Samstag, 11. Dezember 2010

FAZ-Propaganda

Was ist denn mit der guten alten, für ihre fundierten Beiträge bekannten FAZ los? Holger Steltzner schreibt einen Artikel, in dem er "ausrechnet", dass die Schaffung des "Euro-Bonds" nach Vorschlag von Jean-Claude Juncker und Giulio Tremonti die Bundesrepublik 17 Mrd. Euro pro Jahr kosten würde.

Er macht sich darüber lustig, dass Herr Juncker der deutschen Regierung vorwarf "ein bisschen simpel zu denken", um im Anschluss daran eine Rechnung und Argumentation aufzustellen, bzw. wiederzugeben, für die das Wort "simpel" eigentlich nicht ausreicht. Fangen wir mal an:

Das zentrale Argument ist, dass der Zinssatz auf die Euroanleihe höher wäre als der für Bundesanleihen. Dadurch müsste Deutschland für Schulden in Höhe von 40% des BIP höhere Zinsen bezahlen als jetzt. Stimmt. Die zentralen Fragen sind nur, wie viel mehr und was die Opportunitätskosten sind. Die Rechnung zum ersten Punkt in dem Artikel ist sehr simple und der zweite Punkt kommt nicht wirklich vor.

Punkt 1:
"Aus der Mischung von bester Bonität und fragwürdigem Ruf ergibt sich eine Durchschnittsverzinsung von 3,31 Prozent für alle in der Eurozone umlaufenden Staatspapiere. Das Volumen aller im Markt aktiv gehandelten Euro-Wertpapiere der Mitglieder der Währungsunion beträgt 4,8 Billionen Euro. Juncker und die von eigenen Interessen geleiteten Banken verweisen auf den Vorteil eines großen, liquiden Euro-Anleihemarkts, wenn sie ihre vage Hoffnung auf niedrigere Durchschnittszinsen zu begründen suchen. Doch nicht die Größe macht den Zins, sondern die Qualität des Schuldners ist für jeden Gläubiger Maßstab für das Risiko und die Rendite."
Ist natürlich eine super Rechnung, wenn man die aktuell durch die Unsicherheit hochgetriebenen Zinsen, die die Problemländer zahlen müssen, dazu nutzt die Durchschnittsrendite für eine hypothetische Anleihe auszurechnen, die gegenüber allen restlichen Staatsschulden im Euroraum vorrangingen Status haben würde. Auch das dem Unverständnis des "all-else-equal"-Konzepts geschuldete Negieren des Liquiditätseffektes zeugt nicht gerade von einer ausgewogenen ökonomischen Erörterung des Sachverhalts!

Punkt 2:

Natürlich würden die Zinskosten nach Einführung einer solchen Anleihe steigen. Aber die Kosten müssen ja in jeder Analyse denen gegenübergestellt werden, die sich in anderen Szenarien ergeben würden. Und die dürften sowohl bei einem Bail-Out (Schuldenübernahme), als auch einer Monetarisierung (höhere Inflation) oder einem Auseinanderbrechen des Euroraums (steile Aufwertung der "neuen DM" und Einbruch der Exporte) beträchtlich sein ... da kommen selbst 17 Mrd. Euro schnell zusammen.

Hinzu kommt meiner Meinung noch ein (aus Respekt vor Autor und Gleichgesinnten unterstelle ich einmal willentliches) Missverständnis, bzw. ungenaues Wiedergeben des Juncker-Vorschlages:
"Euro-Bonds belohnten unsolide Länder. Die Einführung von Gemeinschaftsanleihen nähmen jeden Anreiz für gute Haushaltsführung."
Der Vorschlag enthält ja explizit die Komponente, dass alle Schulden, die über 40% des BIP eines Landes hinausgehen, durch nationale Anleihen finanziert werden sollen, die ggü. den Euroanleihen nachranging sind. Hier könnte der Markt duch Zinsdifferentiale die Staaten zur guten Haushaltsführung "zwingen". Denn: Der Vorschlag sagt explizit, dass Mechanismen geschaffen werden sollen, die es ermöglichen, dass die privaten Investoren Verluste aus Investitionen in diese nationalen Anleihen auch selber tragen sollen.

Bottom line: Mich stört, dass der Vorschlag in Deutschland fast durch die Bank (W. Schäuble ist nach allem was man hört die große Ausnahme) ohne tiefgreifende politische und ökonomische Analyse verdammt wird! Er hört sich zumindest plausibler an als alle anderen Vorschläge zur permanenten Lösung der Krise (so es denn bisher überhaupt Vorschläge gegeben hat, die wirklich mehr als eine vorübergehende Linderung der Krise zum Ziel haben).

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