Mittwoch, 31. März 2010

Unterstützung für die Exportnation

Charles Wyplosz argumentiert in seinem VoxEU-Beitrag, dass es nicht so klar ist, dass Deutschland seine Handelsüberschüsse abbauen müsse, um die EWU zu retten. Sein Argument ist, dass es wegen der Alterung der Bevölkerung optimal sein könnte, ein paar Dekaden lang zu sparen. Gleiches gälte auch für die meisten PIGS, so dass diese eigentlich auch mehr sparen und die EWU als Ganzes einen Überschuss gegenüber dem Rest der Welt haben sollte.
"It turns out that there is a link between these deficits and surpluses and the pattern of relative labour costs. While this association might appear to support the view that relative competitiveness drives current account positions, it is possible that causality could run in the other direction – or both observations might just reflect a common cause."

"It turns out that the area’s overall current account has remained close to balance over the last ten years. Remarkably, this situation has been maintained even as the euro fluctuated quite widely – a reminder that current accounts depend on many more variables than the exchange rate. Indeed, the current account balance represents a country’s net saving, which reflect deeper choices irrespective of competitiveness. Currently the Germans save and the Greeks borrow. The Greeks could save as well, as could all Eurozone member countries if they wished to, in which case the overall account of the Eurozone would be positive."
Theoretisch sicher richtig und für den Euroraum wäre es ja auch besser, wenn alle ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhten anstatt Deutschland zu "zwingen", seine zu reduzieren. Man sollte nur aufpassen, dass man nach ein paar Dekaden sein Angespartes auch wirklich zurückbekommt - und nicht nur einen Teil (aufgrund von zwischenzeitlichen Pleiten und Währungsveränderungen).

Dienstag, 30. März 2010

Montag, 29. März 2010

Ein Gefühl von Ausgewogenheit...

...vermissen die Autoren der Kolumne "Das Kapital" der FTD, wenn es um die wirtschaftspolitische Diskussion und Implementierung in Deutschland geht. Und da kann man nur zustimmen!

Sonntag, 28. März 2010

Nachtrag zum Sinn-Beitrag auf Ökonomenstimme

Die Aussage von H. W. Sinn über den Auslöser der Finanzkrise ist in dieser Klarheit, nun sagen wir, neu für mich:
"Die Krise wurde bekanntlich dadurch ausgelöst, dass im Jahr 2008 Lehman Brothers wider Erwarten nicht vom Staat gerettet wurde."
Sind nicht die Risikoaufschläge schon vorher gestiegen? Und hätten nicht auch sonst Kredite an Subprime-Häuslebauer abgeschrieben werden müssen? (Eine Formulierung wie "Das Ausmaß der Krise wurde dadurch vergrößert, dass..." würde ich ja noch durchgehen lassen. Aber die gewählte stimmt bekanntlich nicht.)

Ökonomenstimme

Nach dem englischsprachigen VoxEU gibt es nun auch eine deutschsprachige Seite, auf der Ökonomen anwendungsrelevante Forschungsergebnisse anschaulich darstellen und auf der Diskussionen über die Beiträge stattfinden sollen: Ökonomenstimme.

Unter den Eröffnungsbeiträgen sind unter anderem:
  1. H.W. Sinn über Bankenregulierung nach der Finanzmarktkrise.
  2. J. de Haan et al. über den Einfluss von Finanz- und Wirtschaftskrisen auf den wirtschaftlichen Freiheitsgrad in Volkswirtschaften.
  3. R. Bachmann mit einem Rückblick auf den "Neueren Methodenstreit".
Mal schauen, ob die Seite genauso einschlägt, wie es VoxEU getan hat.

Wie mit Griechenland umgehen?

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, schlägt in einem FR-Internview als einfachsten Weg vor, die EU-Zahlungen an "Problemländer" überproportional zu erhöhen, damit diese durch die Förderung wettbewerbsfähiger werden.
Kater: [...] Ein mögliches Instrument lautet: Wachstumshilfen für die Defizitländer.
FR: Wachstumshilfen?
Kater: Mehr Geld aus den EU-Fonds, wie dem Kohäsionsfonds. Dieser Fonds ist geschaffen worden, damit die Südländer rascher wachsen und so leichter aufschließen können. Hier müssen die Mittel aufgestockt werden.
FR: Kurzum: Die Überschussländer, die ja zugleich Gläubiger sind, müssen die Defizitländer, die die Schuldner sind, zahlungsfähig halten. Sei es durch Finanzhilfen oder Umverteilung.
Kater: So ist es. Allerdings sollte es die Gelder nicht geben, um Konsum zu finanzieren, sondern um leistungsfähiger zu werden.
Mir fällt dazu nur ein, dass der einfachste Weg ja nicht notwendigerweise der beste, bzw. auch nur einer der besten sein muss! Erstens: Das wäre ja ein Schritt hin in Richtung "Bail-out" ohne jegliche Bedingungen. Zweitens: Hand auf's Herz! Wie sollen denn höhere EU-Zahlungen die Wettbewerbsfähigkeit griechischer Unternehmen erhöhen? Praktikabel sind in großem Umfang ja nur Hilfen für Infrastrukturprojekte - und an einem darbenden Bausektor haben die PIGS ja in den vergangenen Jahren wohl wahrlich nicht gelitten. Und außerdem: Warum überhaupt Wachstumshilfen? Der Konvergenzprozess im Euroraum scheint doch zu funktionieren...jedenfalls hatte Griechenland in den vergangenen Jahren eine dramatisch höhere Wachstumsrate der Wirtschaftsleistung als Deutschland - vielleicht nur in den falschen Sektoren! Aber dass die EU jetzt ganz genau weiß, wie gefördert werden sollte, damit es in Zukunft besser läuft, dass bezweifle ich doch stark!

Samstag, 27. März 2010

Nachtrag zum VWL-Ranking

Neben den besten VWL-Fakultäten wurden natürlich auch die besten einzelnen Forscher von der Handelsblattstudie gerankt. Dabei wurde die Methodik gegenüber den vergangenen Jahren leicht geändert.

Die Forscher mit dem besten Lebenswerk.
Jene mit den besten aktuellen Forschungsleistungen.
Und die besten Jungforscher (unter 40).

Donnerstag, 25. März 2010

GP als Ursache der Krise?

Der Economist wärmt noch mal die These auf, dass die Geldpolitik (vor allem der Fed) zur Mitte der Dekade zu expaniv war und dadurch die Übertreibungen, die zur Krise geführt haben, ausgelöst hat.

Wenn man die Entscheidungen der Notenbanker auf Basis von Echtzeitdaten (z.B. über Produktionslückenschätzungen oder Inflationserwartungen) analysiert, findet man aber keine nennenswerten Abweichungen von üblicherweise als "gut" angesehenen Verhaltensmustern (z.B. hier). Das Problem war wenn überhaupt, dass die GP den gleichen Fehleinschätzungen zum Produktionspotential erlag wie andere Marktteilnehmer auch.

Das Problem von sich aufbauenden Blasen an den Finanzmärkten kann nicht durch Geldpolitik beantwortet werden, sondern sollte durch Regulierungsmechanismen eingedämmt werden (siehe dazu auch diesen etwas älteren Beitrag).

Mittwoch, 24. März 2010

Draghi über Griechenland und EWF

Der zweite Kandidat für den EZB-Präsidentenposten (neben Axel Weber), Mario Draghi, hat sich (schon letzte Woche) in einem Interview über die Rettungsmaßnahmen für Griechenland und einen EWF generell geäußert.

Dienstag, 23. März 2010

"Nicht-rationale" Inflationserwartungen

Ein neues Arbeitspapier von schwedischen Forschern untersucht Umfragedaten zu Inflationserwartungen von Unternehmen und Gewerkschaften. (Mit ähnlichen Daten habe ich in meiner Promotion gearbeitet.) Die Autoren finden, dass die Erwartungen alles andere als "optimal" sind. Solche Abweichungen von der Hypothese rationaler Erwartungen findet man eigentlich immer, wenn man sich durch Umfragen ermittelte Erwartungen von Wirtschaftssubjekten anschaut.

Die Autoren fassen zusammen ...
"This paper assesses the properties of survey-based inflation expectations in Sweden. The survey is conducted by Prospera once every quarter and consists of respondents from businesses and labour-market organisations. The paper shows that inflation expectations measured in this survey tend to be biased and inefficient forecasts of future inflation. Results also indicate that long-run inflation expectations are overly adaptive with respect to actual inflation. Finally, evaluations of forecast accuracy show that these inflation expectations are worse predictors of inflation than those of a professional forecasting institution and also typically outperformed by a simple autoregressive model. Overall, our results indicate that economic agents’ expectations formation process is suboptimal and/or the survey fails to capture the true inflation expectations."

Sonntag, 21. März 2010

Krugman über Hyperinflationsrisiken

Paul Krugman schreib in seinem Blog, dass natürlich keine Hyperinflation ins Haus steht. Und das stimmt natürlich solange die wichtigen Zentralbanken unabhängig bleiben. Zu den Fragen am Ende des Beitrags ...
"Meanwhile, for those predicting hyperinflation, my question would be: what is it about the United States now that looks different to you from Japan in say, 2000? Big budget deficits and high debt? Check. Huge expansion in the monetary base? Check. And yet Japan’s GDP deflator has fallen 9 percent since 2000."
... kann man (höchstens) antworten, dass es damals eben "nur" Japan war - und jetzt die ganze Welt.

Freitag, 19. März 2010

Probleme mit TARP

Calculated Risk berichtet, dass viele kleinere Banken in den USA, die mit Hilfe des TARP gerettet wurden, die Dividenden an den Staat nicht bedienen können.
"[H]undreds of community banks have yet to return their bailouts. More than 10 percent of the 700 banks that got federal bailouts and are still holding the money even failed to pay the government a quarterly dividend in February. The list of 82 delinquent banks is significantly longer than the 55 banks that failed to make payments in November, according to an analysis by Linus Wilson, a finance professor at the University of Louisiana at Lafayette."
Das spricht auch wieder NICHT dafür, dass die Krise in den USA schon bereinigt ist - und einem Aufschwung nix mehr im Wege steht.

Donnerstag, 18. März 2010

Kritik an der Exportnation

Nachdem die französische Finanz- und Wirtschaftsministerin Deutschland aufgefordert hat, seinen Exportüberschuss zurückzufahren und für eine höhere Binnennachfrage zu sorgen, tobt in den Medien die Diskussion darüber, wie mit den "Ungleichgewichten" im Euroraum umzugehen sei. (Das Thema ist auch Fokus der aktuellen Euroraumprognose des IfW und wurde auf dem Kieler Konjunkturgespräch Anfang der Woche diskutiert.)

Hier ein paar Auszüge von deutschen Zeitungen: FAZ, SPON, FTD I, FTD II und eine Presseschau zum Thema im Handelsblatt.

Wer glaubt...

...da eigentlich noch an einen kräftigen Aufschwung in den Vereinigten Staaten? Ich nicht!

Dienstag, 16. März 2010

ZEW-Indikator

Wie das ZEW heute bekannt gab, ist der ZEW-Konjunkturindikator zum sechsten Mal in Folge zurückgegangen.

Auch wenn es, nett formuliert, bessere Konjunkturindikatoren für die Prognose gibt, scheint der erste Frühling nach dem Tiefpunkt der Rezession erst mal vorbei zu sein. (Auch der ifo Indikator überraschte zuletzt nicht mehr positiv sondern auch eher negativ.)

EWF-Plan

Wolfgang Münchau gibt in seiner FT-Kolumne seine Einschätzung über die von Herrn Schäuble auf europäischer Ebene vorangetriebenen Pläne zur Gestaltung eines EWFs wider:
"This is not about helping countries in trouble. This is about helping them to get out."
"I derive two principal conclusions from this mess. The first is that a monetary union comprising 16 or more EU members will ultimately require a fully fledged fiscal union, or fail."
"The second conclusion is that a rules-based monetary union is still possible, but only among a group of similar countries – in terms of their economic development, and their fundamental political attitudes towards economic policy."
Er scheint die Pläne insgesamt nicht zu mögen...

Montag, 15. März 2010

Offener Brief ans DIW

Das meint eine Gruppe ehemaliger Mitarbeiter zur Situation am DIW. Der Grundtenor ist, dass die Abwendung von der praktischen Politikberatung (insbesondere im makoökonomischen Bereich) in Deutschland beklagt wird.

Freitag, 12. März 2010

"Solvency-Convertible Bonds"

Dennis Snower, Präsident des IfW, hat in der FTD einen Vorschlag gemacht, wie man das "Too-big-to-fail"-Problem lösen könnte. Er schlägt vor, es Banken in der Zukunft nur noch zu erlauben solche Anleihen begeben zu können, die das Recht beinhalten im Insolvenzfall Schulden in Eigenkapital wandeln zu dürfen. Dadurch wäre das "Too-big-to-fail"-Problem gelöst; nicht weil Banken dann in ihrer Größe reglementiert würden sondern weil sie einfach nicht mehr "failen" könnten. Die Vorteile laut Snower:
"Erstens: Die Steuerzahler müssten mit ihrem Geld keine Banken oder Versicherungen mehr retten. Zweitens: Bisherige Gläubiger wären nicht betroffen - schließlich geht es nur um neue Schulden. Und die neuen Gläubiger würden einfach eine Risikoprämie verlangen, die ihr Verlustrisiko durch die mögliche Transformation der Schulden in Eigenkapital ausgleicht. Drittens: Die Zahlungsfähigkeitsgarantie würde von den Anteilseignern des Unternehmens finanziert. Denn die Fremdkapitalkosten würden steigen, und zudem bestünde das Risiko, dass der Wert der eigenen Anteile verwässert, sobald Schulden in weitere Aktien umgewandelt werden."
Der Vorschlag zielt darauf ab, "Debt-to-Equity-Swaps" - wie sie seit Ausbruch der Finanzkrise von verschiedenen Seiten ins Gespräch gebracht wurden, um die Kreditgeber auch an den Verlusten der Banken zu beteiligen - schon von vornherein als reguläres Instrument der Finanzmarktregulierung zu etablieren. Nun bin ich kein Jurist, aber ich könnte mir vorstellen, dass es da jede Menge rechtlicher Probleme gibt, die Geschäftsfreiheit der Banken in dieser weise zu reglementieren (es käme ja einem Verbot herkömmlicher Anleihen gleich, also einem Verbot für Banken sich "normal" zu verschulden). Sollten diese Probleme überwindbar sein, dann wäre dies aber sicher ein guter Weg, die Kosten von Bankenkrisen in Zukunft von den richtigen Leuten bezahlen zu lassen.

Donnerstag, 11. März 2010

IfW-Frühjahrsprognose

Die neue Konjunkturprognose des IfW ist soeben im Internet veröffentlicht worden. Die wichtigesten Punkte:
  • Die Prognose für die Veränderung des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland für 2010 und 2011 ist mit 1,2 % bzw. 1,8 % fast unverändert zur Dezember-Prognose geblieben.
  • Die Arbeitsmarktprognose wurde - was die Zahl der Arbeitslosen und Beschäftigten angeht - substantiell geändert, weil sich mehr und mehr abzeichnet, dass der Trend hin zu weniger Arbeitszeit pro Beschäftigtem anhält. Nach IfW-Prognose findet ab 2011 schon wieder ein Beschäftigungsaufbau statt.
  • Im Text über die Konjunktur im Euroraum wird ausführlich auf die beobachteten Divergenzen seit Einführung des Euro im Jahr 1999 eingegangen.
  • Quintessenz der Prognose für die Weltwirtschaft ist, dass der Aufschwung in den Industrieländern vorerst eher mau bleibt, während die Schwellenländer - allen voran Asien - die Krise produktionsmäßig schon fast überwunden haben.

Mittwoch, 10. März 2010

Ach, was es alles für Daten gibt!

Immer wieder schön zu sehen, was man alles aus Daten herauslesen kann. Hier ein Hinweis von Justin Wolfers auf den Wasserverbrauch während des Eishockeyfinales der Winterolympiade.

Mittelschicht und Hartz IV

Ein Artikel in der FTD über die Mär von der von Hartz IV und Armut bedrohte Mittelschicht.
"Ganze 0,3 Prozent der Empfänger erhielten bei ihrer letzten Arbeitsstelle mehr als 3000 Euro brutto im Monat, nur jeder Tausendste kam auf mindestens 3500 Euro. Das ergibt eine bislang noch unveröffentlichte Berechnung des Instituts zur Zukunft der Arbeit in Bonn (IZA)."
Das liegt daran, dass ausgebildete Arbeitnehmer nach einem Verlust des Arbeitsplatzes in der Regel innerhalb von wenigen Monaten einen neuen Job finden - und gar nicht vom ALG I ins ALG II rutschen.

Finanzstressindikator, Ergebnisse für Februar 2010

Im Februar ist mein Finanzstressindikator von 0,07 auf 0,29 gestiegen. Kein großer Anstieg...aber es zeigt, dass die Situation noch immer angespannt ist.

Letzte Woche berichtete auch James Hamilton auf seinem Blog über einen neuen Stressindikator. Im Unterschied zu meinem Indikator, der den absoluten Stress misst, zeigt dieser Indikator nur den Stress im Finanzsystem an, der über das bei gegebener Konjunkturlage Niveau hinausgeht. (Hintergrund ist, dass die Entwickler des Indikators diesen zur Prognose der Konjunktur einsetzen möchten, wofür sie nur die Information herausfiltern wollen, die nicht schon in den bekannten Konjunkturdaten enthalten ist.) Jedenfalls ist der Umschwung hin zu wieder mehr Stress auf den Finanzmärkten bei diesen Indikator noch deutlicher.

Außenhandel schmiert im Januar ab

Die Exporte Deutschlands sind im Januar um sageundschreibe 6,3 % gegenüber Dezember gesunken. Da die Importe gleichzeitig um 6 % zulegten, deutet das darauf hin, dass der Impuls des Außenbeitrags für das BIP im ersten Quartal wohl sehr negativ wird, wenn nicht noch starke Korrekturen im Februar und März folgen.

Dienstag, 9. März 2010

Handelsblatt-Ranking

Das Handelsblatt hat vergangene Woche das Ranking der deutschsprachigen VWL-Fakultäten veröffentlicht. Gegenüber den vergangenen Jahren hat es einige Verschiebungen gegeben. So ist Mannheim nun die forschungsstärkste Fakultät in Deutschland. Insgesamt hat die Uni Zürich den Spitzenplatz verteidigt. Stark zurückgefallen sind die HU und FU in Berlin. Kiel liegt auf einem guten siebten Platz und ist damit nach den vier Großen (Mannheim, Bonn, Frankfurt, München) die beste "kleinere" deutsche Uni im Ranking.

Ohh, ohh

Auch wenn es schwierig ist, auszumachen, ob der Rückgang nachfrage- oder angebotsbedingt ist, wäre ein weiterhin so ausgeprägter Rückgang des Unternehmenskreditvolumens in Deutschland eine schwere Bürde für den (hoffentlich bald) kommenden Aufschwung.

Wann der Aufschwung kommt? Dazu gibt es am Donnerstag eine neue IfW-Konjunkturprognose. Mehr dazu dann hier.

Montag, 8. März 2010

CNY/$

China hat angekündigt, seine Währung wieder gegenüber dem US-Dollar aufwerten zu lassen. Damit ist die Phase des fixen Wechselkurses seit Mitte 2008 wohl demnächst vorbei.

Für den Abbau der "Ungleichgewichte" im Hinblick auf die Leistungsbilanzen der wirtschaftlichen Großmächte ist dies sicher ein zu begrüßender Schritt. Er ist wohl vor dem Hintergrund steigender Preise, einer heißlaufenden Konjunktur und regionalem Arbeitskräftemangel zu sehen. All diese "Probleme" werden durch eine zukünftige Aufwertung ein wenig gedämpft.

Gerade noch mal so davon...

...kommt anscheinend Klaus Zimmermann, der Präsident des DIW. Die FTD berichtet,
"dass der unter Beschuss geratene Institutspräsident Klaus Zimmermann zwar im Amt bleiben wird. Der Berliner Senat zieht aber nun offenbar die Konsequenzen aus dem Führungsstil von Zimmermann. Zwar stellt sich der Senat grundsätzlich hinter den Institutspräsidenten. Allerdings wird seine Macht eingeschränkt. So soll er in Zukunft bei wichtigen Entscheidungen nicht mehr alleine unterschriftsberechtigt sein."
Anscheinend ist dies der Kompromiss, der von allen Seiten in der Affäre um die Ungereimtheiten bei der Prüfung des Rechnungshofes gefunden wurde.

Industrieproduktion im Januar

Nach den bombastischen Zahlen zu den Auftragseingängen im Januar, sind auch die Zahlen zur Industrieproduktion im Januar besser als ich erwartet hätte. Insgesamt nahm sie gegenüber Dezember um 0,6 % zu, wobei der starke Rückgang der Bauproduktion (-14,3 %) vom Anstieg in der Industrie (+0,9 %) mehr als wettgemacht.

DB-Research on CDS

DB-Research verteidigt das bestehende CDS-System und argumentiert, dass mit ein paar Änderungen hin zu mehr Transparenz im Grunde genommen alle Probleme gelöst wären - und Stabilität erreicht würde (ht Christoph Trebesch).

Lese jeder insbesondere die Kapitel 5-7, bedenke, dass die DB der viert größte CDS-Händler, der Welt ist, und bilde sich eine Meinung! (Wer wissen möchte, was diese CDS überhaupt sind, findet einen schönen Überblick im Kapitel 1.)

Volcker zum IWF-Vorschlag, die Inflationsziele anzuheben

Im Interview in der FAZ ist die Diskussion über den Blanchard-/IFW-Vorschlag mit dieser einen Frage und Antwort abgehandelt:

"FAZ: Nun hat aber der Internationale Währungsfonds vorgeschlagen, die Notenbanken sollten sich höhere Inflationsziele setzen, um die reale Schuldenlast der Staaten zu verringern.

Volcker: Das ist einfach nur Unsinn."

Keine Nachfrage! Keine weitere Erläuterung! Nichts! Vielleicht weil es gar nicht so einfach ist, den Vorschlag mit handfesten Argumenten als "Unsinn" zu entlarven? Momentan jedenfalls sieht es so aus, als ob sich die "Falken" einer ordentlichen Diskussion des Vorschlags entziehen.

Sonntag, 7. März 2010

Paul Volcker auf Besuch in Europa

Paul Volcker hat in Berlin seine Ideen für eine Re-regulierung des Finanzsektors unter anderem mit Jean Claude Trichet diskutiert. Er ging dabei auch auf den CDS-Markt ein:
"Volcker wandte sich vehement gegen das hufig vorgetragene Argument, Derivate und innovative Finanzprodukte wie Credit Default Swaps (CDS) hätten Vortiele für die Volkswirschaft. "Ich sehe nicht, welchechn Vorteil für die Welt dieses Hedging hat. Rund 60 Billionen an ausstehenden CDS standen bis vor kurzem lediglich 6 Billionen an versicherten Krediten gegenüber - wir müssen uns fragen, was da eigentlich vorgeht."

EWF

Langsam werden die Fürsprecher eines Europäischen Währungsfonds hochkarätig.

Samstag, 6. März 2010

Lesestoff 2010-03-06

Nach einem Wochenende Pause, hier wieder ein paar Hinweise auf lesenswerte Fundstücke:
  1. Auf Spiegel Online habe ich eine Verteidungsschrift für den Euro gefunden.
  2. Sprechen wir "zu viel Wirtschaft"? Vielleicht.
  3. Thomas Fricke entwickelt sich langsam zum schärfsten Beschützer der Griechen. Vielleicht können aber alle Akteure in der griechischen Tragödie nur falsch handeln...
  4. Das Gefühl ein paar Fragen zur Finanzkrise beantwortet zu bekommen? Hier ein Versuch ein paar Dinge relativ simpel zu erklären (ht Nils Jannsen).
  5. Meinungen pro European Monetary Fund (EWF). Zumindest bei Herrn Mayer dürfte das Volumen an griechischen Staatsanleihen, das die Deutsche Bank hält, ein gewichtiges Argument in der Abwägung von Pro und Contra eines EWFs sein.
Ein schönes Wochenende!

Mittwoch, 3. März 2010

Diskussion über Blanchard-Vorschlag

Meine Antwort auf den Blog-Beitrag von Mark Schieritz auf Herdentrieb zum Vorschlag von Blanchard et al., die Inflationsziele leicht anzuheben:

1. Wenn eine unabhängige Zentralbank auf Basis der Erfahrungen mit der Nullzinsschranke während der “großen Rezession” das Inflationsziel von 2% auf 4% setzt, um im Krisenfall mehr Raum für Zinssenkungen zu haben, dann ist das meiner Ansicht nach eine völlig andere Situation, als wenn eine Regierung Inflationsbeschleunigung betreibt, um ihre Schulden wegzuinflationieren (was in ersterem Fall natürlich auch als Folge (aber eben nicht als Beweggrund) passiert). Es müsste also möglich sein, die Inflation auch bei 4% glaubhaft zu verankern.

2. Oder gibt es ein Naturgesetzt, dass ein einmal festgelegtes Inflationsziel auf alle Ewigkeit unabänderbar fixiert, weil sonst ganz Schlimmes passiert? Das wäre in der Tat schade, denn meine Ansicht nach sind die 2% relativ ad-hoc festgelegt. Ich kenne kein Modell, in dem es einen signifikanten quantitativen oder mehr noch qualitativen Unterschied macht, ob die Trendinflation bei 2% oder bei 4% ist (und eine Hyperinflation hat ja nun wirklich keiner gefordert). Natürlich gehen mit höherer Inflation Kosten einher, weil relative Preise nicht mehr so einfach erkannt werden können – aber die sind eben bei 4% nicht nennenswert höher als bei 2%! Und die Kosten bei Erreichen der Nullzinsschranke sind in beiden Fällen die gleichen – nur die Wahrscheinlichkeit dahin zu kommen ist in letzterem deutlich höher!

Fazit: Es ist zumindest nicht ganz abwegig, dass eine Anhebung des Inflationsziels eine positive Maßnahme wäre. Ob es sinnvoll ist, dies in turbulenten Zeiten wie momentan zu tun, steht auf einem anderen Blatt.


Reformprogramm in Griechenland

Auf Druck der Finanzmärkte und der EU (wer da mehr nachgeholfen hat, kann jeder selber entscheiden) hat Griechenland ein erstes Sparprogramm zur Sanierung des Staatshaushalts beschlossen (hier und hier). Wichtigste Elemente: Erhöhung der Umsatzsteuer auf 21 %, Einfrierung der Rentenhöhe und Kürzung der Beamtengehälter um etwas mehr als 10 %.

Buiter über Griechenland

Seit Willem Buiter in die Privatwirtschaft gewechselt ist, hört man ja leider nicht mehr so oft von ihm wie vorher über sein Blog. Hier kann man jetzt ein Interview mit ihm über die Rettungsmaßnahmen in Sachen Griechenland lesen.
Er fordert
"Die Euro-Zone braucht eine Haushaltsbehörde, die Ländern wie Griechenland unter strengen Auflagen helfen kann. Sie muss die Kompetenz haben, Steuern zu erheben, Kredite aufzunehmen und in die Haushaltspolitik der Mitgliedstaaten einzugreifen."
Gleichzeitig ist er realistisch, was die Umsetzbarkeit eines solchen Konstrukts angeht:
"[...] der Prozess wird nur langsam voranschreiten. Das Muster für künftige Rettungsprogramme in der Euro-Zone könnten wir noch in diesem Jahr bekommen, den Fonds vielleicht 2011. Der schwere Teil, die Hoheit, Steuern zu erheben und sich Geld an den Märkten zu leihen, dürfte fünf bis zehn Jahre benötigen."
Neben IWF (Internationaler Währungsfonds) und über den Länderfinanzausgleich und Bundeshilfen-im-Notfall organisiertem "DWF (Deutscher Währungsfonds)", wäre das eine Art EWF für den Euroraum.

Dienstag, 2. März 2010

The Case Against CDSs

Wolfgang Münchau votiert in seiner FT-Kolumne dafür, den Handel mit Credit Default Swaps zu verbieten, solange nicht einer der Handelspartner das Underlying besitzt. Er argumentiert über die Destabilisierung der Finanzmärkte durch den Einsatz von CDS.
"This speculation [by CDS instruments] is neither the underlying cause of the global financial crisis, nor of the eurozone’s underlying economic tensions. But naked CDSs have played an important and direct role in destabilising the financial system. They still do. And banks, whose shareholders and employees have benefited from public rescue programmes, are now using CDSs to speculate against governments."
Und er legt dar, warum diese Finanzgeschäfte keinen ökonomischen Wert (für die Allgemeinheit) haben:
"A naked CDS purchase means that you take out insurance on bonds without actually owning them. It is a purely speculative gamble. There is not one social or economic benefit. Even hardened speculators agree on this point. [...] Insurance is not meant as a gamble, but an instrument to allow the buyer to reduce incalculable risks. Not even the most libertarian extremist would accept that you could take out insurance on your neighbour’s house or the life of your boss."

GBR in Trouble

Nicht nur der Euroraum wird von den Kapitalmärkten im Moment nicht sonderlich gut bewertet; auch die Entwicklung in Großbritannien wird mit Skepsis betrachtet. Eine Übersicht der Gründe gibt's hier.

Schon erstaunlich, warum das Land trotz der Währungsabwertung, die den Export stimulieren sollte, nicht so recht aus den Füßen kommt und von den großen Industrieländern am längsten in der Rezession steckte (steckt?). (Aber vielleicht hat sich das Land zu sehr auf Finanzgeschäfte konzentriert und hat nicht mehr genug Industriekapazitäten, um den Aufschwung über den Export von Waren zu starten.)

Montag, 1. März 2010

Details über Wirtschaftsentwicklung in 09Q4

Ein kleiner Nachtrag. Während ich unterwegs war, hat das Statistische Bundesamt die Details zur wirtschaftlichen Entwicklung im vierten Quartal veröffentlicht. Die Daten zeigen, dass der Außenbeitrag wenigstens die Stagnation der Produktion gerettet hat - ohne diesen kräftigen Wachstumsbeitrag wäre das Bruttoinlandsprodukt nach zwei Quartalen im positiven Bereich wieder gesunken.

Zwischenbilanz über Prognosebörse

Das Handelsblatt zieht eine erste Bilanz der Prognosebörse für Konjunkturvariablen. Im Beitrag findet sich auch meine Meinung dazu.