Montag, 31. Januar 2011

Ägypten und Öl

Die Unruhen in Ägypten haben jetzt auch weltweit makroökonomische Auswirkungen. Der Ölpreis (Sorte Brent) stieg heute zeitweise über 100 US-Dollar.


Allerdings war der Preis - wegen der brummenden Weltkonjunktur und wahrscheinlich tausend anderen Faktoren - schon vorher deutlich gestiegen.

Sollte der Anstieg sich als permanent (zumindest für die kommenden Monate) erweisen, dürfte das den Preisauftrieb noch ein bisschen befeuern.

Dienstag, 25. Januar 2011

Deutschland bibbert vor der Inflation

Sonst ja eher ein Freund der Kolumne, Das Kapital, der FTD, muss ich heute mal Widerspruch anmelden. Das Kapital meint mit Blick auf die stark steigenden Großhandels- und Erzeugerpreise, dass ein möglicher Binnenaufschwung nur in hoher Inflation münden könne, die jegliche Reallohngewinne zunichte macht - und damit den Aufschwung im Keim erstickt.

1. Denke ich, dass die zitierten Preisindizes momentan - genau wie der Verbraucherpreisindex - durch Energiepreise und Nahrungsmittelrohstoffpreise getrieben werden, und das sind eher temporäre Faktoren.

2. Denke ich, dass die Lohnzuwächse in den kommenden Quartalen und Jahren noch deutlich zunehmen werden, was aber nicht schlimm ist, sondern geradezu notwendig, um die Balance im Euroraum wieder herzustellen. Bevor die nominalen Löhne nicht um mehr als 3 % steigen, ist jegliches Inflationsgezeter sowieso unangebracht. Und sollte es mehr werden, dann denke ich ist das in der derzeitigen Situation auch nicht das schlechteste.

Die erste Doppelrezession?



Ein Quartal mit Produktionsrückgang ist natürlich noch keine Rezession, aber wie die Dinge stehen, muss man wohl davon ausgehen, dass noch das eine oder andere folgen wird. Anscheinend kann die britische Wirtschaft nicht in ausreichendem Maße von der Abwertung des Pfunds profitieren. Auf der anderen Seite dürfte diese Abwertung maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Inflation im Königreich deutlich über der Zielmarke der Bank von England liegt - und somit weitere stimulierende Maßnahmen seitens der Geldpolitik schwierig machen.

IWF warnt vor hohen Budgetdefiziten

Der IWF warnt in seinem Update zum World Economic Outlook vor den Gefahren der hohen Budgetdefizite in den Industrieländern.
"The most urgent requirements for robust recovery are comprehensive and rapid actions to overcome sovereign and financial troubles in the euro area and policies to redress fiscal imbalances and to repair and reform financial systems in advanced economies more generally."
Ansonsten schraubt der IWF seine Prognose für das Weltwirtschaftswachstum 2011 ein wenig nach oben, weil der Überhang deutlich höher ist als im Herbst vorausgesagt.

Montag, 24. Januar 2011

Schwarzarbeit in Deutschland

Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung schätzt das Volumen der Schwarzarbeit in Deutschland im Jahr 2010 auf knapp 350 Mrd. Euro. Das wären rund 14 % der gesamten offiziellen Wirtschaftsleistung.

Die Studie hört sich aber danach an, dass ziemlich viele Annahmen getroffen wurden. Aber wie sollte es anders sein, wenn man das untersucht, was sich explizit der Messung entzieht ...?

Freitag, 21. Januar 2011

US-Arbeitsmarkt

Hier der Link zu einem Übersichtsbeitrag über den US-Arbeitsmarkt - mit vielen interssanten Statistiken, z.B. über die Ausbildung der Erwerbspersonen:


ifo steigt weiter

Im Januar gab es schon wieder eine positive Überraschung bei der Entwicklung des Geschäftsklimas in Deutschland.


Besonders relevant für die weitere Entwicklung in 2011: Die Geschäftserwartungen haben sich deutlich verbessert. Ein jahresdurchschnittlicher Anstieg des realen BIP von mehr als 3% in 2011 wird damit immer wahrscheinlicher.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Open Access

Die FTD berichtet über den Trend, dass immer mehr wissenschaftliche Beiträge in open-access Zeitschriften veröffentlicht werden. Mein Eindruck ist allerdings, dass dies (zumindest in der VWL) hauptsächlich für das "Mittelklassesegment" gilt - gute Forscher versuchen es immer noch in die renommierten Zeitschriften zu schaffen.

Aber vielleicht sind die in dem Beitrag angesprochenen Ansätze öffentliche Gelder nur dann zu bewilligen, wenn die Ergebnisse in frei zugänglichen Zeitschriften publiziert werden, ein Faktor, der dies grundlegend ändern könnte...

Dienstag, 18. Januar 2011

Regulierung und Krise

Das Handelblatt berichtet über Studien, die einen Zusammenhang zwischen der während der 1990er vorangetriebenen Deregulierung der Finanzmärkte/Bankensystemen und den Vermögenspreisblasen, die zur jüngsten Krise geführt haben, ziehen.

Erkannt hat das vielleicht auch die Politik - aber viel passiert (im Sinne einer einheitlichen weltweiten Re-regulierung), um die Entwicklung zu korrigieren, ist bislang noch nicht.

Montag, 17. Januar 2011

US-NAIRU

Ein kurzer Beitrag über die Arbeitsmarktsituation in den USA. Ich habe ein Modell ähnlich jenem, das Fabiani und Mestre (Fabiani & Mestre(2004), A system approach for measuring the euro area NAIRU, Empirical Economics, 29(2), 311-341) für den Euroraum geschätzt haben (ich habe die Phillipskurvengleichung um die Ölpreisentwicklung erweitert), für die USA aufgesetzt, um eine Schätzung für die NAIRU zu produzieren (HP-Filtereien liefern bei der starken Dynamik am aktuellen Rand keine brauchbaren Ergebnisse).


Dem Modell (ein multivariates Zustandsraummodell) nach liegt die NAIRU momentan bei rund 7 % (bei gegebenen Modellannahmen ist dies auch die Prognose für die Zukunft); man sieht deutlich den starken Anstieg in der Rezession Anfang 2009.

In Bezug auf die Diskussion darüber, welcher Teil der Arbeitslosigkeit struktureller Natur und welcher konjunktureller ist, deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass sich die strukturelle Quote im Zuge der Rezession um rund 1 Prozentpunkt erhöht hat - der Großteil des Anstiegs der Arbeitslosigkeit dürfte aber der Konjunktur geschuldet sein.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Bankenabgabe II

Anscheinend ist doch vorgesehen, dass Abgaben auch bei einem Verlust einer Bank später nachgezahlt werden müssen. Aus der FAZ:
"[...] Die geplante Bankenabgabe enthält für die Kreditwirtschaft eine unangenehme Überraschung. Institute, die keinen oder zu wenig Gewinn machen, sollen zwar nicht die volle Abgabe zahlen, aber in späteren Jahren die ausgefallenen Beträge nachentrichten müssen. [...]

Doch ist vorgesehen, dass die Institute, die nicht die volle Abgabe zahlen, die ausstehenden Beiträge nachzahlen müssen, wenn sie in den Folgejahren dazu in der Lage sind. „Dies soll dazu beitragen, Unterschiede zwischen Banken mit stark volatilen Erträgen und Banken mit stabilen Erträgen in gewissem Rahmen auszugleichen“, argumentiert das Finanzministerium. Diese Nachzahlungspflicht gelte auch für Banken, die Verlust machten und daher im Verlustjahr nur den Mindestbetrag zu zahlen hätten. Doch generell sollten Jahresbeiträge und Nachzahlungsbeträge zusammen maximal 15 Prozent des Jahresergebnisses betragen. „Von einer Aushöhlung der Zumutbarkeitsgrenze kann demnach keine Rede sein“, hob das Finanzministerium hervor.[...]"
Scheint sich ja doch ganz gut zu entwickeln das Vorhaben.

Mittwoch, 12. Januar 2011

3,6 %

Das reale BIP in Deutschland hat, nach erster Schätzung, 2010 um 3,6 % zugelegt.

Das ist etwas weniger als ich erwartet hatte. Daten fürs vierte Quartal gibt es noch nicht - aber dieser Jahresdurchschnitt würde eine deutliche Abschwächung der Konjunktur bedeuten. Bei den guten sonstigen Daten für das vierte Quartal kann das eigentlich nur durch den vom Wetter gestoppten Bau oder durch einen deutlich negativen Außenbeitrag verursacht worden sein - oder wir bekommen im Februar noch eine Aufwärtsrevision.

Bankenabgabe

Natürlich schreien die Banken, wenn man ihnen zum Wohl der Allgemeinheit, und um Anreize zu setzen, weniger riskant zu wirtschaften, höhere Belastungen zumuten möchte. Nur sollte das die Politik nicht stören.

Aktuell wird überlegt, dass die Bankenabgabe auch dann fällig wird, wenn der zu leistende Betrag für eine Bank 0,15 % des Gewinns übersteigt - der Rest soll dann in den Folgejahren gezahlt werden. (Ich frage mich, warum gleiches nicht passieren soll, wenn die Bank Verluste macht; eine riskant und schlecht wirtschaftende Bank ist doch nicht minder gefährlich für die Finanzstabilität als eine riskant und erfolgreich wirtschaftende!)

Die Reaktion der Banken jedenfalls:
"[...] "Die Zumutbarkeitsgrenze von 15 Prozent des Gewinns wird dadurch ausgehöhlt", sagte ein Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), der die Privatbanken vertritt. Die weitere Belastung erschwere es den Banken, dringend nötiges Eigenkapital aufzubauen. Auch der Verband Öffentlicher Banken (VÖB), der unter anderem die Landesbanken repräsentiert, übt Kritik. "Die Nacherhebungspflicht schwächt die Institute gerade in einer Situation, in der jedes positive Jahresergebnis der institutseigenen Stärkung der Finanz- und Ertragslage dienen sollte", sagte Hauptgeschäftsführer Karl-Heinz Boos der FTD. [...]"
Wie wäre es mit einer Reduzierung der Personalkosten - oder einer Mäßigung bei den Dividendenzahlungen. So könnte man auch ratzfatz Eigenkapitalrücklagen bilden! (Die Märkte erwarten z.B. momentan, dass die Deutsche Bank 2011 ihre Dividende von 0,80 Euro/Aktie auf 1,06 Euro/Aktie erhöht. Warum aber solche Erhöhungen, wenn es anscheinend überlebenswichtig ist Gewinnrücklagen bilden zu können?)

Montag, 10. Januar 2011

In eigener Sache

Heute hat der Ökonomie-Beobachter den 10.000sten Besucher begrüßen dürfen. Allen Lesern danke fürs Lesen! Und zum Jubiläum noch mal die Bitte ruhig eigene Meinungen als Kommentare beizusteuern.

Als guter Zeitreihenökonometriker weiß ich natürlich, wie schön manchmal ein guter Datensatz sein kann - uns deswegen habe ich die Besuchsstatistiken für jeden Tag gesammelt (die Zahl der Zugriffe über automatische RSS-Feed-Reader kann ich leider nicht messen).

Im ersten halben Jahr, waren es gut 10 Besuche pro Tag. 2010 dann gut 20. Mal schauen was 2011 bringt. Am Wochenende wird eher wenig gelesen - was mich zu dem Schluss bingt, dass die Leute wo lesen? - Auf der Arbeit, richtig! Aber davon will ich sie auch gar nicht abhalten.

Eichengreen über die Zukunft des $'s

Barry Eichengreen macht sich in seinem neuen Buch über die Zukunft des US-Dollars als Leitwährung Gedanken. Ein Bericht in der FTD darüber habe ich heute gefunden - und auch eine Zusammenfassung als VoxEU-Beitrag findet sich.

Im Moment profitiert der Dollar laut Eichengreen von der Unsicherheit über die weiteren politischen Maßnahmen im Euroraum. Aber mittelfristig sieht er ganz klar die Gefahr eines Dollar-Crashs, wenn die USA nicht auf eine restriktivere Finanzpolitik umschwenken - und zwar schnell (zumindest, was die Ankündigung verbindlicher Maßnahmen zur Reduzierung des Defizits angeht). Aus seinen Analysen der Vergangenheit schlussfolgert Eichengreen, dass es in der Zeit um die Wahlen 2012 herum besonders heikel für die Stabilität des Dollar wird.
"How much time does it [die USA um das Vertrauen in den US-Dollar zu stärken] have? Currency crises generally occur right before or after elections. Can you say November 2012?"

Samstag, 8. Januar 2011

Rajan über US-Konjunktur

Raghuram Rajan schreibt in seinem Blog über die Gründe, warum die Arbeitsmarkterholung in den USA so langsam voran geht. Seine These ist, dass es daran liegt, dass - hauptsächlich aufgrund des aufgeblähten Bausektors vor der Rezession - viele Arbeitnehmer in andere Wirtschaftssektoren wechseln müssen - und dass dies seine Zeit dauert. Die Schlussfolgerungen:
"The lesson for policymakers is clear: instead of constantly trying to boost spending and potentially creating problems for the future, a more sustainable way to improve job growth is to facilitate the “re-skilling” of the unemployed, especially those who were in construction-related jobs. Eventually, better labor-force supply will create healthy and more sustainable demand."

Schaut man sich die Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit in den USA an, dann scheint an der These viel dran zu sein, denn noch nie in der Nachkriegszeit ist der Anteil der Arbeitslosen, die wirklich lange keinen neuen Job finden so drastisch gestiegen, wie in der jüngsten Rezession.

Freitag, 7. Januar 2011

Binnennachfrage

Zwei Meldungen des Statistischen Bundesamtes unterstützen mit zwei Datenpunkten die These, dass sich momentan die Binnennachfrage zur Stütze der Konjunktur in Deutschland entwickelt. Im dritten Quartal 2010 stiegen die Reallöhne zum dritten Mal in Folge ggü. dem Vorjahreszeitraum; und die Einzelhandelsumsätze lagen 2010 real um 1,5 % über dem Vorjahr.

Update: Das hier passt dann auch noch ins Bild - die Importe laufen sehr stark.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Neuliberalismus

Wolfgang Münchau ruft in der FTD nach einer Neuerfindung des Liberalismus. Wenn man sich den intellektuellen Zustand der FDP anschaut, wird deutlich warum dies gerade in Deutschland nötig ist! Ein paar Auszüge:
"[...] Liberalismus im 21. Jahrhundert lässt sich nun mal nicht mehr auf ein paar ordnungspolitische Dogmen der 40er-Jahre reduzieren. Spätestens seit der letzten Finanzkrise ist der Altliberalismus der Vergangenheit nicht mehr überlebensfähig. [...]

Wer also am Erhalt einer liberalen Wirtschaftsordnung interessiert ist und nicht nur weniger Steuern bezahlen will, sollte sich ernsthaft damit auseinandersetzten, wie man Weltwirtschaft und Euro-Raum stabilisiert. Nur in einer stabilen makroökonomischen Umgebung kann es gestaltende liberale Wirtschaftspolitik geben. Die Liberalen brauchen ihr Äquivalent eines New Deal. Der Neuliberalismus ist nötig, um die Märkte zu reparieren. [...]

Man wird insbesondere von einer ganze Reihe traditioneller liberaler Dogmen Abschied nehmen müssen. Dem Dogma einer auf einfachen Regeln basierenden Geld- und Fiskalpolitik. Dem Dogma von der absoluten Unabhängigkeit der Geldpolitik. Oder dem in der FDP verhafteten Dogma, dass Deutschland unbedingt nationale Champions im Bankensektor benötigt."
Im Moment sieht es so aus, als würde das grundlegende Problem in der aktuellen FDP-Parteispitze nicht gesehen. Vielleicht kann Christian Lindner in den kommenden Jahren wieder eine ganzheitliche liberale Programmatik entwickeln...

Auftragseingänge im November

Nach den starken Umfrageindikatoren zum Jahresende zeigen nun auch die Auftragseingänge in der Industrie vom November, dass die Konjunktur im Schlussquartal 2010 noch mal Fahrt aufgenommen hat (auch wenn der Bau durch das Wetter behindert worden sein dürfte). Die Aufträge stiegen im November um nicht weniger als 5,2 %.
Dabei kamen die größten Impulse aus dem außereuropäischen Ausland und auch die Inlandsaufträge nahmen zu. Allein die Bestellungen aus dem übrigen Euroraum sanken - hier schlägt die Schuldenkrise durch!

Die Stärke der Zunahme war überaus überraschend und wurde positiv aufgenommen.

Mittwoch, 5. Januar 2011

China lässt Renminbi aufwerten

Anscheinend hat die chinesische Regierung vor, die Währung im laufenden Jahr rund 5 % ggü. dem US-Dollar aufwerten zu lassen, um damit die drohende Überhitzung der Wirtschaft zu dämpfen.

Ich hatte mich schon im November gefragt, warum dieser längst überfällige Schritt nicht kommt!

Finanzstressindikator, Ergebnisse für Dezember

Der von mir monatlich berechnete Finanzstressindikator ist im Dezember von (leicht aufwärtsrevidierten) 0,14 auf 0,59 geschnellt. Das war der stärkste Anstieg seit Juni 2010.


Der Zickzackkurs des Indikators deckt sich mit der generellen Unsicherheit, die über den weiteren Verlauf der Schuldenkrisen einzelner Staaten im Euroraum herrscht. Zumindest scheint es aber immer noch so zu sein, dass der Finanzmarkt in Deutschland trotz der Probleme relativ ruhig bleibt.

Dienstag, 4. Januar 2011

Neues vom DIW

Das DIW hat eine neue Konjunkturprognose veröffentlicht, in der es für 2011 und 2012 mit 2,2 bzw. 1,3 % Zuwachs des realen BIP rechnet (Kurzfassung, Volltext). Damit ist das DIW deutlich pessimistischer als die jüngste Prognose von Kiel Economics.

Desweiteren wurde bekannt, dass der erst kürzlich neu eingesetzte Geschäftsführer des DIW schon wieder das Handtuch geschmissen hat. Hier die Pressemitteilung des DIW. Gut 3 Monate sind selbst für einen Interimsgeschäftsführer sehr kurz ...

Montag, 3. Januar 2011

Kreditklemmenindikator

In einem Beitrag auf der Webseite "Ökonomenstimme" stellen zwei Kollegen vom ifo-Institut ihren Kreditklemmenindikator dar, der in der Vergangenheit auch schon in den Gutachten der Gemeinschaftsdiagnose von ihnen eingebracht wurde.

Ihre Ergebnisse am aktuellen Rand zeigen, dass sich die Situation seit Anfang 2010 deutlich bessert. Dies deckt sich mit anderen Beobachtungen (siehe z.B. diesen Beitrag), die auch darauf hindeuten, dass die Bedingungen zur Kreditaufnahme in Deutschland rel. gut sind.

Strukturwandel schlecht?

Auf Spiegel Online findet sich ein Beitrag über die Arbeitsmarktentwicklung, in dem (zumindest zwischen den Zeilen) der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft betrauert wird. Der Tenor: Industriearbeitsplätze = Wohlstandsschaffende Arbeitsplätze! Dienstleistungsarbeitsplätze = Unsichere Arbeitsplätze, die nichts produzieren!

Die Idee, dass mit der Zeit einfach immer weniger Leute mehr Industriegüter produzieren können - und der Rest sich anderen Tätigkeiten widmen kann -, und dass das eine positive Entwicklung ist, scheint dem Autor nicht zu kommen. Aber analog dazu würde ja auch niemand kritisieren, dass heute nicht mehr mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer in der Landwirtschaft tätig sind - und zwar weil sich gezeigt hat, dass wir trotzdem nicht verhungern, weil einfach der technische Fortschritt so groß war, dass nur noch gut 2 % der Arbeitskräfte dort gebraucht werden.

Am Rande: Im Text heißt es an einer Stelle "[...] wer eine vermeintlich feste Anstellung findet, landet immer öfter bei einer Zeitarbeitsfirma. Die Branche feiert ebenfalls einen Rekord nach dem anderen. 900.000 Deutsche arbeiten trotz der wirtschaftlichen Erholung nur dann, wenn sie gerade gebraucht werden." Auch hier zeigt sich ein seltsames Verständnis des Arbeitsmarktes des Autors. Denn: Eigentlich arbeitet jeder in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis nur dann, wenn er vom Arbeitgeber gebraucht wird - auch wenn die Kalkulation dazu bei einer Festanstellung aufgrund von Friktionskosten immer mehrere Perioden einschließt, und damit etwas komplexer ist als bei einem Zeitarbeitsplatz.