Donnerstag, 20. Oktober 2011

Die FAZ über die EZB

Anlässlich des Wechsels von Trichet zu Draghi beschreibt die FAZ, welche Probleme sie mit der "neuen" EZB hat. Ein paar Anmerkungen:
"Als die Regeln der gemeinsamen Notenbank Anfang der neunziger Jahre festgezurrt wurden, da lobte selbst der damalige Bundesbank-Präsident Helmut Schlesinger die Verpflichtung auf ein einziges Ziel: Preisstabilität. [...] In Europa [...] sollten die Notenbanker nur darauf achten, dass der Euro eine harte Währung bleibt. Alles andere hatte sie tunlichst nicht zu interessieren."
... es ist aber ja nicht schlecht, wenn man Fehler korrigiert und in der Praxis auch die Finanzstabilität nicht den Bach runter gehen lässt (siehe auch hier und hier).
„Finanzstabilität“ wurde auf einmal als zweites Ziel der Notenbank neben „Preisstabilität“ genannt. Mit zwei Zielen aber wurden gerade die Zielkonflikte geschaffen, die ihre Gründungsväter vermeiden wollten. Was macht die EZB künftig, wenn die Geldwertstabilität höhere Zinsen verlangt, die Finanzstabilität aber niedrigere?"
... i) bislang hat die EZB noch keine Maßnahme getätigt, die zeigen würde, dass ihr die Preisstabilität neuerdings egal ist. Im Gegenteil: Anfang des Jahres hob sie die Zinsen an, obwohl das viele (hier und hier) als Fehler brandmarkten ... von Taubenhaftigkeit war da wenig zu spüren. ii) Ohne jetzt ein formales Modell bereit zu haben, kann ich den zwangsläufigen Zielkonflikt zwischen Preis- und Finanzmarktstabilität nicht so recht erkennen: In meiner Welt jedenfalls dürfte nach einer heftigen Finanzmarktkrise die Kreditvergabe sinken und in der Folge auch Produktion und Preise, d.h. durch Verhinderung von Finanzmarktinstabilitäten kann die Notenbank auch gravierende Abweichungen nach unten von ihrem Ziel verhindern.
"Die EZB, die Hüterin des Euro, wurde zur EZB, der Retterin der Staaten."
... falsch: Die EZB, die Hüterin der Preisstabilität und der Funktionsfähigkeit des Zahlungsverkehrs im gesamten Euroraum, wurde zur EZB, der Hüterin der Preisstabilität und der Funktionsfähigkeit des Zahlungsverkehrs im gesamten Euroraum.
"In Deutschland wurde er [Trichet] als Franzose kritisch beäugt - in Frankreich als Klon des deutschen Bundesbank-Präsidenten Hans Tietmeyer verunglimpft. Und was hat Trichet gemacht, als es hart auf hart kam? Nun, dass er den deutschen Vertretern im Staatsanleihen-Streit den Rücken gestärkt hätte, ist nicht überliefert."
... nun ja, ich kann nicht erkennen, dass die Position der deutschen Bundesbank in irgendeinem wichtigen Land dieser Erde eine Mehrheit hätte - ganz zu schweigen von der modernen makroökonomischen Wissenschaftscommunity. Und da sollte man doch eher froh sein, dass sich der EZB-Präsident nicht hat von einer Minderheitenmeinung leiten lassen.


Meine Prognose ist, dass Historiker in ein paar Dekaden zu dem Urteil kommen werden, dass die großen Fehler in der Euroschuldenkrise von der Finanzpolitik gemacht wurden. Die EZB-Politik wird wahrscheinlich nicht in der Form kritisiert werden, wie es die Bundesbank-Franktion derzeit tut, sondern eher für eine zu wenig expanisve Geldpolitik.

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