Montag, 3. Januar 2011

Strukturwandel schlecht?

Auf Spiegel Online findet sich ein Beitrag über die Arbeitsmarktentwicklung, in dem (zumindest zwischen den Zeilen) der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft betrauert wird. Der Tenor: Industriearbeitsplätze = Wohlstandsschaffende Arbeitsplätze! Dienstleistungsarbeitsplätze = Unsichere Arbeitsplätze, die nichts produzieren!

Die Idee, dass mit der Zeit einfach immer weniger Leute mehr Industriegüter produzieren können - und der Rest sich anderen Tätigkeiten widmen kann -, und dass das eine positive Entwicklung ist, scheint dem Autor nicht zu kommen. Aber analog dazu würde ja auch niemand kritisieren, dass heute nicht mehr mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer in der Landwirtschaft tätig sind - und zwar weil sich gezeigt hat, dass wir trotzdem nicht verhungern, weil einfach der technische Fortschritt so groß war, dass nur noch gut 2 % der Arbeitskräfte dort gebraucht werden.

Am Rande: Im Text heißt es an einer Stelle "[...] wer eine vermeintlich feste Anstellung findet, landet immer öfter bei einer Zeitarbeitsfirma. Die Branche feiert ebenfalls einen Rekord nach dem anderen. 900.000 Deutsche arbeiten trotz der wirtschaftlichen Erholung nur dann, wenn sie gerade gebraucht werden." Auch hier zeigt sich ein seltsames Verständnis des Arbeitsmarktes des Autors. Denn: Eigentlich arbeitet jeder in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis nur dann, wenn er vom Arbeitgeber gebraucht wird - auch wenn die Kalkulation dazu bei einer Festanstellung aufgrund von Friktionskosten immer mehrere Perioden einschließt, und damit etwas komplexer ist als bei einem Zeitarbeitsplatz.

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