Donnerstag, 28. April 2011

Keynes vs. Hayek, Second Round

Zweiter Teil der Diskussion zwischen Keynes und Hayek.



Man beachte Malthus, Say und Mises als Box-Coaches.

(ht Greg Mankiw)

Update: Hier noch der Link zur "First Round".

Frühjahrsaufschwung

Erstmals seit 1992 waren im April (saisonbereinigt) weniger als 3 Millionen Personen arbeitslos.

Einer Fortsetzung des binnenwirtschaftlichen Aufschwungs steht also von Seiten des Arbeitsmarktes nichts im Wege.

Mittwoch, 27. April 2011

Angst vor Umschuldung

Die Schuldenkrise ist noch nicht ausgestanden. An den Märkten setzt sich mehr und mehr die Auffassung durch, dass es demnächst ein Umschuldungsprogram für griechische Staatsanleihen geben wird. Die Renditen auf Staatsanleihen Griechenlands erreichen immer neue Rekorde, nachdem das Staatsdefizit wieder mal nach oben revidiert wurde.

Ich habe mal die Zeitreihen der CDS-Prämien, d.h. Kosten für Kreditversicherungen, für diverse Länder im Euroraum herausgesucht, die immer mal wieder wegen ihrer Staatsschulden ins Gerede gekommen sind. Die Prämien beziehen sich jeweils auf Staatsanleihen mit 10jähriger Restlaufzeit.

Für Griechenland liegt die Prämie mittlerweile bei über 1000 Basispunkten, d.h. es kostet mehr als 10 Euro pro Jahr, sich gegen einen Ausfall von Staatsanleihen im Wert von 100 Euro abzusichern. Auch die Lage Portugals wird immer schlechter eingeschätzt. Dagegen entspannt sich die Situation für Irland ein wenig - und die Märkte gehen davon aus, dass Italien und Spanien mehr oder weniger über den Berg sind.

Derweil warnt die EZB vor einer Umschuldungsaktion, weil sich daraus unkalkulierbare Folgen für die Finanzmärkte bzw. Bankensysteme ergäben ... und da es immer noch keine geregelten Insolvenzverfahren für Staaten oder Banken gibt, hat sie damit wohl wahrscheinlich auch Recht.

Also landen wir wieder beim gleichen Punkt wie immer: Ohne eine wirkliche Re-regulierung des Bankensektors und die Schaffung einer praktikablen Insolvenzordnung für Finanzinstitute wird die Politik der Finanzkrise nicht Herr werden.

Donnerstag, 21. April 2011

Erster post-Fukushima-ifo-Indikator ist da

Heute wurde der ifo Indikator für April veröffentlicht. Das Geschäftsklima ist demnach von 111,1 auf 110,4 Punkte zurückgegangen.


Vor allem die Geschäftserwartungen trübten sich noch mal ein (um fast 2 Punkte), während die Lage weiterhin besser beurteilt wird als im Vormonat (seit Anfang 2010 ist diese Komponente Monat für Monat gestiegen).

Wie viel von der Eintrübung der Erwartungen Fukushima-Libyen-Unsicherheit ist, und wie viel tatsächlich sinkende Nachfrage, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Bevor sich die Geschäftslage nicht stabilisiert, d.h. nicht weiter steigt, dürfte die Konjunktur jedenfalls weiter auf Hochtouren laufen.

Arbeitsmarktaufschwung nach Bundesländern

Ich habe mir mal angeschaut, wie die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den einzelnen Bundesländern ist.

Leider gibt es nur nicht-saisonbereinigte Zahlen - aber Trends kann man da trotzdem erkennen. Überall liegt die Arbeitslosenquote (letzte Daten sind für den März 2011) wieder unter den Höchstständen der jüngsten Rezession, welche wiederum alle deutlich niedriger waren als die jeweils höchsten Quoten seit 1995. Daran sieht man schon, dass sich die Arbeitsmarktsituation quer durch Deutschland in den vergangenen Jahren merklich verbessert hat.

Seit dem Hochpunkt während der Rezession in die Quote am stärksten in Thüringen zurückgegangen (um 2,8 Prozentpunkte auf 9,9 %), während sie in Bremen am langsamsten sank (um 0,4 Prozentpunkte auf 11,9 %)

Mittwoch, 20. April 2011

US-Konjunkturindikator

Vor zwei Monaten habe ich hier einen Konjunkturindikator für die USA vorgestellt. Hier nun ein kurzes Update.


Der Indikator ist weiter gestiegen. Dies ist vor allem auf die starken Umfrageindikatoren zurückzuführen, während die "harten" Indikatoren, vor allem aus dem Konsumbereich, in den ersten Monaten des Jahres nicht so positiv ausgefallen sind. Deswegen erscheint mir die abgeleitete Prognose von 4,5 % für die Zuwachsrate des realen BIP (annualisiert) im ersten Quartal auch ein wenig hoch gegriffen. (Erste Zahlen dazu werden am 28. April veröffentlicht; dann wissen wir mehr.)

Dienstag, 19. April 2011

US-Staatsschulden

Mit S&P hat die erste Rating-Agentur einen negativen Ausblick für die Bonität von US-Staatsanleihen gegeben, d.h. sie haben angekündigt, dass das Toprating in Zukunft herabgestuft werden könnte.

Bislang hat das die Märkte aber noch nicht interessiert - die Rendite von US-Staatsanleihen ist gestern sogar gesunken.

Hintergrund der Meldung sind die Probleme beim Finden eines Konsenses im Kongress für einen Konsolidierungskurs - und das wird uns wohl noch eine Weile begleiten.

Freitag, 15. April 2011

Pimco

Eine nette Reportage in der FTD über Pimco, den größten Anleihenfondsverwalter der Welt, der zuletzt Furore gemacht hat mit seiner Entscheidung, alle US-Staatsanleihen aus seinen Portfolios zu verbannen.

Dienstag, 12. April 2011

Bandbreite der Konjunkturprognosen für Deutschland

So, nachdem die Frühjahresrunde der Konjunkturprognosen so gut wie durch ist, hier mal ein kleiner Überblick. Die folgende Tabelle zeigt die Bandbreite der Prognosen für 2011 und 2012:


2011 2012
Bundesregierung 2.6 1.8
DIW 2.7 1.4
Gemeinschaftsdiagnose 2.8 2.0
ifo** 2.4 -
IfW 2.8 1.6
IMK 2.7 1.7
IWF 2.5 2.1
IWH* 3.0 1.9
Kiel Economics* 3.0 1.9
RWI 2.9 2.4
* Gemeinsame Prognose vom März.
** Prognose vom Dezember 2010.
Jeweils die Prognose für die Veränderung des realen
Bruttoinlandsprodukts in Prozent.

Sieht man von der ifo Prognose aus dem Dezember ab, dann liegen die Prognosen für das Wirtschaftswachstum 2011 zwischen 2,5 % (IWF) und 3,0 (IWH, Kiel Economics). Für 2012 ist die Spannbreite dann natürlich noch etwas größer, nämlich zwischen 1,4 (DIW) und 2,4 (RWI).

IWF-Prognosen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine neue Prognose veröffentlicht. Die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft ist ggü. jener vom Januar annähernd unverändert. Für Deutschland wurde die Prognose nach oben korrigiert, für Japan (merklich) und für die USA (leicht) nach unten. Hier ein Überblick:


Ich werde demnächst mal eine Übersicht über alle Prognosen für die deutsche Konjunktur zusammenstellen.

Sonntag, 10. April 2011

Finanzstressindikator, Ergebnisse für Februar/März 2011

So, nach etwas längerer Pause hier die Ergebnisse des Finanzstressindikators für Februar und März. In beiden Monaten ist der Indikator gesunken.


Insgesamt ist der Indikator ggü. Januar um gut 0,4 Punkte auf 0,22 im März gefallen. Damit zeigt sich seit dem Ausbruch der Schuldenkrise um einige Länder des Euroraums vor rund einem Jahr mehr oder weniger eine Seitwärtsbewegung.

Freitag, 8. April 2011

Genauer lesen, FAZ!

Die FAZ schreibt:
"Und die Wirtschaftsforschungsinstitute haben gerade gewarnt, „durch die niedrigen Zinsen der EZB wird die Preisstabilität in Deutschland zunehmend gefährdet“. Sie fordern daher eine geldpolitische Straffung."
Im Gutachten steht aber:
"[...] Auch die restriktive Finanzpolitik, die als negativer Nachfrageschock angesehen werden kann, reduziert im Prognosezeitraum den neutralen Realzins. Insofern besteht zurzeit keine Notwendigkeit, die Leitzinsen rasch anzuheben. [...]
Auch die monetäre Analyse gibt gegenwärtig wenig Anlass, von gestiegenen Risiken für die Preisstabilität auszugehen. [...]
Angesichts der fortgesetzten Unterauslastung der Wirtschaft, der restriktiv wirkenden Finanzpolitik und der nur moderaten monetären Dynamik ist jedoch die Zeit für eine rasche Rückkehr zu dem langfristig neutralen Zinsniveau noch nicht gekommen. [...]"
Und daran ändert auch nichts, dass Deutschland für die nächsten Jahre wahrscheinlich eine Inflationsrate haben wird, die etwas über dem Durchschnitt des Euroraums und vielleicht auch höher als 2 % sein wird. Nach einer Dekade zu hoher Zinsen und "zu niedriger" Inflation, sind die Zinsen nun für Deutschland zu niedrig und die Inflation wahrscheinlich für einige Zeit etwas höher. So what? Die EZB interessiert sich für den Euroraum als Ganzes.

Donnerstag, 7. April 2011

Frühjahresgutachten veröffentlicht

Um 11h wurde das Frühjahresgutachten der Gemeinschaftsdiagnose vorgestellt, an dem auch Kiel Economics mitgearbeitet hat. Titel, und damit Grundtenor des Gutachtens, ist: Aufschwung setzt sich fort - Europäische Schuldenkrise noch ungelöst.

Die Zusammenfassung:
"Im Frühjahr 2011 befindet sich die Weltwirtschaft im Aufschwung, vor allem aufgrund der Dynamik in den Schwellenländern. Auch Deutschland erlebt einen kräftigen Aufschwung. Die Institute erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 2,8 % und im kommenden um 2,0 % zunimmt. Für die Jahre 2011 und 2012 wird eine Arbeitslosenquote von 6,9 % bzw. 6,5 % erwartet. Die Auftriebskräfte werden sich allmählich zur Binnennachfrage verschieben. Die Löhne werden im Zuge des Aufschwungs steigen; und die Inflationsrate wird mit 2,4 % im Jahr 2011 und 2,0 % im Jahr 2012 relativ hoch sein. Der Finanzierungssaldo des Staates wird im Jahr 2011 auf 1,7 % und im Jahr 2012 auf 0,9 % in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt zurückgehen.

Die größten Risiken kommen aus dem Ausland. Würde es zu einer Öl-Angebotsverknappung aufgrund zunehmender Unruhen im arabischen Raum oder zu einer Zuspitzung der europäischen Schulden- und Vertrauenskrise kommen, dürfte dies die Wirtschaft deutlich belasten. Die Wirtschaftspolitik sollte auf Konsolidierungskurs bleiben und auf Aachbesserungen beim Europäischen Stabilisierungsmechanismus hinwirken."
Insgesamt also ein recht positiver Ausblick. (Die Zahlen zu den Auftragseingängen im Februar stützen dies.)

Zu viel Finance geht auch!

Eine interessante Studie wurde auf VOX vorgestellt. Darin untersuchen die Autoren, ob es ein Niveau der Durchdringung der Volkswirtschaft durch die Finanzwirtschaft gibt, ab dem die Effekte für das Wachstum negativ werden. Ein paar Auszüge:
"Our results show that the marginal effect of financial development on output growth becomes negative when credit to the private sector surpasses 110% of GDP. This result is surprisingly consistent across different types of estimators (simple regressions and semi-parametric estimations) and data (country-level and industry-level)."

"We also run a battery of tests showing that the size of the financial sector played an important role in amplifying the effects of the global recession that followed the collapse of Lehman Brothers in September 2008. While most of the recent discussion on the negative effects of financial development concentrates on the advanced economies, we show that during the recent crisis the amplifying role of the financial sector was also important for developing countries."

"We believe that our results have potentially important implications for financial regulation. The financial industry has argued that the Basel III capital requirements will have a negative effect on bank profits and lead to a contraction of lending with large negative consequences on future GDP growth (Institute for International Finance 2010). While it is far from certain that higher capital ratios will reduce profitability (Admati et al. 2010), our analysis suggests that there are several countries for which tighter credit standards would actually be desirable."
Mir scheint es so als würde die Studie empirische Belege für etwas liefern, das viele schon seit längerem (spätestens seit der Finanzkrise) im Gefühl haben. Es gibt also nicht nur ein "too-big-to-fail" sondern auch ein "too-big-to-do-the-economy-good"!

Viel los ...

... heute in der "ökonomischen Welt":

Montag, 4. April 2011

Schulden pro Kopf

Das Handelsblatt schreibt über die Perspektiven für die Staatsverschuldung Deutschlands:
"Knapp 25.000 Euro Schulden schultert jeder Bundesbürger, egal ob Arbeiter, Rentner oder Kind. 1970 waren es gerade einmal gut 1.000 Euro. Weil der Fiskus weiter Schulden macht und gleichzeitig die Bevölkerung schrumpft, wird die Pro-Kopf-Verschuldung der Deutschen in den kommenden Jahren explodieren. Nach Expertenschätzungen wird sich der Wert 2015 bereits der 30.000-Euro-Marke nähern, 2050 werden dann mehr als 40.000 Euro Schulden auf jedem Bundesbürger lasten. Um für mehr Generationengerechtigkeit zu sorgen, muss der Schuldenberg absolut reduziert werden – alles andere ist eine reine Entschuldungs-Illusion."
Das ist natürlich nicht schön, denn eine geringere Schuldenlast ist natürlich einer hohen vorzuziehen. Aber die Betrachtung der Schulden pro Kopf ist, ohne das Einkommen pro Kopf, in die Betrachtung einzubeziehen nicht sehr aussagekräftig. Und das Einkommen pro Kopf dürfte bis 2050 um noch so einige Prozente zunehmen ... damit sähe es dann, wenn demnächst die Schuldenbremse eingehalten würde, nicht so schlecht aus, wie der Artikel suggeriert.