Samstag, 20. Februar 2010

Lesestoff 2010-02-20

Die neuen Links (heute ein wenig FAZ-lastig):
  1. Zwei Beiträge zur FAZ-Reihe "Zukunft des Kapitalismus": Die Verantwortung des Einzelnen und Wie man den Korken aus der Flasche bekommt.
  2. Ein weiterer FAZ-Artikel über Schulden als Triebfeder der Wirtschaftsentwicklung.
  3. Drei Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben eine Studie über die langfristigen Perspektiven der Staatsverschuldung veröffentlicht, in der sie vor sehr hohen Belastungen der Staatshaushalte durch Zinszahlungen warnen.
  4. Der Economist macht die wundersame Positionenänderung des Internationalen Währungsfonds hinsichtlich Inflationszielen und Kapitalverkehrskontrollen zum Thema.
  5. Und abschließen noch mal was aus der FAZ: Ein Gastbeitrag von Bruno Frey über die ex- und intrinsischen Grundlagen der Motivation.
Ab Montag bin ich für eine Woche auf Dienstreise in Usbekistan...auf dem Ökonomiebeobachter könnte es also für ein paar Tage etwas ruhiger werden.

Freitag, 19. Februar 2010

Geldpolitische Straffung

Nachdem vor einiger Zeit bereits einige kleinere Länder damit begonnen hatten, die Zinsen anzuheben, hat nun auch die Fed mit dem Diskontsatz den ersten Zinssatz leicht angehoben. Allerdings dürfte der Zielsatz für die Fed Funds Rate noch ein bisschen bei 0-0,25 % bleiben:
"Zugleich machte er [Ben Bernanke] aber deutlich, dass eine Straffung der Geldpolitik nicht unmittelbar bevorstehe und die Zinsen noch für längere Zeit sehr niedrig bleiben dürften. Er wiederholte damit die gängige Fed-Formulierung für den Zinsausblick."

Crowding-Out

Es scheint mittlerweile schon zu Verdrängungseffekten auf den Anleihemärkten zu kommen: Unternehmen können Anleiheemissionen nur noch schwerer platzieren und müssen dabei höhere Renditen zahlen, weil die von "Problemländern" wie Griechenland oder Portugal gezahlten Zinsen mittlerweile schon ziemlich hoch sind.

Ehrlich gesagt überrascht mich, dass der Effekt anscheinend schon merkbar ist. Bei der schwachen Investitionstätigkeit, hätte ich gedacht, dass die weltweite staatliche Schuldenexpansion nur die gesunkene Nachfrage der Privaten nach Fremdkapital ersetzt. Jedenfalls verheißt das nix Gutes für die weitere Entwicklung der Finanzierungskosten der Unternehmen.

Donnerstag, 18. Februar 2010

OECD-Studie über Arbeitsanreize für Empfänger von Arbeitslosenhilfe

Pünktlich zur deutschen Debatte über die Reform von Hartz IV (hier, hier, hier und hier die Studie der Kollegen vom IfW, die nicht unbedingt überall richtig wiedergegeben wurde) hat die OECD eine Studie veröffentlicht, nach der die Höhe der Leistungen im Fall von Arbeitslosigkeit in Deutschland ungefähr im Mittelfeld aller OECD-Länder rangiert. Allerdings sind die Anreize Arbeit aufzunehmen, gerade für diejenigen, die das nur in begrenztem Ausmaß tun können, weil sie beispielsweise alleinerziehend sind, in Deutschland im internationalen Vergleich sehr gering.

Es wird also nicht zu viel gezahlt (auch nicht unbedingt zu wenig), sondern die Anreizmechanismen sind einfach schlecht gestaltet (dazu gehört auch das Nichtvorhandensein eines flächendeckenden Angebots von (kostenloser!) Kleinkindbetreuung).

Trendwende und ein Problem für die USA?

Wie das Handelsblatt berichtet hat China "sich allein im Dezember von US-Staatsanleihen im Volumen von mehr als 34 Milliarden Dollar getrennt. [...] In den vergangenen fünf Monaten habe China Anleihen im Volumen von 45 Milliarden Dollar verkauft – der Zeitraum sei lang genug, um daraus einen Trend ablesen zu können, sagte Alan Ruskin von RBS Securities." Weil China der größte Gläubiger der USA ist, dürfte das in den Vereinigten Staaten einige Bedenken auslösen...schließlich sind die USA immer noch auf Finanzzuflüsse angewiesen, um ihr zwar gesunkenes aber dennoch immer noch beträchtliches Handelsdefizit zu finanzieren.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Einheitliche Geldpolitik im Euroraum und Bildung von Ungleichgewichten

Neben der Fixierung der nominalen Wechselkurse ist die Übertragung der Souveränität über die Geldpolitik an eine supranationale Institution die wirtschaftspolitisch einschneidendste Entwicklung bei der Bildung einer Währungsunion. Per Konstruktion ist das von der EZB gewählte Leitzinsniveau für jedes einzelne Land weniger (im Extremfall gleich) optimal auf die makroökonomische Entwicklung abgestimmt als es ein nationaler Leitzins sein könnte. Es zeigt sich, dass die durchschnittliche Differenz zwischen dem Taylorzins (als Approximation für das "optimale" Zinsniveau) für jeweils jedes Land und dem EZB-Leitzins nach 1999 eng mit der Entwicklung der netto Auslandsvermögensposition der Länder korreliert.


Anscheinend haben sich manche Länder aufgrund des für sie sehr niedrigen Zinsniveaus enorm schnell stärker verschuldet. Für Griechenland führt das derzeit zu massiven Problemen. (Generell ist das aber kein spezifisches Problem der Staatsfinanzen sondern der gesamtwirtschaftlichen Finanzen; so waren es in Spanien z.B. vor allem die Privaten, die sich stärker und stärker verschuldet haben.)

Dienstag, 16. Februar 2010

Kriseninduzierte Forschungsagenda

Blanchard et al. schlagen in einem VoxEU-Beitrag eine Forschungsagenda für die kommenden Jahre vor, die sie aus den Punkten ableiten, in denen die VWL durch die Krise "überrascht" wurde:
  1. Exactly how low should inflation targets be?
  2. How should monetary and regulatory policy be combined?
  3. Should liquidity be provided more broadly?
  4. How can we create more fiscal space in good times?
  5. Can we design better automatic fiscal stabilizers?

Montag, 15. Februar 2010

Tick, tack, tick, tack...

Die Gewerbeimmobilienmarktrezession schlummert immer noch als Zeitbombe in den Büchern der Finanzmarktinstitutionen. Da dürfte es beim leisesten Zinsanstieg bei so mancher Bank eng werden.

Langsam häufen sich die Nachrichten, die gegen eine starke Erholung sprechen. Warum sind trotzdem immer noch so viele Analysten positiv gestimmt? (Auch und gerade wegen solcher Studien, auf die ich hier noch mal hinweisen möchte.)

Finanzstressindikator, Ergebnisse für Januar 2010

Der Stress im Finanzsystem hat nach dem von mir berechneten Indikator im Januar leicht gegenüber Dezember nachgelassen. Der Indikatorwert sank von 0,11 auf 0,07.


Er liegt damit immer noch nur leicht über dem Mittel der Periode vor Sommer 2007.

Samstag, 13. Februar 2010

Lesestoff 2010-02-13

Für alle, die keinen Karneval feiern:
  1. Auf der Internetseite der ZEIT noch mal eine Zusammenfassung der Ankündigungen der Fed zur Exit-Strategie.
  2. Ein interessanter Blog-Artikel über den Nutzen von agentenbasierten Modellen in der Volkswirtschaftslehre (ht Nils Jannsen).
  3. Noch mal die ZEIT mit einer ganz eigenen Meinung von Mark Schieritz zur Causa Griechenland.
  4. Und um von eben jenem Thema mal ein bisschen abzulenken, ein Artikel aus dem Economist über die Schwierigkeiten Spaniens aus der Rezession zu finden.

Freitag, 12. Februar 2010

Statistischer Überhang

Bisweilen kommt in der Berichterstattung und Diskussion über den Konjunkturverlauf Verwirrung auf, wenn die laufende Entwicklung und die jahresdurchschnittliche Veränderung stark voneinander abweichen.

So kann es wie in dem in der Abbildung gezeigten Beispiel sein, dass die Wirtschaft zwar das ganze Jahr über im Verlauf zunimmt, sich im Jahresdurchschnitt aber dennoch ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr ergibt.


Grund dafür ist das, was Konjunkturbeobachter "Überhang" oder - wie im Beispiel hier - "Unterhang" nennen. Das bedeutet, dass das Produktionsniveau am Ende eines Jahres über, bzw. unter, dem Durchschnitt des Jahres liegt. Im Beispiel hier um -5,1%. Diese Differenz muss erst aufgeholt werden, um überhaupt auf eine Stagnation der Produktion im Jahresdurchschnitt zu kommen.

Dieser Effekt ist natürlich selten so ausgeprägt wie in der Darstellung, kann aber trotzdem dazu führen, dass die laufende konjunkturelle Entwicklung falsch eingeschätzt wird, wenn nur Jahresdurschschnitte betrachtet werden.

So verbirgt sich hinter einer Prognose von 1,2 Prozent für die Veränderung des BIP für das kommende Jahr ein statistischer Überhang von immerhin fast der Hälfte des Zuwachses (0,5 Prozentpunkte).

Stagnation im vierten Quartal

Das statistische Bundesamt hat bekannt gegeben, dass die Produktion im vierten Quartal stagnierte. Damit wurde die (implizite) Schätzung vom Januar bestätigt. Bestätigt wurde damit auch, dass das Bruttoinlandsprodukt 2009 gegenüber 2008 um 5 Prozent gesunkten ist. (Der statistische Überhang für 2009 beträgt damit 0,5 Prozentpunkte.)

Mittwoch, 10. Februar 2010

Hört, hört...

Ben Bernanke hat sich zur Exit-Strategie der US-Notenbank aus der ultra-expansiven Geldpolitik geäußert. (Deutsche Übersicht/Zusammenfassung hier). Die Kernpunkte sind:
  1. Auf die genaue Abfolge von Maßnahmen will man sich noch nicht festlegen:
    "The sequencing of steps and the combination of tools that the Federal Reserve uses as it exits from its currently very accommodative policy stance will depend on economic and financial developments."
  2. Die aufgekauften Wertpapiere werden wohl noch eine Weile in der Fed-Bilanz schlummern:
    "I currently do not anticipate that the Federal Reserve will sell any of its security holdings in the near term, at least until after policy tightening has gotten under way and the economy is clearly in a sustainable recovery."
  3. Die Fed-Funds-Rate (der Leitzins) könnte vorübergehend durch andere Instrumente als das Hauptsteuerungswerkzeug abgelöst werden. (Das wäre ein ziemlicher Paradigmenwechsel - und würde viel Arbeit für alle Wissenschaftler produzieren, in deren Modellen, der Leitzins nicht nur das Hauptwerkzeug, sondern das einzige überhaupt ist.):
    "As a result of the very large volume of reserves in the banking system, the level of activity and liquidity in the federal funds market has declined considerably, raising the possibility that the federal funds rate could for a time become a less reliable indicator than usual of conditions in short-term money markets."
  4. Ersetzt werden könnte sie durch eine Kombination von Steuerung des Zinses für Einlagen der Banken bei der Fed und Zielvorgaben für die verlangten Bankreserven:
    "In particular, it is possible that the Federal Reserve could for a time use the interest rate paid on reserves, in combination with targets for reserve quantities, as a guide to its policy stance, while simultaneously monitoring a range of market rates."
Es wird auf jeden Fall interessant!

(Und für mich in den nächsten Tagen erst mal karnevalistisch...also wahrscheinlich wenige News hier im Blog!)

Dienstag, 9. Februar 2010

Griechenland ...

...wird wohl von den übrigen EWU-Staaten vor den Finanzmarktakteuren geretten und bekommt durch harte Auflagen Unterstützung bei nötigen Reformen (hier).
"Der stellvertretende Fraktionschef der CDU/CSU im Bundestag, Michael Meister, bestätigte, dass in Berlin an einem Rettungspaket gearbeitet wird. "Oberste Priorität für die Union hat ein stabiler Euro", sagte Meister FTD.de. Es gebe allerdings keinen Automatismus, dem Mittelmeerstaat beizuspringen. "Wenn Griechenland Hilfen erhält, dann nur unter strengen Auflagen und wenn die griechische Regierung den Staat tiefgreifend reformiert", so Meister."

10 Mythen und Fakten über die "Schuldenkrise" im Euroraum

Charles Wyplosz bringt auf VoxEu 10 Mythen und Fakten über die Schuldenkrise im Euroraum, die seiner Meinung nach keine ist (und meiner Meinung nach keine sein dürfte, wenn sich alle Teilnehmer an die Fakten halten würden).

Mein Favorit unter den "Beruhigungspillen" ist Nummer 4:

Myth No.4: This is a euro crisis, which could result in a breakup of the monetary union. There is no mechanism for transforming the debt crisis into a Eurozone breakup. No country can be forced out and it is in no country’s interest to leave (Eichengreen 2007). Had Greece not been part of the euro area, it would have long undergone a major currency depreciation, like in Hungary in November 2008. The euro protects Greece.

Fact No.4: A debt default by the Greek government, on its own, would be a non-event. Greece is a relatively small country (with 7 million people, its GDP amounts to less than 3% of Eurozone’s GDP). Contagion to Portugal, which is even smaller, would also be a non-event. Moving on to Spain and Italy is another matter.

(Siehe dazu auch Paul Krugmans Blog.)

Montag, 8. Februar 2010

Erste Runde vorbei...

...und so wie es aussieht, sind das DIW und der bislang unbekannte achte Bewerber, das BAK aus Basel, schon mal aus dem Rennen. Weiter sind anscheinend:
  1. ifo + KOF
  2. RWI + IHS
  3. IWH + Kiel Economics
  4. IfW + ZEW
  5. IMK + NIESR + WiFo
  6. HWWI + Prognos
Fortsetzung folgt!

The Ugly and the Bad

Ehemalige Kollegen vom IfW und mein Partner bei Kiel Economics haben eine Studie über die Effekte von "normalen" Rezessionen und solchen, die mit Finanzkrisen einhergehen, untersucht.
"[The] paper provides statistical evidence suggesting that in industrial countries, recessions that are associated with either banking crises or housing crises dampen output far more than ordinary recessions. Using a parametric panel framework that allows for a bounceback of the level of output in the course of the cyclical recovery, we find that ordinary recessions are followed by strong recoveries that make up for almost all the preceding shortfall in output. This bounceback tends to be significantly smaller following recessions associated with banking crises or housing crises. Our paper corroborates the practice of focusing exclusively on severe crises used in an emerging macroeconomic literature and integrates it with the earlier literature on recessions and recoveries."

Samstag, 6. Februar 2010

Nachtrag zur Entwicklung der Industriekonjunktur

Nach den Auftragseingängen im Dezember war auch die Produktion zum Jahresende sehr enttäuschend. Gegenüber November nahm sie um 2,6 % ab.

Lesestoff 2010-02-06

Ein paar Links für's Wochenende:
  1. Ehemalige Kollegen vom IfW haben eine Studie über die Problematik des geringen Abstandes zwischen den effektiven ALG II-Zahlungen und den Verdienstmöglichkeiten für unqualifizierte Arbeitnehmer verfasst.
  2. Ein Physiker aus Münster prognostiziert den Ausgang der Bundesliga-Saison, mit einem recht interessanten Ansatz und recht interessanten Ergebnissen.
  3. Eine Studie der EZB führt die griechischen Finanzprobleme auf die staatlichen Bankenrettungsprogramme zurück und schlussfolgert, dass "die staatlichen Rettungsaktionen für die Finanzbranche also [letztlich bedeuteten]: Die Risiken, die in den Bilanzen der privaten Banken schlummerten, wurden von den Staaten übernommen."
  4. Der Economist schreibt über einen Ansatz, der "bail-in" anstatt "bail-out" zur Rettung angeschlagener Banken vorschlägt; im Grunde aber nichts neues, sondern ein typisches "Equity-for-Debt"-Verfahren.

Freitag, 5. Februar 2010

Newstrend

Wenn's so weitergeht, ist es ja nur noch eine Frage der Zeit, bis es die griechischen Staatsfinanzen auf die Bild-Titelseite schaffen. - Und spätestens dann wird es Zeit wieder Anleihen der "Pleitekandidaten" zu kaufen!

Wie Schnee in der Sonne...

...haben die Auftragseingänge in der Industrie im Dezember den nach der Revision sehr hohen Zuwachs aus dem November fast ganz wieder eingebüßt. Sie sanken gegenüber November saisonbereinigt um 2,3 %.
Damit dürfte das Wachstum im vierten Quartal doch eher nahe 0 % gelegen haben. Und auch für das laufende Quartal kann man wieder (oder, wie meine Kollegen und ich, weiter) eher pessimistisch sein.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Jetzt geht's los...

...und an den Finanzmärkten scheint sich ein neuer Trend gebildet zu haben, mit dem im Moment wohl Geld zu verdienen ist: Die Wetten auf neue Pleitekandidaten im Euroraum! (Siehe auch Diskussion unter diesem Post.)

Dienstag, 2. Februar 2010

Hard Exit

Das australische Beispiel zeigt, dass sich der Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik in der derzeitigen Konjunkturlage schwierig gestalten kann.

Aber die Großen haben deswegen richtigerweise ja auch noch gar nicht damit angefangen...

Montag, 1. Februar 2010

Interview mit T. Polleit

Das Handelsblatt bringt ein Interview mit Thorsten Polleit, dem großen deutschen Vertreter des Free-Banking. Sind aber mehrheitlich Antworten der "ceterum censeo"-Art...alles schon mehrfach von ihm gehört.

Update: Griechenlands Pleite

Hier mal ein erbaulicher Beitrag zum Thema von Tobias Bayer, der vorschlägt, das ganze nicht zu schwarz zu sehen. Jedenfalls läuft der Wechselkurs mal ordentlich in Richtung kaufkraftparitätisch angezeigtes Niveau.