Mittwoch, 21. Dezember 2011

Neue Konjunkturprognosen

So, nun kann auf der Homepage von Kiel Economics auch die Kurzversion der neuen Konjunkturprognose eingesehen werden und der komplette Bericht bestellt werden. Das ist die Zusammenfassung der Prognose für Deutschland:


Und sonst? Der übrige Euroraum wird um eine neuerliche Rezession wohl nicht herumkommen, in den USA bleibt das Wachstum mit 1,8 % in diesem und 1,9 % bzw. 2,0 % in den kommenden beiden Jahren mau, und wir zeigen im Analyseteil u. a. mal wieder, wie unsicher Konjunkturprognosen sind.

Was sagen die anderen für die Konjunkturentwicklung in Deutschland in 2012?
  1. IfW: 0,5 %.
  2. IWH: 0,4 %.
  3. RWI: 0,6 %.
  4. ifo: 0,4 %.
  5. IMK: -0,1 %.

Alle ein wenig pessimistischer als wir. Aber die Risiken liegen auch klar auf der unteren Seite - aber wenn es hart auf hart kommt - und das wäre, wenn die Schuldenkrise im Euroraum aus dem Ruder läuft - dann wären wohl auch die Prognosen von IfW bis IMK noch zu positiv ...

Neue mediale Kampflinie?

Mir schwant, dass in der deutschen medialen Öffentlichkeit gerade einen neue Argumentationslinie gegen die EZB aufgebaut wird. Dieser Beitrag des Handelsblatts hört sich jedenfalls verdammt danach an, als würde nach dem Refinanzierungsgeschäft von heute selbst die Stabilisierung des Bankensektors durch die EZB als indirekte Staatenfinanzierung diskreditiert.
"Mit dem sogenannten Dreijahrestender legt die EZB nun ein weiteres gigantisches Stützungsprogramm auf. Es zielt nur vordergründig auf den Bankensektor. Denn in Wahrheit ist die beispiellose geldpolitische Aktion ein Rettungspaket für die Schuldenstaaten. Die EZB macht mit ihrer Geldschwemme über die Hintertür genau das, wogegen sie sich bislang öffentlich sträubt: Sie wirft die Notenpresse an, um indirekt Schulden der wackelnden Euro-Staaten zu finanzieren."
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo das noch hinführen soll. Die Bankensysteme einiger Euroraumländer stehen kurz vor dem Zusammenbruch - und Einige sähen sie wohl gerne brechen. Fraglich auch, aus welchen Gründen das Handelsblatt in diesem Zusammenhang mit der Suggerierung falscher Tatsachen arbeitet ...

Asymmetrische Monetaristen?

W. Münchau schreibt auf Spiegel Online über Asymmetrien im Denken (deutscher) Monetaristen.

In gewisser Weise kann man ihm da folgen. Die betroffenen würden wahrscheinlich als Gegenargument bringen, dass man nun einen in den Jahren vor der Krise akkumulierten Überschuss an Geld abbauen muss (meine Vermutung). Allerdings verkennt das, dass die Geldnachfrage anscheinend instabil war; anders kann man die niedrigen Inflationsraten bei gleichzeitig stark zunehmender Geldmenge nicht erklären. Und das wiederum bedeutet, dass nichts dafür spricht, dass das "Geld aus der Vergangenheit" nun in irgendeiner Weise preissteigernd wirken wird.

Nicht alles glauben, was in der Zeitung steht ...

... das bewahrheitet sich auch wiedermal im Kontext des heutigen langfristigen Refinanzierungsgeschäfts der EZB. Im Handelsblatt steht dazu:
"Und deshalb griff die Europäische Zentralbank (EZB) zu bisher nicht gekannten Maßnahmen: Die Währungshüter stützten das angeschlagene Bankwesen heute mit einem Geldsegen von fast 500 Milliarden Euro. Die Kredite wurden erstmalig auf drei Jahre festgeschrieben. Damit können die Banken vom bisher niedrigsten Zinssatz von nur einem Prozent jährlich langfristig profitieren."
In den Konditionen der EZB für dieses Geschäft heißt es in Wahrheit aber:
"The rate in these operations will be fixed at the average rate of the main refinancing operations over the life of the respective operation. Interest will be paid when the respective operation matures"
D. h. gezahlt werden müssen Zinsen zwar erst ganz am Ende, die Höhe richtet sich aber nach dem Leitzins über die gesamte Vertragslaufzeit. Steigen die Zinsen also während der 3 Jahre, dann müssen die Banken auch mehr zahlen.

489.000.000.000

So viel Euro (489 Mrd.) haben sich die Banken der Eurozone von der EZB beim ersten dreijährigen Refinanzierungsgeschäft geliehen.

Die EZB hatte dieses Geschäft angekündigt, um den Problemen im Bankensektor aufgrund fallender Kurse von Staatsanleihen entgegenzuwirken.

Die Banken können das geliehene Geld nach einem Jahr vorzeitig zurückzahlen. Ansonsten müssen diese Kredite über die Laufzeit mit dem jeweils herrschenden Leitzins verzinst werden, d. h. die Banken haben sich jetzt nicht für 3 Jahre einen Zins von 1 % gesichert.

Finanzstressindikator, Ergebnisse für November

Nach dem starken Anstieg vom Oktober zeigen die Ergebnisse des Finanzstressindikators für November überraschenderweise einen gewissen Rückgang für Deutschland an.


Der Indexwert sank von 3 auf 1,96. Allerdings ist das Stressniveau immer noch hoch (nicht verwunderlich, weil die Schuldenkrise im Euroraum immer noch nicht gelöst ist). Ein alternativer Indikator, den die ehemaligen Kollegen am IfW berechnen, zeigt auch bis zuletzt einen Anstieg des Finanzmarktstresses an.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Rezession abgewendet?

Das Geschäftsklima in Deutschland hellt sich zum zweiten Mal in Folge auf. Bei unveränderter Lageeinschätzung und steigenden Erwartungen, nahm das ifo Geschäftsklima um einen guten halben Punkt auf 107,2 zu.
Derzeit sieht es so aus, als würde ein wirtschaftlicher Absturz in Deutschland nicht kommen. Mehr gibt es demnächst in der neuen Konjunkturprognose von Kiel Economics.

Samstag, 17. Dezember 2011

Gründe für Stark-Rücktritt

Nun ist auch offiziell, dass J. Stark als EZB-Chefvolkswirt nicht in erster Linie aus persönlichen Gründen zurückgetreten ist, sondern weil er vor der Mehrheit im EZB-Rat, die nicht seiner Meinung über das Programm zum Aufkauf von Wertpapieren war, kapituliert hat.
"Doch nun hat der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, erstmals offen über die wahren Hintergründe gesprochen: Es gebe "ein großes Thema, das dies begründet", sagte er der "Wirtschaftswoche". "Ich bin nicht zufrieden damit, wie sich diese Währungsunion entwickelt hat."

"Der weitere Kauf von Staatsanleihen sei keine Lösung, auch wenn das "rund 90 Prozent der selbst ernannten oder wirklichen Experten rund um den Globus" forderten. Wer nun die US-Notenbank "als leuchtendes Beispiel" nenne, zeige sein "Unverständnis des institutionellen Rahmens" in Europa, sagte Stark."
Nun kann man solche Gewissensentscheidungen auf der einen Seite gutheißen. Auf der anderen Seite ist aber auch zu fragen, ob man als politischer Beamter und Repräsentant Deutschlands nicht eine gewisse Verantwortung für die Reputation seines Landes hat. Und das Standing von Deutschland, was die Besetzung von Spitzenjobs in internationalen Gremien angeht, hat sich durch die überraschenden Rücktritte von Stark (und Weber) nicht unbedingt verbessert.

Und jetzt kurz vor dem Ausscheiden aus der EZB nachzutreten, ist auch nicht die feine Art und wird es seinen nachfolgenden deutschen Vertretern nicht einfacher machen. Das hätte er auch in ein paar Jahren in einer Biographie erklären können - gerade weil insgeheim sowieso jeder wusste, warum er zurückgetreten ist.

In gewisser Weise scheint es Deutschland an einem ausreichenden Pool von loyalen Spitzenbeamten für internationale Aufgaben zu fehlen.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Jammernde Banker

Aus dem Handelsblatt:
"Ackermann kritisierte, die zunehmende Regulierung des Sektors bestimme mehr und mehr die Geschäftsmodelle der Banken."
Aber so sollte es doch auch sein, oder? Jedenfalls setzt die Regulierung den Banken Schranken, innerhalb derer sie sich ein Geschäftsmodell suchen können. Denn dass die Situation der jüngeren Vergangenheit, in der den Banken praktisch jedes Geschäftsmodell offenstand, nicht zum Wohl der Allgemeinheit beigetragen hat, dürfte mittlerweile unstrittig sein.

Hintergrund der Ackermann-Beschwerde ist u. a., dass die europäische Bankenaufsichtsbehörde, EBA, beim jüngsten Stresstest wohl noch im Verfahren nachjustiert hat:
"Die EBA habe mitten im Prozess willkürlich die Methodik verändert, sagte er [Ackermann] am Donnerstag in Berlin: „Das ist nicht geeignet, Vertrauen herzustellen.“
Ich kann dazu nur sagen, dass ich hier fast jeden Tag meine Prognosetexte anpassen muss, weil im Zuge der Schuldenkrise Neuigkeiten reinkommen - und das wird für den Regulator ja nicht anders sein. Und außerdem sollten die Stresstests ja kein Wunschkonzert für die Banken sein, sondern der Regulator sollte jederzeit frei sein, die Regeln zu bestimmen und anzupassen.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

M. Wolf über Krise im Euroraum

Martin Wolf fasst in der Financial Times das Grundproblem für die Krise im Euroraum gut zusammen:
"In brief, it is extremely difficult to eliminate fiscal deficits in the structural capital-importing countries, without prolonged recessions or huge improvements in their external competitiveness. But the latter is relative, so the needed improvements in the external performance of weak eurozone countries imply a deterioration in that of eurozone capital-exporters, or radically improved external performance for the eurozone as a whole. The former means that Germany becomes far less German. The latter implies that the eurozone becomes a mega-Germany. Who can believe either outcome is plausible?

This leaves much the most plausible outcome of the orgy of fiscal austerity: long-term structural recessions in vulnerable countries. To put it bluntly, the single currency will come to stand for wage falls, debt deflation and prolonged economic slumps. Can this stand, however big the costs of a break-up?

The eurozone has no credible plan to fix the flaws of the eurozone, apart from greater fiscal austerity: there is to be no fiscal, financial or political union; and there is to be no balanced mechanism for economic adjustment on both sides of the creditor-debtor divide. The decision is, instead, to try still harder with a stability and growth pact whose failures have been both predictable and persistent."

In meinen Augen ist das Fazit richtig. Die Krux liegt nicht im Stabilitäts- und Wachstumspakt, sondern in den Schwierigkeiten mit der Wettbewerbsfähigkeit einiger Länder.

Montag, 12. Dezember 2011

Krisenbekämpfung

Wollen wir mal hoffen, dass P. Krugman nicht Recht behält:
"What Anglo-Saxon economists need to understand is that the Germans and the ECB really, really don’t share our worldview; they really do believe that austerity is all you need. And all indications are that they will cling to that belief, even as the euro falls apart — an event they will insist was caused by the fecklessness of the debtors. Given a choice between saving Europe and remaining righteous, they’ll choose the latter."
Dazu auch noch der Link zu einem Aufsatz von R. Perotti, in dem er zwar einige Schwächen der IWF-Studie zum Effekt von staatlichen Sparprogrammen analysiert, aber insgesamt auch - entgegen den Resultaten von älteren Studien von ihm - zu dem Ergebniss kommt, dass öffentliche Sparprogramme tendenziell ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung zur Folge haben.
"[The] results cast doubt on at least some versions of the "expansionary fiscal consolidations" hypothesis, and on its applicability to many countries in the present circumstances. A depreciation is not available to EMU members today (except vis à vis countries outside the Eurozone). A net export boom is not feasible for the world as a whole. A further decline in interest rates is unlikely in the current situation. And incomes policies are not popular nowadays; moreover, international experience, and the Danish case, suggest that they are ineffective after a few years."

Sonntag, 11. Dezember 2011

Inflation in Deutschland

Die Inflationsrate ist in Deutschland im November auf 2,4 % zurückgegangen (d. h. Preisanstieg im Vorjahresvergleich; was am aktuellen Rand los ist, kann ich gerade nicht nachschauen). Die FTD schreibt dazu:
"Insgesamt schwächte sich die Inflation auf Jahressicht den zweiten Monat in Folge etwas ab. Sie bleibt aber über der Warnschwelle der Europäischen Zentralbank. Die Währungshüter sehen die Preisstabilität bei Teuerungsraten bis knapp unter 2,0 Prozent gewahrt."
... und macht dabei den gleichen Fehler wie viele: Die EZB hat ein Inflationsziel für den GESAMTEN Euroraum. Deutschland hatte 10 Jahre lang unterdurchschnittliche Inflationsraten. In den kommenden Jahren sollte die Inflation in Deutschland konstant über 2 % liegen (und es wäre gut, wenn nicht jeden Monat deswegen ein Aufschrei durch die Medien gehen würde, der das als Problem deklariert). Wird sie das nicht tun, dann gute Nacht Euroraum ... die Anpassung der Wettbewerbsfähigkeit der anderen Euroraumstaaten wird so schon schwer genug sein.

Freitag, 9. Dezember 2011

Krugman zu den EU-Beschlüssen

"European stocks are up today, and I have no idea why. [...] [T]his looks like a disastrous meeting. More austerity, more posing of the crisis, wrongly, as being all about fiscal deficits; no mechanism for ECB funding. Somehow southern Europe is supposed to deflate its way to prosperity, while everyone runs a trade surplus, presumably against that potentially habitable planet we’ve discovered 600 light-years away.

Maybe Draghi’s actions will be very different from his words — but actually, since this is to an important degree about expectations, Europe needs both actions and words.

Oh, and for desert we have Cameron acting as a spoiler to protect the wheeler-dealers, poisoning EU politics."

Aber was anderes war bei seiner oft genug kommunizierten Meinung auch nicht zu erwarten.

PS: Mit Außerirdischen hat er es irgendwie - und gleichzeitig einen (wenn auch plakativ formulierten) Punkt.

Neuauflage Soffin

Nun ist das noch nicht offiziell und manches Mal berichten auch die großen Zeitungen etwas ungenau. Aber das hier aus der FTD ...
"Die Institute sollen nicht nur strukturierte Wertpapiere an eine staatliche Zweckgesellschaft auslagern dürfen, sondern ebenfalls Staats- oder Unternehmensanleihen, berichtete die Zeitung am Freitag unter Berufung auf den Entwurf für ein neues Finanzmarktstabilisierungsgesetz. Der Staat übernimmt so die Verlustrisiken."
... hört sich wieder verdammt danach an, als ob der Staat nur Verlustrisiken übernimmt, aber im Gegenzug kein Mitspracherecht in Form von regulären Beteiligungen an den Banken einfordert. Wenn es denn so käme, hielte ich das für einen neuerlichen Skandal.

EU-Gipfel

Hier ist der Link zur Erklärung der Staats- und Regierungschefs der Euroländer nach den Verhandlungen von letzter Nacht.

Die Zusammenfassung:
"Today we agreed to move towards a stronger economic union. This implies action in two directions: (i) a new fiscal compact and strengthened economic policy coordination; (ii) the development of our stabilisation tools to face short term challenges.

we agreed today on a new "fiscal compact" and on significantly stronger coordination of economic policies in areas of common interest.

General government budgets shall be balanced or in surplus; this principle shall be deemed respected if, as a rule, the annual structural deficit does not exceed 0.5% of nominal GDP

The rule will contain an automatic correction mechanism that shall be triggered in the event of deviation.

A mechanism will be put in place for the ex ante reporting by Member States of their
national debt issuance plans.

The rules governing the Excessive Deficit Procedure (Article 126 of the TFEU) will be
reinforced for euro area Member States.

For the longer term, we will continue to work on how to further deepen fiscal integration so as to better reflect our degree of interdependence.

We are committed to working towards a common economic policy.

We agree on an acceleration of the entry into force of the European Stability Mechanism (ESM) treaty. The Treaty will enter into force as soon as Member States representing 90 % of the capital commitments have ratified it. Our common objective is for the ESM to enter into force in July 2012.

Concerning the involvement of the private sector, we will strictly adhere to the well established IMF principles and practices. This will be unambiguously reflected in the preamble of the treaty. We clearly reaffirm that the decisions taken on 21 July and 26/27 October concerning Greek debt are unique and exceptional;"
Also, für eine stärkere Integration auf EU-Ebene hat es nicht gereicht. Ob sich daraus mittelfristig eine starke Spaltung der EU ergibt, wird man sehen. Jedenfalls wird es einen Club der Eurostaaten (+6 andere wie man hört) geben, die sich die oben zusammengefassten Regeln für eine stärkere finanzpolitische Integration geben.

Anscheinend hat das ziemlich die Erwartung der Marktteilnehmer getroffen, denn sowohl Aktien- als auch Devisenmärkte notieren heute bislang fast unverändert.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

EZB-Entscheidung

Die EZB hat den Leitzins wieder auf 1 % gesenkt - damit sind die Zinserhöhungen vom Frühjahr wieder komplett rückgängig gemacht worden.

EZB-Präsident Draghi sagte auf der anschließenden Pressekonferenz etwas, was mich aufhorchen ließ:
"We discussed what you see [die Zinssenkung um 25 Basispunkte]. Some were in favour, and some were against it."
Nun frage ich mich (allerdings nicht wirklich): Wer bitte ist in dieser Situation gegen jede Zinssenkung? Einer Situation, in der die Citigroup bereits eine Rekordrezession von 6 Quartalen für den Euroraum prognostiziert! Draghi sagte außerdem, dass über höhere Zinssenkungen überhaupt nicht gesprochen wurde.

Was es sonst noch zu vermelden gab (ich habe den Anfang der PK verpasst):
  1. Es wird noch mehr, noch längerfristige Refinanzierungsgeschäfte für Banken geben.
  2. Draghi hat meiner Meinung nach sehr auf das Konzept der Kerninflationsrate verwiesen.
  3. Die EZB ist bereit als "agent" für die ESFS zu agieren, d. h. die Marktaktionen der ESFS auszuführen (ohne dass Transaktionen über die Bilanz der EZB laufen).
  4. Der Mindestreservesatz wurde von 2 % auf 1 % gesenkt.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Target II: Nächste Runde

H.-W. Sinn bekommt "Unterstützung" durch A. Tornell und F. Westermann. Deren Analyse wird aber von K. Whelan als durchgängig falsch/fehlleitend bewertet. Zitat:
"In fact, this piece has even less to add (and more to subtract, if believed) to the stock of useful knowledge than Sinn’s various pieces."

Dienstag, 6. Dezember 2011

Teufelskreis

Im SPON-Artikel beschrieben: Angst vor Euroaustritt --> Angst vor Stabilität des Bankensystems in Griechenland --> Abzug von Einlagen --> Verschärfung der Rezession --> Angst vor Euroaustritt --> ...

Das Problem ist, dass wahrscheinlich nur solche politischen Lösungen den Kreislauf unterbrechen könnten, die in Deutschland momentan mehrheitlich abgelehnt werden.

EZB, Schuldenkrise, Ratingagenturen

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank über den möglichen Einfluss der EZB auf die Finanzierungsbedingungen von Spanien und Italien:
"Die Regierungen Monti (Italien) und Rajoy (Spanien) scheinen entschlossen, die Staatsfinanzen zu sanieren und die Wirtschaftspolitik zu reformieren. Dies wird ihnen aber nur gelingen, wenn die monetären Bedingungen in ihren Ländern nicht so restriktiv sind, dass die Wirtschaft erdrückt wird. Sollen die monetären Bedingungen in diesen Ländern gelockert werden, so reicht es nicht, den Refi-Satz zu senken. Die Kapitalmarktzinsen müssen auch herunter kommen, und dazu sollte die EZB den Zins auf Staatsanleihen durch Marktinterventionen nach oben begrenzen."
Thomas Mayer weist hier auf ein Problem hin, dass sich auch in der Ankündigung von Standard & Poors spiegelt. Auch hier liegt die Begründung für den negativen Ausblick in erster Linie in den schlechteren Konjunkturaussichten, die aber ja zu einem großen Teil durch die heftigen Sparprogramme in den Schuldenkrisenländern bedingt sind. D. h. kurzfristig schaden die Sparbemühungen - aber die Marktteilnehmer honorieren sie nicht durch ein Zinsniveau, das eine wirkliche Konsolidierung zulassen würde.

Mayer außerdem zum Vor- und Nachteil von Eurobonds und EZB-Intervention:
"Wenn Eurobonds am Anfang der Anpassung stehen, machen sie diese überflüssig und bereiten den Weg zur Transferunion. Stehen sie dagegen am Ende der Anpassungsprozesse, können sie durchaus sinnvoll sein, um einen großen und liquiden Markt für Euroland-Staatsanleihen zu schaffen. Außerdem sollte man bedenken, dass Eurobonds, wenn sie einmal eingeführt sind, kaum wieder abgeschafft werden können. D.h., das Risiko einer Transferunion ist bei vorzeitiger Einführung groß. Dagegen kann der Kauf von Staatsanleihen durch die EZB, also die Anschubfinanzierung für die Reformprogramme, vom EZB-Rat jederzeit wieder rückgängig gemacht werden, wenn sie zur Dauerfinanzierung zu werden droht."

Sonntag, 4. Dezember 2011

Causa Commerzbank

Die Commerzbank muss demnächst neues Kapital aufnehmen, um die angehobenen Kapitalanforderungen zu erfüllen. Im derzeitigen Marktumfeld dürfte das schwierig werden. Anscheinend streubt sich der Bund nicht mehr dagegen, die Mehrheit bei der Commerzbank zu übernehmen. Alles andere wäre, wenn der Staaten denn nochmals mit einer Kapitalsprize aushilft, auch ein Witz. Aber anscheinend hat man aus der letzten schlecht gestalteten Hilfsaktion, bei der der Steuerzahler sehr wenig Gegenleistung bekommen hat, gelernt.

Bei einem Kapitalbedarf von 5 Mrd. Euro hätte der Bund, wenn er denn die ganze Kapitalerhöhung stemmen würde, bei einer derzeitigen Marktkapitalisierung der Commerzbank von gut 7,5 Mrd. Euro nachher rund 55 % der Anteile (derzeit 25 %). Und gut wäre es, wenn der Staat die neuen Anteile mit einem Abschlag bekommt, weil die Bank sonst ja abgewickelt werden müsste - und die Altaktionäre wahrscheinlich mit deutlich weniger aus der Sache heraus kämen.

Mal schauen, wie sich das weiter entwickelt ...

Mittwoch, 30. November 2011

Erneute Zentralbankintervention am Geldmarkt

Erneut haben wichtige Zentralbanken Hilfe für den Geldmarkt angekündigt. Die Gruppe der beteiligten Staaten ist diesmal sogar noch größer als letztes Mal (The Bank of Canada, the Bank of England, the Bank of Japan, the European Central Bank, the Federal Reserve and the Swiss National Bank). Was wurde angekündigt:
  1. Banken können sich Fremdwährung billiger bei den Zentralbanken leihen als bisher angeboten wurde.
  2. Das Angebot wird bis mindestens Anfang 2013 verlängert.
  3. Es können nicht nur Euro/US-Dollar sondern alle Währungen der beteiligten Zentralbanken von den Banken geliehen werden.
"These central banks have agreed to lower the pricing on the existing temporary US dollar liquidity swap arrangements by 50 basis points so that the new rate will be the US dollar Overnight Index Swap (OIS) rate plus 50 basis points. This pricing will be applied to all operations conducted from 5 December 2011. The authorisation of these swap arrangements has been extended to 1 February 2013. In addition, the Bank of England, the Bank of Japan, the European Central Bank, and the Swiss National Bank will continue to offer three-month tenders until further notice.

As a contingency measure, these central banks have also agreed to establish temporary bilateral liquidity swap arrangements so that liquidity can be provided in each jurisdiction in any of their currencies should market conditions so warrant. At present, there is no need to offer liquidity in non-domestic currencies other than the US dollar, but the central banks judge it prudent to make the necessary arrangements so that liquidity support operations could be put into place quickly should the need arise. These swap lines are authorised through 1 February 2013."

Das alles zeigt eigentlich nur einmal mehr, dass die Situation mittlerweile wirklich, wirklich brenzlig ist. Warum die Aktienmärkte einen Freudenhüpfer machen, ist mir ehrlich gesagt unklar.

Dienstag, 29. November 2011

Europa

Ein wichtiger Artikel zur europäischen Integration findet sich in der ZEIT von vergangener Woche. Jan Ross schreibt darin über die Besonderheit des EU-Gebildes und erörtert die Perspektiven. Und schließt:
"Der Erfolg der EU und ihrer politischen Philosophie ist mitnichten gesichert. Im Gegenteil: Die Gefahren und Gegenkräfte sind so stark wie seit Jahrzehnten nicht. Doch etwas Besonderes ist das europäische Projekt – ein historischer und globaler Sonderfall, vielleicht auch ein Modell. Aus einem Coffeeshop in Lahore jedenfalls, von einem gespaltenen, waffenstarrenden Subkontinent, wo Männer noch Männer sind und Bomben noch Bomben, schaut man mit ungläubigem Staunen auf dieses Europa. Aber mit ein wenig Neugier und Sehnsucht auch."
Wir werden sehen, in welche Richtung die Schuldenkrise Europa lenken wird. Ich glaube momentan eher hin zu mehr Integration (so wie es in den vergangenen Dekaden schon oft Krisen getan haben).

Bundesbank kauft Staatsschulden?

Die Schuldenkrise produziert so viele außergewöhnliche Ereignisse, dass man schon mal durcheinander kommen kann, weil man so viele Sachverhalte einschätzen muss, von denen vorher bei denen, die nicht direkt damit zu tun hatten, nie die Rede war.

Guido Tabellini bezieht sich in seiner VoxEU-Kolumne auf die "misslungene" Auktion von Bundesanleihen vergangene Woche und schreibt, dass die Bundesbank als "lender of last resort" für Bundesanleihen fungiert.
"At the time of writing, last week’s auction of German government bonds remains unsold. This is the latest confirmation of what is now widespread distrust. Yet, paradoxically, this could also help to unblock the situation, for two reasons:

First, it has made clear to everyone that, despite its rhetoric, the Bundesbank actually continues to act as lender of last resort, at least temporarily, to the German state. The securities sold at auction because they were absorbed by the Bundesbank, which always plays this role to ensure the liquidity of German securities."
Direkt nach der Auktion hatte ich das erst auch so verstanden. Es ist aber wohl so, dass die Bundesbank zwar die Abwicklung des Verkaufs der Anleihen, die nicht in der Emissionsauktion abgesetzt werden konnten, übernimmt - aber auf Rechnung des Bundes bzw. seiner Schuldenagentur.

Freitag, 25. November 2011

Eurobonds?

Auch wenn die deutsche Regierung öffentlich Eurobonds immer noch verdammt, scheint mir das Pendel in den letzten Tagen doch wieder von einer stärkeren Einbindung der EZB bei der Kriseneindämmung hin zu Eurobonds zu tendieren.

Auf VoxEU macht John Muellbauer einen weiteren Designvorschlag für konditionale Eurobonds, bei dem hochverschuldete Staaten Risikoprämien an die Staaten mit AAA-Rating zahlen müssten, wenn sie das Angebot für eine gemeinsame Refinanzierung, annehmen würden:
"Europe’s economic outlook could be rapidly transformed. A German bilateral loan offer to Italy, followed by the announcement that conditional Euro-treasury bills would follow shortly, and that consultations were beginning on conditional Eurobonds, could be made within days. The yields on Italian government bonds would drop, followed by those of Portugal and Spain. Share prices of European banks holding Italian bonds would rise, restoring their ability to lend. The ECB’s recent interventions in the Italian and Spanish bond markets would make a large profit. Speculators who have shorted sovereign debts of Italy and others could finds themselves skating on thin ice.

There is, however, an alternative. Germany could prove itself not to be a good European and instead clutch disaster from the jaws of victory over fiscal irresponsibility, unreformed labour markets, and corruption in the southern fringe of Europe. German inaction could trigger the most severe crisis since the collapse of Lehman Brothers."

Eigentlich wäre mal eine Aufstellung aller Vorschläge fällig. Mittlerweile schwirren ja schon Duzende von Eurobond-Vorschlägen durch die Diskussion. Mal sehen, ob ich dazu komme ...

Donnerstag, 24. November 2011

Details zur Konjunktur in Q3

Heute wurden die Details zur Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal in Deutschland veröffentlicht. Bottom Line: Starke Binnennachfrage und der Außenhandel wird von den Problemen in anderen Ländern erfasst, so dass er wieder nur wenig zum Anstieg der Nachfrage beiträgt.

Insgesamt genau das, was man in der derzeitigen Situation erwarten würde (Probleme in vielen anderen Ländern, sehr niedrige Zinsen für Deutschland).

Mittwoch, 23. November 2011

Staatsanleihekäufe und Moral Hazard

Paul De Grauwe schreibt dazu auf VoxEU:
"Like with all insurance mechanisms there is a risk of moral hazard. By providing lender of last resort insurance, the ECB gives an incentive to governments to issue too much debt. This is indeed a serious risk. But this risk of moral hazard is no different from the risk of moral hazard in the banking system. It would be a terrible mistake if the central bank were to abandon its role of lender of last resort in the banking sector because there is a risk of moral hazard. In the same way it is wrong for the ECB to abandon its role of lender of last resort in the government bond market because there is a risk of moral hazard.

The way to deal with moral hazard is to impose rules that will constrain governments in issuing debt—very much like moral hazard in the banking sector is tackled by imposing limits on risk-taking by banks."
Ich denke der Vergleich zeigt ganz gut, dass man das Moral-Hazard-Problem über zusätzliche Regulierung regeln sollte; dass man aber auf der anderen Seite nicht ein institutionelles Feature - den Lender-of-last-ressort für Staatsanleihen -, das man zur Verhinderung von Panikattacken für wichtig befunden hat, grundweg ablehnen sollte.

Deutsche Lügen

Wolfgang Münchau schreibt auf SPON über die "zwei deutschen Lügen", die eine Lösung der Schuldenkrise im Euroraum verhindern.
"Die erste dieser Lügen betrifft die Ursachen der Krise. In Deutschland glaubt fast jeder, dass die Krise durch schlechte Haushaltspolitik verursacht wurde. Das ist falsch. Natürlich hat Griechenland alle Regeln einer guten Haushaltspolitik gebrochen - aber nicht Spanien, nicht Portugal, nicht Irland, nicht Italien, nicht Frankreich, nicht Österreich, nicht Belgien. Der Grund, warum wir heute in diesem existentiellen Schlamassel stecken, hat nichts, aber auch gar nichts mit den Verfehlungen eines kleinen Landes in der fernen südöstlichen Ecke der Währungsunion zu tun. Die Krise betrifft mittlerweile Länder, von denen sich die meisten an die Regeln hielten."
Ich halte diese verfehlte Wahrnehmung auch für außerordentlich wichtig für die Erklärung der bislang misslungenen Lösungsversuche. Denn sie richtet den Fokus zu stark auf die öffentliche Verschuldung und führt zur Empfehlung von kurzfristigen Sparprogrammen, die - bei aller mittel- bis langfristigen Konsolidierungsnotwendigkeit - das Verschuldungsproblem der betroffenen Staaten noch verschlimmern.
"Die zweite Lüge ist die Inflationslüge, wonach Deutschland aufgrund seiner historischen Erfahrungen mit der Inflation mehr als andere Staaten auf dem Prinzip der Preisstabilität beharrt. Diese Lüge wird momentan angeführt, um zu verhindern, dass die Europäische Zentralbank in großem Maße Anleihen aufkauft. Angeblich würde das die Inflation ankurbeln.

Ob es in den jetzigen Zeiten tatsächlich zu einer Inflation käme, sei einmal dahingestellt. Interessanter ist die Lüge an sich, denn die deutschen wirtschaftshistorischen Erfahrungen sind gar nicht einmal so fundamental anders als die anderer Länder. In Deutschland blendet man gerne die dreißiger Jahre aus - nicht nur die mittleren und späteren, auch die früheren. War es wirklich die Inflation der frühen zwanziger Jahre, die, anstelle der Deflation der frühen dreißiger Jahre, Hitler an die Macht brachte?"
Hier bin ich geschichtswissenschaftlich zu wenig bewandert, als dass ich einen Kommentar dazu abgeben könnte. Aber das Thema wird auch in anderen Blogs heiß diskutiert (z.B. FT Alphaville, Herdentrieb). Ich denke aber auch, dass das Inflationsgespenst nicht hinter der nächsten Ecke nur darauf wartet, dass die EZB stärker bei der Eindämmung der akuten Krise hilft, und sofort rauskommen würde ...!

Weiteres Alarmsignal

Jetzt wird sogar schon Deutschland nicht mehr alle Anleihen bei Neuemissionen los. Heute geschehen. Für rund 2 % fanden nur 35 % der Anleihen einen Abnehmer.

Dienstag, 22. November 2011

Refinanzierungsprobleme Spaniens

Von Bloomberg:
"Spain sold three-month bills at an average yield of 5.11 percent, compared with 2.292 percent the last time they were sold on Oct. 25. That’s more than the 4.63 percent paid by Greece, which received a European Union-led bailout last year, at an auction on Nov. 15. The Spanish Treasury also sold six- month bills at 5.227 percent, up from 3.302 percent last month."
(Zum Vergleich: Deutschland zahlt für Anleihen mit drei Monaten Laufzeit momentan 0,17 %.)

Entweder verstehe ich irgendwas Fundamentales nicht oder wir haben wieder ein Indiz für "irrationale" Kapitalmarktbewegungen. Denn: Was ist das Risiko, dass Spanien - sicher ein Land mit Problemen und langfristigen Herausforderungen, aber einer Schuldenquote, die deutlich unter der Deutschlands liegt - im Februar 2012 diese jetzt emmittierten Anleihen nicht zurückzahlen kann?

Inflationserwartungen

Weil im Zuge der Diskussion um die Schuldenkrise wieder vermehrt Inflationssorgen aufkommen, hier noch mal die aktuellen Zahlen: Auf Basis deutscher inflationsindexierter Staatsanleihen berechnen sich für den Euroraum Inflationserwartungen für in 5 Jahren von 1,2 %, für in 7 Jahren von 1,3 % und für in 10 Jahren von 1,4 %.

Wenn überhaupt, dann ist die Wirtschaftspolitik im Euroraum also derzeit - selbst nach den formalen Vorgaben, die viele für nicht optimal halten - viel zu restriktiv.

Finanzstressindikator, Ergebnisse für Oktober

Der Stress im Finanzsektor in Deutschland ist im Oktober hoch geblieben. Das besagt auch die Auswertung des von mir monatlich berechneten Finanzstressindikators.

Der Indexwert ging ggü. September nur leicht von (herabrevidierten) 3,19 auf 3,03 zurück. Die Schuldenkrise im Euroraum hat die Finanzmärkte immer noch fest im Griff ...

Freitag, 18. November 2011

Erste Debatte über FAZ-Blog-Beitrag

Eine der ersten Beiträge auf dem neuen FAZ-Wirtschaftsblog hat direkt eine heftige Debatte ausgelöst.

Sowohl Mark Schieritz als auch Kantoos greifen Rainer Hanks Aussagen an, dass die überdimensionierten Wohlfahrtsstaaten an der Krise schuld seien. Schließe mich der Empörung in weiten Teilen an, habe aber leider gerade keine Zeit für längere Ausführungen.

Entweder oder?

Aus einem Artikel des Handelsblattes:
"Selbst wenn die EZB zum „lender of last resort“ (Kreditgeber letzter Instanz) würde, würde das nach Schäubles Einschätzung lediglich „vielleicht paar Monate eine gewisse Ruhe“ schaffen. Stattdessen müsse Europa wirtschaftlich und politisch enger zusammenrücken und sich verbindlich an die gemeinsamen Regeln halten."
Ich denke, dass ist keine Frage des "entweder oders", bzw. des "stattdessen": Um die langfristige Funktionsfähigkeit als entwickelter Währungsraum zu sichern, brauch der Euroraum sowohl einen "lender of last resort" als auch eine stärkere Koordinierung der Wirtschaftspolitik und eine automatischere und sanktionsbehaftetere Durchsetzung der Spielregeln.

Donnerstag, 17. November 2011

Sinn und Target 2, Klappe die ?

Nachdem ich zwischenzeitlich aus Medienbeiträgen und Gesprächen den Eindruck gewonnen hatte, dass H.-W. Sinn zumindest von seiner Aussage, dass sich die Target-2-Forderungen, die sich im Zuge der Schuldenkrise im Euroraum aufgebaut haben, negativ auf die Kreditvergabe in Deutschland auswirken würden, scheint die These nun zurück zu sein:
"Hinter den Target-Krediten steht keine autonome Politikentscheidung der Bundesbank und kein direkter Geldverleih. Nach den Statuten der EZB hat jede Zentralbank das Recht, mehr Geld in ihrem Hoheitsgebiet zu schaffen und an die Banken zu verleihen, als es der jeweiligen Wirtschaftsleistung entspricht und als im Inneren des Landes für die Geldversorgung benötigt wird. Nimmt sie dieses Recht in Anspruch, zwingt sie die anderen Notenbanken, in diesem Fall vornehmlich die Bundesbank, die Geldversorgung auf dem Wege der Kreditvergabe einzuschränken."
Bislang hat mir noch keiner erklären können, wieso aus den Target-2-Forderungen der Deutschen Bundesbank Kreditvergaberestriktionen für deutsche Banken entstehen, wo diese sich doch so viel Liquidität bei der EZB holen können, wie sie möchten (bzw. wie sie Sicherheiten vorweisen können). Tatsache ist allein: Derzeit greifen die deutschen Banken nur sehr geringfügig auf diese Option zurück, weil sie ihren Liquiditätsbedarf über Spareinlagen decken.

Und wieder mal ein Kuriosum, ...

... das in Folge der Schuldenkrisen auftritt: In der Schweiz sind die Zinsen für kurzfristige Staatsschuldtitel schon über einen signifikanten Zeitraum negativ, wie die ZEIT berichtet.


(ht: Uwe Jensen)

Mittwoch, 16. November 2011

Dominotheorie

Wolfgang Münchau zeigt auf SPON die Probleme des "Krisenmanagements in kleinen Schritten" auf.
"Es ist eine der wichtigsten Lektionen der Krisenpolitik in Argentinien, dass man die Krise frühzeitig und entschlossen lösen muss. So oder so. Je länger man wartet, desto teurer wird es für alle Beteiligten. Auch diese Lektion hat man weder in Berlin noch in Brüssel und Frankfurt verstanden. Angela Merkel und ihre Kollegen handeln immer erst dann, wenn die Märkte in Panik ausbrechen."
... und ein Ende ist derzeit noch nicht in Sicht ...

Dienstag, 15. November 2011

Konjunktur in Q3

Das (reale) Bruttoinlandsprodukt hat im dritten Quartal in Deutschland um 0,5 % zugelegt. Der Wert für das zweite Quartal (bei dem sowieso keiner verstanden hatte, warum er so schwach war) wurde von 0,1 % auf 0,3 % hochrevidiert.

Für die nächsten Quartale ist aber mit einer deutlich schlechteren Entwicklung auszugehen.

Samstag, 12. November 2011

Donnerstag, 10. November 2011

Debatte über Einkommensungleichheit

In den USA tobt in Folge der Occupy Wall Street (OWS) Proteste eine Debatte um die Frage, wie sich die Einkommensungleichheit entwickelt hat, d.h. wer sind diejenigen, die in den vergangenen Dekaden profitiert haben, und wer hat verloren - und was dafür verantwortlich ist.

Zwei Beispiele: R. Rajan meint, dass das meiste an Ausbildungsdifferenzen liegt und generell die obere Mittelschicht und die Topverdiener von veränderten Arbeitsanforderungen profitiert hätten, während schlechtausgebildete "auf der Strecke geblieben" sind.

Allerdings zeigt P. Krugman, dass es wirklich nur das oberstel 1 % der Einkommensverteilung ist, was gewonnen hat (siehe auch hier) und dass ein Großteil davon auf Steuererleichterungen zurückgeht.

Ich selber kenne mich in den Daten nicht genug aus, um zu sagen, wer Recht hat - aber jedenfalls wird die Debatte dort deutlich heftiger geführt als in Deutschland. Aber vielleicht ändert sich das ja noch. Der SVR hat jedenfalls auch ein Kapitel zur Einkommensverteilung in Deutschland im gestern veröffentlichten Jahresgutachten.

Letzte Rettung EZB?

Mit dem Überschwappen der Schuldenkrise nach Italien flammt die Diskussion über die Rolle der EZB in dem ganzen Schlamassel wieder auf.

Erstmal vorweg: Sollte es hart auf hart kommen und sich die Schuldenkrise in Italien weiter zuspitzen, dann wird (und sollte) die EZB so oder so handeln und italienische Staatsanleihen kaufen, um einen finanziellen Kollaps der Eurozone zu verhindern.

Die Fragen, die sich nun stellen, sind: Soll man es (mal wieder) so weit kommen lassen? Oder wäre es nicht endlich Zeit präventiv zu handeln? Wäre es nicht endlich Zeit zuzugeben, dass wir ein institutionelles Re-Desing im Euroraum brauchen, das wir das aber nicht auf die Beine stellen können, wenn es jeden zweiten Tag an einer anderen Ecke brennt?

Ein Szenario wäre: Die EZB (oder die EFSF, aber die hat eben nur begrenzte Mittel zur Verfügung) setzt in dem Moment, wo sich Italien verbindlich zu einem langfristigen Konsolidierungspfad verpflichtet, der von IWF, EZB und EU-Kommission bei Androhung von Sanktionen überwacht wird, eine Obergrenze für die Rendite auf italienische Staatsanleihen, d. h. eine Untergrenze für den Preis der Anleihen. Idealerweise mit dem Hinweis, dass diese Grenze für die Anleihenpreise bei positiver Bewertung des Konsolidierungsprogramms jederzeit angehoben werden könnte. Die EZB würde diese Grenze mit unbegrenzten Mitteln verteidigen. Geschähe dies, stünden die Chancen nicht schlecht, dass die EZB gar nicht viele Mittel aufwenden müsste, weil niemand die Grenze testen will, um dabei Geld zu verlieren.

Die schweizer Nationalbank hat mit einem solchen Vorgehen jüngst den Kurs des schweizer Frankens zum Euro erfolgreich bewegt, ohne dafür effektiv Geld einzusetzen.

Nachdem dann der Stress im Finanzsystem gesunken ist, kann man sich in Ruhe darüber unterhalten, woran die Schuldenkrise gelegen hat und welche neuen Strukturen notwenig sind - aber das Gehangel von Krisengipfel zu Krisengipfel und das Agieren immer erst, wenn es fast zu spät ist, verteuert die ganze Sache unnötig und erschwert die richtige Neugestaltung des Euroraums.

Update: Krugman-Interview zum Thema im Handelsblatt.

CDU-Vorschlag zu EZB-Stimmrechten

Ich habe große Bauchschmerzen mit dem Vorschlag, über den auf dem CDU-Parteitag debattiert werden soll und nach dem die Stimmrechte im EZB-Rat nach der höhe des Kapitals berechnet werden sollen. Gleiches hat auch ifo Präsident H.-W. Sinn in der Vergangenheit gefordert.

Hier mein Problem: Wenn nun der deutsche Vertreter im EZB-Rat aufgrund der Tatsache, dass ihn Deutschland entsendet, ca. 27% der Stimmrechte haben würde (anstatt wie heute 1/(17+6)), dann würde das ja implizit bedeuten, dass er dort auch die Interessen des Kapitalgebers, also Deutschlands, zu vertreten hat (eine andere implizite Begründung für eine Gewichtung der Stimmen gibt es nicht). Nun soll der EZB-Rat aber den Euroraum als Ganzes im Blick haben und es ist bei der Ausarbeitung der Institutionen viel Wert darauf gelegt worden, dass nationale Perspektiven keine Rolle spielen sollen.

Also, mein Plädoyer: Macht die EZB europäischer und nicht deutscher!

Sinns Target 2-Debatte

Hans-Werner Sinn wettert weiter an allen Ecken und Enden gegen das Zahlungsausgleichssystem für Banken im Euroraum (Target 2). Nachdem schon am 28.10. ein Beitrag im Handelsblatt erschienen war, gibt es heute (leider noch nicht online) noch mal das Gleiche zu lesen.

Den heutigen Beitrag schließt er mit der Aufforderung:
"Wann wacht die Politik endlich auf und beschäftigt sich mit diesem Vorgang?"
Das Problem, dass ich sehe ist, dass ich in der Öffentlichkeit von H.-W. Sinn noch in keinem der zahllosen Beiträge einen Vorschlag gelesen habe, wie denn die Regeln des Euroraums geändert werden sollten. Über eine Beschreibung der Realitäten gehen die Beiträge nicht hinaus.

Im Moment ist es jedenfalls so, dass sich alle Banken des Euroraums bei der EZB refinanzieren können - und wenn dabei Ungleichgewichte zwischen den Staaten auftreten, dann ist das erstmal so. Wenn Herr Sinn vorschlägt, die Regeln zu ändern, und so das griechische, spanische, irische und italienische Bankensystem austrocknen - und damit die Länder in einer Depression stürzen - will, dann soll er das mal genau so im Handelsblatt schreiben. Oder eben einen alternativen Handlungsvorschlag ... damit es etwas Konkretes gibt, mit dem sich die Politik beschäftigen kann.

Außerdem stimmt es ja nicht, dass sich die Politik überhaupt nicht mit dem Vorgang beschäftigt. Die EZB hat dazu geschrieben - und gestern auch der SVR.

Update: Hier noch der Link zum Arbeitspapier des ifo Instituts über die Thematik.

Mittwoch, 9. November 2011

Abgesänge auf den Euro

Nachdem die Ankündigung des Rücktritts von Berlusconi nicht zu einer Beruhigung der Lage beigetragen hat, sondern sie noch deutlich verschärft hat (Die Renditen italienischer Staatsanleihen steigen rasant - und eigentlich ist das auch nicht verwunderlich, denn nach der Rücktrittsankündigung ist die Unsicherheit darüber, wie die italienische Politik nach dem Jahreswechsel aussehen wird, noch größer geworden. Eigentlich müssten schnell klare Verhältnisse geschaffen werden und sich das gesamte politische Spektrum auf einen langfristigen Konsolidierungspfad einigen.), werden die Abgesänge auf den Euro lauter.

Z. B. Martin Wolf in der FT (wenn Link nicht geht, über Google auf den Artikel zugreifen):
"Only fear of the consequences of a break-up is now keeping it together. The question is whether that will be enough. I suspect the answer is, no."
Und weiter:
"The crisis will be over if and only if weaker countries regain competitiveness. At present, their structural external deficits are too large to be financed voluntarily."
Und diese notwendige Anpassung (bei festen nominalen Wechselkursen im Euroraum) erleichtert man eben nicht dadurch, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit meint, das Inflationsgespenst zu sehen und laut vor ihm warnen zu müssen.

SVR-Gutachten

Der Sachverständigenrat (die 5 Wirtschaftsweisen) hat heute sein Gutachten vorgestellt. Darin steht (wen wundert's?) ziemlich viel über die Schuldenkrise im Euroraum. Der Rat benennt zwar auch die hervorgehobene Rolle Deutschlands bei der Lösung der Krise, sieht aber in erster Linie die "Krisenländer" mit weiteren Sparanstrengungen am Zuge:
"Bei der Bewältigung der Krise im Euro-Raum ist der deutschen Wirtschaftspolitik eine besondere Verantwortung zugewachsen. Sie hat sich dieser Herausforderung letztlich gestellt, insbesondere mit der deutlichen Ausweitung des Handlungsspielraums der EFSF. Aber man darf sich keinen Illusionen hingeben: Die langfristige Stabilisierung des Euro-Raums steht noch aus. Hier sind vor allem die Problemländer gefordert, die Konsolidierung konsequent fortzusetzen und notwendige Strukturreformen mutig in Angriff zu nehmen. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Anstrengungen durch die allgemeine Verunsicherung der Investoren und steigende Risikoprämien unterlaufen werden Für diesen Fall wird in diesem Gutachten das Konzept eines Europäischen Schuldentilgungspakts zur Diskussion gestellt. Er verbindet eine glaubwürdige Konsolidierungsperspektive mit einer umfassenden kurzfristigen Absicherung des europäischen Finanzsystems."
Für die deutsche Konjunktur ist der SVR - wie die Gemeinschaftsdiagnose - verhalten optimistisch:

Renditen für Anleihen Italiens

Jetzt haben sich die Anleger nachhaltig auf Italien eingeschossen. Die Renditen steigen - trotz Ankündigung von Berlusconis Rücktritt - unaufhörlich.

Jetzt ist schleunigst die Politik gefordert, damit nicht die Situation eintritt, in der Italien die Refinanzierung an den Märkten einstellt und sich unter die EFSF flüchten will.

Donnerstag, 3. November 2011

Draghis gelungener Einstand

Mario Draghi hat seine erste Pressekonferenz - nach der heutigen Zinssenkung - gut gemeistert. Das sieht auch die FAZ in einem sehr positiv gestimmten Kommentar so. (Da hat man in letzter Zeit auch schon Ressentiment-geladenere Beiträge gelesen.) Ich bin da gar nicht bange, dass er sich auch bei der EZB als guter Zentralbanker erweisen wird.

Einzig die Meinung, dass sich die Geldpolitik an der aktuellen Inflationsrate orientieren sollte (und nicht der für die nähere Zukunft erwarteten, den langfristigen Inflationserwartungen oder zumindest der Kerninflationsrate) ist aus der Öffentlichkeit nicht zu verbannen.
"Über den Zeitpunkt kann man sicher streiten - die EZB hätte angesichts einer Inflationsrate von 3 Prozent bis Dezember warten können."
Allerdings relativiert die FAZ die Aussage später selber:
"Denn wegen der schwachen Konjunktur und aufgrund von Basiseffekte werde die [Inflations-]Rate im nächsten Jahr unter 2 Prozent sinken."

Turbulenter Tag

Nachdem die EZB bei ihrer ersten Sitzung unter dem neuen Präsidenten überraschenderweise direkt den Zinssatz um 25 Basispunkte gesenkt hat - und damit auf die Rezessionsgefahr und niedrigen Inflationserwartungen im Euroraum reagiert hat -, scheint es so zu sein, dass die griechische Regierung am Ende ist. Medienberichten zu Folge soll eine Übergangsregierung aus "Technokraten" gebildet werden.

Jedenfalls ist es im Moment schwer, mit den Ereignissen im Euroraum mitzuhalten ...

Mittwoch, 2. November 2011

Schuldensünder der Vergangenheit

Die FTD listet auf, welche Staaten in der Vergangenheit schon am häufigsten in eine staatliche Zahlungsunfähigkeit (-unwilligkeit) geraten sind. Die Rangliste:
  1. Spanien
  2. Frankreich
  3. Russland
  4. Argentinien
  5. Deutschland
  6. Mexiko
  7. Großbritannien
  8. Griechenland

Dienstag, 1. November 2011

Eurokrise nicht tot zu kriegen

Nach der Ankündigung eines Referendums über die neuen Hilfspakete für Griechenland in Griechenland wird klar, dass die Krise alles andere als vorbei ist.

Paul Krugmans - soll man sagen? - Nachruf auf den Euro:
"I’ve been charting this trainwreck for a couple of years, and am feeling too weary to trace through it again right now. Let’s just say that the euro was an inherently flawed idea that can work only given a strong European economy and a significant degree of inflation, plus open-ended credit to sovereigns facing speculative attack. Yet European elites embraced the notion of economics as morality play, imposing across-the-board austerity, tightening money despite low underlying inflation, and have been too concerned with punishing sinners to notice that everything was going to blow apart without an effective lender of last resort."
Auch Bradford DeLong führt die Probleme in erster Linie auf ein zu enges Verständnis von Geldpolitik, d.h. der Rolle der Zentralbank zurück. In die gleiche Richtung ging auch unsere Meinung im Herbstgutachten.

Allerdings gibt es tatsächlich das Problem, dass das Währungsgebiet aus einzelnen fiskalischen Gebieten besteht, die politisch wohl noch nicht reif für eine gemeinsame Finanzpolitik sind. Deswegen müsste, sollte die EZB die Rolle des "Lenders of Last Resort" wirklich zugewiesen bekommen, bzw. ausüben, durch andere wirkungsvolle Mechanismen sichergestellt werden, dass kein Moral Hazard entsteht, d. h. dass nicht einzelne Länder auf kosten der anderen eine zu laxe Finanzpolitik betreiben. Das geht meiner Meinung nach nur über i) Automatismen (und nicht zwischenstaatliche Verhandlungen/Entscheidungen im Einzelfall) und ii) innerhalb der (zu ändernden) Europäischen Verträge (und nicht über nationale Schuldenbremsen, die im Ernstfall schnell Makulatur wären).

Allerdings ändert dies alles nichts daran, dass sich zeigt, dass wir entweder einen "Lender of Last Resort" brauchen oder das Finanzsystem (unter Verzicht auf heimische risikolose Wertpapiere) so regulieren müssen, dass Staatsinsolvenzen keine qualitativ anderen Auswirkungen mehr hätten als, sagen wir, die Insolvenz eines Großunternehmens. Aber das würde eben eine Menge mehr Regulierung und deutlich höhere Kapitalquoten erfordern ... und löst auch nicht die akuten Probleme, in denen wir stecken.

Montag, 31. Oktober 2011

Fresh and salt water

Nachdem die Verleihung des diesjährigen Wirtschaftsnobelpreises das Thema wieder auf die Agenda gehoben hat, weist Paul Krugman darauf hin, dass Robert Hall seinen Aufsatz aus den 1970er Jahren, in dem er diese Einteilung erstmals einführte, online gestellt hat.

Noch mehr sparen?

Da frage ich mich dann doch, wer die 23,1 % der "FTD-Schattenräte" sind, die glauben, wenn wir nur noch mehr restriktive finanzpolitische Impulse zulassen, sänke die Gefahr eines Abrutschens in einer neue Rezession:
2. Was müsste noch geschehen, um das Risiko einer tieferen Rezession spürbar zu verringern?
a) es bräuchte einer Garantie der Staatsschulden aller gefährdeten Länder durch einen entsprechend größeren EFSF oder die EZB als lender of last resort 38,50
b) die Konsolidierungsprogramme müssten gestreckt oder gelockert werden 38,50
c) die Konsolidierungsprogramme müssten verschärft werden 23,10
d) die Politik kann das Risiko (derzeit) nicht beeinflussen 0,00
Siehe auch diesen Post zu dem Thema.

Freitag, 28. Oktober 2011

(Nicht ganz ernstzunehmendes) Stromberg-Interview im Handelblatt

Bernd Stromberg erklärt im Handelblatt, warum alles doch gar nicht so schlimm wird.
"HB: Uns steht also kein Wirtschaftsabschwung bevor?
Stromberg: Auf keinen Fall. Alles wächst. Zum Beispiel die Weltbevölkerung. Es gibt aktuell sieben Milliarden potenzielle Kunden. Für alles Mögliche. Da sind jede Menge Leute dabei, die noch nicht mal ein Zweit-Handy haben. Außerdem wird ja ständig was Neues erfunden. Vor ein paar Jahren gab’s noch keinen Burn-Out und kein iPad. Heute hat beides jeder zweite."

Austerität in Griechenland

Das Handelsblatt schlägt sich noch eindeutiger als bislang auf die Seite derjenigen, die extrem scharfe Austeritätspolitik in der Krise für das falsche Mittel halten (siehe z.B. auch hier).

Donnerstag, 27. Oktober 2011

2.5 %

Die erste offizielle Schätzung für den Anstieg des BIPs im dritten Quartal in den USA liegt bei 2,5 % (annuallisiert). Da lag mein Modell mit 2,6 % gestern ja goldrichtig.

Entzauberung eines Mythos

Das Handelsblatt berichtet über eine Studie, die mal untersucht hat, ob tatsächlich 80 % der weltweiten Steuerliteratur deutsch ist. Und das stimmt natürlich nicht (sondern nur ca. 10 % bis 15 %). So verkompliziert, wie das Vorurteil nahelegt, ist das deutsche Steuerrecht dann also doch nicht - aber viel zu vereinfachen bleibt natürlich trotzdem.

Ergebnisse des EU-Gipfels

So, der "Doppel-EU-Gipfel" ist vergangene Nacht abgeschlossen worden und die Staats- und Regierungschefs haben so einiges beschlossen (was in den nächsten Wochen noch im Detail ausgearbeitet werden muss). Bevor ich mir hier die Arbeit mache, noch mal alles zusammenzufassen, verweise ich auf die Zusammenfassung von Dirk Elsner auf dem Blick Log.

Zusätzlich hier der Link zum Abschlussdokument des EU-Gipfels.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

US-Produktion im dritten Quartal

Morgen wird in den USA die erste Schätzung für die Veränderung des realen BIP veröffentlicht. Mein Kurzfristindikatorprognosemodell sagt auf Basis des derzeitigen Datenstandes eine annuallisierte Rate von 2,6 % voraus. Das wäre ein wenig mehr als wir bei der Gemeinschaftsdiagnose veranschlagt haben.

Für das zweite Quartal lag das Modell kurz vor Veröffentlichung der ersten Daten mit 1,2 % sehr gut (ausgewiesener Wert: 1,3 %). Ehrlicherweise muss man sagen, dass es für das erste Quartal (Prognose damals 3,7 %, ausgewiesener Wert 0,4 %) ziemlich daneben lag - und auch nach heutigem Datenstand den schwachen Produktionszuwachs nicht nachzeichnet.

Mal schauen, wie die Zahlen morgen aussehen werden.

(Für das Schlussquartal zeigt das Modell wieder eine Abkühlung der Konjunktur an. Dazu passen auch die neuesten Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen.)

Samstag, 22. Oktober 2011

Bankekrise --> Staatsschuldenkrise

Thomas Fricke zeigt in seiner FTD-Kolumne nochmal schön, dass die derzeitigen Probleme mit der höhe der Staatsschulden im Euroraum in erster Linie auf die Bankenkrise/Finanzkrise von 2008 zurückzuführen sind.


Die Staaten haben nämlich (mit der Ausnahme von Griechenland) in den Jahren vor 2008 keine unverantwortliche Budgetpolitik betrieben - deswegen ist eine nun oft geforderte Verschärfung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes nicht die Lösung für die Art von Krise, wie wir sie gerade erleben!

Fricke verweist in seinem Text auf die Arbeiten von Reinhart und Rogoff:
"Wie Reinhart und Rogoff in historischen Studien herausfanden, hat fast jede Bankenkrise irgendwann zu ernsten Problemen in den Staatsfinanzen geführt, manchmal zu Pleiten: "Bankkrisen sind gute Frühindikatoren für Staatsschuldenkrisen", so die Forscher. Man beachte die Wirkungsrichtung."
Deswegen ist es scheinheilig, wenn die Bankelobby in der Öffentlichkeit weismachen möchte, dass es momentan keine Bankenkrise geben würde.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Verbot von Länderratings

Traurig, zu was für populistischen und sinnlosen Maßnahmen die Politik in der Schuldenkrise immer wieder neigt.

Die FAZ über die EZB

Anlässlich des Wechsels von Trichet zu Draghi beschreibt die FAZ, welche Probleme sie mit der "neuen" EZB hat. Ein paar Anmerkungen:
"Als die Regeln der gemeinsamen Notenbank Anfang der neunziger Jahre festgezurrt wurden, da lobte selbst der damalige Bundesbank-Präsident Helmut Schlesinger die Verpflichtung auf ein einziges Ziel: Preisstabilität. [...] In Europa [...] sollten die Notenbanker nur darauf achten, dass der Euro eine harte Währung bleibt. Alles andere hatte sie tunlichst nicht zu interessieren."
... es ist aber ja nicht schlecht, wenn man Fehler korrigiert und in der Praxis auch die Finanzstabilität nicht den Bach runter gehen lässt (siehe auch hier und hier).
„Finanzstabilität“ wurde auf einmal als zweites Ziel der Notenbank neben „Preisstabilität“ genannt. Mit zwei Zielen aber wurden gerade die Zielkonflikte geschaffen, die ihre Gründungsväter vermeiden wollten. Was macht die EZB künftig, wenn die Geldwertstabilität höhere Zinsen verlangt, die Finanzstabilität aber niedrigere?"
... i) bislang hat die EZB noch keine Maßnahme getätigt, die zeigen würde, dass ihr die Preisstabilität neuerdings egal ist. Im Gegenteil: Anfang des Jahres hob sie die Zinsen an, obwohl das viele (hier und hier) als Fehler brandmarkten ... von Taubenhaftigkeit war da wenig zu spüren. ii) Ohne jetzt ein formales Modell bereit zu haben, kann ich den zwangsläufigen Zielkonflikt zwischen Preis- und Finanzmarktstabilität nicht so recht erkennen: In meiner Welt jedenfalls dürfte nach einer heftigen Finanzmarktkrise die Kreditvergabe sinken und in der Folge auch Produktion und Preise, d.h. durch Verhinderung von Finanzmarktinstabilitäten kann die Notenbank auch gravierende Abweichungen nach unten von ihrem Ziel verhindern.
"Die EZB, die Hüterin des Euro, wurde zur EZB, der Retterin der Staaten."
... falsch: Die EZB, die Hüterin der Preisstabilität und der Funktionsfähigkeit des Zahlungsverkehrs im gesamten Euroraum, wurde zur EZB, der Hüterin der Preisstabilität und der Funktionsfähigkeit des Zahlungsverkehrs im gesamten Euroraum.
"In Deutschland wurde er [Trichet] als Franzose kritisch beäugt - in Frankreich als Klon des deutschen Bundesbank-Präsidenten Hans Tietmeyer verunglimpft. Und was hat Trichet gemacht, als es hart auf hart kam? Nun, dass er den deutschen Vertretern im Staatsanleihen-Streit den Rücken gestärkt hätte, ist nicht überliefert."
... nun ja, ich kann nicht erkennen, dass die Position der deutschen Bundesbank in irgendeinem wichtigen Land dieser Erde eine Mehrheit hätte - ganz zu schweigen von der modernen makroökonomischen Wissenschaftscommunity. Und da sollte man doch eher froh sein, dass sich der EZB-Präsident nicht hat von einer Minderheitenmeinung leiten lassen.


Meine Prognose ist, dass Historiker in ein paar Dekaden zu dem Urteil kommen werden, dass die großen Fehler in der Euroschuldenkrise von der Finanzpolitik gemacht wurden. Die EZB-Politik wird wahrscheinlich nicht in der Form kritisiert werden, wie es die Bundesbank-Franktion derzeit tut, sondern eher für eine zu wenig expanisve Geldpolitik.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Bernanke zu stärkerem Fokus auf Finanzstabilität

Ben Bernanke hat auf einer Konferenz in einer Rede über die Auswirkungen der Großen Rezession auf die Art, wie Geldpolitik in Zukunft verstanden werden wird, gesprochen. Unter anderem sagte er:
"My guess is that the current framework for monetary policy - with innovations, no doubt, to further improve the ability of central banks to communicate with the public - will remain the standard approach, as its benefits in terms of macroeconomic stabilization have been demonstrated. However, central banks are also heeding the broader lesson, that the maintenance of financial stability is an equally critical responsibility. Central banks certainly did not ignore issues of financial stability in the decades before the recent crisis, but financial stability policy was often viewed as the junior partner to monetary policy. One of the most important legacies of the crisis will be the restoration of financial stability policy to co-equal status with monetary policy."
Aufgrund ähnlicher Überlegungen haben wir in der Gemeinschaftsdiagnose die Politik der EZB anders bewertet als die Merheit der Institute.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Herbstgutachten der Gemeinschaftsdiagnose

So, das Herbstgutachten der Gemeinschaftsdiagnose ist soeben veröffentlicht worden. Dies sind die Eckdaten für die Prognose der deutschen Konjunktur:

Das gesamte Gutachten könnt ihr hier (unter News) runterladen.

Das schreiben SPON, Handelsblatt, FTD und FAZ in einer ersten Reaktion (bzw. zweiten, denn Teile des Gutachtens waren schon gestern an die Presse durchgesickert).

Im Politikteil gab es nach langer Zeit noch mal abweichende Meinungen. Und zwar vor allem über die Bewertung der EZB-Maßnahmen der vergangenen Zeit. Hierzu ein Auszug aus dem Minderheitenvotum von IWH/Kiel Economics:
"In diesem Gutachten gehen die Institute an verschiedenen Stellen (so in den Abschnitten »Zur Wirtschaftspolitik«, »Zur Geldpolitik« und im Kapitel 6) auf die Reaktionen der EZB auf die Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum ein. Das Konsortium aus IWH und Kiel Economics teilt die diesbezüglich von der Mehrheit der Institute vertretene Position nicht. Unterschiede bestehen bei der Beurteilung der Herabstufung der Bonitätsanforderungen von Sicherheiten im Rahmen der Liquiditätsbereitstellung und in Bezug auf das Programm zum Ankauf von Staatsanleihen (Securities Market Programme, SMP). Darüber hinaus wird auch eine etwaige Aufstockung der EFSF abweichend beurteilt.

Die Unterschiede beruhen im Wesentlichen darauf, dass das Konsortium aus IWH und Kiel Economics das Risiko des Ausbruchs einer schweren Finanzkrise höher einschätzt als die übrigen Konsortien. So ist die Tatsache, dass die Risikoprämien für deutsche Staatstitel jüngst etwas angezogen haben, nach der Einschätzung des Konsortiums aus IWH und Kiel Economics weniger auf das Anwachsen von expliziten Haftungsrisiken des deutschen Staates zurückzuführen, als auf die erhebliche Zunahme von Risiken, die mit einer möglichen Eskalation der Schulden- und Vertrauenskrise zu einer Finanzkrise für die deutsche Wirtschaft verbunden sind.

Eine solche Entwicklung wird unserer Auffassung nach im Euroraum ohne deutliche Interventionen seitens der EZB oder die EFSF in nächster Zeit kaum zu verhindern sein, nicht zuletzt, weil die von allen Konsortien geforderten ordnungspolitischen Lösungen nicht rechtzeitig realisiert werden können."

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Von den USA lernen ...

... heißt Bankenrekapitalisierung richtig durchführen. Schön, dazu einen Artikel im Handelsblatt zu lesen, in dem es am Ende heißt:
"Eine Lehre kann man daraus [, wie die Rettungsprogramme von 2008/2009 in den USA und Deutschland gelaufen sind,] ziehen: Wenn der Staat nun erneut die Banken rettet, muss er sie wie einst Hank Paulson zwingen, Geld anzunehmen - und zwar alle, nicht nur die, die am meisten wanken. Denn auch die Banken, denen es vergleichsweise gut geht, profitieren massiv von der Rettung ihrer schwächelnden Kollegen: Die Rettung von Pleitebanken beruhigt die Finanzmärkte insgesamt. Für diesen externen Effekt sollten alle Banken gleichermaßen bezahlen, indem sich der Staat an ihnen beteiligt. Nur so hat er die Möglichkeit, bei einer Erholung von steigenden Aktienkursen zu profitieren - und die Kosten für die Staatshilfe wieder einzuspielen.

"Wir dürfen nicht einfach Geld über die Theke schieben, sondern müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die Kapital zur Verfügung stellen, in welcher Form auch immer, sich in den Entscheidungsorganen dieser Banken wiederfinden", sagt deshalb Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker im Interview mit dem Handelsblatt. Juncker offenbar hat vom US-Vorbild gelernt: "Ich bin doch nicht von ich-weiß-nicht-wem gebissen, dass ich luxemburgisches Steuergeld einzahle, und die Gewinne teilen die Herrschaften unter sich."
Hilfen nur gegen Aktien - das muss das Motto der nächsten Rekapitalisierungsrunde sein. Und der Staat muss optimalerweise gegen die Banken auch durchsetzen, dass sich die Aktionäre der Banken, die selber nicht direkt am Abgrund stehen - aber von den Hilfen für den Sektor insgesamt profitieren, auch beteiligt werden müssen. Hier gilt es, einfach positive Externalitäten einer Bankenrettung zu besteuern.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Finanzstressindikator, Ergebnisse für September

Der von mir monatlich berechnete Finanzstressindikator ist im September nochmals ordentlich gestiegen:

Gegenüber August stieg er um mehr als einen Punkt von 1,68 auf 3,26. Damit liegt er jetzt so hoch, das sein aktueller Wert nur von den Werten zwischen Oktober 2008 und Januar 2009 übertroffen wird. Es zeigt sich, dass die Schuldenkrise im Euroraum nun auch auf den deutschen Finanzmarkt voll durchgeschlagen ist, nachdem der sich in der ersten Jahreshälte noch erstaunlich robust gezeigt hatte.

Schuldenschnitt?

Jetzt wird es ernster.

Und das meint R. Rajan, ehemaliger Chefvolkswirt des IWF, dazu.

Ab Donnerstag, wenn das Herbstgutachten draußen ist, auch wieder mehr Kommentare.

Montag, 10. Oktober 2011

Harte Zeiten für Zombies?

Jetzt fangen die Zombies wieder an zu jammern. Aus dem Handelsblatt:
"In der deutschen Bankenbranche wächst der Widerstand gegen eine staatlich aufgezwungene Rekapitalisierung. „Das käme einer Enteignung gleich“, sagte ein Spitzenbanker eines großen deutschen Geldhauses der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Solche Eingriffe in die Eigentumsrechte zögen mit Sicherheit rechtliche Schritte nach sich, warnte er. Aus zahlreichen Banken war zu hören, dass man eine „Zwangsbeglückung“ durch den Staat zu verhindern suche."
Siehe auch hier und hier zu der Diskussion, ob denn nun ewige Staatenrettung oder Bankenkapitalisierung angebracht wäre ...

Nobelpreis 2011

Der "Sveriges Riksbank Prize in Economic Sciences in Memory of Alfred Nobel" des Jahres 2011 geht an Christoph A. Sims und Thomas J. Sargent.

Beide haben vor allem auf dem Gebiet der Makroökonomie geforscht. Insbesondere haben sie an der Entwicklung von empirischen Analysemethoden gearbeitet. Dabei ging es ihnen darum, zu erforschen, wie man Erwartungen modellieren und damit Ursache und Wirkung identifizieren kann.

Zur Begündung sagte das Komitee:

"Thomas Sargent has shown how structural macroeconometrics can be used to analyze permanent changes in economic policy. This method can be applied to study macroeconomic relationships when households and firms adjust their expectations concurrently with economic developments. Sargent has examined, for instance, the post-World War II era, when many countries initially tended to implement a high-inflation policy, but eventually introduced systematic changes in economic policy and reverted to a lower inflation rate."

"Christopher Sims has developed a method based on so-called vector autoregression to analyze how the economy is affected by temporary changes in economic policy and other factors. Sims and other researchers have applied this method to examine, for instance, the effects of an increase in the interest rate set by a central bank. It usually takes one or two years for the inflation rate to decrease, whereas economic growth declines gradually already in the short run and does not revert to its normal development until after a couple of years."

Ein Nobelpreis, den man guten Gewissens für die Ökonometrie zählen kann.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Zwangskapitalisierung

Der IWF drängt die Regierungen in Europa endlich das Kernproblem bei der Lösung der Schuldenkrise anzugehen, nämlich die Rekapitalisierung des Bankensektors.

Siehe u.a. dazu auch das Fazit von Ch. Lagarde zu den Annual Meetings des IWFs.
Link
Update: Und so reagiert die deutsche Politik, der SoFFin soll vielleicht wiederbelebt werden.

Donnerstag, 29. September 2011

Brief an die Römer

Die Zeitung Corriere della Sera hat den Brief veröffentlicht, mit dem die EZB die italienische Regierung zu verstärkten Sparanstrengungen und Strukturreformen aufgefordert hat. Das Handelsblatt erzählt die ganze Geschichte.

Ein Auszug:
"In view of the severity of the current financial market situation, we regard as crucial that all actions listed in section 1 and 2 above be taken as soon as possible with decree-laws, followed by Parliamentary ratification by end September 2011. A constitutional reform tightening fiscal rules would also be appropriate."
Update: Und noch eine Stelle aus dem etwas älteren Brief an die Römer von Paulus (Kap. 13,7):
"Deshalb leistet jedem die Schuldigkeiten: dem ein Dienst zusteht, leistet einen Dienst; dem Abgaben zustehen, leistet Abgaben."

Montag, 26. September 2011

Blog-Pause

Aufgrund der Arbeiten für die Gemeinschaftsdiagnose habe ich in den kommenden zwei Wochen nicht so viel Zeit zum Schreiben von Beiträgen.

Freitag, 23. September 2011

Operation Twist

James Hamilton schätzt auf Econbrowser, dass die "Operation Twist" der Fed nicht zu einem dramatischen Rückgang der langfristigen Zinsen führen wird. Präziser: Er hält die Effekte für vernachlässigbar - nämlich von 0 statistisch nicht signifikant verschieden und maximal knapp 10 Basispunkte (Graphik).
Sein Fazit:

"The modest effects that one could reasonably anticipate for a measure like operation twist are easily swamped by other developments, and even a sizable effect on 30-year Treasury yields would not in my mind provide a major stimulus. I think the correct interpretation is that the Fed would like to bring some more stimulus, this was something they could do in that direction, so they did it.

But if you were about to drown, I wouldn't want to count on operation twist as your lifeline to safety."

Das zeigt einmal mehr, dass es sehr schwer ist, dass schon historisch niedrige Zinsniveau weiter zu drücken. (Ganz davon abgesehen, ob eine Reduzierung bei dem Zinsniveau noch große expansive Wirkung hätte.) Eigentlich bleibt als gangbarer Weg nur noch, über Kommunikation dafür zu sorgen, dass die niedrigen Inflationserwartungen wieder steigen - um den Realzins merklich zu drücken.

Bankenkrise 2.0

Vor dem Jahrestreffen des IWF wird immer klarer, dass es um die Stabilität des Bankensystems im Euroraum nicht zum Besten bestellt ist. Der Geldmarkt ist wieder zum Erliegen gekommen und die Aktienkurse der Banken fallen ins Bodenlose. Grund dafür ist, dass viele der Banken große Positionen an Staatsanleihen aus den Ländern, die im Euroraum eine Schuldenkrise durchmachen, haben.

Die EZB bereitet anscheinend schon Maßnahmen vor, um das Finanzsystem zu stützen. Vornehmlich wird es hier wohl um die Wiederaufnahme langer Refinanzierungsgeschäfte gehen. Aber bei weiterhin abwärts weisenden Konjunkturnachrichten, könnte Sie auch relativ schnell über Zinssenkungen nachdenken - das wäre dann das ultimative Eingeständnis, dass das Einschlagen des Zinserhöhungspfades Anfang des Jahes zu voreilig war.

Mögliche Gegenmaßnahmen? Z.B. hier und hier.

NGDP-Targeting vs. Inflation-Targeting

Scott Sumner argumentiert in einem längeren Text in National Affairs für die Vorzüge eines Ziels für das nominale Wachstum des BIP gegenüber einem Inflationsziel für die Zentralbank.
"Nominal GDP targeting is, of course, not the only possible solution to the problems bedeviling monetary policy today. But the solution that offers the most economically plausible alternative — a higher inflation target, between 3% and 4% — is not politically viable. Nominal GDP targeting, on the other hand, offers both a politically and economically sensible alternative, which would be far better equipped to advance stable growth, to overcome the politics of inflation, and to help the Fed avoid discrediting itself. It offers a single target that effectively combines both facets of the Fed's dual mandate, and so should be attractive to those on both the left and the right who argue that the requirement to simultaneously address inflation and unemployment makes it impossible for the Fed to tackle either very well."

Aufgabe von Zentralbanken

Dieter Wermuth greift in einem Beitrag auf Herdentrieb eine These von Charles Goodhart auf, nämlich, dass die eigentliche Aufgabe von Zentralbanken die Sicherung der Finanzmarktstabilität und des Geldwesens ist:
"Die gemeinsame Geldpolitik erfordert im Grunde einen gemeinschaftlichen, also supra-nationalen Ansatz in der Bankenaufsicht. Die EZB ist die Institution, die am besten mit den Geschäften der Banken im Euroland vertraut ist. Wie bei jeder anderen Zentralbank besteht ihre wichtigste Aufgabe darin, das Geldwesen funktionsfähig zu halten. Das ist, obwohl darüber selten offen gesprochen wird, noch wichtiger als die Kaufkraft der Währung zu sichern."
Goodhart schreibt dazu:
"[...] the essence of Central Banking lies in its power to create liquidity, by manipulating its own balance sheet. The question is often asked whether a Central Bank that sets interest rates should also manage financial stability. This question is put the wrong way around. The question should be whether a Central Bank that manages both liquidity and financial stability should also be given the task of setting interest rates. Unlike the essential role of liquidity management, setting official interest rates is not essential for a Central Bank. "
Ich denke, der Aspekt der Finanzmarktstabilität wird sich in den kommenden Jahren deutlicher als ein offizielles Ziel der Notenbanken durchsetzen - auch wenn ich glaube, dass sie dennoch auch für die Preisniveaustabiliät und das Zinsniveau verantwortlich bleiben werden.

Donnerstag, 22. September 2011

Erwartete Inflation niedrig

Die langfristigen Inflationserwartungen für die USA sind derzeit sogar noch niedriger als während des Hochpunkts der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009:

Quelle: Cleveland Fed.

Zusammen mit den historisch niedrigen langfristigen Zinsen ist dies ein ziemlich depressiver Blick auf die kommende wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Jedenfalls scheint der Markt nicht von einer drohenden Inflationskatastrophe auszugehen.