Freitag, 29. Januar 2010

Griechenlands Pleite

Die FTD schreibt heute über die Probleme von Griechenland sich am Anleihenmarkt zu refinanzieren. Unter anderem heißt es:
"Schlittert die Athener Regierung in die Zahlungsunfähigkeit, sind die Euro-Staaten de facto zur Nothilfe gezwungen. Andernfalls drohten Krisen in anderen angeschlagenen Ländern wie Portugal und Spanien, die gesamte Währungsunion geriete in Gefahr."

Zwei dieser im Artikel als direkt hingestellten Schlussfolgerungen verstehe ich nicht:
  1. Wieso sollten dann direkt Portugal, Spanien und Co. in Bedrängnis geraten? Der Markt differenziert doch heute auch zwischen dem Ausfallrisiko spanischer Staatsanleihen und jenem jener aus Griechenland (zu sehen an der Ausweitung der Renditedifferenzen).
  2. Wieso gerät die Währungsunion in Gefahr, wenn Griechenland seine Anleihen nicht mehr bedient oder ein Umschluldungsprogramm startet? Das heißt doch erstmal nur, dass sich die Kreditgeber die Finger verbrant haben und ein gewisses Maß an Verlusten hinnehmen müssen - und sich die nächsten 20 Jahre überlegen, ob sie wieder wie in den vergangenen 10 Jahren Griechenland zum fast gleichen Preis wie Deutschland ihr Geld leihen. Im Grunde doch auch nix anderes als wenn gleichzeitig die Hälfte der DAX-Unternehmen zahlungsunfähig würden.
Oder überschätze ich da die Klugheit und Rationalität der Finanzmärkte?

Kommentare:

Christoph hat gesagt…

Ja, da traust Du den Märkten ausnahmsweise mal zu viel Rationalität zu denke ich.

Wenn Griechenland tatsächlich umschuldet (was unwahrscheinlich ist) riskieren Länder wie Portugal und Spanien angesteckt zu werden, aufgrund klassischer "Contagion" im Anleihenmarkt. Der Auslöser der LTCM-Pleite waren z.B. solche Ansteckungseffekte der Russland-Pleite. Und die Asien-Krise hatte auch sehr starke contagion-Muster. Als Hintergrund: Mauro, Jafeh und Sussmann (QJE, 2002) zeigen für emerging markets (und vielleicht kann man Griechenland, P und S wieder hierzu zählen) dass spreads von Staatsanleihen sehr stark co-moven und dass Anleger heute sehr viel weniger nach Ländern differenzieren als früher. Sollte die Griechendland-krise tatsächlich eine Panik im bond-markt auslösen hätte Spanien von einem Tag auf den anderen doppelt oder dreifach so hohe Refinanzierungskosten (jedes Jahr werden ja Milliarden fällig die wieder neu aufgelegt werden müssen). Von dort ist eine weitere Krise in Spanien nicht mehr sehr weit. Und die Währungsunion gerät in Schieflage weil die EU und der IWF nicht ein Land nach dem anderen retten können.

P.S. Den Tag an dem die Hälfte der Dax Unternehmen bankrott gehen möchte Frau Merkel wohl genauso wenig erleben wie Herr Sarkozy.

Jonas Dovern hat gesagt…

Na, dann sieht's wohl so aus als müssten wir den ersten Kandidaten retten, damit es keinen zweiten und dritten gibt. Fragt sich nur, wie die EWU das so bewerkstelligt, dass sie der griechischen Politik genug Kraft für's Endlich-mal-ordentlich-Steuerneintreiben-und-Reformieren mit auf den Weg gibt.

Christoph hat gesagt…

Die EWU wird das in der Tat nicht hinbekommen - wie auch ohne wirkliche Instrumente. Ich denke es wird im Zweifel erstmal einen bailout geben und dann wird "gemeinschaftlich" auf bessere Zeiten gehofft. Wenn sich die Probleme allerdings versteifen wird es wohl nur zwei Auswege geben: Breakup of EMU oder, im anderen Extrem, eine Verstärkung der politischen Union, bei der die Einzelstaaten weitere Souveranität aufgeben.

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