Sonntag, 31. Januar 2010

Kiel Economics Research & Forecasting

Die Website unserer Firma ist seit dem Wochenende online.
"Kiel Economics berät öffentliche Institutionen, Finanzwirtschaft und Industrie mit Daten, Analysen, Prognosen und Szenarien zum gesamtwirtschaftlichen und weltwirtschaftlichen Umfeld und dessen Auswirkungen auf einzelwirtschaftliche Entscheidungen. Darüber hinaus stellt Kiel Economics computergestützte analytische Werkzeuge zur Verfügung, mit denen Nutzer eigenständig Analysen, Prognosen und Szenarien erstellt können."
Über Anfragen, Verlinkungen der Seite und Mundpropaganda freuen wir uns natürlich immer!!!

Freitag, 29. Januar 2010

Griechenlands Pleite

Die FTD schreibt heute über die Probleme von Griechenland sich am Anleihenmarkt zu refinanzieren. Unter anderem heißt es:
"Schlittert die Athener Regierung in die Zahlungsunfähigkeit, sind die Euro-Staaten de facto zur Nothilfe gezwungen. Andernfalls drohten Krisen in anderen angeschlagenen Ländern wie Portugal und Spanien, die gesamte Währungsunion geriete in Gefahr."

Zwei dieser im Artikel als direkt hingestellten Schlussfolgerungen verstehe ich nicht:
  1. Wieso sollten dann direkt Portugal, Spanien und Co. in Bedrängnis geraten? Der Markt differenziert doch heute auch zwischen dem Ausfallrisiko spanischer Staatsanleihen und jenem jener aus Griechenland (zu sehen an der Ausweitung der Renditedifferenzen).
  2. Wieso gerät die Währungsunion in Gefahr, wenn Griechenland seine Anleihen nicht mehr bedient oder ein Umschluldungsprogramm startet? Das heißt doch erstmal nur, dass sich die Kreditgeber die Finger verbrant haben und ein gewisses Maß an Verlusten hinnehmen müssen - und sich die nächsten 20 Jahre überlegen, ob sie wieder wie in den vergangenen 10 Jahren Griechenland zum fast gleichen Preis wie Deutschland ihr Geld leihen. Im Grunde doch auch nix anderes als wenn gleichzeitig die Hälfte der DAX-Unternehmen zahlungsunfähig würden.
Oder überschätze ich da die Klugheit und Rationalität der Finanzmärkte?

BB erhält zweite Amtszeit

Ben Bernanke ist vom US-Senat für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden - wenn auch mit einem relativ schlechten Abstimmungsergebnis.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Studie zur Gefahr einer Kreditklemme in Deutschland

Seit heute ist eine Studie online zugänglich, in der ich im vergangenen Herbst zusammen mit dem Prognosezentrum des IfW für das Bundesfinanzministerium untersucht habe, wie sich der Kreditmarkt in Deutschland bis Ende 2010 wohl entwickeln wird - und welche Gefahren für eine Kreditklemme bestehen (bestanden).

Die Zusammenfassung:
"Die vorliegende Studie analysiert vor dem Hintergrund der durch die Finanzkrise bedingtenAbschreibungen im Bankensektor die aktuelle Gefahr einer Kreditklemme in Deutschland und ihre möglichen Konsequenzen für die konjunkturelle Entwicklung. In einem Makromodell mit Bankensektor wird dabei gezeigt, dass exogene Verknappungen des Kreditangebots die gesamtwirtschaftliche Produktion für einen langen Zeitraum negativ beeinflussen. Im Hinblick auf die Situation des Bankensektors wird dessen Eigenkapitalposition auch vor dem Hintergrund der staatlichen Eigenkapitalmaßnahmen analysiert, und es werden Szenarien für die zukünftige Entwicklung der Eigenkapitalquoten beschrieben. Im Anschluss daran werden mithilfe eines ökonometrischen Mehrgleichungsmodells Prognosen für die branchenspezifischen Kreditvolumina abgeleitet. Im Rahmen eines gesamtwirtschaftlichen Modells wird dann die Frage analysiert, ob in nächster Zeit eine Kreditklemme droht. Die Ergebnisse weisen auf die erhebliche Relevanz der durchgeführten staatlichen Eigenkapitalmaßnahmen
hin, die sehr wahrscheinlich verhindert haben, dass eine ausgeprägte Kreditklemme bereits im Laufe dieses Jahres eingetreten ist. Angesichts des noch zu erwartenden Abschreibungsbedarfs der Banken kann eine Kreditklemme in der nahen Zukunft allerdings nicht ausgeschlossen werden. Abschließend werden wirtschaftspolitische Optionen diskutiert, um aufzuzeigen, wie einer solchen Situation vorgebeugt werden kann."

Das wird nicht einfach durchzusetzen, weil ...

...da einige Banken in Europa ganz schön zerschlagen werden müssten, um nicht mehr "too-big-to-fail" zu sein (hier).

Mittwoch, 27. Januar 2010

Banker in der Defensive

Anscheinend kristallisiert sich in Davos eine schon fast breite Mehrheit für ein neues Finanzregulierungssystem heraus. Und die Bankenvertreter mit ihrer Wird-schon-nicht-wieder-so-schlimm-kommen-auch-wenn-wir-nicht-viel-stärker-reguliert-werden-Haltung scheinen nur noch wenig Gehör zu finden.

Aber vielleicht ist das auch nur Wunschdenken der Akteuere außerhalb des politischen Prozesses und am Ende ist die Finanzlobby doch zu start - und der Sachverstand auf Seiten der Regierungen zu schwach, um sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen.

Finanzstressindikator

In den vergangenen Tagen habe ich den Ansatz, mit dem ich meinen Finanzstressindikator berechne, überarbeitet. Während ich bislang einen einfachen ungewichteten Durchschnitt über eine Reihe von Indikatoren gebildet hatte, habe ich mich nun nach dem auf einer Faktoranalyse basierenden Ansatz, der von der Fed genutzt wird, orientiert. Außerdem habe ich die verwendeten Indikatoren geändert. Zum einen, um ein besseres Bild des Finanzmarktes zu erhalten; zum anderen, um den Indikator auch vor 1999 berechnen zu können.

Näheres werde ich demnächst hier posten. Vorerst nur die verwendeten Zeitreihen:
  1. Der Leitzins der EZB.
  2. Der Spread zwischen dem Dreimonatseuribor und dem Dreimonatseurepo.
  3. Der Spread zwischen der Rendite auf Bankanleihen ggü. jener von öffentlichen Anleihen.
  4. Der Spread zwischen der Rendite auf Unternehmensanleihen ggü. jener von öffentlichen Anleihen.
  5. Die erwarteten Volatilität des DAX (VDAX).
  6. Die Volatilität (über jeweils die letzten drei Monate) der Rendite von 30-jährigen Bundesanleihen.
  7. Die Korrelation (über jeweils die letzten drei Monate) zwischen der Rendite von Aktien (DAX) und Renten (REX).
  8. Die Volatilität der "excess" Rendite von Bankanktien gegenüber dem gesamten Markt.


Das Sample reicht bis Dezember 2009. Der Index zeigt, dass sich die Lage anscheinend schon wieder ziemlich beruhigt hat. Der Index liegt jedoch immer noch über dem Mittel über den Zeitraum bis Sommer 2007.

Updates und mehr Details demnächst!

Montag, 25. Januar 2010

Die Führung der EZB...

...für die kommenden Jahre wird wohl demnächst ziemlich sicher feststehen - auch wenn der neue Präsident erst 2011 ins Amt kommen wird.

Da beide Kandidaten für den Präsidentenjob geeignet sind, braucht man sich wohl keine allzugroße Sorge über den Postengeschacherprozess zu machen.

Samstag, 23. Januar 2010

Lesestoff 2010-01-23

Heute wieder eine etwas kürzere Fundliste:
  1. Erstmal noch mal zwei direkte Links zu Interviews mit Vertretern der Chicago School. Beide gehören zu den lesenswerteren der Gruppe von Interviews: Mit John Cochrane und mit James Heckman.
  2. Außerdem ein Vorschlag zur Bankenregulierung, bzw. Anreizsteuerung im Bankensektor, der zumindest klar aufzeigt, was ein Problem zurzeit ist.
Schönes Wochenende!

Freitag, 22. Januar 2010

09Q4...

...war wohl doch stärker als es die ersten Datenveröffentlichungen haben vermuten lassen. Die Industrieaufträge für November wurde deutlich nach oben revidiert.

Das wird nicht einfach durchzusetzen

Wenn schon die eigenen Leute von der Fahne gehen (hier), wird die Umsetzung der Regulierungspläne nicht einfacher...

Bankenregulierung

Das (hier, hier oder hier) wäre ein Hammer, wenn es so durchgesetzt werden würde.

Die Welt würde sich weiterdrehen - und es wäre demonstriert, dass man gegen das Eigenleben des Finanzsektors sehr wohl was tun kann, wenn der Lobby entschieden entgegengetreten wird.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Cochrane on Discussing Financial Regulation

I found a nice quote by John Cochrane (from this interview) about how to discuss about the regulation of financial markets.
"If you just say regulation versus no regulation that becomes an undergraduate 2 A.M. bullshit fest. Talking about “regulation” vs. “deregulation” in the abstract is pointless. We have to talk about specifics if we want to get anywhere. Stuff like, Do you think credit default swaps should be forced on to exchanges? It’s all very boring to your readers, but unless you are specific you don’t get anywhere... If you are vague, it sounds kind of fun: ideology, Chicago versus Harvard, and so on. But to get anywhere you have to be specific."

Niedrige Zinsen...

...werden wir im Euroraum wohl noch länger sehen. Aus dem (englischen) Monatbericht der EZB für Januar von Seite 43:
"Should the pace of the recovery in activity remain subdued in the euro area and elsewhere, as is currently envisaged, economic fundamentals will contribute to keeping headline HICP inflation moderate in the near term. Therefore, the expected increase in headline HICP inflation in 2010, from an estimated annual rate of 0.9% in December 2009, should not be interpreted as a resurgence of underlying inflationary pressures."

Bankensteuer in der EU

Anscheinend diskutiert die EU über die Einführung einer Bankensteuer. Und alle wichtigen Länder scheinen schon öffentlich Sympathie bekundet zu haben - das ist schon mal ein gutes Zeichen. Und ob man das ganze dann am Ende Steuer oder Versicherung oder Risikofonds nennt, ist eher nebensächlich.

Man sollte nur aufpassen, dass alle irgendwie "bankenartigen" Finanzinstitutionen von der Steuer erfasst werden, damit nicht schon wieder diverse regulatorische Arbitragemöglichkeiten entstehen - und in ein paar Jahren wieder irgendwelche dubiosen, versteckten Tochterunternehmen entdeckt werden, in die ein Großteil der Bilanzen ausgelagert würde.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Chicago School

Ich hatte letzte Woche nur eins der Interviews, die Justin Wolfers verlinkt hat, gebraucht, um zum mehr oder weniger gleichen Schluss zu kommen.

Erste Bremsmaßnahmen

China hat die Schaffung neuer Kredite bis Ende Januar verboten (hier). Eine generelle Straffung der Geldpolitik in China über eine Zinserhöhung ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Und auch in den Industrieländern fallen demnächst die Wirkungen der Konjunkturpakete nach und nach weg (zumindest was den Einfluss auf die Veränderungsraten des realen BIP angeht), und die ultra-expanisve Geldpolitik wird wohl auf einfach nur noch "normal expanisv" heruntergeschraubt werden.

Wenn das in der zweiten Jahreshälfte mal nicht den R-Index wieder hochschnellen lässt...

Montag, 18. Januar 2010

Sonntag, 17. Januar 2010

Finanzpoker

Das ist bei den Geschäftsmodellen des "angelsächsischen" Investmentbankings dann wohl nur konsequent.

Griechenland

Anscheinend scheint das Verschuldungs-Problem zumindest mal angegangen zu werden (hier). Ob gerade die Sparprogramme durchgesetzt werden können ist allerdings aufgrund der Erfahrung der vergangenen Jahre fraglich...

Samstag, 16. Januar 2010

FDP

Sad, sad, sad! Wo ist eine richtige liberale Partei für Deutschland?!?

Lesestoff 2010-01-16

Ein Frohes Neues Jahr an alle Leser! Nach einer etwas verlängerten Winterpause, starte ich heute wieder mit den wöchentlichen Linklisten.
  1. Nachdem der scheidende Chefvolkswirt der Deutschen Bank sein "Abschiedsinterview" gegeben hat, nun der Neue, Thomas Mayer, über die Forschung der Deutschen Bank, das Risiko von Staatspleiten und Geldpolitik.
  2. Auch im Handelsblatt ein Interview mit Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt bei der Bremer Landesbank und alter Bekannter vom Kieler Konjunkturgespräch, über die Aussichten für die Finanzmärkte.
  3. In der FAZ ein lesenswerter Beitrag von Emmanuel Todd über die Zukunft des Kapitalismus und das Europäische Wirtschaftsmodell.
  4. Und noch ein Interview. Und zwar eins mit Eugene Fama, dem "Erfinder" der Theory der effizienten Kapitalmärkte, das tief in die Chicagoer Seele blicken lässt.
  5. Und noch ein Beitrag aus dem Handelsblatt, in dem das Fehlen einer Modellierung des Finanzsektors in den üblichen Makromodellen thematisiert wird.
Ein schönes Wochenende!

Freitag, 15. Januar 2010

Rechnungshofprüfung des DIW

Gibt's demnächst einen neuen Institutspräsidenten? Manche munkeln so...

Bewerberpool für die Gemeinschaftsdiagnose

Kommenden Montag läuft die erste Bewerbungsfrist für die Gemeinschaftsdiagnose für die kommenden drei Jahre ab. Die FTD scheint schon alle Kandidaten(-konsortien) herausgefunden zu haben. Es wird wohl auf jeden Fall einige Veränderungen geben. Die Bewerber sind:
  1. ifo Institut + KOF (Zürich)
  2. RWI + IHS (Wien)
  3. IWH + Kiel Economics
  4. IfW + ZEW
  5. IMK + WiFo (Wien) + NIESR (London)
  6. HWWI + Prognos
  7. DIW
Außer dem DIW traut sich also keiner mehr alleine (letztes Mal hat das IfW den Auftrag noch ohne Partner eingeworben) außer dem DIW, das aber wohl nur Außenseiterchancen hat.

Update: Wie heute bekannt wurde (und aus der Pressemitteilung des DIW letzte Woche nicht erkenntlich war), bewirbt sich das DIW doch nicht alleine sondern zusammen mit dem CEPS und der DB Research, der Forschungsabteilung der Deutschen Bank, weil immer mehr Mitarbeiter die Konjunkturabteilung verlassen, zuletzt der VGR-Experte Stefan Kooths und das DIW nicht mehr in der Lage ist, den Auftrag alleine zu bearbeiten.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Dibelius über Sinn von Banken

Alexander Dibelius, Deutschland-Chef von GS, wird mit den folgenden Aussagen zitiert:
"Banken, besonders private und börsennotierte Institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern."
Tun sie dann nach offizieller Sprachregelung aus Imagegründen natürlich doch:
"Banken waren und sind aber nicht skrupellos beim Eingehen von Risiken. Sie versuchen, sich verantwortungsvoll und im Interesse ihrer Kunden und der Gesellschaft insgesamt zu verhalten."
Außerdem herrscht immer noch die Meinung vor, dass die erzielten Renditen und Entlohnungen im Finanzsektor nichts mit Regulierung zu tun hat:
"Die Bezahlung von Bankern sei aber grundsätzlich keine Aufgabe für Regulierer"
Vielleicht nicht direkt (da würde ich sogar zustimmen), ABER: Die überzogenen Renten im Finanzsektor sind ja wohl das untrüglichste Zeichen dafür, dass mit dem Grad der Regulierung in den vergangenen Dekaden was nicht stimmte. Studie dazu gibt's hier.

Die Welt der Zentralbanken

Dieser Artikel in der FTD bietet einen schönen Überblick über die derzeitige Welt der beiden großen Zentralbanken (Anlass ist, dass die EZB heute den Leitzins unverändert gelassen hat). Woran orientieren sie sich? Was kommunizieren sie? Was ist hinsichtlich des Zinsniveaus zu erwarten?

Bottom Line: Es wird immer wahrscheinlicher, dass es, wie vom IfW schon länger vorausgesagt, eine längere Zeit dauert, bis die Zentralbanken die Zinsniveaus von ihren Rekordtiefs anheben.

Mittwoch, 13. Januar 2010

BIP-Zahlen für 2009

Das Statistische Bundesamt hat heute morgen eine erste Schätzung der Veränderung des realen BIP in Deutschland veröffentlicht. Demnach ist die Produktion um 5 % gegenüber dem Jahr 2008 eingebrochen.

Nach Veröffentlichung der Prognosen vom Dezember sind die Zahlen keine große Überraschung.

Zahlen zum vierten Quartal und eine überarbeitete Schätzung werden am 12. Februar veröffentlicht. Details dazu erst am 24. Februar. Infos dazu dann an dieser Stelle!

Finanzinnovationen: Klappe, die Zweite!

Heute in der FTD: Der zweite Teil von Wolfgang Münchaus Kolumne über den Nutzen vergangener Innovationen im Bankensystem.

Abschließend macht er das folgende bedenkenswerte Statement: Nämlich, dass jedes einzelne der neuen Finanzinstrumente aus mikroökonomischer Sicht sehr wohl eine Berechtigung gehabt hat, dass auf der anderen Seite aber die makroökonomischen Kosten (z.B. durch erhöhtes systemisches Risiko) in die Kosten-Nutzen-Rechnungen nicht eingeflossen sind.
"Im Grunde genommen handelt es sich hier um eine Makro-gegen-Mikro-Debatte. Mit Ausnahme von Punkt zwei verwenden die Banker vorwiegend mikroökonomische Argumente, die die makroökonomischen Probleme und Kosten nicht berücksichtigen."
Dies kann, laut Münchau, nur über eine weit stärkere Regulierung des Finanzsektors geschehen. Dem ist nix hinzuzufügen!

Montag, 11. Januar 2010

Und noch mal Krugman...

...diesmal ein Interview im Handelsblatt, in dem gegen die übermäßige Mathematisierung der Ökonomie redet und seiner Hoffnung Ausdruck gibt, dass junge Ökonomen sich wieder mehr an den empirischen Beobachtungen zum Verhalten der Menschen orientieren.
"Es gibt das Sprichwort, dass sich wissenschaftlicher Fortschritt vor allem durch Beerdigungen vollzieht – also erst wenn die alte Generation abtritt, ist der Weg für neue Erkenntnisse frei. Das gilt auch in unserem Fach. Ich setze vor allem auf junge Volkswirte. Die werden sich hoffentlich fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, so vorzugehen, wie es bislang üblich war – nämlich einfach nachzumachen, was die vorherige Generation gemacht hat, und dies mit mehr Mathematik zu versehen. Das ist nicht der richtige Weg."

Krugman über Europa

Paul Krugman verteidigt in seiner jüngsten Kolumne den europäischen Sozialstaat.

Und so schlecht lebt's sich, wenn man ehrlich ist, in Europa wirklich nicht ;-)

Freitag, 8. Januar 2010

Bankenaufseher immer noch nervös

In den USA hat die Finanzaufsichtsbehörde die Banken aufgefordert durchzurechnen, welche bilanziellen Auswirkungen ein Anstieg der Leitzinsen für sie zur Folge hätte (hier).

Momentan verdienen die Banken zwar prächtig, weil sie für nix kurz leihen und für höhere Zinssätze längerfristig investieren (z.B. in Staatsanleihen) können; dadurch verbessert sich natürlich auch die Kapitalsituation der Banken kontinuierlich. Dies könnte sich aber bei steigendem Kurzfristzinsniveau schlagartig ändern.

Der Vorstoß der Aufsichtsbehörde zeigt, dass dort die Situation der Bankenbilanzen als immer noch kritisch angesehen wird. In Deutschland dürfte dies nicht anders (eher noch schlimmer, weil wenig neues Kapital aufgenommen wurde,) sein.

DIW-Prognose

Das DIW hat gestern eine neue Konjunkturprognose veröffentlicht. Für das reale BIP erwartet das Team um Christian Dreger nun einen Anstieg um 2,1 % im laufenden und um 1,8 % im kommenden Jahr.

Das DIW tritt damit, anders als das IfW mit seiner Prognose vom Dezember, dem "Camp der Optimisten" bei.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Auftragseingänge in der Industrie

Die Aufträge in der Industrie sind im November leicht um 0,2 % gestiegen (nach aufwärts revidierten -1,9 % im Oktober). Für ein wirtschaftlich starkes Winterhalbjahr, wie es die meisten Prognostiker noch erwarten, spricht diese Entwicklung nicht!

Mittwoch, 6. Januar 2010

Wichtige Innovationen in der Finanzindustrie?

Wolfgang Münchau nimmt die pointierte Aussage von Paul Volcker, dass der Geldautomat die wichtigste Erfindung der Finanzindustrie der letzten Dekaden war (hier), zum Anlass eine Kolumne über die Wichtigkeit von Finanzinnovationen des vergangenen Jahrhunderts zu schreiben. Auch er kommt zu dem (vorläufigen) Schluss, dass es im Finanzsektor volkswirtschaftlich bedeutende Neuerungen zuletzt in den 1960er und 1970er Jahren gab.

In der Tendenz würde ich das glaube ich unterschreiben, aber ganz so absolut ist es wahrscheinlich nicht. Mal gespannt auf Münchaus Kolumne mit den Gegenargumenten in der kommenden Woche.

Dienstag, 5. Januar 2010

Fels zum Inflations- und Staatsbankrottausblick

Joachim Fels, Ökonom bei Morgan Stanley, glaubt, dass Staatsbankrotte das große Thema in den kommenden Jahre sein werden und dass in der Folge zwangsläufig die Inflationsraten (vor allem in den USA) steigen werden, weil Regierungen ihre Schulden stärker "weginflationieren" als in den vergangenen Jahren.

Könnte natürlich so kommen! Aber nur, wenn wir auch einen Aufschwung sehen, der den Namen verdient. Wenn - wie im Japan der 1990er und 2000er - die Privaten weiter entschulden und Gläubiger anstatt dessen staatliche Schuldtitel kaufen, dürfte a) die Nachfrage schwach bleiben, so dass keine starken Preissteigerungen durchgesetzt werden können und b) das Zinsniveau nicht deutlich anziehen. Könnte also auch so - und damit ganz anders - kommen!