Donnerstag, 30. September 2010

Good News and Bad News

Der Arbeitsmarkt in Deutschland entwickelt sich weiter prächtig. Im September waren nur noch knapp über 3 Millionen Personen als arbeitslos registriert.

Dagegen bekommt Irland immer mehr Probleme mit seinem Bankensektor: Das Budgetdefizit wird dadurch auf voraussichtlich 32 % des Bruttoinlandsprodukts steigen, wie die FTD meldet.

Dienstag, 28. September 2010

Irische Schuldenkrise

Die Refinanzierung öffentlicher Anleihen von Irland wird teurer und teurer...

Gemeinschaftsdiagnose

Ich bin zur Zeit mit der Erstellung des Gutachtens der Gemeinschaftsdiagnose beschäftigt. Deswegen wird es ein paar Tage lang wenig Neues auf dem Blog geben.

Die Prognose wird am 14. Oktober 2010 veröffentlicht. Dann gibt's auch Infos zum Inhalt.

Freitag, 24. September 2010

Finanzmarktregulierung

Martin Hellwig fällt in einem Arbeitspapier ein vernichtendes Urteil über die zukünftige Finanzmarktregulierung und fordert deutlich strengere Regeln, da dies aus gesamtwirtschaftlicher Sicht geboten sei.
"Whereas the Basel Committee on Banking Supervision seems to go for marginal changes here and there, the paper calls for a thorough overhaul, moving away from risk calibration and raising capital requirements very substantially. The argument is based on the observation that the current system of risk-calibrated capital requirements, in particular under the modelbased approach, played a key role in allowing banks to be undercapitalized prior to the crisis, with strong systemic effects for deleveraging multipliers and for the functioning of interbank markets. The argument is also based on the observation that the current system has no theoretical foundation, its objectives are ill-specified, and its effects have not been thought through, either for the individual bank or for the system as a whole. Objections to substantial increases in capital requirements rest on arguments that run counter to economic logic or are themselves evidence of moral hazard and a need for regulation."
Meine Stimme hat er!

Donnerstag, 23. September 2010

Interbankenmarkt im Euroraum

In der jünsten Ausgabe der Geldmarktumfrage der EZB ist mir folgende Graphik aufgefallen:

Das heißt ja, dass sich die Liquidität auf dem Geldmarkt nach den "Horror-Jahren" 2008/2009 auch im laufenden Jahr nochmals sehr, sehr deutlich verschlechtert hat. (In die gleiche Richtung deutet die Frage 8, in der mehr Teilnehmer als noch 2009 angeben, dass der Geldmarkt nicht effizient funktioniert.)

Die Spreads zwischen besicherten und unbesicherten Geldmarktgeschäften deuteten zuletzt auf eine leichte Entspannung der Situation hin. Aber die Umfrageergebnisse zeigen, dass noch längst nicht wieder alles im Lot ist.

Dienstag, 21. September 2010

US-Geldpolitik

Die Geldpolitik in den USA bleibt auch weiterhin sehr expansiv. Aus dem heutigen Statement des FOMC:
"The Committee will maintain the target range for the federal funds rate at 0 to 1/4 percent and continues to anticipate that economic conditions, including low rates of resource utilization, subdued inflation trends, and stable inflation expectations, are likely to warrant exceptionally low levels for the federal funds rate for an extended period. The Committee also will maintain its existing policy of reinvesting principal payments from its securities holdings.

The Committee will continue to monitor the economic outlook and financial developments and is prepared to provide additional accommodation if needed to support the economic recovery and to return inflation, over time, to levels consistent with its mandate. "
Das japanische Szenario (bei allen Unterschieden, die sich in einem solchen durch das höhere Bevölkerungswachstum in den USA ergeben) erscheint mir immer wahrscheinlicher.

US-Perspektiven

Mohamed El-Erian, Chef von Pimco, zeigt Paralellen zwischen den USA und Japan sowie Latainamerika in den 80ern auf. Fazit:
"Die gute Nachricht ist, dass Amerikas Lage nicht so dramatisch ist wie die von einigen peripheren europäischen Ländern wie Griechenland. Doch die drohenden Konsequenzen sind für ein großes Industrieland höchst ungewöhnlich - vor allem, weil diese Konsequenzen globale Folgewirkungen haben. Die USA sind die größte Volkswirtschaft der Welt, sie verfügen über die Welt-Reservewährung und die größten und liquidesten Finanzmärkte. Noch hat die Regierung Zeit, sich dieser Situation zu stellen. Aber je länger das dauert, desto mehr wächst die Gefahr eines verlorenen Jahrzehnts."

Montag, 20. September 2010

US-Rezession

Das NBER hat offiziell verkündet, dass die Rezession in den USA im Juni 2010 vorbei war. Aus der Mitteilung:
"The Business Cycle Dating Committee of the National Bureau of Economic Research met yesterday by conference call. At its meeting, the committee determined that a trough in business activity occurred in the U.S. economy in June 2009. The trough marks the end of the recession that began in December 2007 and the beginning of an expansion. The recession lasted 18 months, which makes it the longest of any recession since World War II. Previously the longest postwar recessions were those of 1973-75 and 1981-82, both of which lasted 16 months."
Wenn man mit Leuten aus den USA spricht, hört man aber immer wieder, dass der maue Aufschwung "feels like a recession".

Und in unserer jüngsten Konjunkturprognose haben wir mit einem statistischen Modell die Wahrscheinlichkeit geschätzt, dass es zu einem Rückfall in die Rezession kommt - und die liegt für kommendes Frühjahr bei immerhin knapp 20%.

Kapitalbedarf deutscher Großbanken

Die Bundesbank hat Pressemitteilungen zufolge geschätzt, dass die großen Banken in Deutschland aufgrund der Bestimmungen von Basel III, so die denn in der derzeitigen Fassung beschlossen werden, rund 50 Mrd. Euro Kapitalbedarf haben. Aus der FTD:
"Die zehn größten Banken Deutschlands brauchen wegen der schärferen Regulierung rund 50 Mrd. Euro frisches Kapital. Diese Summe habe die Bundesbank für die kommenden neun Jahren in einer vertraulichen Studie errechnet, berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe. Demnach haben Experten der Bundesbank Kreditinstitute mit einem Kernkapital von mehr als 3 Mrd. Euro unter die Lupe genommen."
Das ist für die Banken und Anteilseigner natürlich erst einmal blöd. Andererseits könnte, wenn man denn wollte, wohl ein Großteil wenn nicht sogar die gesammte Summe, durch Kürzungen von Gehältern und Dividendenausschüttungen generiert werden, und macht das Ganze den Bankensektor ein Stück weit stabiler.

Freitag, 17. September 2010

Neues Zeitalter auf dem Arbeitsmarkt

Thomas Fricke greift in der FTD unsere Arbeitsmarktprognose auf, um darzustellen, wie sich die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt zugunsten der Arbeitnehmer entwickeln werden.

Im Grunde genommen ist die beschriebene Entwicklung das, was man nach Arbeitsmarktreformen zur Senkung der Arbeitslosigkeit erwarten würde: Erst steigen die Löhne schwächer als der Verteilungsspielraum nahe legen würde und die Arbeitslosigkeit sinkt. Dann machen sich mehr und mehr Knappheiten bemerkbar und es werden wieder höhere Lohnsteigerungen durchgesetzt.

Vielleicht hat der Prozess in Deutschland etwas länger gedauert, als Ökonomen vorher gedacht hatten...

Zuschlag für die Megabanken

Wohl wahr, wohl wahr, dass die Megabanken zusätzliche Kapitalanforderungen zu erfüllen haben sollten, weil sie auch am wahrscheinlichsten durch die Staaten gerettet werden. Aber anscheinend ließ sich das bei den Verhandlungen zu Basel III nicht durchsetzen...

Ende des Soffin

Der Bankenrettungsfonds Soffin soll Ende des Jahres dann wirklich geschlossen werden - so ist es jedenfalls anscheinend im Moment die Absicht der Regierungskoalition.

Mittwoch, 15. September 2010

Neue Konjunkturprognosen

Heute um 12h ist die neue Konjunkturprognose veröffentlicht worden, an der ich mitgearbeitet habe (Kiel Economics zusammen mit dem IWH in Halle). Die Kurzfassung gibts hier - die vollständige Version hier. Die ganz kurze Version ist:
"Im laufenden Jahr dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt um 3,5% steigen, im kommenden um 2%. Die Arbeitslosigkeit wird wohl weiter sinken."
Vergangene Woche hatte bereits das IfW seine neue Prognose veröffentlicht. Auch heute kam die neue Prognose des RWI in Essen heraus. Für dieses Jahr bestehen fast keine Unterschiede - das IfW ist für 2011 ein wenig pessimistischer als wir, das RWI ein wenig optimistischer.

Montag, 13. September 2010

Empfehlungen für Basel III verabschiedet

Gestern wurde eine Einigung über die Vorschläge zu Basel III erziehlt. Aus dem Handelsblatt:
"Die wichtigsten Bankenaufseher und Notenbankchefs haben sich auf neue, verschärfte Regeln für die Banken weltweit geeinigt. Die neuen Mindesthürden für das Eigenkapital werden von 2013 an schrittweise eingeführt. So bleibt den Instituten genug Zeit, um sich darauf vorzubereiten."

Sonntag, 12. September 2010

HRE-Desaster

Öffentlichkeit und Politik sind davon überrascht worden, dass der Soffin mitgeteilt hat, dass nochmal zusätzliche Bürgschaften für die HRE nötig werden. Das Institut steckt also weiter in ungeahnten Schwierigkeiten.

Jetzt soll für die HRE eine "Bad Bank" geschaffen werden, um problematische Aktiva auslagern zu können.

Freitag, 10. September 2010

Basel III wirft Schatten

Die Deutsche Bank hat eine enorme Kapitalerhöhung angekündigt.

Zwar war eine solche sowieso nötig, um die Übernahme der Postbank zu finanzieren. Allerdings ist das hohe Volumen wohl schon ein Vorgriff auf die demnächst wahrscheinlich strikteren Kapitalanforderungen für den Bankensektor.

Dienstag, 7. September 2010

Finanzstressindikator, Ergebnisse für August 2010

Der von mir monatlich berechnete Finanzstressindikator ist im Juli von (leicht aufwärtsrevidierten) 0,59 auf 0,16 gefallen; die Beruhigung scheint also weiterzugehen.


Schauen wir mal, wohin die Reise geht, wenn die Konjunkturindikatoren (vor allem außerhalb Deutschlands) in den kommenden Monaten weiter gen Süden deuten...

Montag, 6. September 2010

IWF würde Ramschanleihen kaufen

Der IWF ist anscheinend wenig besorgt über mögliche Zahlungsausfälle bei Staatsanleihen. Aus einem Artikel der FAZ, der sich auf eine IWF-Studie bezieht:
"Das Hauptargument des IWF ist die einfache Tatsache, dass eine Schuldenreduktion durch Zahlungsausfall den Schuldnern nichts oder nicht viel bringt: weder wirtschaftlich noch politisch. Im Gegenteil ist der Weg zurück zur Kreditwürdigkeit meist härter als der Weg der Konsolidierung, wie das jüngste Beispiel Argentinien zeigt."
Da ist schon was dran - vor allem für die Länder des Euroraums, wo zusätzlich noch die Partnerländer um ihre Reputation besorgt sind. Aber die gleichen Argumente galten ja auch schon in der Vergangenheit, wo es dann doch Staatsbankrotte gegeben hat.

Die Perspektiven der deutschen Wirtschaft

...sieht das Handelsblatt, bzw. Prof. Bert Rürup im Handelsblatt eher positiv.

Mittwoch, 1. September 2010

Krugman fragt sich ...

...ob zur Erklärung der momentanen Wirtschaftsentwicklung (er bezieht sich vor allem auf die USA) neue Ansätze nötig wären. Und kommt zu dem Schluss, dass - im Gegenteil - die (ganz) alten Modelle ziemlich genau beschreiben, was momentan passiert:
"So what we have here isn’t really a lack of a workable analytical framework. The disaster we’re facing is the result of the refusal of economists, both in and out of the corridors of power, to go with the perfectly good framework [the Keynesian model] we already had."