Dienstag, 31. Mai 2011

Arbeitsmarktaufschwung weiter intakt

Im April hat sich der Arbeitsmarktaufschwung fortgesetzt. Die Arbeitslosigkeit sank deutlich. Auch die Beschäftigung zieht an. Aus dem Bericht der Bundesagentur für Arbeit:
"Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben in saisonbereinigter Rechnung weiter deutlich zugenommen und liegen über dem Vorjahresniveau. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Erwerbstätigen im März saisonbereinigt um 38.000 gestiegen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat im Februar saisonbereinigt um 84.000 zugenommen (vorläufige Daten)."
Damit zeigt sich auch, dass (bei allen Problemen, die es im Niedriglohnsektor geben mag) das viel herumerzählte Vorurteil, dass ja sowieso keine "richtigen" - sprich sozialversicherungspflichtige - Jobs geschaffen werden, schlichtweg nicht stimmt.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Weidmann-Interview

Der neue Chef der Bundesbank, Jens Weidmann, hat ein erstes großes Interview in der FAZ gegeben. Die, wie ich finde, vielleicht wichtigste Passage:
"[FAZ:] Sind Sie davon überzeugt, dass Griechenland seine Schulden tragen kann?

[Weidmann:] Diese Frage haben sich auch die Fachleute des Internationalen Währungsfonds, der EU und der Europäischen Zentralbank gestellt, die vor Ort die wirtschaftliche Lage untersucht haben. Diese sogenannte Troika ist zu dem Schluss gekommen, dass das vereinbarte Anpassungsprogramm die Schuldentragfähigkeit und die Zahlungsfähigkeit Griechenlands sichert. Auch die griechische Regierung hat dies so gesehen. Die Grundlagen dieser Vereinbarung haben sich nicht maßgeblich verändert. Eine Umschuldung wäre also in erster Linie eine politische Entscheidung – nämlich ob ein Land bereit ist, die Lasten der notwendigen Anpassung zu tragen."

In der Diskussion wird oft ignoriert, dass es bei der Frage der Solvenz/Insolvenz bei Staaten nicht so sehr um die Frage geht, ob ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen noch nachkommen kann, sondern darum, ob er gewillt ist, dies bei gegebenen Kosten zu tun.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Kapitalabflüsse aus Griechenland

Die FAZ berichtet, dass viele Kontoinhaber in Griechenland bereits angefangen haben, ihr Kapital ins Ausland zu schaffen.
"Wie die griechische Notenbank am Dienstag mitteilte, sind die privaten Geldeinlagen von Januar 2010 bis April 2011 um mehr als 31 auf 165,5 Milliarden Euro gesunken. Ein Teil des Geldes wird offenbar ins Ausland gebracht."
Hier zeigen sich die ersten negativen Auswirkungen der verstärkten Diskussion über einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum. Und das ist erst der Vorgeschmack. Sollte jemand ernsthaft weiter diesen Vorschlag machen, so muss er in alle Berechnungen den totalen Kollaps des griechischen Bankensystems (und in der Folge wohl der griechischen Wirtschaft) einkalkulieren, weil in diesem Fall annähernd alle Bankguthaben abgezogen würden (weil jeder natürlich sein Kapital dann lieber weiter in Euro halten würde anstatt in "Neodrachmen"), was zu einem Zusammenbruch aller Banken in Griechenland führen würde.
Link

Dienstag, 24. Mai 2011

ifo Indikator weiter hoch

Das durch die BIP-Zahlen für das erste Quartal positiv gezeichnete Bild wird auch durch die neue Ausgabe der ifo-Umfrage zur Wirtschaftslage bestätigt. Der ifo Indikator stagnierte auf hohem Niveau; die Lageeinschätzung verbesserte sich sogar noch einmal, während die Erwartungen leicht zurückgingen.


Insgesamt spricht das dafür, dass die Produktion im zweiten Quartal nochmals deutlich steigt.

Boom im ersten Quartal

So, waren ein wenig stressig die vergangenen Wochen ... deswegen hatte ich es auch versäumt hier schon über die vorläufigen Zahlen zur Wirtschaftsleistung im ersten Quartal zu schreiben. Jetzt sind heute die Details veröffentlicht worden und haben den Anstieg des realen BIPs von 1,5 % ggü. dem Vorquartal bestätigt.

Dazu leistete die Binnennachfrage mit 1 Prozentpunkt einen deutlich höheren Beitrag als der Außenbeitrag (also die Nettoexporte) mit 0,5. Anders als von vielen noch immer behauptet ist also mittlerweile der Aufschwung nicht allein dem Export zu verdanken.

Insgesamt lag die Wirtschaftsleistung damit zum ersten Mal wieder über dem Niveau, das vor Beginn der Rezession erreicht worden war (nach über 2 Jahren nicht wirklich ein Grund zum Feiern ... aber immerhin; viele andere Länder sind noch nicht so weit).

Dienstag, 17. Mai 2011

Draghi for president

So, nachdem ein neuer Chef für die EZB gefunden ist (Draghi wird es), können sich die Regierungschefs ja jetzt den Kopf darüber zerbrechen, wer neuer Chef des IWFs werden soll.

Mittwoch, 11. Mai 2011

DSGE-Straitjacket

Sehr guter Aufsatz von Pesaran und Smith über die Nachteile einer zu engen Fokussierung auf mikrofundierte DSGE-Modelle zur Analyse der Makroökonomie.
"Academic macroeconomics and the research department of central banks have come to be dominated by Dynamic, Stochastic, General Equilibrium (DSGE) models based on microfoundations of optimising representative agents with rational expectations. We argue that the dominance of this particular sort of DSGE and the resistance of some in the profession to alternatives has become a straitjacket that restricts empirical and theoretical experimentation and inhibits innovation and that the profession should embrace a more flexible approach to macroeconometric modelling. We describe one possible approach."

Freitag, 6. Mai 2011

Trichet-Nachfolge

Merkel anscheinend gegen M. Draghi als EZB-Präsident: Von einem EU-politischen Porzellanladen in den nächsten ...! Draghi ist nun wirklich der wahrscheinlich qualifizierteste Kandidat für den Job - und einen anderen aussichtsreichen Kandidaten hat Fr. Merkel auch nicht in der Hinterhand. Eine deutsche Alternative gibt es nach dem Rücktritt von Herrn Webern nun schon mal gar nicht mehr.

Warum Fr. Merkel dann nicht Draghi unterstützt hat, bevor Herr Sarkozy ihn zu "seinem" Kandidaten gemacht hat, und dann einen deutschen Kandidaten für den IWF-Vorsitz ins Rennen geschickt hat, weiß der Henker...

Rohstoffpreisturbulenzen

Irgendwie zweifelt man bei dem starken Hin-und-Her der Rohstoffpreise dann doch immer mehr daran, dass die Regulierung dieser Märkte so gestaltet ist, dass sich angemessene, fundamentale Preise bilden.

Bin leider zu wenig Finanzmarkt- und Rohstoffexperte, als dass ich einschätzen könnte, welche Maßnahmen Abhilfe leisten könnten.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Bankenrettungen in Deutschland wohl nicht ganz optimal umgesetzt

... oder wie ist es anders zu erklären, dass Deutschland zwischen 2008 und 2010 nach Irland die höchsten Verluste durch die Rettung des Finanzsektors machte, während andere Länder sogar Gewinn machten?

Einzige andere Erklärung: Schon im Vorfeld der Krise waren Bankenaufsicht und Sektorstruktur in Deutschland bereits viel schlechter als in den anderen Ländern. Das würde dann aber nichts gutes für die Zukunft bedeuten, denn getan hat sich in dieser Hinsicht seit Beginn der Krise nicht wirklich viel.

Zentralbanken kaufen Gold

Dass mehrere Zentralbanken in den vergangenen Monaten ihre Goldbestände kräftig aufgestockt haben, erklärt dann wohl einen Teil der Goldpreis-Hausse. Ob der Trend nachhaltig ist, weiß man bei politischen Trends ja nie so genau ...

Mittwoch, 4. Mai 2011

Vollbeschäftigung ...

... sieht nun auch das HWWI für Deutschland in Reichweite. Wir gehen schon etwas länger davon aus, dass der Boom am Arbeitsmarkt so schnell nicht abbricht und die Arbeitslosenzahlen in den kommenden Jahren deutlich sinken werden.Link