Freitag, 21. Mai 2010

Dienstag, 18. Mai 2010

Leerverkaufsverbot

Heute passiert ja so allerhand. Wie eben bekannt wurde, sind ab Mitternacht ungedeckte Leerverkäufe mit Aktien und Anleihen aus dem Euroraum in Deutschland verboten. Einschätzung: Leerverkäufe sind ein wichtiger Marktmechanismus - aber es sollten schon gedeckte sein, um Marktverwerfungen zu vermeiden.

Aus dem Handelsblattartikel:

"Bei Leerverkäufen verkaufen Anleger wie Hedge-Fonds Aktien - in der Hoffnung, sie später zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen und so Gewinne einzustreichen.

Bei „gedeckten Leerverkäufen“ leihen sich Investoren die zu verkaufenden Aktien. Bei „ungedeckten Leerverkäufen“ besitzen sie die Aktien gar nicht, sondern verkaufen Aktien, ohne sie ausgeliehen zu haben. Das ist möglich, weil eine Lieferpflicht für Aktien meist erst nach Tagen besteht. Solche Geschäfte laufen auch mit Staatsanleihen."


Nix is' mit der großen Geldschwemme

Die EZB hat heute ihr erstes Einlagengeschäft zum Ausgleich der Staatsanleihenkäufe durchgeführt; dabei wurde ihr ca. zehnmal soviel Geld angeboten, wie sie dem Markt entziehen wollte und dann auch entzogen hat - zu einem Zins der mit 0,28 % deutlich unter den maximal möglichen 1 % lag. Ein Auszug aus dem FTD-Artikel darüber:
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die durch Käufe von Staatsanleihen in der vergangenen Woche entstandene Liquidität wieder abgesaugt. Die Geldhäuser bestürmten die Notenbank am Dienstag regelrecht. Das Geschäft mit einwöchigen Einlagen ("Term Deposits") war fast zehnfach überzeichnet. Die Banken erhalten von der Zentralbank im Schnitt einen Zins von 0,28 Prozent für ihre Gelder, die sie für eine Woche bei der EZB parken - und damit mehr als am Geldmarkt. Laut der EZB boten 223 Banken insgesamt 162,7 Mrd. Euro.
Was sagt uns das alles? Im Moment scheint alles andere als die Gefahr zu bestehen, dass das Finanzsystem die durch die EZB bereitgestellte Liquidität (wenn die EZB z.B. jetzt Staatsanleihen kauft, dann bringt sie damit "Geld unter die Leute", weil ja der Verkäufer der Anleihe Geld von der EZB dafür erhält) dazu nutzt Geld und Kredite zu schöpfen. Im Gegenteil ist es so, dass das Geld bei den Banken gehortet wird - und sie dann eben froh sind, es zu mickrigen Zinsen wieder bei der EZB zu parken. Technisch gesprochen ist der Geldschöpfungsmultiplikator immer noch sehr gering, d.h. aus jedem Euro, den die EZB zur Verfügung stellt, wird momentan viel weniger breite Geldmenge generiert als in "normalen" Zeiten.

Verdammt!

Erst will unser Zeug wegen zu hoher Schulden keiner mehr kaufen...

Internationale Forderungen deutscher Banken

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, in den Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich nachzuschauen, gegenüber welchen Regionen deutsche Banken ihre Forderungen halten.


Quelle: BIS.

Das Ergebniss zeigt deutlich, dass nur rund 1 % der Forderungen gegenüber Parteien in Griechenland bestehen. Wenn das also schon so ein großes Problem ist...dann gnade uns Gott, wenn mal ein wichtigeres Land in Schwierigkeiten kommt, bevor das Problem des "too-big-to-fail" durch geeignetere Regulierung gemildert ist.

Finanzmarktregulierung in Europa

Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Jedenfalls hat die EU gegen den expliziten Widerstand Großbritanniens schärfere Regulierungsbestimmungen für Finanzmarktteilnehmer beschlossen.

Es ist sicher nicht alles super, was über die Regelungen so zu lesen ist (so sind Hedge-Fonds z.B. nicht mal in der Nähe des Kernproblems), aber mehr Transparenz und Informationspflichten können nicht schaden. Und allein das Signal, dass Regulierung auch gegen die Interessent der wichtigsten Finanzplätze durchgesetzt werden kann, stimmt doch schon mal positiv!

Entscheidung über Vergabe der Gemeinschaftsdiagnose gefallen

Wie das Handelblatt heute berichtet (Link leider nur zum kostenpflichtigen Angebot) ist die Entscheidung über die Vergabe der Gemeinschaftsdiagnose für die kommenden drei Jahre gefallen. Mit dabei sein werden:
Gefeiert wird dann, wenn die offizielle Bestätigung ins Haus flattert...

Montag, 17. Mai 2010

Katze aus dem Sack...

Die EZB hat bekannt gegeben, dass sie in den ersten 7 Tagen Staatsanleihen von Euroraumstaaten im Umfang von 16,5 Mrd. Euro gekauft hat. Das ist eher am unteren Ende der Grüchte, die am Markt kursierten.

Wie geht's in China weiter?

Das würden wir alle gerne wissen! Aber keiner tut Selbiges so genau...

Gerade habe ich eine Graphik auf FAZ.net gesehen, die zumindest nahelegt, was in den kommenden Monaten die Richtung der Immobilienpreise sein wird:


Hier der Link zu der ganzen Chart-Reihe.

Leerverkäufe

Ein interessantes Interview mit einem Hedge-Fonds Manager zum Thema "Leerverkäufe". Ein Auszug:
"HB: Warum braucht die Gesellschaft denn Leerverkäufer?
Chanos:
Sie sind Finanzpolizisten der Märkte in Echtzeit. Es gibt diesen Spruch: Leerverkäufer sind Finanzdetektive, Regulierer sind Finanzarchäologen. Leerverkäufer haben einen ökonomischen Anreiz, nicht nur Überbewertungen auszurotten, sondern auch Betrug und Marktmissbrauch. Regulierer kommen wie Archäologen immer erst nachher. Der Finanzier Bernard Baruch hat es so formuliert: Ein Markt ohne Leerverkäufer ist wie eine Demokratie ohne freie Presse."
Da ist was dran. Auf jedenfall sollte eine Neuregulierung der Finanzmärkte nicht das Leerverkaufen verbieten.

Sonntag, 16. Mai 2010

Stark über Rettungsmaßnahmen

Hier ist es nun, das längst überfällige Interview des Chefvolkswirts der EZB. Ein Auszug:

Als die amerikanische Notenbank Fed 2008 anfing, amerikanische Staatsanleihen zu kaufen und damit den Staatshaushalt zu finanzieren, haben Sie selbst Sorgen um die Unabhängigkeit der Fed geäußert.

Was die EZB jetzt beschlossen hat, ist nicht vergleichbar mit der Politik der Fed. Die Amerikaner haben bewusst die Geldpolitik mit dem Kauf von Staatsanleihen gelockert, wir wollen Verwerfungen an den Märkten verhindern, geben aber per saldo keine Liquidität in die Märkte.

Für wie viel Geld wird die EZB Staatsanleihen kaufen?

Ich nenne keine Volumina. Es sind aber keine gewaltigen Summen. Um eines ganz klarzustellen: Hier geht es um temporäre Maßnahmen, die höchstens in Ausnahmesituationen legitimiert sind und ständig überprüft werden müssen.

Freitag, 14. Mai 2010

Euro fällt und fällt

Während sich der ehemalige Vorsitzende der Fed, Paul Volcker, skeptisch über die Zukunft des Euroraums geäußert hat ...
“You have the great problem of a potential disintegration of the euro. The essential element of discipline in economic policy and in fiscal policy that was hoped for has so far not been rewarded in some countries.”
... und erste Gerüchte über den Umfang und die Gestaltung des Anleihenkaufprogramms der EZB am Markt kursieren, fällt der Euro weiter gegenüber dem US-Dollar.


Quelle: Onvista.

Allerdings liegt er immer noch über dem Niveau, das allgemein als Kaufkraftparität geschätzt wird (so knapp 1,20 Euro/$). Wenn es nicht zu einem richtigen Crash kommt, dann sollte die bisherige Abwertung über das Ankurbeln der Exporte eher nutzen als schaden. Denn: Ein bisschen importierte Inflation ist ja auch nicht so schlecht in dem momentanen Umfeld...

Merkel sagt Basta!

Gut, dass Frau Merkel sich rasch gegen die von Roland Koch ins Spiel gebrachten Kürzungen ausgesprochen hat. Bildung und Kinderbetreuung sind ja wohl der letzte Posten, beim dem gespart werden sollte. Im Gegenteil: Die Ausgaben für diese Bereiche sind im internationalen Vergleich in Deutschland lächerlich klein!

Trichtet auf Werbetour ...

... im Handelsblatt, um das Vertrauen in die Aktionen der EZB wieder herzustellen. Unter anderem betont er nochmals, dass der Anstieg der Geldmenge durch den Kauf von Staatsanleihen an anderer Stelle ausgeglichen werden soll, z.B. über das Anbieten von verzinslichen Termineinlagen.

Trichet betont, dass am vergangenen Wochenende nicht die EZB Getriebener der Regierungen war, sondern eher andersherum, weil die EZB an den Märkten eine "fundamental abartig[e]" Situation gesehen hat. Hoffen wir mal, dass das stimmt - und wenn ja, dass die EZB alle Marktteilnehmer auch von dieser Version überzeugen kann. Sonst sähe es wirklich düsterer aus für das Vertrauen in die Unabhängigkeit der EZB als noch vorletzte Woche.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Estland tritt dem Euroraum bei ...

... und zwar am 1. Januar 2011; jedenfalls dann, wenn die Staats- und Regierungschefs der EU dem Votum der EU-Kommission folgen.

Gegeben die geringe gewichtung Estlands in einem dann erweiterten Euroraum dürfte das für den Euroraum kein Problem darstellen. Für Estland selber wird aber die Herausforderung darin bestehen, nicht die griechische/spanische/irische Entwicklung zu nehmen: Denn in den kommenden Jahren wird die Inflationsrate in Estland aufgrund von Aufholprozessen deutlich über der des Euroraums liegen - und die Realzinsen damit deutlich niedriger.

Georg Schramm über den "Krieg Geld gegen Staat"

Finanzstressindikator, Ergebnisse für April 2010

Im April ist der Finanzmarktstressindikator, den ich monatlich berechne, leicht von -0,08 auf -0,12 gefallen.


Im Mai wird er aber wohl wieder deutlich hochschnellen - aufgrund der gestiegenen Volatilität auf den Finanzmärkten.

BIP 10Q1

Das Statistische Bundesamt hat heute mitgeteilt, dass das BIP in Deutschland im ersten Quartal saisonbereinigt um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal zugenommen hat. Das ist etwas mehr, als ich erwartet hatte, obwohl die letzten Zahlen zur Produktion und zum Außenhandel bereits darauf hingedeutet hatten, dass es ein leichtes Plus gegeben haben könnte.
(Auch die Entwicklung des BIP im vierten Quartal des vergangenen Jahres wurde von 0,0 % auf 0,2 % heraufrevidiert.)

Dienstag, 11. Mai 2010

Krise in historischer Perspektive

Ein ausführliches Interview mit einem Finanzhistoriker findet sich im Handelsblatt. Darin setzt dieser die derzeitige Schuldenkrise der westlichen Welt und der Euroraumstaaten im Besonderen, in den historischen Kontext - und ist nicht sehr optimistisch, was die weitere Zukunt des Euroraums als einem Gebilde weitgehend unabhängiger Staaten angeht.

EZB-Opposition

Die FTD befasst sich mit der Rolle von Axel Weber während der vergangenen Tage und Wochen. Sie schlussfolgert:
"Axel Weber ist zwar (noch) nicht der Wortführer der EZB und nicht mehr der Meinungsführer, aber auf jeden Fall der unumstrittene Oppositionschef."
Und was macht eigentlich Jürgen Stark? Vom Chefvolkswirt der EZB hört man lange nichts mehr; er wird aber wohl mehr als Bauchschmerzen mit den Beschlüssen der jüngsten Vergangenheit haben...

The Welfare State's Death Spiral

Ein schöner Beitrag über den Hintergrund der derzeitigen Schuldenkrise der öffentlichen Haushalte (ht Greg Mankiw). Robert Samuelson meint, dass nicht die festen Wechselkurse innerhalb des Euroraums das Hauptproblem sind, auch wenn sie die akute Schuldenkrise Griechenlands über den Wettbewerbsverlust und das niedrige einheitliche Zinsniveau gefördert haben. Er argumentiert, dass das weit gravierendere Problem in den kommenden Jahren, die generelle Überlastung der Sozialsysteme in den entwickelten Ländern sei.
"But the central cause is not the euro, even if it has meant Greece can't depreciate its own currency to ease the economic pain. Budget deficits and debt are the real problems; and these stem from all the welfare benefits (unemployment insurance, old-age assistance, health insurance) provided by modern governments."

"The welfare state's death spiral is this: Almost anything governments might do with their budgets threatens to make matters worse by slowing the economy or triggering a recession. By allowing deficits to balloon, they risk a financial crisis as investors one day -- no one knows when -- doubt governments' ability to service their debts and, as with Greece, refuse to lend except at exorbitant rates. Cutting welfare benefits or raising taxes all would, at least temporarily, weaken the economy. Perversely, that would make paying the remaining benefits harder."
Das geht in die gleiche Richtung wie die Studie der BIZ über den weiteren Verlauf der Staatsverschuldung.

Montag, 10. Mai 2010

Wie der Euro-Rettungstopf funktioniert ...

... erläutert ausführlich die FAZ. Und zwar hier. Die angestrebte Lastenverteilung sieht jedenfalls wie folgt aus:

Exportexplosion im März

Die deutschen Exporte sind im März förmlich explodiert! Gegenüber Februar legten sie um nicht weniger als 10,7 (!) % zu (saisonbereinigt). Die Weltwirtschaft schein derzeit wirklich wieder zu brummen, bzw. zumindest die Nachfrage nach deutschen Produkten.

Da wird das erste Quartal wohl doch nicht so schlecht wie wegen des kalten Wetters befürchtet...

Operation "Anleihenkauf" hat begonnen.

Gerade kam über Bloomberg die Nachricht, dass die großen Nationalbanken des Eurosystems bereits damit begonnen haben, Anleihen am Markt aufzukaufen.
"'We confirm that we are buying today,' said a spokesman for Germany’s Bundesbank in Frankfurt. The Bank of France and Bank of Italy also said they have started purchasing government bonds."
Mal schauen, wann wir näheres darüber erfahren, was und wie viel und wie schnell und wie lange gekauft wird. Alles ein bisschen intransparent im Moment...

750 Mrd. Euro

Die EU-Chefs haben sich darauf geeinigt, einen 750 Mrd. Euro-Fonds aufzulegen, um EU-Staaten vor Spekulationsattacken zu retten. 500 Mrd. kommen dabei aus Europa, 250 Mrd. Euro steuert der IWF bei.

Marsch, marsch zurück!

Die EZB reagiert auf die Rückkehr der Finanzkrise mit der Wiederausweitung der unkonventionellen Maßnahmen, die schon fast wieder ganz abgeschafft waren. Hier die Pressemitteilung.
  1. Es soll irgendwie in den Markt für Staatsanleihen eingegriffen werden. (Näheres zum Volumen ist nicht spezifizert - aber es läuft wohl auf einen nennenswerten Aufkauf von Staatsanleihen (analog zum Pfandbriefkaufprogramm) hinaus.)
  2. Es werden wieder mehr längerfristige Refinanzierungsoperationen angeboten.
  3. Es wird wieder Liquidität in Fremdwährungen zur Verfügung gestellt.

Samstag, 8. Mai 2010

"We will defend the Euro whatever it takes"

Gestern haben sich die EU-Regierungschefs in Brüssel auf eine ganz neue Dimension von möglichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Eurozone geeinigt. Hier ein Link zum Abschlussdokument. Hier und hier zwei Berichte aus der FTD.
Im Detail:
  1. Erste Zahlungen an Griechenland erfolgen vor dem 19. Mai.
  2. Morgen soll ein "europäischer Stabilisierungsmechanismus zur Sicherung der Finanzstabilität in Europa" verabschiedet werden. Was genau darunter zu verstehen ist, ist noch nicht bekannt.
  3. Die finanzpolitische Zusammenarbeit im Euroraum soll ausgebaut werden.
Hört sich alles ziemlich dramatisch und nach einer mehr oder weniger neuen Stufe der Integration des Euroraums an. Hoffen wir mal, dass die Stäbe innerhalb von 48 Stunden was Vernünftiges auf die Beine stellen. Skepsis wohl angebracht...

Freitag, 7. Mai 2010

Geringeres Defizit bei der BA

Die Bundesarbeitsagentur wird dieses Jahr wahrscheinlich ein um 4 Mrd. Euro geringeres Defizit verzeichnen als bislang geschätzt. Dadurch wird der Bundeshaushalt um eben diesen Betrag entlastet.

Damit schlägt sich die sehr gute Arbeitsmarktentwicklung auch in den Staatsfinanzen nieder. Immerhin mal ein Lichtblick...

1000 runter - nicht ganz so viel rauf!

Komische Bewegungen an den US Aktienmärkten gestern. Sind wohl alle doch noch etwas nervös...

Donnerstag, 6. Mai 2010

Die Lage spitzt sich weiter zu II

Nachdem die Verabschiedung des Hilfspakets die Renditen griechischer Staatsanleihen kurzfristig drücken konnte, sind diese nach den Unruhen in Athen wieder gestiegen und sogar auf neue Rekordstände gestiegen. Eine Anleihe mit Laufzeit bis 2019 rentiert derzeit mit über 11,5 %. Jene mit Laufzeit bis 2012 auch schon wieder mit über 14 %.

Der Plan von EU/IWF scheint nicht aufzugehen...

Hoffen wir mal, dass nicht alle Dämme brechen

Nachdem die EZB sich schon mehrere Male seit Ausbruch der Finanzkrise gezwungen sah, ihre Regeln aufzuweichen (Bonitätsschwellen, Liquiditätszuteilung, Lex Griechenland), wird nun bereits darüber diskutiert, ob sie dazu übergehen könnte Staatsanleihen am Markt aufzukaufen. Dazu heute ein langer Beitrag im Handelsblatt.

Hoffen wir mal, dass dies nicht geschieht, denn das wäre wirklich ein heftiger Schlag gegen die Vertrauenswürdigkeit der Geldpolitik und könnte mit immensen langfristigen Kosten verbunden sein!

Neuer Mr. Doom?

Ein düsteres Interview im Handelsblatt.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Prognosen mit DSGE-Modellen

Ich warte weiter auf den Tag, an dem gezeigt wird, dass makroökonomische Prognosen auf Basis von DSGE (Dynamic Stochastic General Equilibrium) Modellen jene auf Basis nicht-struktureller multivariater Modelle outperformen.

Die neue Studie der EZB zeigt, dass das NAWM der EZB dies noch nicht vermag.
"In this paper we review the methodology of forecasting with log-linearised DSGE models using Bayesian methods. We focus on the estimation of their predictive distributions, with special attention being paid to the mean and the covariance matrix of h-step ahead forecasts. In the empirical analysis, we examine the forecasting performance of the New Area-Wide Model (NAWM) that has been designed for use in the macroeconomic projections at the European Central Bank. The forecast sample covers the period following the introduction of the euro and the out-of-sample performance of the NAWM is compared to nonstructural benchmarks, such as Bayesian vector autoregressions (BVARs). Overall, the empirical evidence indicates that the NAWM compares quite well with the reduced-form models and the results are therefore in line with previous studies. Yet there is scope for improving the NAWM’s forecasting performance. For example, the model is not able to explain the moderation in wage growth over the forecast evaluation period and, therefore, it tends to overestimate nominal wages. As a consequence, both the multivariate point and density forecasts using the log determinant and the log predictive score, respectively, suggest that a large BVAR can outperform the NAWM."
Schätze, ich muss weiter warte...

Historische Perspektive...

...auf die momentanen Schuldenprobleme von Carmen Reinhart auf Voxeu.
"Although data covering only the last thirty years might have given few hints about Greece's current problems, the Reinhart-Rogoff database spanning eight centuries reveals that today's event are very much line with historical experience."

Dienstag, 4. Mai 2010

Banken helfen Griechenland. (Haha!)

Mit großem Tamtam wurde heute von Finanzminister Schäuble verkündet, dass sich deutsche Banken an dem Rettungsprogramm für Griechenland beteiligen. Der Beitrag umfasst die folgenden Maßnahmen (zitiert aus dem Handelsblatt):
"Die Finanzwirtschaft plant nach eigenen Angaben, bestehende Kreditlinien an Griechenland und griechische Banken bis 2012 aufrechtzuerhalten. „Außerdem erklären wir uns bereit, zur Finanzierung des deutschen Beitrags auszugebende KfW-Anleihen zusätzlich zu bestehenden Engagements zu zeichnen“, hieß es darin weiter. Auslaufende Anleihen sollen Ackermann zufolge verlängert werden. Bestehende Anleihe-Engagements sollen aufrechterhalten werden."
Ich frage mich nur, wo da jetzt der "spürbare, positive Beitrag" ist! Bestehende Kreditlinien aufrechterhalten? - Das macht man ja wohl unter Geschäftspartnern. KfW-Anleihen zeichnen? - Wird wohl ein gutes Geschäft sein - und vor allem risikolos, weil ja nicht die Banken auf ihren Forderungen sitzen bleiben, wenn Griechenland nicht zurückzahlen kann - sondern der deutsche Staat. Bestehende Anleihen sollen nicht verkauft werden? - Das ist bei der derzeitigen Rendite und den aktuellen Zusagen der EU wohl auch nicht angesagt. Einzig die (schwammige) Zusage auslaufende Anleihen zu verlängern (das soll wohl heißen Neuemissionen zu zeichnen) ist etwas, das man Beitrag nennen kann! Und der ist dann aber eher dürftig...

Schon ein wenig enttäuschend, dass Herr Schäuble sich wegen des NRW-Wahlkampfes in solchem Maß als Marketinginstrument der Bankenwirtschaft instrumentalisieren lässt.

Montag, 3. Mai 2010

EZB nimmt weiterhin alles aus Griechenland

...jedenfalls, wenn es sich um Staatanleihen handelt. Die EZB hat verkündet, dass sie für griechische Staatsanleihen die (während der Finanzkrise gesenkten) Bonitätsschwellen vorerst komplett abschaffen wird.
"The Governing Council of the European Central Bank (ECB) has decided to suspend the application of the minimum credit rating threshold in the collateral eligibility requirements for the purposes of the Eurosystem’s credit operations in the case of marketable debt instruments issued or guaranteed by the Greek government. This suspension will be maintained until further notice."

Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Anleihen nach und nach immer schlechter geratet wurden und zuletzt unter die Schwelle zu rutschen drohten. Eine Beibehaltung der bisherigen Regelung hätte die Refinanzierung des Bankensystems (vor allem in Griechenland) empfindlich stören können. So steigt allerdings nun das Bilanzrisiko der EZB...

Update: Das meine SPON, Handelsblatt und FTD dazu.

EZB-Zinswende

...wird von mehr und mehr von der FTD befragten Volkswirten erst für das (späte) Jahr 2011 erwartet. Bei der Gemeinschaftsdiagnose und der IfW-Prognose ist das schon lange so...

Samstag, 1. Mai 2010

Lesestoff 2010-05-01

Nach langer Zeit noch mal ein bisschen Lesestoff am Wochenende. Diesmal im Angebot:
  1. Das Handelsblatt berichtet über Forschung zum Zusammenhang von Verschuldung und Finanzkrisen.
  2. Auch aus dem Handelsblatt: Ein Bericht über eine Studie, die zeigt, dass nicht diejenigen Länder notwendigerweise das höchste Wohlstandsniveau erreichen, die ein hohes Wachstum aufweisen, sondern jene, die am wenigsten Krisen produzieren.
  3. Und schließlich der Link zu einem Übersichtsartikel von Deutsche Bank Research, der einen Überblick über die Diskussion über rationales Verhalten im Wirtschaftsgeschehen bietet. Netter Titel: "Homo Oekonomicus oder doch eher Homer Simpson?".
Schönes Wochenende!