesetzlichen Mindestlohn gekoppelt werden.

OECD-Prognose

Die OECD ist in ihrer neuen Prognose optimistisch für Deutschland. Hier gibt's eine Zusammenfassung. Die komplette Prognose ist leider glaube ich nicht frei zugänglich.


Dem optimistischen Ausblick für die Produktion würde ich Zustimmen. Allerdings erwarte ich bei den derzeitigen konjunkturellen Differenzen eher eine stärkere Verschiebung hin zur Binnennachfrage, während die OECD noch von einer deutlichen Ausweitung des Leistungsbilanzüberschusses ausgeht.

Donnerstag, 18. November 2010

Beschäftigungsaufbau in Deutschland

Nicht nur die Arbeislosigkeit sinkt - auch die Beschäftigung in Deutschland legt zu. Aus der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts:
"Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hatten im dritten Quartal 2010 rund 40,65 Millionen Erwerbstätige ihren Arbeitsort in Deutschland. Das waren 307 000 Personen oder 0,8% mehr als vor einem Jahr. Im zweiten Quartal 2010 hatte der Zuwachs 0,4% betragen. Damit hat sich der im Frühjahr dieses Jahres einsetzende Beschäftigungsaufbau im dritten Quartal 2010 fortgesetzt. Das ausgewiesene Niveau stellt den höchsten Erwerbstätigenstand in einem dritten Quartal seit der Wiedervereinigung dar.

Im Vergleich zum Vorquartal stieg die Zahl der Erwerbstätigen im dritten Quartal 2010 um 290 000 Personen (+ 0,7%). Saisonbereinigt, das heißt nach rechnerischer Ausschaltung der üblichen jahreszeitlich bedingten Schwankungen, erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen gegenüber dem Vorquartal um 110 000 Personen oder 0,3%."
Und auch die auf einer DIW-Studie basierende Meldung, dass es gar keinen Fachkräftemangel gebe und so schnell auch nicht geben wird, ist nicht so ernst zu nehmen. Anscheinend muss sich das DIW erst mal darüber klar werden, was es denn für Schlussfolgerungen ziehen möchte.

Dies alles lässt mich an meinem generellen Ausblick für den Arbeitsmarkt in Deutschland festhalten.

Dienstag, 16. November 2010

Deutsche Banken und Irland

In Sachen Irland scheinen gerade deutsche Banken viel Geld im Risiko zu haben. (Bei Griechenland waren es vornehmlich die Franzosen, die überproportional engagiert waren.)

Selber anschauen, wie die Schuldenvernetzungen sind, kann auch jeder auf dieser Seite der Bertelsmann Stiftung (ist noch eine Betaversion der Projektseite).

Inflation in China

Anscheinend ist die chinesische Regierung bemüht, der Inflation mit allen möglichen Mitteln Herr zu werden. Ich frage mich: Warum lässt sie nicht einfach eine stärkere Aufwertung des Yuan zu? Das hätte die gleiche Preisdämpfende Wirkung (über billigere Importe und eine Abkühlung der Konjunktur) wie Zinserhöhungen und die jetzt ins Auge gefassten Preiskontrollen. Und würde außerdem gleichzeitig zur Rückführung der großen Handelsbilanzsalden beitragen.

Vorerst kein EU-Haushalt

Die Verhandlungen über den EU-Haushalt sind vorerst gescheitert (zum ersten Mal seit ca. 20 Jahren).

Droht jetzt eine lange Hängepartie?

Ritt auf dem Tiger

Hier die Meinung meiner ehemaligen Kollegen am IfW über die neuerlichen Maßnahmen zur quantitativen Lockerung in den USA. Sie sind eher skeptisch.
"Die Fed sollte [...] nicht die Erwartung nähren, dass sie künftig bei jeder Konjunkturschwäche eine quantitative Lockerung betreiben wird. Eine expansivere Politik zum jetzigen Zeitpunkt könnte ihrer Reputation schaden, zumal wenn sie es über eine forcierte Abwertung versuchte, denn dies könnte dazu führen, dass sich internationale Investoren aus den USA zurückziehen. Die Folge wären höhere und nicht niedrigere Zinsen. Zudem könnte sich bei zusätzlichen Käufen von Staatsanleihen in großem Umfang der Eindruck verfestigen, die Notenbank monetisiere die Staatsschulden. Es steht viel auf dem Spiel: Ein Verlust an Glaubwürdigkeit kann dazu führen, dass die Fed künftig – in normalen Zeiten – weniger in der Lage sein wird, eine angemessene Geldpolitik zu betreiben."

Montag, 15. November 2010

Nun auch Portugal

Nun steht anscheinend auch Portugal kurz davor beim EU-Rettungsfonds anzuklopfen. Die Nachricht schließt dann nahtlos an meinen Beitrag von heute Morgen an.

Schuldenkrise im Euroraum, Update

Hier die aktuellen Spreads von Staatsanleihen im Euroraum ggü. deutschen Bundesanleihen.


Der Risikoaufschlag für Griechenland ist unverändert hoch. Die für Irland und Portugal kennen nur eine Richtung ...! Zum Glück halten sich die großen "Problemkandidaten" Italien und Spanien wacker.

US-Sparpaket

Der erste Vorschlag dazu, wie das US-Budgetdefizit verringert werden könnte, ist auf kein positives Echo gestoßen. Jede politische Richtung meckert daran rum.

Meine Prognose ist, dass sich der Defizitabbau aufgrund des politischen Patts wohl nur langsam vollziehen wird.

Freitag, 12. November 2010

Finanzstressindikator, Ergebnisse für Oktober

Der monatlich von mir berechnete Indikator zum Stress auf den Finanzmärkten ist im Oktober auf 0,23 gefallen - von 0,51 im September.


Die Lage in Deutschland ist also weiter ruhig, bzw. beruhigt sich sogar in den letzten Wochen. Das sähe, betrachtete man den gesamten Euroraum, natürlich aufgrund der Probleme in Irland und Griechenland ganz anders aus.

Was ist sonst noch so passiert?

Habe gerade die Nachrichten der vergangenen Woche gesichtet. Hier die 3 (subjektiv) wichtigsten:

Aufschwung in Q3

Das Statistische Bundesamt hat soeben veröffentlicht, dass die Produktion in Deutschland im dritten Quartal um 0,7 % (real, saison- und kalenderbereinigt) ggü. dem Vorquartal gestiegen ist.


Der Wert liegt ganz leicht unter den allgemeinen Erwartungen. Allerdings wurden gleichzeitig die Anstiege der Wirtschaftsleistung in den ersten beiden Quartalen angehoben auf nun 0,6 bzw. 2,3 %.

Unterstellt man einen Anstieg der Produktion von 0,7 % für das vierte Quartal, so ergibt sich für das Gesamtjahr 2010 eine Zunahme des BIP von 3,6 %. Allein der Überhang für 2011 betrüge dann 1,4 %.

Mittwoch, 3. November 2010

Sendepause

Ab heute bin ich für eine Woche in Marokko. Weitere Nachrichten und Einschätzungen gibts hier deshalb erst wieder ab Mitte kommender Woche.

Dienstag, 2. November 2010

IMK-Studie zum Arbeitsmarkt

Das IMK hat eine Studie zum deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht und schreibt darin:
"Die Arbeitsmarktreformen des vergangenen Jahrzehnts können die gute deutsche Arbeitsmarktentwicklung in der Großen Rezession nicht erklären. Denn die Reformen waren darauf gerichtet, etwa durch die Leiharbeit die externe Flexibilität zu erhöhen. Hätten die Unternehmen in der Großen Depression stärker auf diese Instrumente zurückgegriffen, wäre die Beschäftigung in Deutschland stark gefallen und die Arbeitslosigkeit gestiegen."
Dazu zwei Anmerkungen:
  1. Natürlich waren konjunkturpolitische Instrumente wie die Kurzarbeit maßgeblich dafür, dass der Beschäftigungsabbau abgefedert werden konnte, und nicht in erster Linie die Arbeitsmarktreformen von vor 5 Jahren. Aber diese zielten ja auch nicht auf konjunktrelle Schwankungen ab, sondern hatten zum Ziel die strukturelle, also mittelfristige, Arbeitslosigkeit zu senken.
  2. Dass die Arbeitslosigkeit zum ersten Mal seit langem nach einer Rezession nicht dauerhaft über dem Vorrezessionsniveau bleibt und seit nunmehr 5 Jahren in der Tendenz sinkt, hat dagegen schon was mit den Reformen zu tun und das sollte man auch mal anerkennen (die Zeit hatte vergangene Woche einen guten Artikel zu diesem Thema); dass eine für einige Jahre schwache Binnennachfrage die Kehrseite dieser Medaille war, ist klar. Und ob man die Reformen besser hätte designen können, kann man genauso diskutieren wie die Frage, ob nicht ein gesetzlicher Mindestlohn die fehlende Verhandlungsmacht der Arbeitnehmern in den problematischen Segmenten des Arbeitsmarkt ersetzen könnte. Aber das ändert ja nichts daran, dass es Erfolge gegeben hat...

Konjunktur läuft weiter rund

Die Konjunktur in Deutschland ist weiter stark. Mehr und mehr Indikatoren, wie zuletzt ein sehr guter Wert des Einkaufmanagerindex, deuten darauf hin, dass die Produktion auch im dritten Quartal deutlich gestiegen ist.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Trichet-Nachfolge

Das Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Trichet geht weiter. Und so wie es aussieht wendet sich die Stimmung in der Politik mehr und mehr gegen Axel Weber.

Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter

Im Oktober waren nur noch 2,9 Millionen Arbeitssuchende registriert.

Vor ein paar Wochen war die große Nachricht noch, dass es dauerhaft unter 3 Millionen sein könnten. Heute melden sich erste Stimmen in den Medien zu Wort, die von Zahlen unter 2 Millionen sprechen. Da habe ich so meine Zweifel, weil wir langsam in Dimensionen vorstoßen, wo der Anteil an den Arbeitslosen derjenigen, die keinerlei Ausbildung haben, sehr groß wird.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Kommt der Aufschwung bei "den Leuten" an?

Auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland sind, wie hier schon mal erwähnt, Dinge, die Deutschland in den vergangenen Jahren gar nicht mehr gewohnt war, zu erwarten: Arbeitskräftemangel in bestimmten Bereichen und hohe Lohnabschlüsse.

Dies zeigt sich jetzt an ersten Punkten wie Tarifforderungen oder vorgezogenen Tariferhöhungen - wie bei Bosch angekündigt.

Meine Prognose ist, dass dies erst der Anfang ist und wir in den kommenden Jahren zumindest für qualifizierte Berufe noch deutlich höhere Lohnzuwächse sehen werden.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Arbeitsmarktperspektiven in Deutschland

Die FAZ schreibt einen für manch einen vielleicht erhellenden Artikel über die Perspektiven am deutschen Arbeitsmarkt und warum uns die Arbeit auch mit noch so viel technischem Fortschritt nicht ausgegangen ist.


Insgesamt ist der projektierte Rückgang des Arbeitskräftepotentials dramatisch!

Samstag, 23. Oktober 2010

Neuordnung des IWF

Die G20-Runde hat sich auf eine Änderung der Stimmrechte im Internationalen Währungsfonds geeinigt. Wichtige Schwellenländer sollen demnächst deutlich stärker repräsentiert sein. Aus der FAZ:
"Die zehn größten Anteilseigner mit den entsprechenden Stimmgewichten im Fonds sind künftig die Vereinigten Staaten, Japan, China, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland, Indien und Brasilien. China löst Deutschland als Nummer drei unter den IWF-Anteilseignern ab. Grundsätzlich müssen nach der Einigungsformel Länder, die gemessen an ihren aktuellen Anteilen an der Weltwirtschaft im Fonds überrepräsentiert sind - dazu gehört auch Deutschland mit derzeit 6,1 Prozent - abgeben, während unterrepräsentierte Länder, wie China mit aktuell vier Prozent - aufgewertet werden."
Hier zeigt sich beispielhaft, dass sich die Kräfteverhältnisse mehr und mehr in Richtung der aufstrebenden, großen Länder verschieben.

Freitag, 22. Oktober 2010

Kommentare zum Nobelpreis

Michael Burda findet die diesjährige Wahl als "Volltreffer".

Olaf Storbeck merkt hingegen im Handelsblatt an, dass "[i]n der VWL [...] Theorien ausgezeichnet [werde], die die Realität nicht richtig erklären können". Er bezieht sich dabei auf das Shimer-Rätsel, dass die ausgezeichneten Modelle wichtige Realitäten nicht erklären können.

Und läuft, und läuft, und läuft

Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich langsam zum Käfer unter den Volkswirtschaften. Es brummt und läuft, und läuft, und läuft. Überraschend ist der ifo-Index deutlich gestiegen. Besonders bemerkenswert: Auch die Aussichten schätzen die Unternehmen wieder besser ein als im Vormonat.



Von einer deutlichen Verlangsamung des Aufschwungs ist im ifo-Index noch nichts zu sehen.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

QE2

James Hamilton hat auf Econbrowser in den vergangenen Tagen eine Reihe von Beiträgen über Zusammenhänge in Verbindung mit der möglichen Wiederaufnahme der Wertpapierkäufe der Fed geschrieben. Für diejenigen, die verstehen möchten, warum und wie das eine oder andere in den USA demnächst implementiert werden wird.
Das alles mitsamt den Implikationen für das Weltwährungssystem wird uns wohl noch eine Weile beschäftigen.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Schuldennetzwerk

Die Bertelsmann Stiftung hat eine Betaversion einer Webseite vorgestellt, in der globale Netzwerke ökonomisch wichtiger Variablen dargestellt werden sollen: Stocks'n'Flows. Den Anfang machen Größen zum internationalen Netzwerk von Auslandsschulden.

Die Seite richtet sich in erster Linie an nicht-Ökonomen, die schnell bestimmte Zusammenhänge nachschauen wollen.

Ich bin an der Entwicklung der Seite am Rande beteiligt und würde mich freuen, hier Kommentare dazu zu lesen, welche Größen über internationale Verflechtungen zwischen Ländern die Blog-Leser für interessant halten.

Montag, 18. Oktober 2010

Dies und das...

Die FTD diskutiert die unterschiedlichen Ausrichtungen der EZB und der Fed und J. Stiglitz glaubt dabei nicht an einen Erfolg der Fed-Politik.
Unterdessen finden die Griechen schon wieder ein neues Loch in ihren Kassen und korrigieren das Defizit fuer 2009 erneut nach oben. N. Roubini glaubt, dass das dicke Ende in Europa noch kommt und verurteilt deswegen die Sparplaene der Bundesregierung.
Auch sind die juengsten Zahlen zur Produktion in den USA ueberraschend schwach. Insgesamt kein schoenes Gesamtbild - auch wenn Deutschland momentan recht weit oben mitspielt...

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2010

Das Herbstgutachten der Gemeinschaftsdiagnose ist heute veröffentlicht worden. Da ich nicht viel Zeit habe, hier nur der Link zum Gutachten und zur Kurzfassung. Die Prognosen für die jährlichen Zuwächse des realen BIPs liegen bei 3,5 % (2010) und 2,0 % (2011).

Dienstag, 12. Oktober 2010

Nobelpreis 2010

Der Nobelpreis für Ökonomie geht dieses Jahr an: Peter Diamond , Dale Mortensen and Christopher Pissarides.

Ich bin für ein paar Tage in Washington unterwegs und werde kaum Zeit für Beiträge haben.

Freitag, 8. Oktober 2010

Währungskrieg

Sieht so ein Währungskrieg aus? Das wäre dann aber eine ganz gewiefte Taktik Chinas, die sich mir nicht erschließt ...

Vielleicht also doch der Medienhype der Woche?

Selten-Interview

Reinhard Selten, der bisher einzige deutsche Nobelpreisgewinner für Ökonomie, hat dem Handelsblatt ein langes Interview gegeben.

Über die US-Konjunktur

Martin Feldstein, Paul Krugman und Jan Hatzius diskutieren über die Aussichten für die US-Wirtschaft (Link zum Video).
The Center on Budget and Policy Priorities, The Century Foundation, Demos and The Economic Policy Institute held a conference on October 5, 2010 with some of the nation's leading thinkers to discuss the critical economic choices and challenges confronting the nation. Panelists represented a range of perspectives on how to facilitate economic growth, spur public investment and reduce the national debt.
Schwierig auszumachen, wer der Pessimistischste ist. Am Ende aber wohl Paul Krugman ...

Dienstag, 5. Oktober 2010

Devisenmärkte

Die FAZ schreibt heute im Zusammenhang mit zunehmenden Interventionen an den Devisenmärkten:
"Die Volkswirtschaften aller Welt und auch die Finanzmärkte entfernen sich immer mehr vom Ideal der freien, sich selbst regulierenden Märkte."
Nun würde ich nicht dafür plädieren strikte Kapitalverkehrskontrollen oder andere harte Regulierungen, die Kapitaltransfers sehr weitgehend einschränken, einzuführen. Aber zu hinterfragen, ob es das angesprochene Ideal überhaupt gibt, oder ob es sich dabei nicht um ein Oxymoron handelt, ist denke ich angebracht.

Nobelpreis 2010

Am 11. Oktober wird verkündet, wer den (nicht ganz echten) Nobelpreis für Ökonomie dieses Jahr erhält. In einem anderen Blog habe ich ein paar Gedanken über potentielle Gewinner gefunden...

Gesundheitskosten

Ein Selbstbedienungsladen namens "Gesundheitssystem". Und die Lohnnebenkosten steigen ...

Reform des Umsatzsteuersystems

Kommt wohl nicht, weil man sich zu wenig zusätzliche Einnahmen verspricht...

Wie wäre es denn, wenn man die Reform machen würde, weil eine Vereinfachung und gerechtere Gestaltung des Systems durchaus geboten wäre?

Montag, 4. Oktober 2010

Finanzstressindikator, Ergebnisse für September 2010

Die Spannungen an den Finanzmärkten in Deutschland haben im September nach dem von mir monatlich berechneten Indikator wieder deutlich zugenommen. Der Indikator stieg von 0,17 auf 0,51 - und machte damit den starken Rückgang vom August fast vollständig wieder wett.


Übrigens veröffentlicht auch das IfW nun in seinen vierteljährlichen Konjunkturprognosen einen ähnlichen Index für den Euroraum und Deutschland.

Donnerstag, 30. September 2010

Good News and Bad News

Der Arbeitsmarkt in Deutschland entwickelt sich weiter prächtig. Im September waren nur noch knapp über 3 Millionen Personen als arbeitslos registriert.

Dagegen bekommt Irland immer mehr Probleme mit seinem Bankensektor: Das Budgetdefizit wird dadurch auf voraussichtlich 32 % des Bruttoinlandsprodukts steigen, wie die FTD meldet.

Dienstag, 28. September 2010

Irische Schuldenkrise

Die Refinanzierung öffentlicher Anleihen von Irland wird teurer und teurer...

Gemeinschaftsdiagnose

Ich bin zur Zeit mit der Erstellung des Gutachtens der Gemeinschaftsdiagnose beschäftigt. Deswegen wird es ein paar Tage lang wenig Neues auf dem Blog geben.

Die Prognose wird am 14. Oktober 2010 veröffentlicht. Dann gibt's auch Infos zum Inhalt.

Freitag, 24. September 2010

Finanzmarktregulierung

Martin Hellwig fällt in einem Arbeitspapier ein vernichtendes Urteil über die zukünftige Finanzmarktregulierung und fordert deutlich strengere Regeln, da dies aus gesamtwirtschaftlicher Sicht geboten sei.
"Whereas the Basel Committee on Banking Supervision seems to go for marginal changes here and there, the paper calls for a thorough overhaul, moving away from risk calibration and raising capital requirements very substantially. The argument is based on the observation that the current system of risk-calibrated capital requirements, in particular under the modelbased approach, played a key role in allowing banks to be undercapitalized prior to the crisis, with strong systemic effects for deleveraging multipliers and for the functioning of interbank markets. The argument is also based on the observation that the current system has no theoretical foundation, its objectives are ill-specified, and its effects have not been thought through, either for the individual bank or for the system as a whole. Objections to substantial increases in capital requirements rest on arguments that run counter to economic logic or are themselves evidence of moral hazard and a need for regulation."
Meine Stimme hat er!

Donnerstag, 23. September 2010

Interbankenmarkt im Euroraum

In der jünsten Ausgabe der Geldmarktumfrage der EZB ist mir folgende Graphik aufgefallen:

Das heißt ja, dass sich die Liquidität auf dem Geldmarkt nach den "Horror-Jahren" 2008/2009 auch im laufenden Jahr nochmals sehr, sehr deutlich verschlechtert hat. (In die gleiche Richtung deutet die Frage 8, in der mehr Teilnehmer als noch 2009 angeben, dass der Geldmarkt nicht effizient funktioniert.)

Die Spreads zwischen besicherten und unbesicherten Geldmarktgeschäften deuteten zuletzt auf eine leichte Entspannung der Situation hin. Aber die Umfrageergebnisse zeigen, dass noch längst nicht wieder alles im Lot ist.

Dienstag, 21. September 2010

US-Geldpolitik

Die Geldpolitik in den USA bleibt auch weiterhin sehr expansiv. Aus dem heutigen Statement des FOMC:
"The Committee will maintain the target range for the federal funds rate at 0 to 1/4 percent and continues to anticipate that economic conditions, including low rates of resource utilization, subdued inflation trends, and stable inflation expectations, are likely to warrant exceptionally low levels for the federal funds rate for an extended period. The Committee also will maintain its existing policy of reinvesting principal payments from its securities holdings.

The Committee will continue to monitor the economic outlook and financial developments and is prepared to provide additional accommodation if needed to support the economic recovery and to return inflation, over time, to levels consistent with its mandate. "
Das japanische Szenario (bei allen Unterschieden, die sich in einem solchen durch das höhere Bevölkerungswachstum in den USA ergeben) erscheint mir immer wahrscheinlicher.

US-Perspektiven

Mohamed El-Erian, Chef von Pimco, zeigt Paralellen zwischen den USA und Japan sowie Latainamerika in den 80ern auf. Fazit:
"Die gute Nachricht ist, dass Amerikas Lage nicht so dramatisch ist wie die von einigen peripheren europäischen Ländern wie Griechenland. Doch die drohenden Konsequenzen sind für ein großes Industrieland höchst ungewöhnlich - vor allem, weil diese Konsequenzen globale Folgewirkungen haben. Die USA sind die größte Volkswirtschaft der Welt, sie verfügen über die Welt-Reservewährung und die größten und liquidesten Finanzmärkte. Noch hat die Regierung Zeit, sich dieser Situation zu stellen. Aber je länger das dauert, desto mehr wächst die Gefahr eines verlorenen Jahrzehnts."

Montag, 20. September 2010

US-Rezession

Das NBER hat offiziell verkündet, dass die Rezession in den USA im Juni 2010 vorbei war. Aus der Mitteilung:
"The Business Cycle Dating Committee of the National Bureau of Economic Research met yesterday by conference call. At its meeting, the committee determined that a trough in business activity occurred in the U.S. economy in June 2009. The trough marks the end of the recession that began in December 2007 and the beginning of an expansion. The recession lasted 18 months, which makes it the longest of any recession since World War II. Previously the longest postwar recessions were those of 1973-75 and 1981-82, both of which lasted 16 months."
Wenn man mit Leuten aus den USA spricht, hört man aber immer wieder, dass der maue Aufschwung "feels like a recession".

Und in unserer jüngsten Konjunkturprognose haben wir mit einem statistischen Modell die Wahrscheinlichkeit geschätzt, dass es zu einem Rückfall in die Rezession kommt - und die liegt für kommendes Frühjahr bei immerhin knapp 20%.

Kapitalbedarf deutscher Großbanken

Die Bundesbank hat Pressemitteilungen zufolge geschätzt, dass die großen Banken in Deutschland aufgrund der Bestimmungen von Basel III, so die denn in der derzeitigen Fassung beschlossen werden, rund 50 Mrd. Euro Kapitalbedarf haben. Aus der FTD:
"Die zehn größten Banken Deutschlands brauchen wegen der schärferen Regulierung rund 50 Mrd. Euro frisches Kapital. Diese Summe habe die Bundesbank für die kommenden neun Jahren in einer vertraulichen Studie errechnet, berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe. Demnach haben Experten der Bundesbank Kreditinstitute mit einem Kernkapital von mehr als 3 Mrd. Euro unter die Lupe genommen."
Das ist für die Banken und Anteilseigner natürlich erst einmal blöd. Andererseits könnte, wenn man denn wollte, wohl ein Großteil wenn nicht sogar die gesammte Summe, durch Kürzungen von Gehältern und Dividendenausschüttungen generiert werden, und macht das Ganze den Bankensektor ein Stück weit stabiler.

Freitag, 17. September 2010

Neues Zeitalter auf dem Arbeitsmarkt

Thomas Fricke greift in der FTD unsere Arbeitsmarktprognose auf, um darzustellen, wie sich die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt zugunsten der Arbeitnehmer entwickeln werden.

Im Grunde genommen ist die beschriebene Entwicklung das, was man nach Arbeitsmarktreformen zur Senkung der Arbeitslosigkeit erwarten würde: Erst steigen die Löhne schwächer als der Verteilungsspielraum nahe legen würde und die Arbeitslosigkeit sinkt. Dann machen sich mehr und mehr Knappheiten bemerkbar und es werden wieder höhere Lohnsteigerungen durchgesetzt.

Vielleicht hat der Prozess in Deutschland etwas länger gedauert, als Ökonomen vorher gedacht hatten...

Zuschlag für die Megabanken

Wohl wahr, wohl wahr, dass die Megabanken zusätzliche Kapitalanforderungen zu erfüllen haben sollten, weil sie auch am wahrscheinlichsten durch die Staaten gerettet werden. Aber anscheinend ließ sich das bei den Verhandlungen zu Basel III nicht durchsetzen...

Ende des Soffin

Der Bankenrettungsfonds Soffin soll Ende des Jahres dann wirklich geschlossen werden - so ist es jedenfalls anscheinend im Moment die Absicht der Regierungskoalition.

Mittwoch, 15. September 2010

Neue Konjunkturprognosen

Heute um 12h ist die neue Konjunkturprognose veröffentlicht worden, an der ich mitgearbeitet habe (Kiel Economics zusammen mit dem IWH in Halle). Die Kurzfassung gibts hier - die vollständige Version hier. Die ganz kurze Version ist:
"Im laufenden Jahr dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt um 3,5% steigen, im kommenden um 2%. Die Arbeitslosigkeit wird wohl weiter sinken."
Vergangene Woche hatte bereits das IfW seine neue Prognose veröffentlicht. Auch heute kam die neue Prognose des RWI in Essen heraus. Für dieses Jahr bestehen fast keine Unterschiede - das IfW ist für 2011 ein wenig pessimistischer als wir, das RWI ein wenig optimistischer.

Montag, 13. September 2010

Empfehlungen für Basel III verabschiedet

Gestern wurde eine Einigung über die Vorschläge zu Basel III erziehlt. Aus dem Handelsblatt:
"Die wichtigsten Bankenaufseher und Notenbankchefs haben sich auf neue, verschärfte Regeln für die Banken weltweit geeinigt. Die neuen Mindesthürden für das Eigenkapital werden von 2013 an schrittweise eingeführt. So bleibt den Instituten genug Zeit, um sich darauf vorzubereiten."

Sonntag, 12. September 2010

HRE-Desaster

Öffentlichkeit und Politik sind davon überrascht worden, dass der Soffin mitgeteilt hat, dass nochmal zusätzliche Bürgschaften für die HRE nötig werden. Das Institut steckt also weiter in ungeahnten Schwierigkeiten.

Jetzt soll für die HRE eine "Bad Bank" geschaffen werden, um problematische Aktiva auslagern zu können.

Freitag, 10. September 2010

Basel III wirft Schatten

Die Deutsche Bank hat eine enorme Kapitalerhöhung angekündigt.

Zwar war eine solche sowieso nötig, um die Übernahme der Postbank zu finanzieren. Allerdings ist das hohe Volumen wohl schon ein Vorgriff auf die demnächst wahrscheinlich strikteren Kapitalanforderungen für den Bankensektor.

Dienstag, 7. September 2010

Finanzstressindikator, Ergebnisse für August 2010

Der von mir monatlich berechnete Finanzstressindikator ist im Juli von (leicht aufwärtsrevidierten) 0,59 auf 0,16 gefallen; die Beruhigung scheint also weiterzugehen.


Schauen wir mal, wohin die Reise geht, wenn die Konjunkturindikatoren (vor allem außerhalb Deutschlands) in den kommenden Monaten weiter gen Süden deuten...

Montag, 6. September 2010

IWF würde Ramschanleihen kaufen

Der IWF ist anscheinend wenig besorgt über mögliche Zahlungsausfälle bei Staatsanleihen. Aus einem Artikel der FAZ, der sich auf eine IWF-Studie bezieht:
"Das Hauptargument des IWF ist die einfache Tatsache, dass eine Schuldenreduktion durch Zahlungsausfall den Schuldnern nichts oder nicht viel bringt: weder wirtschaftlich noch politisch. Im Gegenteil ist der Weg zurück zur Kreditwürdigkeit meist härter als der Weg der Konsolidierung, wie das jüngste Beispiel Argentinien zeigt."
Da ist schon was dran - vor allem für die Länder des Euroraums, wo zusätzlich noch die Partnerländer um ihre Reputation besorgt sind. Aber die gleichen Argumente galten ja auch schon in der Vergangenheit, wo es dann doch Staatsbankrotte gegeben hat.

Die Perspektiven der deutschen Wirtschaft

...sieht das Handelsblatt, bzw. Prof. Bert Rürup im Handelsblatt eher positiv.

Mittwoch, 1. September 2010

Krugman fragt sich ...

...ob zur Erklärung der momentanen Wirtschaftsentwicklung (er bezieht sich vor allem auf die USA) neue Ansätze nötig wären. Und kommt zu dem Schluss, dass - im Gegenteil - die (ganz) alten Modelle ziemlich genau beschreiben, was momentan passiert:
"So what we have here isn’t really a lack of a workable analytical framework. The disaster we’re facing is the result of the refusal of economists, both in and out of the corridors of power, to go with the perfectly good framework [the Keynesian model] we already had."

Dienstag, 31. August 2010

Deutscher Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarktaufschwung geht wie zu erwarten gewesen war weiter. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit heute mit.


Das niedrige Niveau der Arbeitslosigkeit nach der Großen Rezession bleibt auch dann erstaunlich, wenn man bedenkt, dass es einige Umdefinitionen der Statistik und einen positiven demographischen Einfluss gegeben hat. Warum man das in Schlagzeilen schlecht reden muss, weiß ich nicht...

Montag, 30. August 2010

Zeitarbeit

Die Nachfrage nach Zeitarbeit hat im Aufschwung sehr stark zugenommen. Die FAZ berichtet, dass in manchen Regionen bereits die Arbeitskräfte knapp werden.

Aber mal weitergedacht: Was passiert wohl, wenn es nicht mehr genug Ingenieure, oder sogar Hilfsarbeiter, gibt, die als Zeitarbeiter arbeiten wollen? - Dann werden die Firmen nicht umhin können, diesen Personen ein ordentliches Beschäftigungsverhältnis anzubieten. Die relative Bedeutung der Zeitarbeit wird in den kommenden Jahren in dem Maße zurückgehen, wie die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer aufgrund sinkender Arbeitslosenzahlen steigt.

Bernanke-Rede

Ben Bernanke hat auf der Zentralbank-Konferenz in Jackson Hole am Freitag eine Rede über den Konjunkturausblick und Geldpolitik gehalten. Einige wichtige Passagen:
"In many countries, including the United States and most other advanced industrial nations, growth during the past year has been too slow and joblessness remains too high. Financial conditions are generally much improved, but bank credit remains tight; moreover, much of the work of implementing financial reform lies ahead of us. Managing fiscal deficits and debt is a daunting challenge for many countries, and imbalances in global trade and current accounts remain a persistent problem."

"Household finances and attitudes also bear heavily on the housing market, which has generally remained depressed. In particular, home sales dropped sharply following the recent expiration of the homebuyers' tax credit. Going forward, improved affordability--the result of lower house prices and record-low mortgage rates--should boost the demand for housing. However, the overhang of foreclosed-upon and vacant housing and the difficulties of many households in obtaining mortgage financing are likely to continue to weigh on the pace of residential investment for some time yet."

"Notwithstanding the fact that the policy rate is near its zero lower bound, the Federal Reserve retains a number of tools and strategies for providing additional stimulus. I will focus here on three that have been part of recent staff analyses and discussion at FOMC meetings: (1) conducting additional purchases of longer-term securities, (2) modifying the Committee's communication, and (3) reducing the interest paid on excess reserves. I will also comment on a fourth strategy, proposed by several economists--namely, that the FOMC increase its inflation goals."

"Falling into deflation is not a significant risk for the United States at this time, but that is true in part because the public understands that the Federal Reserve will be vigilant and proactive in addressing significant further disinflation. It is worthwhile to note that, if deflation risks were to increase, the benefit-cost tradeoffs of some of our policy tools could become significantly more favorable."

Ganz sicher hat die Rede die Märkte ein Stück weit darauf vorbereitet, dass die Fed demnächst wieder zusätzliche Maßnahmen zum "quantitative easing" ankündigen könnte. Außerdem hat Bernanke deutlich gemacht, dass er für den Fall, dass ein Abrutschen in eine Deflation deutlich wahrscheinlicher würde als momentan, eine Anhebung des Inflationszieles nicht ausschließt.

Donnerstag, 26. August 2010

Schuldenkrise im Euroraum

Auch wenn das Thema noch nicht wieder die Titelseiten der Presse erreicht hat, so nehmen die Risikoaufschläge der Anleihen aus den "Problemländern" doch wieder bedenklich zu. Zum Teil sind sie schon fast wieder so hoch wie während der Zuspitzung im Mai.

Bin gespannt, wann das Thema wieder "heiß" wird. Der Zeitpunkt dafür kommt bestimmt...

ifo-Indikator rockt weiter

Für alle, die es heute nicht schon in der Presse vernommen haben: Der ifo-Indikator (nach allem, was empirisch getestet und gelesen habe, der beste Konjunkturindikator für Deutschland) ist im August nochmals gestiegen, nachdem er im Juli bereits einen Rekordsprung nach oben gemacht hatte. Zwar sank der Sub-Indikator für die Erwartungen leicht, aber die Geschäftslage wurde nochmals deutlich besser beurteilt als im Vormonat.


Was heißt das? - Dass der Aufschwung intakt ist und wohl auch die derzeitige Abkühlung der Weltwirtschaft überstehen wird. Das wiederum heißt nicht, dass der Rekordsprung der Produktion aus dem zweiten Quartal im dritten noch mal wiederholt wird (ein Großteil war auf Sondereffekte aus dem Bausektor zurückzuführen); aber deutlich mehr als ein, zwei Zehntel sollten es wohl werden.


Mittwoch, 25. August 2010

Wider die Rating-Agenturen

Ich war ganz erstaunt zu lesen, dass es mehr und mehr Firmen gibt, die Anleihen am Markt platzieren, ohne diese durch Rating-Agenturen bewerten zu lassen.

Da scheint nach Politik und Öffentlichkeit noch eine weitere Gruppe von "Stakeholders" zu entstehen, die mit der Arbeit der Rating-Agenturen nicht so ganz zufrieden ist...

Dienstag, 24. August 2010

Steuern in Deutschland

Der Spiegel schreibt über die Steuerbelastung in Deutschland und darüber, welche Einkommensschichten, wie viel zum Steuer- und Abgabenaufkommen beitragen.

Das Fazit ist wohl wieder einmal, dass nicht die Steuerbelastung sondern jene durch Sozialabgaben die Krux in Deutschland ist. Zur Verteilung des Steueraufkommen noch zwei nette Graphiken aus dem Beitrag:

Wirtschaftsleistung Q2

Die Details zur Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal hat das Statistische Bundesamt heute hier veröffentlicht.
"Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bereits in seiner Schnellmeldung vom 13. August 2010 mitgeteilt hat, war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – preis-, saison- und kalenderbereinigt – im zweiten Vierteljahr 2010 nach vorläufigen Berechnungen um 2,2% höher als im ersten Vierteljahr. Ein solches Wachstum zum Vorquartal gab es noch nie im vereinten Deutschland."
Insgesamt ein einigermaßen ausgewogenes Quartal, was die Wachstumsbeiträge der einzelnen Komponenten angeht. Allein der private Konsum schwächelte noch ein wenig relativ zu den anderen Nachfrageaggregaten...

Montag, 23. August 2010

Bankenregulierung

Die FAZ schreibt über die Regulierungsbemühungen/-fortschritte in den USA und Europa. Europa kommt leider nicht gut weg, was den Fortschritt der Gesetzgebung anbelangt.

Schade, dass es so lange dauert und so viel auf Nebenkriegsschauplätzen (wie Boni) gekämpft wird...

Samstag, 21. August 2010

Bondmärkte kennen nur eine Richtung

Die Märkte für Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität kennen im Moment nur eine Richtung ... up ... up ... up. Die Rendite für US-Treasuries sinkt und sinkt und sinkt:

Für 10jährige um die 2,6 % und auch für 30jährige nur knapp über 3,5 %. Das gleiche Bild bietet sich momentan für Deutschland (gerade keine Abbildung gefunden).

Einerseits eine gute Entwicklung - sofern die Risikoaufschläge für riskantere Anleihen nicht überproportional zunehmen - weil Finanzierung billiger wird. Andererseits aber ein untrügliches Zeichen dafür, wie pessimistisch die Bondhändler die Zukunft sehen...

Freitag, 20. August 2010

Kampf um Bankenregulierung

Derzeit kämpfen Bankenlobbyisten und Regulierer um die Deutungshoheit darüber, welche konjunkturellen Bremseffekte deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen für Finanzinstitute hätten. Die negativen Auswirkungen werden natürlich durch die Bankenverbände deutlich höher beziffert als von den Regulierern bzw. der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Letztere hat zuletzt eine Studie vorgelegt (Kurzfassung), die eindeutig große Vorteile von strengeren Kapitalanforderungen sieht.

Update: Das schreibt der Economist dazu:
"When asked, before the crisis, about the right level of capital they should have, the bankers’ answer was simple: “As little as possible”. Now that the world has changed, their response has morphed to “less than what the regulators want”."

Donnerstag, 19. August 2010

Leistungsbilanzungleichgewichte

Vergrößern sich die Leistungsbilanzgleichgewichte im weitern Aufschwung wieder, nachdem sie während der Wirtschaftskrise kleiner geworden sind? Das jedenfalls haben Richard Baldwin und Daria Taglioni Ende 2009 vorausgesagt (Wolfgang Münchau verweist in seiner jünsten Kolumne auf den Beitrag).

Die jünsten Handelzahlen aus den USA und China gehen jedenfalls in diese Richtung. Für eine sichere Aussage zum weiteren Trend ist es aber noch zu früh...

Dienstag, 17. August 2010

Amerikas Problem ...

... ist weiterhin der Markt für Wohnimmobilien. Aus der FTD:
"Inzwischen halten oder garantieren Fannie Mae und Freddie Mac mehr als 90 Prozent aller US-Hypotheken. Doch trotz ihrer faktischen Verstaatlichung sowie weiterer Soforthilfen für den Häusermarkt gibt es in den USA so viele Zwangsversteigerungen wie noch nie. Hinzu kommt, dass rund ein Viertel aller US-Hauseigentümer Hypothekenkredite aufgenommen hat, deren Wert den ihrer Immobilie derzeit übersteigt."
Vor diesem Hintergrund liegen die Baubeginne weiterhin nahe dem Rekorttief.


Bevor sich hier nichts ändert, wird die wirtschaftliche Erholung kaum an Breite gewinnen. Trübe Aussichten...

Samstag, 14. August 2010

Freitag, 13. August 2010

Naja, sagen wir mal XL

Das Statistische Bundesamt hat heute mitgeteilt, dass laut erster Schätzung das reale Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal saison- und kalenderbereinigt um 2,2 % ggü. dem ersten Quartal gestiegen ist. Die Rate für das erste Quartal wurde zusätzlich noch auf 0,5 % nach oben revidiert. Die Zahlen liegen über jeder Schätzung, die ich in den vergangenen Tagen gelesen oder selber gerechnet habe. (Annualisiert liegt die Rate bei 9,1 %; das ist der Wert, den man mit den 2,4 % für Q2 in den USA vergleichen kann.)

Detaillierte Ergebnisse zu den Komponenten gibt es dann am 24. August.

Donnerstag, 12. August 2010

IWF-Studie zur Inflation in der Depression

Eine neue IWF-Studie untersucht die Entwicklung der Inflation in Zeiten, in denen die Ökonomie lange Zeit weit unterhalb ihrer Kapazitäten produziert ("depressed economy").
"We find that such episodes generally brought about significant disinflation, underpinned by weak labor markets, slowing wage growth, and, in many cases, falling oil prices. Indeed, inflation declined by about the same fraction of the initial inflation rate across episodes. That said, disinflation has tended to taper off at very low positive inflation rates, arguably reflecting downward nominal rigidities and well-anchored inflation expectations."
Was heißt das für heute? Wahrscheinlich werden wir in den Industrieländern noch für längere Zeit sinkende Inflationsraten sehen, die sich aber im positiven Bereich stabilisieren. (Die Anleihenmärkte bzw. die Akteure auf diesen Märkten scheinen momentan auch dieses Bild im Kopf zu haben.)

XXL-Aufschwung?

Das Handelsblatt titelte am Montag "XXL-Aufschwung - Deutschland hebt ab". Über den Artikel musste ich schmunzeln/mich ärgern, weil er mal wieder zeigt, wie gedankenlos in Deutschland über Konjunkturthemen berichtet wird.

Punkt 1: Was ist an diesem Aufschwung XXL?

Ich habe durch das (logarithmierte) reale BIP in Deutschland über den Zeitraum 1991Q1 bis 2008Q1 einen linearen Trend gelegt und fortgeschrieben. Der Vergleich mit der tatsächlichen Entwicklung zeigt, dass die Produktion, selbst wenn sie im zweiten Quartal um 2 % ggü. dem ersten Quartal zugenommen hätte, noch um ca. 4,5 % unter dem Trend liegt. XXL wäre, wenn die Raten jetzt im Aufschwung dauerhaft deutlich über dem mittelfristigen Durchschnitt lägen.

Punkt 2: Im Artikel wird die Wachstumsrate für das JAHR 2010 mit den Raten für einzelne QUARTALE verglichen - und dann die Fanfare geblasen, dass es seit 1992Q1 nicht mehr so einen starken Anstieg der Produktion gegeben hätte:
"Der neue Barclays-Indikator prognostiziert für das gesamte laufende Jahr einen Anstieg der Wirtschaftsleistung, wie er seit der Wiedervereinigung nur einmal, nämlich im ersten Quartal 1992, gemessen wurde."
Gemeint war wohl, dass der Anstieg im zweiten Quartal - so er denn 1,8 % betrüge - so hoch wäre, wie eine Veränderung von Quartal zu Quartal (saisonbereinigt) seit 1992Q1 nicht mehr.

Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass Deutschland besser aus der Krise herauszukommen scheint als viele andere Industrieländer. Aber Größe L hätte es auch getan, oder? (Sonst bekäme die Rezession ja die Größe XXXXXS.)