Dienstag, 1. November 2011

Eurokrise nicht tot zu kriegen

Nach der Ankündigung eines Referendums über die neuen Hilfspakete für Griechenland in Griechenland wird klar, dass die Krise alles andere als vorbei ist.

Paul Krugmans - soll man sagen? - Nachruf auf den Euro:
"I’ve been charting this trainwreck for a couple of years, and am feeling too weary to trace through it again right now. Let’s just say that the euro was an inherently flawed idea that can work only given a strong European economy and a significant degree of inflation, plus open-ended credit to sovereigns facing speculative attack. Yet European elites embraced the notion of economics as morality play, imposing across-the-board austerity, tightening money despite low underlying inflation, and have been too concerned with punishing sinners to notice that everything was going to blow apart without an effective lender of last resort."
Auch Bradford DeLong führt die Probleme in erster Linie auf ein zu enges Verständnis von Geldpolitik, d.h. der Rolle der Zentralbank zurück. In die gleiche Richtung ging auch unsere Meinung im Herbstgutachten.

Allerdings gibt es tatsächlich das Problem, dass das Währungsgebiet aus einzelnen fiskalischen Gebieten besteht, die politisch wohl noch nicht reif für eine gemeinsame Finanzpolitik sind. Deswegen müsste, sollte die EZB die Rolle des "Lenders of Last Resort" wirklich zugewiesen bekommen, bzw. ausüben, durch andere wirkungsvolle Mechanismen sichergestellt werden, dass kein Moral Hazard entsteht, d. h. dass nicht einzelne Länder auf kosten der anderen eine zu laxe Finanzpolitik betreiben. Das geht meiner Meinung nach nur über i) Automatismen (und nicht zwischenstaatliche Verhandlungen/Entscheidungen im Einzelfall) und ii) innerhalb der (zu ändernden) Europäischen Verträge (und nicht über nationale Schuldenbremsen, die im Ernstfall schnell Makulatur wären).

Allerdings ändert dies alles nichts daran, dass sich zeigt, dass wir entweder einen "Lender of Last Resort" brauchen oder das Finanzsystem (unter Verzicht auf heimische risikolose Wertpapiere) so regulieren müssen, dass Staatsinsolvenzen keine qualitativ anderen Auswirkungen mehr hätten als, sagen wir, die Insolvenz eines Großunternehmens. Aber das würde eben eine Menge mehr Regulierung und deutlich höhere Kapitalquoten erfordern ... und löst auch nicht die akuten Probleme, in denen wir stecken.

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