Donnerstag, 10. November 2011

Letzte Rettung EZB?

Mit dem Überschwappen der Schuldenkrise nach Italien flammt die Diskussion über die Rolle der EZB in dem ganzen Schlamassel wieder auf.

Erstmal vorweg: Sollte es hart auf hart kommen und sich die Schuldenkrise in Italien weiter zuspitzen, dann wird (und sollte) die EZB so oder so handeln und italienische Staatsanleihen kaufen, um einen finanziellen Kollaps der Eurozone zu verhindern.

Die Fragen, die sich nun stellen, sind: Soll man es (mal wieder) so weit kommen lassen? Oder wäre es nicht endlich Zeit präventiv zu handeln? Wäre es nicht endlich Zeit zuzugeben, dass wir ein institutionelles Re-Desing im Euroraum brauchen, das wir das aber nicht auf die Beine stellen können, wenn es jeden zweiten Tag an einer anderen Ecke brennt?

Ein Szenario wäre: Die EZB (oder die EFSF, aber die hat eben nur begrenzte Mittel zur Verfügung) setzt in dem Moment, wo sich Italien verbindlich zu einem langfristigen Konsolidierungspfad verpflichtet, der von IWF, EZB und EU-Kommission bei Androhung von Sanktionen überwacht wird, eine Obergrenze für die Rendite auf italienische Staatsanleihen, d. h. eine Untergrenze für den Preis der Anleihen. Idealerweise mit dem Hinweis, dass diese Grenze für die Anleihenpreise bei positiver Bewertung des Konsolidierungsprogramms jederzeit angehoben werden könnte. Die EZB würde diese Grenze mit unbegrenzten Mitteln verteidigen. Geschähe dies, stünden die Chancen nicht schlecht, dass die EZB gar nicht viele Mittel aufwenden müsste, weil niemand die Grenze testen will, um dabei Geld zu verlieren.

Die schweizer Nationalbank hat mit einem solchen Vorgehen jüngst den Kurs des schweizer Frankens zum Euro erfolgreich bewegt, ohne dafür effektiv Geld einzusetzen.

Nachdem dann der Stress im Finanzsystem gesunken ist, kann man sich in Ruhe darüber unterhalten, woran die Schuldenkrise gelegen hat und welche neuen Strukturen notwenig sind - aber das Gehangel von Krisengipfel zu Krisengipfel und das Agieren immer erst, wenn es fast zu spät ist, verteuert die ganze Sache unnötig und erschwert die richtige Neugestaltung des Euroraums.

Update: Krugman-Interview zum Thema im Handelsblatt.

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