Mittwoch, 3. März 2010

Diskussion über Blanchard-Vorschlag

Meine Antwort auf den Blog-Beitrag von Mark Schieritz auf Herdentrieb zum Vorschlag von Blanchard et al., die Inflationsziele leicht anzuheben:

1. Wenn eine unabhängige Zentralbank auf Basis der Erfahrungen mit der Nullzinsschranke während der “großen Rezession” das Inflationsziel von 2% auf 4% setzt, um im Krisenfall mehr Raum für Zinssenkungen zu haben, dann ist das meiner Ansicht nach eine völlig andere Situation, als wenn eine Regierung Inflationsbeschleunigung betreibt, um ihre Schulden wegzuinflationieren (was in ersterem Fall natürlich auch als Folge (aber eben nicht als Beweggrund) passiert). Es müsste also möglich sein, die Inflation auch bei 4% glaubhaft zu verankern.

2. Oder gibt es ein Naturgesetzt, dass ein einmal festgelegtes Inflationsziel auf alle Ewigkeit unabänderbar fixiert, weil sonst ganz Schlimmes passiert? Das wäre in der Tat schade, denn meine Ansicht nach sind die 2% relativ ad-hoc festgelegt. Ich kenne kein Modell, in dem es einen signifikanten quantitativen oder mehr noch qualitativen Unterschied macht, ob die Trendinflation bei 2% oder bei 4% ist (und eine Hyperinflation hat ja nun wirklich keiner gefordert). Natürlich gehen mit höherer Inflation Kosten einher, weil relative Preise nicht mehr so einfach erkannt werden können – aber die sind eben bei 4% nicht nennenswert höher als bei 2%! Und die Kosten bei Erreichen der Nullzinsschranke sind in beiden Fällen die gleichen – nur die Wahrscheinlichkeit dahin zu kommen ist in letzterem deutlich höher!

Fazit: Es ist zumindest nicht ganz abwegig, dass eine Anhebung des Inflationsziels eine positive Maßnahme wäre. Ob es sinnvoll ist, dies in turbulenten Zeiten wie momentan zu tun, steht auf einem anderen Blatt.


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