Dienstag, 31. August 2010

Deutscher Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarktaufschwung geht wie zu erwarten gewesen war weiter. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit heute mit.


Das niedrige Niveau der Arbeitslosigkeit nach der Großen Rezession bleibt auch dann erstaunlich, wenn man bedenkt, dass es einige Umdefinitionen der Statistik und einen positiven demographischen Einfluss gegeben hat. Warum man das in Schlagzeilen schlecht reden muss, weiß ich nicht...

Montag, 30. August 2010

Zeitarbeit

Die Nachfrage nach Zeitarbeit hat im Aufschwung sehr stark zugenommen. Die FAZ berichtet, dass in manchen Regionen bereits die Arbeitskräfte knapp werden.

Aber mal weitergedacht: Was passiert wohl, wenn es nicht mehr genug Ingenieure, oder sogar Hilfsarbeiter, gibt, die als Zeitarbeiter arbeiten wollen? - Dann werden die Firmen nicht umhin können, diesen Personen ein ordentliches Beschäftigungsverhältnis anzubieten. Die relative Bedeutung der Zeitarbeit wird in den kommenden Jahren in dem Maße zurückgehen, wie die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer aufgrund sinkender Arbeitslosenzahlen steigt.

Bernanke-Rede

Ben Bernanke hat auf der Zentralbank-Konferenz in Jackson Hole am Freitag eine Rede über den Konjunkturausblick und Geldpolitik gehalten. Einige wichtige Passagen:
"In many countries, including the United States and most other advanced industrial nations, growth during the past year has been too slow and joblessness remains too high. Financial conditions are generally much improved, but bank credit remains tight; moreover, much of the work of implementing financial reform lies ahead of us. Managing fiscal deficits and debt is a daunting challenge for many countries, and imbalances in global trade and current accounts remain a persistent problem."

"Household finances and attitudes also bear heavily on the housing market, which has generally remained depressed. In particular, home sales dropped sharply following the recent expiration of the homebuyers' tax credit. Going forward, improved affordability--the result of lower house prices and record-low mortgage rates--should boost the demand for housing. However, the overhang of foreclosed-upon and vacant housing and the difficulties of many households in obtaining mortgage financing are likely to continue to weigh on the pace of residential investment for some time yet."

"Notwithstanding the fact that the policy rate is near its zero lower bound, the Federal Reserve retains a number of tools and strategies for providing additional stimulus. I will focus here on three that have been part of recent staff analyses and discussion at FOMC meetings: (1) conducting additional purchases of longer-term securities, (2) modifying the Committee's communication, and (3) reducing the interest paid on excess reserves. I will also comment on a fourth strategy, proposed by several economists--namely, that the FOMC increase its inflation goals."

"Falling into deflation is not a significant risk for the United States at this time, but that is true in part because the public understands that the Federal Reserve will be vigilant and proactive in addressing significant further disinflation. It is worthwhile to note that, if deflation risks were to increase, the benefit-cost tradeoffs of some of our policy tools could become significantly more favorable."

Ganz sicher hat die Rede die Märkte ein Stück weit darauf vorbereitet, dass die Fed demnächst wieder zusätzliche Maßnahmen zum "quantitative easing" ankündigen könnte. Außerdem hat Bernanke deutlich gemacht, dass er für den Fall, dass ein Abrutschen in eine Deflation deutlich wahrscheinlicher würde als momentan, eine Anhebung des Inflationszieles nicht ausschließt.

Donnerstag, 26. August 2010

Schuldenkrise im Euroraum

Auch wenn das Thema noch nicht wieder die Titelseiten der Presse erreicht hat, so nehmen die Risikoaufschläge der Anleihen aus den "Problemländern" doch wieder bedenklich zu. Zum Teil sind sie schon fast wieder so hoch wie während der Zuspitzung im Mai.

Bin gespannt, wann das Thema wieder "heiß" wird. Der Zeitpunkt dafür kommt bestimmt...

ifo-Indikator rockt weiter

Für alle, die es heute nicht schon in der Presse vernommen haben: Der ifo-Indikator (nach allem, was empirisch getestet und gelesen habe, der beste Konjunkturindikator für Deutschland) ist im August nochmals gestiegen, nachdem er im Juli bereits einen Rekordsprung nach oben gemacht hatte. Zwar sank der Sub-Indikator für die Erwartungen leicht, aber die Geschäftslage wurde nochmals deutlich besser beurteilt als im Vormonat.


Was heißt das? - Dass der Aufschwung intakt ist und wohl auch die derzeitige Abkühlung der Weltwirtschaft überstehen wird. Das wiederum heißt nicht, dass der Rekordsprung der Produktion aus dem zweiten Quartal im dritten noch mal wiederholt wird (ein Großteil war auf Sondereffekte aus dem Bausektor zurückzuführen); aber deutlich mehr als ein, zwei Zehntel sollten es wohl werden.


Mittwoch, 25. August 2010

Wider die Rating-Agenturen

Ich war ganz erstaunt zu lesen, dass es mehr und mehr Firmen gibt, die Anleihen am Markt platzieren, ohne diese durch Rating-Agenturen bewerten zu lassen.

Da scheint nach Politik und Öffentlichkeit noch eine weitere Gruppe von "Stakeholders" zu entstehen, die mit der Arbeit der Rating-Agenturen nicht so ganz zufrieden ist...

Dienstag, 24. August 2010

Steuern in Deutschland

Der Spiegel schreibt über die Steuerbelastung in Deutschland und darüber, welche Einkommensschichten, wie viel zum Steuer- und Abgabenaufkommen beitragen.

Das Fazit ist wohl wieder einmal, dass nicht die Steuerbelastung sondern jene durch Sozialabgaben die Krux in Deutschland ist. Zur Verteilung des Steueraufkommen noch zwei nette Graphiken aus dem Beitrag:

Wirtschaftsleistung Q2

Die Details zur Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal hat das Statistische Bundesamt heute hier veröffentlicht.
"Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bereits in seiner Schnellmeldung vom 13. August 2010 mitgeteilt hat, war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – preis-, saison- und kalenderbereinigt – im zweiten Vierteljahr 2010 nach vorläufigen Berechnungen um 2,2% höher als im ersten Vierteljahr. Ein solches Wachstum zum Vorquartal gab es noch nie im vereinten Deutschland."
Insgesamt ein einigermaßen ausgewogenes Quartal, was die Wachstumsbeiträge der einzelnen Komponenten angeht. Allein der private Konsum schwächelte noch ein wenig relativ zu den anderen Nachfrageaggregaten...

Montag, 23. August 2010

Bankenregulierung

Die FAZ schreibt über die Regulierungsbemühungen/-fortschritte in den USA und Europa. Europa kommt leider nicht gut weg, was den Fortschritt der Gesetzgebung anbelangt.

Schade, dass es so lange dauert und so viel auf Nebenkriegsschauplätzen (wie Boni) gekämpft wird...

Samstag, 21. August 2010

Bondmärkte kennen nur eine Richtung

Die Märkte für Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität kennen im Moment nur eine Richtung ... up ... up ... up. Die Rendite für US-Treasuries sinkt und sinkt und sinkt:

Für 10jährige um die 2,6 % und auch für 30jährige nur knapp über 3,5 %. Das gleiche Bild bietet sich momentan für Deutschland (gerade keine Abbildung gefunden).

Einerseits eine gute Entwicklung - sofern die Risikoaufschläge für riskantere Anleihen nicht überproportional zunehmen - weil Finanzierung billiger wird. Andererseits aber ein untrügliches Zeichen dafür, wie pessimistisch die Bondhändler die Zukunft sehen...

Freitag, 20. August 2010

Kampf um Bankenregulierung

Derzeit kämpfen Bankenlobbyisten und Regulierer um die Deutungshoheit darüber, welche konjunkturellen Bremseffekte deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen für Finanzinstitute hätten. Die negativen Auswirkungen werden natürlich durch die Bankenverbände deutlich höher beziffert als von den Regulierern bzw. der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Letztere hat zuletzt eine Studie vorgelegt (Kurzfassung), die eindeutig große Vorteile von strengeren Kapitalanforderungen sieht.

Update: Das schreibt der Economist dazu:
"When asked, before the crisis, about the right level of capital they should have, the bankers’ answer was simple: “As little as possible”. Now that the world has changed, their response has morphed to “less than what the regulators want”."

Donnerstag, 19. August 2010

Leistungsbilanzungleichgewichte

Vergrößern sich die Leistungsbilanzgleichgewichte im weitern Aufschwung wieder, nachdem sie während der Wirtschaftskrise kleiner geworden sind? Das jedenfalls haben Richard Baldwin und Daria Taglioni Ende 2009 vorausgesagt (Wolfgang Münchau verweist in seiner jünsten Kolumne auf den Beitrag).

Die jünsten Handelzahlen aus den USA und China gehen jedenfalls in diese Richtung. Für eine sichere Aussage zum weiteren Trend ist es aber noch zu früh...

Dienstag, 17. August 2010

Amerikas Problem ...

... ist weiterhin der Markt für Wohnimmobilien. Aus der FTD:
"Inzwischen halten oder garantieren Fannie Mae und Freddie Mac mehr als 90 Prozent aller US-Hypotheken. Doch trotz ihrer faktischen Verstaatlichung sowie weiterer Soforthilfen für den Häusermarkt gibt es in den USA so viele Zwangsversteigerungen wie noch nie. Hinzu kommt, dass rund ein Viertel aller US-Hauseigentümer Hypothekenkredite aufgenommen hat, deren Wert den ihrer Immobilie derzeit übersteigt."
Vor diesem Hintergrund liegen die Baubeginne weiterhin nahe dem Rekorttief.


Bevor sich hier nichts ändert, wird die wirtschaftliche Erholung kaum an Breite gewinnen. Trübe Aussichten...

Samstag, 14. August 2010

Freitag, 13. August 2010

Naja, sagen wir mal XL

Das Statistische Bundesamt hat heute mitgeteilt, dass laut erster Schätzung das reale Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal saison- und kalenderbereinigt um 2,2 % ggü. dem ersten Quartal gestiegen ist. Die Rate für das erste Quartal wurde zusätzlich noch auf 0,5 % nach oben revidiert. Die Zahlen liegen über jeder Schätzung, die ich in den vergangenen Tagen gelesen oder selber gerechnet habe. (Annualisiert liegt die Rate bei 9,1 %; das ist der Wert, den man mit den 2,4 % für Q2 in den USA vergleichen kann.)

Detaillierte Ergebnisse zu den Komponenten gibt es dann am 24. August.

Donnerstag, 12. August 2010

IWF-Studie zur Inflation in der Depression

Eine neue IWF-Studie untersucht die Entwicklung der Inflation in Zeiten, in denen die Ökonomie lange Zeit weit unterhalb ihrer Kapazitäten produziert ("depressed economy").
"We find that such episodes generally brought about significant disinflation, underpinned by weak labor markets, slowing wage growth, and, in many cases, falling oil prices. Indeed, inflation declined by about the same fraction of the initial inflation rate across episodes. That said, disinflation has tended to taper off at very low positive inflation rates, arguably reflecting downward nominal rigidities and well-anchored inflation expectations."
Was heißt das für heute? Wahrscheinlich werden wir in den Industrieländern noch für längere Zeit sinkende Inflationsraten sehen, die sich aber im positiven Bereich stabilisieren. (Die Anleihenmärkte bzw. die Akteure auf diesen Märkten scheinen momentan auch dieses Bild im Kopf zu haben.)

XXL-Aufschwung?

Das Handelsblatt titelte am Montag "XXL-Aufschwung - Deutschland hebt ab". Über den Artikel musste ich schmunzeln/mich ärgern, weil er mal wieder zeigt, wie gedankenlos in Deutschland über Konjunkturthemen berichtet wird.

Punkt 1: Was ist an diesem Aufschwung XXL?

Ich habe durch das (logarithmierte) reale BIP in Deutschland über den Zeitraum 1991Q1 bis 2008Q1 einen linearen Trend gelegt und fortgeschrieben. Der Vergleich mit der tatsächlichen Entwicklung zeigt, dass die Produktion, selbst wenn sie im zweiten Quartal um 2 % ggü. dem ersten Quartal zugenommen hätte, noch um ca. 4,5 % unter dem Trend liegt. XXL wäre, wenn die Raten jetzt im Aufschwung dauerhaft deutlich über dem mittelfristigen Durchschnitt lägen.

Punkt 2: Im Artikel wird die Wachstumsrate für das JAHR 2010 mit den Raten für einzelne QUARTALE verglichen - und dann die Fanfare geblasen, dass es seit 1992Q1 nicht mehr so einen starken Anstieg der Produktion gegeben hätte:
"Der neue Barclays-Indikator prognostiziert für das gesamte laufende Jahr einen Anstieg der Wirtschaftsleistung, wie er seit der Wiedervereinigung nur einmal, nämlich im ersten Quartal 1992, gemessen wurde."
Gemeint war wohl, dass der Anstieg im zweiten Quartal - so er denn 1,8 % betrüge - so hoch wäre, wie eine Veränderung von Quartal zu Quartal (saisonbereinigt) seit 1992Q1 nicht mehr.

Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass Deutschland besser aus der Krise herauszukommen scheint als viele andere Industrieländer. Aber Größe L hätte es auch getan, oder? (Sonst bekäme die Rezession ja die Größe XXXXXS.)

Dienstag, 10. August 2010

Fed wieder bei QE angelangt

Die Fed hat beschlossen, ihre Maßnahmen zum "Quantitative Easing" wieder aufzunehmen. Die Einnahmen aus auslaufende Anleihen in ihrer Bilanz sollen ab sofort wieder in Staatsanleihen re-investiert werden.

Da die Jungs in der Fed ja nicht blöd sind, deutet das darauf hin, dass die konjunkturelle Lage in den USA wahrscheinlich noch schlechter ist als bislang angenommen.

Finanzstressindikator, Ergebnisse für Juli 2010

Der von mir monatlich berechnete Finanzstressindikator ist im Juli leicht gefallen; anscheinend schlägt sich die Beruhigung im Hinblick auf die Schuldenkrisen einiger Staaten nieder.


Der Wert lag für Juni bei 0,58 - nach (leicht heraufrevidierten) 0,84 im Juni.

Freitag, 6. August 2010

Produktion im Juni gesunken

Die Industrieproduktion in Deutschland ist im Juni um 0,6 % gesunken. Allerdings wurde der Mai-Wert auf 2,9 % hinaufrevidiert.


Insgesamt deutet sich aber auch hier (wie schon bei anderen Indikatoren) eine Verlangsamung des Expansionstempos an. Was aber auch keine Überraschung nach dem wohl bärenstarken zweiten Quartal ist...

Uhlig über den Euro und politische Optionen

Ohne Worte.

Dienstag, 3. August 2010

Montag, 2. August 2010

US-Staatsfinanzen

Nicht nur in Griechenland sind die Kassen leer. Auch die US-Bundesstaaten pfeifen auf dem letzten Loch. Und ein ehemaliger US-Finanzminister empfielt im Handelsblatt als Rezept dagegen neue Steuern einzuführen.
"Zunächst muss es darum gehen, das Steuersystem zu reformieren. Dazu gehört, dass man über eine neue gesamtstaatliche Verbrauchs- oder Mehrwertsteuer nachdenken muss."
Ob sich das in den Staaten durchsetzen lässt...?

Zweigeteilter Arbeitsmarkt im Euroraum

Während sich der Arbeitsmarkt in Deutschland sehr positiv entwickelt, ist die Arbeitslosigkeit in anderen Staaten des Euroraums weiterhin sehr hoch. Die größten Probleme hat Spanien, wo die Quote auf über 21% kletterte.

Diese konjunkturelle Zweiteilung wird sich auch in den kommenden Konjunkturprognosen für den Euroraum widerspiegeln, die für Deutschland wohl eher Aufwärtsrevisionen und für die meisten anderen Euroraumstaaten wahrscheinlich ein wenig rosiges Bild beinhalten werden.