Dienstag, 4. Mai 2010

Banken helfen Griechenland. (Haha!)

Mit großem Tamtam wurde heute von Finanzminister Schäuble verkündet, dass sich deutsche Banken an dem Rettungsprogramm für Griechenland beteiligen. Der Beitrag umfasst die folgenden Maßnahmen (zitiert aus dem Handelsblatt):
"Die Finanzwirtschaft plant nach eigenen Angaben, bestehende Kreditlinien an Griechenland und griechische Banken bis 2012 aufrechtzuerhalten. „Außerdem erklären wir uns bereit, zur Finanzierung des deutschen Beitrags auszugebende KfW-Anleihen zusätzlich zu bestehenden Engagements zu zeichnen“, hieß es darin weiter. Auslaufende Anleihen sollen Ackermann zufolge verlängert werden. Bestehende Anleihe-Engagements sollen aufrechterhalten werden."
Ich frage mich nur, wo da jetzt der "spürbare, positive Beitrag" ist! Bestehende Kreditlinien aufrechterhalten? - Das macht man ja wohl unter Geschäftspartnern. KfW-Anleihen zeichnen? - Wird wohl ein gutes Geschäft sein - und vor allem risikolos, weil ja nicht die Banken auf ihren Forderungen sitzen bleiben, wenn Griechenland nicht zurückzahlen kann - sondern der deutsche Staat. Bestehende Anleihen sollen nicht verkauft werden? - Das ist bei der derzeitigen Rendite und den aktuellen Zusagen der EU wohl auch nicht angesagt. Einzig die (schwammige) Zusage auslaufende Anleihen zu verlängern (das soll wohl heißen Neuemissionen zu zeichnen) ist etwas, das man Beitrag nennen kann! Und der ist dann aber eher dürftig...

Schon ein wenig enttäuschend, dass Herr Schäuble sich wegen des NRW-Wahlkampfes in solchem Maß als Marketinginstrument der Bankenwirtschaft instrumentalisieren lässt.

Kommentare:

Christoph hat gesagt…

Das sehe ich etwas weniger kritisch. Kreditlinien aufrechtzuhalten und neue Anleihen zu zeichnen sind Standardformen von Bankenbeteiligung an Rettungspaketen. Es bedeutet de facto, dass Banken das Länderrisiko Griechenland schlucken und das ist schon eine Menge und weit mehr als was man "unter Geschäftspartnern" so macht. In Krisensituationen sind Kreditlinien sehr schnell ausgetrocknet und daher absolut essenziell. Eine feste Zusage bedeutet einiges für Länder in Schieflage, da sie für den Interbankenverkehr, Handelskredite etc. benötigt werden (die Asienkrise ist u.a. so erfolgreich gelöst/bekämpft worden).

Sicherlich, man hätte "die Banken" auch zwingen können Kredite zu denselben Konditionen wie europäische Regierung bereitzustellen (5%) und so einen de facto Verlust hinzunehmen (Stichwort "concerted lending"). Das hätte allerdings wahrscheinlich zu einem weiteren Anstieg der Risiko-spreads geführt und im Zweifel zu mehr Kapital-abflüssen geführt als dadurch neues Kapital hinzukommt. Es ist leider in einem Finanzmarkt mit meist atomistischen Gläubigern/Anleihenhaltern und liquiden Sekundärmärkten nicht ganz einfach Privatinvestoren einzubinden und "burden sharing" durchzusetzen ohne mehr Schaden als Nutzen zu verursachen. Und das hat wenig mit der NRW-Wahl zu tun.

Jonas Dovern hat gesagt…

Das kann ja alles stimmen (und wie man hört sollen sogar ein paar der Anleihen zu den gleichen Zinssätzen verlängert werden), ändert aber nichts an der Tatsache, dass das ganze Paket der Öffentlichkeit als Wahnsinnsbeitrag verkauft wird, obwohl es das eben nicht ist! Und das hat wohl sehr wohl was mit dem Wahlkampf in Deutschland zu tun! (Man hätte das ganze ja auch so verhandeln können und Herrn Ackermann alleine eine kleine Pressekonferenz machen lassen.)

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