Mittwoch, 31. August 2011

Finanzhilfen und Goldpfand

DB-Research rechnet vor, warum der Vorschlag, bei Hilfen für Länder mit hohen Staatsschuldenständen deren Goldreserven als Sicherheiten festzusetzen, kaum weiterhilft ... die Goldreserven sind einfach zu klein:


Aus dem gleichen Grund würden Goldverkäufe nicht viel zur Reduzierung der öffentlichen Schuldenstände beitragen. Zwei weitere Argumente gegen solche Verkäufe, die DB-Research vorbringt: 1. Würde die Unabhängigkeit der Zentralbanken leiden und 2. stehen internationale Abkommen zum Verhalten der Zentralbanken auf dem Goldmarkt großen Verkäufen entgegen.

Samstag, 27. August 2011

Nobelpreisträgertreffen am Bodensee

Die FAZ berichtet vom Treffen der Nobelpreisträger mit jungen Ökonomen in Lindau am Bodensee.

Neben anspruchsvollen Vorträgen ...
"Aumanns Matrizen werden immer größer und größer, immer mehr Auszahlungswerte, Wahrscheinlichkeiten und Spielstrategien gilt es zu bedenken. Aumann, ein kleiner Mann mit einem weißen Bart und einer schräg sitzenden Kippa, blickt in viele verständnislose Gesichter im Saal und sagt lachend: „Oh, ich habe wohl die meisten meiner Zuhörer verloren - wie immer. Im Lauf meiner Vorträgen können es immer weniger Leute verstehen. Und am Ende verstehe ich es selbst nicht mehr.“"
... gab es auch wirtschaftspolitisch relevante Äußerungen ...
"Im Saal ist es ganz still. Wulff feuert nun eine Breitseite gegen die Europäische Zentralbank (EZB) ab. Deren Staatsanleihekäufe rüffelt er als „rechtlich bedenklich“ und „weit über ihr Mandat hinaus“. Und viele Regierungen hätten den Ernst der Lage noch nicht erkannt: Erst „im allerletzten Moment“ zeigten sie Bereitschaft, Besitzstände und Privilegien aufzugeben und Reformen einzuleiten. Weil sie lange die desolaten Finanzen schleifen ließen, sind die Staaten nun unter Druck. Die Politik ließe sich „am Nasenring“ von Banken, Ratingagenturen und Medien „durch die Manage führen“, rügt Wulff."
... und gefeiert wurde anscheinend auch ...
"Dass die Ökonomen selbst keine kühlen Denk- und Rechenmaschinen ohne Gefühle sind, zeigt sich am Abend in der Inselhalle. Nach dem gemeinsamen Essen beginnen die ersten Paare zu tanzen. Mitten in der Menge sieht man plötzlich Aumann, mit seinem schlohweißen Bart, die Hände wild in der Luft schwenkend, eine junge hübsche Tänzerin vor ihm. Andere Nobelpreisträger schwingen eher klassisch das Tanzbein. Nach einer Weile formiert sich eine Polonaise, der Herdentrieb bricht sich Bahn. Wer hätte das gedacht: Der Ökonomen-Kongress tanzt. Am Rande sitzt Edmund Phelps (Preisträger 2006) und schaut belustigt zu. Der Professor von der Columbia University war dieses Jahr in Bayreuth zu den Festspielen. Als Andenken hat er ein T-Shirt gekauft. Nun öffnet er sein Sakko und zeigt das Wagner-Zitat: „Wahn, Wahn! Überall Wahn!“"

Donnerstag, 25. August 2011

Kosten von Eurobonds

Wer sich auch fragt, wie die 47 Mrd. Euro an Kosten pro Jahr für Deutschland, die derzeit durch die Presse geistern, ausgerechnet wurden bzw. wem diese auch hoch vorkommen, dem sei ein Beitrag meines ehemaligen Kolleges am IfW ans Herz gelegt. Jens Boysen-Hogrefe kommt darin auf eine Schätzung in der Größenordnung von ca. 10 Mrd. Euro.

Das wäre zwar immer noch ein stolzer Betrag - aber billige Lösungen gibt es nicht mehr. Und, wenn man den Finanzsektor weiterhin verschonen will, dann könnten Eurobonds die billigste teure Lösung sein.

Lösungsvorschläge

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass alle Vorschläge, die versuchen, konstruktiv zur Lösung der Schuldenkrise beizutragen (und nicht nur die Handelnden kritisieren wie z.B. Herr Wulff) am Ende (neben einer besseren Regulierung der Finanzmärkte) in jedem Fall höhere und vor allem progressivere Steuern beinhalten. W. Buffet machte jüngst einen Vorstoß in diese Richtung. Und nun argumentieren N. Roubini und E. Phelps ganz ähnlich.

Phelps:
"In den USA brauchen wir deutlich höhere Steuern, quer durch die ganze Wirtschaft."
Roubini:
"Um die marktorientierten Volkswirtschaften in die Lage zu versetzen, so zu operieren, wie sie das sollten und können, müssen wir zur richtigen Balance zwischen Märkten und der Bereitstellung öffentlicher Güter zurückkommen. Die richtige Balance heute erfordert die Schaffung von Arbeitsplätzen teilweise durch zusätzliche Steueranreize, die auf produktive Investitionen in die Infrastruktur abzielen. Sie erfordert zudem eine stärker progressive Besteuerung, mehr kurzfristige Steueranreize bei mittel- und langfristiger Haushaltsdisziplin, Unterstützung durch die Währungsbehörden als Kreditgeber letzter Instanz, um ruinöse Bankenstürme zu verhindern, die Verringerung der Schuldenlast insolventer Haushalte sowie eine strengere Aufsicht und Regulierung des amoklaufenden Finanzsystems."
Eigentlich auch logisch ... aber längst noch nicht mehrheitsfähig.

Donnerstag, 18. August 2011

Die gute, alte DM

Für alle, die die DM gerne wiederhaben möchten: Ein kurzer Beitrag aus dem Handelsblatt. Ganz so schlimm, wie in den Zitaten dort z.T. dargestellt, wäre es vielleicht nicht. Aber ein heftiger Schock wäre allemal zu erwarten.

Und wer jetzt denkt: Na, dann hätten wir den Euro mal am besten gar nicht eingeführt. Der bedenke: Eine Aufwertung in ähnlicher Größenordnung hätte es während der Finanzkrise auch dann gegeben. Das europäische Währungssystem wäre komplett aus den Fugen geraten - und auch dann hätte die deutsche Exportwirtschaft enorm gelitten.

Dienstag, 16. August 2011

Eurobonds im HB

Nanu: Das Handelsblatt auf einmal ganz pluralistisch, was Meinungen über die Einführung von Eurobonds angeht.

BIP für Q2 und VGR-Revision für Deutschland

Heute Morgen hat das Statistische Bundesamt die erste Schätzung für die Veränderung des realen BIPs in Deutschland im zweiten Quartal 2011 veröffentlicht. Demnach hat sich die Konjunktur deutlich stärker abgeschwächt als von mir erwartet. Der Zuwachs betrug nur noch 0,1 %.

Außerdem wurde im Rahmen einer (alle paar Jahre stattfindenden) Revision auch der Konjunkturverlauf vergangener Jahre revidiert. Zum Teil ergeben sich recht große Veränderungen in den Jahresraten und ziemlich große in den Quartalsverläufen. Eine Übersicht bietet das Bundesamt unter diesem Link.

Die folgende Abbildung zeigt den Konjunkturverlauf (reales BIP) nach altem und neuem Datenstand:


Es zeigt sich, dass die Rezession heftiger war als vorher ausgewiesen (ähnlich wie in den USA) - allerdings ausgehend von einem hochrevidierten Vorkrisenniveau (anders als in den USA), so dass das Produktionsniveau am Rezessionstiefpunkt nun sogar leicht höher eingeschätzt wird.

Insgesamt bedeutet dies aber auch, dass nach den neuen Daten das Vorkrisenproduktionsniveau auch im zweiten Quartal 2011 noch nicht wieder erreicht wurde (wenn auch fast). Die Produktion lag im ersten Halbjahr 2011 um 2,7 % über dem Niveau von 2010; d.h. dass auch bei niedrigem Wachstum im zweiten Halbjahr im Jahresdurchschnitt wohl ein Anstieg des realen BIP von ca. 3 % zu verzeichnen sein wird - für 2012 wird es aber dann wohl weit weniger.

Montag, 15. August 2011

Buffett für höhere Spitzensteuersätze

W. Buffett hat sich für eine deutlich höhere Steuerlast für Vermögende und Leute mit hohen Einkommen in den USA ausgesprochen. Unterstützung für Roubinis Punkt 2.

Roubini zur Lage des Wirtschaftssystems

N. Roubini schreibt auf Project Syndicate über die Lage des Weltwirtschaftssystems und stellt eine Liste von Dingen auf, die seiner Meinung nach getan werden müssten, um die Wirtschaft wieder dynamisch zu machen:
  1. The right balance today requires creating jobs partly through additional fiscal stimulus aimed at productive infrastructure investment. (agree)
  2. It also requires more progressive taxation; (strongly agree)
  3. more short-term fiscal stimulus with medium- and long-term fiscal discipline; (agree)
  4. lender-of-last-resort support by monetary authorities to prevent ruinous runs on banks; (agree)
  5. reduction of the debt burden for insolvent households and other distressed economic agents; (not a government task)
  6. and stricter supervision and regulation of a financial system run amok; (very strongly agree)
  7. breaking up too-big-to-fail banks and oligopolistic trusts. (agree)
Ambitioniertes Programm!

Dienstag, 9. August 2011

Absturz gestoppt

Die Aktienmärte haben ihren tageanhaltenden Absturz vorerst gestoppt. Anscheinend warten alle auf die Aussagen der Fed heute Abend. Es kursieren schon Gerüchte, dass die Geldpolitik wieder gelockert wird, indem die Fed im Rahmen eines QE3 wieder beginnt Anleihen an den Märkten zu kaufen.

Kantoos über Geldpolitik im Euroraum

Lesenswert: Kantoos über die Fehler der EZB, bzw. des Großteils der Makroökonomen, das dogmatisch einzig und alleine niedriger Inflation verschrieben ist.

Sonntag, 7. August 2011

Jetzt geht's los!

... bzw. morgen Früh. Die EZB hat angekündigt wieder aktiv am Markt für europäische Staatsanleihen als Käufer aufzutreten. Damit soll weiterer Spekulation auf steigende Renditen bei spanischen und italienischen Staatsanleihen vorgebeugt werden (WSJ, SPON).

Aus der Pressemitteilung der EZB:
"6. It is on the basis of the above assessments that the ECB will actively implement its Securities Markets Programme. This programme has been designed to help restoring a better transmission of our monetary policy decisions – taking account of dysfunctional market segments – and therefore to ensure price stability in the euro area."
Auf jedenfall wird die neue Woche wieder spannend!

Samstag, 6. August 2011

Downgrade USA

S&P hat gestern als erste (westliche) Rating-Agentur die Bonität der USA von AAA eine Stufe auf AA+ gesenkt. Zwar gibt es einige Analysten, die erwarten, dass sich dadurch die Finanzierungskosten der USA erhöhen - aber ich bin mir alles andere als sicher, dass das der Fall sein wird. Denn:
  1. War dieser Schritt von den Märkten ja schon erwartet worden - und bislang zeigte sich nichts in den Kursen.
  2. Hat auch Japan gezeigt, dass Herabstufungen der Agenturen nicht unbedingt mit höheren Zinsen einhergehen müssen - Japan lebt nun schon seit geraumer Zeit mit nicht-Top-Rating und niedrigen Zinsen.
  3. Dürften alle großen Player an den Märkten zumindest für die USA-Treasuries deutlich mehr Research machen als S&P selber.
  4. Zeigt der peinliche 2-Billionen-Dollar-Fehler, den S&P gestern anfänglich in seinen Berechnungen gemacht hatte, dass keiner gut beraten ist, den Urteilen der Ratingagenturen blind zu folgen.
Insgesamt zeigt der Schritt also zwar noch mal deutlich, dass es um die Wirtschaftskraft der USA momentan nicht sonderlich gut bestellt ist; ich glaube aber nicht, dass die Aktion gestern fundamentale Neuigkeiten gebracht hat, die die Märkte bewegen werden. (Die sind schon genug in Bewegung in den letzten Tagen ;-)

Update: Zu Punkt 5. passt noch dieser Eintrag auf dem Blog "Economist's View".

Freitag, 5. August 2011

Schlechte Nachrichten ...

... wohin man schaut: Gestern sind die Aktienmärkte auf breiter Front eingebrochen (nachdem sie schon seit über einer Woche langsam absackten), die Renditedifferenzen im Euroraum erhöhen sich trotz EU-Beschluss von vor ca. 2 Wochen tendenziell anstatt zu sinken, der Ölpreis hat deutlich nachgegeben, die schweizerische und die japanische Notenbank haben an den Devisenmärkten interveniert, um die Aufwertung ihrer Währungen zu stoppen und in den USA wird für heute ein weiterer schwacher Arbeitsmarktbericht erwartet.

Dienstag, 2. August 2011

Tiefe der US-Rezession

Diese Graphik von CR zeigt noch mal, wie Tief die Rezession in den USA laut jüngster Daten gewesen ist - und dass noch ein gutes Stück des Weges zurück zur Normalität zu gehen ist.


Die Graphik zeigt, dass abzüglich staatlicher Transfers das Einkommen der privaten Haushalte am Tiefpunkt der Rezession um über 10 % (!) unter dem vorher erreichten Niveau lag. Bislang ist davon erst ca. die Hälfte wieder wettgemacht worden.

Das verdeutlicht noch mal, wie mau der "Aufschwung" in den USA gewesen wäre, wenn man sich die staatlichen Stützungsmaßnahmen (in diesem Fall vornehmlich automatische Stabilisatoren) mal weg denkt.

Montag, 1. August 2011

US-Schuldenkompromiss

Der jetzt gefundene "Kompromiss" (eigentlich ist es ja, was die Republikaner wollten) zur Anhebung des US-Schuldenlimits (hier die Eckpunkte) stößt - soweit ich das überblicke - im Moment bei allen neutralen Beobachtern auf sehr negatives Echo.

Das meinen deutsche Ökonomen im Handelsblatt, die FTD, der Guardian und Paul Krugman.

Bei der wirklichen Umsetzung dieses Sparpakets stehen die Chancen für eine neuerliche US-Rezession nicht schlecht ...

Steinbrück-Interview

Lesenswertes Interview mit Peer Steinbrück in der FAZ über das Verhältnis von Markt und Staat.

US-Bankrott abgewendet

Wie von mir erwaretet haben sich Demokraten und Republikaner im US-Kongress in letzter Minute doch noch auf einen Kompromiss geeinigt und werden die Schuldengrenze anheben. Damit kommt es zu keiner Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung.

Allerdings mussten die Demokraten den Republikaneren - und hier vor allem der Tea-Party-Bewegung - so große Zugeständnisse machen, dass das nun zur Abstimmung stehende Programm kurzfristig nichts Gutes für die US-Konjunktur bedeutet und langfristig nichts Gutes für die Zukunft Amerikas - im Hinblick auf die Bereitstellung einer vernünftigen Infrastruktur und der Sicherung des sozialen Friedens - bedeutet.

Eine Übersicht hat SPON hier.