Mittwoch, 23. November 2011

Deutsche Lügen

Wolfgang Münchau schreibt auf SPON über die "zwei deutschen Lügen", die eine Lösung der Schuldenkrise im Euroraum verhindern.
"Die erste dieser Lügen betrifft die Ursachen der Krise. In Deutschland glaubt fast jeder, dass die Krise durch schlechte Haushaltspolitik verursacht wurde. Das ist falsch. Natürlich hat Griechenland alle Regeln einer guten Haushaltspolitik gebrochen - aber nicht Spanien, nicht Portugal, nicht Irland, nicht Italien, nicht Frankreich, nicht Österreich, nicht Belgien. Der Grund, warum wir heute in diesem existentiellen Schlamassel stecken, hat nichts, aber auch gar nichts mit den Verfehlungen eines kleinen Landes in der fernen südöstlichen Ecke der Währungsunion zu tun. Die Krise betrifft mittlerweile Länder, von denen sich die meisten an die Regeln hielten."
Ich halte diese verfehlte Wahrnehmung auch für außerordentlich wichtig für die Erklärung der bislang misslungenen Lösungsversuche. Denn sie richtet den Fokus zu stark auf die öffentliche Verschuldung und führt zur Empfehlung von kurzfristigen Sparprogrammen, die - bei aller mittel- bis langfristigen Konsolidierungsnotwendigkeit - das Verschuldungsproblem der betroffenen Staaten noch verschlimmern.
"Die zweite Lüge ist die Inflationslüge, wonach Deutschland aufgrund seiner historischen Erfahrungen mit der Inflation mehr als andere Staaten auf dem Prinzip der Preisstabilität beharrt. Diese Lüge wird momentan angeführt, um zu verhindern, dass die Europäische Zentralbank in großem Maße Anleihen aufkauft. Angeblich würde das die Inflation ankurbeln.

Ob es in den jetzigen Zeiten tatsächlich zu einer Inflation käme, sei einmal dahingestellt. Interessanter ist die Lüge an sich, denn die deutschen wirtschaftshistorischen Erfahrungen sind gar nicht einmal so fundamental anders als die anderer Länder. In Deutschland blendet man gerne die dreißiger Jahre aus - nicht nur die mittleren und späteren, auch die früheren. War es wirklich die Inflation der frühen zwanziger Jahre, die, anstelle der Deflation der frühen dreißiger Jahre, Hitler an die Macht brachte?"
Hier bin ich geschichtswissenschaftlich zu wenig bewandert, als dass ich einen Kommentar dazu abgeben könnte. Aber das Thema wird auch in anderen Blogs heiß diskutiert (z.B. FT Alphaville, Herdentrieb). Ich denke aber auch, dass das Inflationsgespenst nicht hinter der nächsten Ecke nur darauf wartet, dass die EZB stärker bei der Eindämmung der akuten Krise hilft, und sofort rauskommen würde ...!

Kommentare:

ΑΛΕΞΑΝΔΡΟΣ hat gesagt…
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Jonas Dovern hat gesagt…

@ΑΛΕΞΑΝΔΡΟΣ: Bitte nur Kommentare zu den Themen der Beiträge.

George Kender Comney hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Jonas Dovern hat gesagt…

@GK Comney: Bitte in diesem Blog auf eine Diskussion der ökonomischen Zusammenhänge beschränken.

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