Donnerstag, 12. August 2010

XXL-Aufschwung?

Das Handelsblatt titelte am Montag "XXL-Aufschwung - Deutschland hebt ab". Über den Artikel musste ich schmunzeln/mich ärgern, weil er mal wieder zeigt, wie gedankenlos in Deutschland über Konjunkturthemen berichtet wird.

Punkt 1: Was ist an diesem Aufschwung XXL?

Ich habe durch das (logarithmierte) reale BIP in Deutschland über den Zeitraum 1991Q1 bis 2008Q1 einen linearen Trend gelegt und fortgeschrieben. Der Vergleich mit der tatsächlichen Entwicklung zeigt, dass die Produktion, selbst wenn sie im zweiten Quartal um 2 % ggü. dem ersten Quartal zugenommen hätte, noch um ca. 4,5 % unter dem Trend liegt. XXL wäre, wenn die Raten jetzt im Aufschwung dauerhaft deutlich über dem mittelfristigen Durchschnitt lägen.

Punkt 2: Im Artikel wird die Wachstumsrate für das JAHR 2010 mit den Raten für einzelne QUARTALE verglichen - und dann die Fanfare geblasen, dass es seit 1992Q1 nicht mehr so einen starken Anstieg der Produktion gegeben hätte:
"Der neue Barclays-Indikator prognostiziert für das gesamte laufende Jahr einen Anstieg der Wirtschaftsleistung, wie er seit der Wiedervereinigung nur einmal, nämlich im ersten Quartal 1992, gemessen wurde."
Gemeint war wohl, dass der Anstieg im zweiten Quartal - so er denn 1,8 % betrüge - so hoch wäre, wie eine Veränderung von Quartal zu Quartal (saisonbereinigt) seit 1992Q1 nicht mehr.

Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass Deutschland besser aus der Krise herauszukommen scheint als viele andere Industrieländer. Aber Größe L hätte es auch getan, oder? (Sonst bekäme die Rezession ja die Größe XXXXXS.)

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