Donnerstag, 22. September 2011

Alternative zu Finanzhilfen für Euro-Staaten

Harald Hau und Bernd Lucke haben ein kurzes Positionspapier geschrieben, in dem sie die auch schon von IWF-Chefin Lagarde angeregte Rekapitalisierung europäischer Banken als Alternative zu immer weiteren Finanzhilfen für überschuldete Euro-Staaten durchrechnen und beführworten.
"Die pointierteste Alternative [zu weiteren Rettungspaketen für Griechenland] besteht darin, den Rettungsschirm durch eine obligatorische Rekapitalisierung gefährdeter Banken zu ersetzen. Den Banken frisches Kapital zuzuführen, damit sie einer Staatsinsolvenz trotzen können, ist genau der Vorschlag, den IWF-Chefin Lagarde vor knapp drei Wochen in einer vielbeachteten Rede in Jackson Hole gemacht hat: „(Europäische) Banken bedürfen dringend einer Rekapitalisierung. Sie müssen stark genug sein, um den Risiken von Staatsinsolvenzen und Wachstumsschwächen zu widerstehen. Dies ist der Schlüssel, um Ansteckungseffekte zu verhindern."
Die Autoren nennen im weiteren Verlauf vier Vorteile:
  1. "Nur ein relativ kleiner Teil der Staatsverschuldung befindet sich im Besitz von EU-Banken. [...] [E]ine Bankenrekapitalisierung [kann] gezielt und vergleichsweise kostengünstig vorgenommen werden, weil nur dort Kapital zugeschossen wird, wo systemische Risiken bestehen. Alle anderen Investoren (Finanzinvestoren ebenso wie private Haushalte) müssen die Risiken ihrer (selbstverschuldeten) Anlageentscheidung selbst tragen."
  2. "[D]er Staat und damit die Ressourcen der Steuerzahler [werden] nur nachrangig zum Einsatz kommen. Denn das haftende Eigenkapital der Bankaktionäre bildet den ersten Puffer für Verluste."
  3. "[D]er Staat erwirbt, wenn er unzureichend mit Eigenkapital ausgestattete Banken rekapitalisiert, geldwerte Ansprüche."
  4. "Mit Blick auf die Verteilungsgerechtigkeit ist zudem hervorzuheben, dass sich etwa 70% des betroffenen Kapitals von Banken und Finanzinvestoren im Besitz der 5% weltweit reichsten Individuen befinden. Die durch einen Rettungsschirm erfolgende Übernahme von Verlusten dieser kleinen Vermögenselite bedeutet eine gewaltige Umverteilung zuungunsten des durchschnittlichen Steuerzahlers. Durch eine Bankenrekapitalisierung findet diese sozial anstößige Umverteilung entgegen landläufiger Meinung nicht statt, denn die Bankaktionäre werden nicht Eigentümer des frischen Kapitals: Es gehört vielmehr dem Staat."
Und wieder einmal zeigt sich, dass das Grundproblem der "Alternativlosigkeit" dessen, was die Politik macht, darin liegt, dass im Finanzsektor noch nicht durchgegriffen wurde und dass anscheinend in der Politik ein hoher Widerwille dagegen besteht, Kapital im Austausch gegen Eigentumsrechte in den Bankensektor zu pumpen. Warum? Wahltaktische Gründe, weil keiner der Öffentlichkeit erklären kann, was Hau und Lucke aufzeigen? Der feste Lobbygriff der Banken? Man weiß es nicht ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen