Mittwoch, 21. Dezember 2011

Neue Konjunkturprognosen

So, nun kann auf der Homepage von Kiel Economics auch die Kurzversion der neuen Konjunkturprognose eingesehen werden und der komplette Bericht bestellt werden. Das ist die Zusammenfassung der Prognose für Deutschland:


Und sonst? Der übrige Euroraum wird um eine neuerliche Rezession wohl nicht herumkommen, in den USA bleibt das Wachstum mit 1,8 % in diesem und 1,9 % bzw. 2,0 % in den kommenden beiden Jahren mau, und wir zeigen im Analyseteil u. a. mal wieder, wie unsicher Konjunkturprognosen sind.

Was sagen die anderen für die Konjunkturentwicklung in Deutschland in 2012?
  1. IfW: 0,5 %.
  2. IWH: 0,4 %.
  3. RWI: 0,6 %.
  4. ifo: 0,4 %.
  5. IMK: -0,1 %.

Alle ein wenig pessimistischer als wir. Aber die Risiken liegen auch klar auf der unteren Seite - aber wenn es hart auf hart kommt - und das wäre, wenn die Schuldenkrise im Euroraum aus dem Ruder läuft - dann wären wohl auch die Prognosen von IfW bis IMK noch zu positiv ...

Neue mediale Kampflinie?

Mir schwant, dass in der deutschen medialen Öffentlichkeit gerade einen neue Argumentationslinie gegen die EZB aufgebaut wird. Dieser Beitrag des Handelsblatts hört sich jedenfalls verdammt danach an, als würde nach dem Refinanzierungsgeschäft von heute selbst die Stabilisierung des Bankensektors durch die EZB als indirekte Staatenfinanzierung diskreditiert.
"Mit dem sogenannten Dreijahrestender legt die EZB nun ein weiteres gigantisches Stützungsprogramm auf. Es zielt nur vordergründig auf den Bankensektor. Denn in Wahrheit ist die beispiellose geldpolitische Aktion ein Rettungspaket für die Schuldenstaaten. Die EZB macht mit ihrer Geldschwemme über die Hintertür genau das, wogegen sie sich bislang öffentlich sträubt: Sie wirft die Notenpresse an, um indirekt Schulden der wackelnden Euro-Staaten zu finanzieren."
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo das noch hinführen soll. Die Bankensysteme einiger Euroraumländer stehen kurz vor dem Zusammenbruch - und Einige sähen sie wohl gerne brechen. Fraglich auch, aus welchen Gründen das Handelsblatt in diesem Zusammenhang mit der Suggerierung falscher Tatsachen arbeitet ...

Asymmetrische Monetaristen?

W. Münchau schreibt auf Spiegel Online über Asymmetrien im Denken (deutscher) Monetaristen.

In gewisser Weise kann man ihm da folgen. Die betroffenen würden wahrscheinlich als Gegenargument bringen, dass man nun einen in den Jahren vor der Krise akkumulierten Überschuss an Geld abbauen muss (meine Vermutung). Allerdings verkennt das, dass die Geldnachfrage anscheinend instabil war; anders kann man die niedrigen Inflationsraten bei gleichzeitig stark zunehmender Geldmenge nicht erklären. Und das wiederum bedeutet, dass nichts dafür spricht, dass das "Geld aus der Vergangenheit" nun in irgendeiner Weise preissteigernd wirken wird.

Nicht alles glauben, was in der Zeitung steht ...

... das bewahrheitet sich auch wiedermal im Kontext des heutigen langfristigen Refinanzierungsgeschäfts der EZB. Im Handelsblatt steht dazu:
"Und deshalb griff die Europäische Zentralbank (EZB) zu bisher nicht gekannten Maßnahmen: Die Währungshüter stützten das angeschlagene Bankwesen heute mit einem Geldsegen von fast 500 Milliarden Euro. Die Kredite wurden erstmalig auf drei Jahre festgeschrieben. Damit können die Banken vom bisher niedrigsten Zinssatz von nur einem Prozent jährlich langfristig profitieren."
In den Konditionen der EZB für dieses Geschäft heißt es in Wahrheit aber:
"The rate in these operations will be fixed at the average rate of the main refinancing operations over the life of the respective operation. Interest will be paid when the respective operation matures"
D. h. gezahlt werden müssen Zinsen zwar erst ganz am Ende, die Höhe richtet sich aber nach dem Leitzins über die gesamte Vertragslaufzeit. Steigen die Zinsen also während der 3 Jahre, dann müssen die Banken auch mehr zahlen.

489.000.000.000

So viel Euro (489 Mrd.) haben sich die Banken der Eurozone von der EZB beim ersten dreijährigen Refinanzierungsgeschäft geliehen.

Die EZB hatte dieses Geschäft angekündigt, um den Problemen im Bankensektor aufgrund fallender Kurse von Staatsanleihen entgegenzuwirken.

Die Banken können das geliehene Geld nach einem Jahr vorzeitig zurückzahlen. Ansonsten müssen diese Kredite über die Laufzeit mit dem jeweils herrschenden Leitzins verzinst werden, d. h. die Banken haben sich jetzt nicht für 3 Jahre einen Zins von 1 % gesichert.

Finanzstressindikator, Ergebnisse für November

Nach dem starken Anstieg vom Oktober zeigen die Ergebnisse des Finanzstressindikators für November überraschenderweise einen gewissen Rückgang für Deutschland an.


Der Indexwert sank von 3 auf 1,96. Allerdings ist das Stressniveau immer noch hoch (nicht verwunderlich, weil die Schuldenkrise im Euroraum immer noch nicht gelöst ist). Ein alternativer Indikator, den die ehemaligen Kollegen am IfW berechnen, zeigt auch bis zuletzt einen Anstieg des Finanzmarktstresses an.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Rezession abgewendet?

Das Geschäftsklima in Deutschland hellt sich zum zweiten Mal in Folge auf. Bei unveränderter Lageeinschätzung und steigenden Erwartungen, nahm das ifo Geschäftsklima um einen guten halben Punkt auf 107,2 zu.
Derzeit sieht es so aus, als würde ein wirtschaftlicher Absturz in Deutschland nicht kommen. Mehr gibt es demnächst in der neuen Konjunkturprognose von Kiel Economics.

Samstag, 17. Dezember 2011

Gründe für Stark-Rücktritt

Nun ist auch offiziell, dass J. Stark als EZB-Chefvolkswirt nicht in erster Linie aus persönlichen Gründen zurückgetreten ist, sondern weil er vor der Mehrheit im EZB-Rat, die nicht seiner Meinung über das Programm zum Aufkauf von Wertpapieren war, kapituliert hat.
"Doch nun hat der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, erstmals offen über die wahren Hintergründe gesprochen: Es gebe "ein großes Thema, das dies begründet", sagte er der "Wirtschaftswoche". "Ich bin nicht zufrieden damit, wie sich diese Währungsunion entwickelt hat."

"Der weitere Kauf von Staatsanleihen sei keine Lösung, auch wenn das "rund 90 Prozent der selbst ernannten oder wirklichen Experten rund um den Globus" forderten. Wer nun die US-Notenbank "als leuchtendes Beispiel" nenne, zeige sein "Unverständnis des institutionellen Rahmens" in Europa, sagte Stark."
Nun kann man solche Gewissensentscheidungen auf der einen Seite gutheißen. Auf der anderen Seite ist aber auch zu fragen, ob man als politischer Beamter und Repräsentant Deutschlands nicht eine gewisse Verantwortung für die Reputation seines Landes hat. Und das Standing von Deutschland, was die Besetzung von Spitzenjobs in internationalen Gremien angeht, hat sich durch die überraschenden Rücktritte von Stark (und Weber) nicht unbedingt verbessert.

Und jetzt kurz vor dem Ausscheiden aus der EZB nachzutreten, ist auch nicht die feine Art und wird es seinen nachfolgenden deutschen Vertretern nicht einfacher machen. Das hätte er auch in ein paar Jahren in einer Biographie erklären können - gerade weil insgeheim sowieso jeder wusste, warum er zurückgetreten ist.

In gewisser Weise scheint es Deutschland an einem ausreichenden Pool von loyalen Spitzenbeamten für internationale Aufgaben zu fehlen.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Jammernde Banker

Aus dem Handelsblatt:
"Ackermann kritisierte, die zunehmende Regulierung des Sektors bestimme mehr und mehr die Geschäftsmodelle der Banken."
Aber so sollte es doch auch sein, oder? Jedenfalls setzt die Regulierung den Banken Schranken, innerhalb derer sie sich ein Geschäftsmodell suchen können. Denn dass die Situation der jüngeren Vergangenheit, in der den Banken praktisch jedes Geschäftsmodell offenstand, nicht zum Wohl der Allgemeinheit beigetragen hat, dürfte mittlerweile unstrittig sein.

Hintergrund der Ackermann-Beschwerde ist u. a., dass die europäische Bankenaufsichtsbehörde, EBA, beim jüngsten Stresstest wohl noch im Verfahren nachjustiert hat:
"Die EBA habe mitten im Prozess willkürlich die Methodik verändert, sagte er [Ackermann] am Donnerstag in Berlin: „Das ist nicht geeignet, Vertrauen herzustellen.“
Ich kann dazu nur sagen, dass ich hier fast jeden Tag meine Prognosetexte anpassen muss, weil im Zuge der Schuldenkrise Neuigkeiten reinkommen - und das wird für den Regulator ja nicht anders sein. Und außerdem sollten die Stresstests ja kein Wunschkonzert für die Banken sein, sondern der Regulator sollte jederzeit frei sein, die Regeln zu bestimmen und anzupassen.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

M. Wolf über Krise im Euroraum

Martin Wolf fasst in der Financial Times das Grundproblem für die Krise im Euroraum gut zusammen:
"In brief, it is extremely difficult to eliminate fiscal deficits in the structural capital-importing countries, without prolonged recessions or huge improvements in their external competitiveness. But the latter is relative, so the needed improvements in the external performance of weak eurozone countries imply a deterioration in that of eurozone capital-exporters, or radically improved external performance for the eurozone as a whole. The former means that Germany becomes far less German. The latter implies that the eurozone becomes a mega-Germany. Who can believe either outcome is plausible?

This leaves much the most plausible outcome of the orgy of fiscal austerity: long-term structural recessions in vulnerable countries. To put it bluntly, the single currency will come to stand for wage falls, debt deflation and prolonged economic slumps. Can this stand, however big the costs of a break-up?

The eurozone has no credible plan to fix the flaws of the eurozone, apart from greater fiscal austerity: there is to be no fiscal, financial or political union; and there is to be no balanced mechanism for economic adjustment on both sides of the creditor-debtor divide. The decision is, instead, to try still harder with a stability and growth pact whose failures have been both predictable and persistent."

In meinen Augen ist das Fazit richtig. Die Krux liegt nicht im Stabilitäts- und Wachstumspakt, sondern in den Schwierigkeiten mit der Wettbewerbsfähigkeit einiger Länder.

Montag, 12. Dezember 2011

Krisenbekämpfung

Wollen wir mal hoffen, dass P. Krugman nicht Recht behält:
"What Anglo-Saxon economists need to understand is that the Germans and the ECB really, really don’t share our worldview; they really do believe that austerity is all you need. And all indications are that they will cling to that belief, even as the euro falls apart — an event they will insist was caused by the fecklessness of the debtors. Given a choice between saving Europe and remaining righteous, they’ll choose the latter."
Dazu auch noch der Link zu einem Aufsatz von R. Perotti, in dem er zwar einige Schwächen der IWF-Studie zum Effekt von staatlichen Sparprogrammen analysiert, aber insgesamt auch - entgegen den Resultaten von älteren Studien von ihm - zu dem Ergebniss kommt, dass öffentliche Sparprogramme tendenziell ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung zur Folge haben.
"[The] results cast doubt on at least some versions of the "expansionary fiscal consolidations" hypothesis, and on its applicability to many countries in the present circumstances. A depreciation is not available to EMU members today (except vis à vis countries outside the Eurozone). A net export boom is not feasible for the world as a whole. A further decline in interest rates is unlikely in the current situation. And incomes policies are not popular nowadays; moreover, international experience, and the Danish case, suggest that they are ineffective after a few years."

Sonntag, 11. Dezember 2011

Inflation in Deutschland

Die Inflationsrate ist in Deutschland im November auf 2,4 % zurückgegangen (d. h. Preisanstieg im Vorjahresvergleich; was am aktuellen Rand los ist, kann ich gerade nicht nachschauen). Die FTD schreibt dazu:
"Insgesamt schwächte sich die Inflation auf Jahressicht den zweiten Monat in Folge etwas ab. Sie bleibt aber über der Warnschwelle der Europäischen Zentralbank. Die Währungshüter sehen die Preisstabilität bei Teuerungsraten bis knapp unter 2,0 Prozent gewahrt."
... und macht dabei den gleichen Fehler wie viele: Die EZB hat ein Inflationsziel für den GESAMTEN Euroraum. Deutschland hatte 10 Jahre lang unterdurchschnittliche Inflationsraten. In den kommenden Jahren sollte die Inflation in Deutschland konstant über 2 % liegen (und es wäre gut, wenn nicht jeden Monat deswegen ein Aufschrei durch die Medien gehen würde, der das als Problem deklariert). Wird sie das nicht tun, dann gute Nacht Euroraum ... die Anpassung der Wettbewerbsfähigkeit der anderen Euroraumstaaten wird so schon schwer genug sein.

Freitag, 9. Dezember 2011

Krugman zu den EU-Beschlüssen

"European stocks are up today, and I have no idea why. [...] [T]his looks like a disastrous meeting. More austerity, more posing of the crisis, wrongly, as being all about fiscal deficits; no mechanism for ECB funding. Somehow southern Europe is supposed to deflate its way to prosperity, while everyone runs a trade surplus, presumably against that potentially habitable planet we’ve discovered 600 light-years away.

Maybe Draghi’s actions will be very different from his words — but actually, since this is to an important degree about expectations, Europe needs both actions and words.

Oh, and for desert we have Cameron acting as a spoiler to protect the wheeler-dealers, poisoning EU politics."

Aber was anderes war bei seiner oft genug kommunizierten Meinung auch nicht zu erwarten.

PS: Mit Außerirdischen hat er es irgendwie - und gleichzeitig einen (wenn auch plakativ formulierten) Punkt.

Neuauflage Soffin

Nun ist das noch nicht offiziell und manches Mal berichten auch die großen Zeitungen etwas ungenau. Aber das hier aus der FTD ...
"Die Institute sollen nicht nur strukturierte Wertpapiere an eine staatliche Zweckgesellschaft auslagern dürfen, sondern ebenfalls Staats- oder Unternehmensanleihen, berichtete die Zeitung am Freitag unter Berufung auf den Entwurf für ein neues Finanzmarktstabilisierungsgesetz. Der Staat übernimmt so die Verlustrisiken."
... hört sich wieder verdammt danach an, als ob der Staat nur Verlustrisiken übernimmt, aber im Gegenzug kein Mitspracherecht in Form von regulären Beteiligungen an den Banken einfordert. Wenn es denn so käme, hielte ich das für einen neuerlichen Skandal.

EU-Gipfel

Hier ist der Link zur Erklärung der Staats- und Regierungschefs der Euroländer nach den Verhandlungen von letzter Nacht.

Die Zusammenfassung:
"Today we agreed to move towards a stronger economic union. This implies action in two directions: (i) a new fiscal compact and strengthened economic policy coordination; (ii) the development of our stabilisation tools to face short term challenges.

we agreed today on a new "fiscal compact" and on significantly stronger coordination of economic policies in areas of common interest.

General government budgets shall be balanced or in surplus; this principle shall be deemed respected if, as a rule, the annual structural deficit does not exceed 0.5% of nominal GDP

The rule will contain an automatic correction mechanism that shall be triggered in the event of deviation.

A mechanism will be put in place for the ex ante reporting by Member States of their
national debt issuance plans.

The rules governing the Excessive Deficit Procedure (Article 126 of the TFEU) will be
reinforced for euro area Member States.

For the longer term, we will continue to work on how to further deepen fiscal integration so as to better reflect our degree of interdependence.

We are committed to working towards a common economic policy.

We agree on an acceleration of the entry into force of the European Stability Mechanism (ESM) treaty. The Treaty will enter into force as soon as Member States representing 90 % of the capital commitments have ratified it. Our common objective is for the ESM to enter into force in July 2012.

Concerning the involvement of the private sector, we will strictly adhere to the well established IMF principles and practices. This will be unambiguously reflected in the preamble of the treaty. We clearly reaffirm that the decisions taken on 21 July and 26/27 October concerning Greek debt are unique and exceptional;"
Also, für eine stärkere Integration auf EU-Ebene hat es nicht gereicht. Ob sich daraus mittelfristig eine starke Spaltung der EU ergibt, wird man sehen. Jedenfalls wird es einen Club der Eurostaaten (+6 andere wie man hört) geben, die sich die oben zusammengefassten Regeln für eine stärkere finanzpolitische Integration geben.

Anscheinend hat das ziemlich die Erwartung der Marktteilnehmer getroffen, denn sowohl Aktien- als auch Devisenmärkte notieren heute bislang fast unverändert.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

EZB-Entscheidung

Die EZB hat den Leitzins wieder auf 1 % gesenkt - damit sind die Zinserhöhungen vom Frühjahr wieder komplett rückgängig gemacht worden.

EZB-Präsident Draghi sagte auf der anschließenden Pressekonferenz etwas, was mich aufhorchen ließ:
"We discussed what you see [die Zinssenkung um 25 Basispunkte]. Some were in favour, and some were against it."
Nun frage ich mich (allerdings nicht wirklich): Wer bitte ist in dieser Situation gegen jede Zinssenkung? Einer Situation, in der die Citigroup bereits eine Rekordrezession von 6 Quartalen für den Euroraum prognostiziert! Draghi sagte außerdem, dass über höhere Zinssenkungen überhaupt nicht gesprochen wurde.

Was es sonst noch zu vermelden gab (ich habe den Anfang der PK verpasst):
  1. Es wird noch mehr, noch längerfristige Refinanzierungsgeschäfte für Banken geben.
  2. Draghi hat meiner Meinung nach sehr auf das Konzept der Kerninflationsrate verwiesen.
  3. Die EZB ist bereit als "agent" für die ESFS zu agieren, d. h. die Marktaktionen der ESFS auszuführen (ohne dass Transaktionen über die Bilanz der EZB laufen).
  4. Der Mindestreservesatz wurde von 2 % auf 1 % gesenkt.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Target II: Nächste Runde

H.-W. Sinn bekommt "Unterstützung" durch A. Tornell und F. Westermann. Deren Analyse wird aber von K. Whelan als durchgängig falsch/fehlleitend bewertet. Zitat:
"In fact, this piece has even less to add (and more to subtract, if believed) to the stock of useful knowledge than Sinn’s various pieces."

Dienstag, 6. Dezember 2011

Teufelskreis

Im SPON-Artikel beschrieben: Angst vor Euroaustritt --> Angst vor Stabilität des Bankensystems in Griechenland --> Abzug von Einlagen --> Verschärfung der Rezession --> Angst vor Euroaustritt --> ...

Das Problem ist, dass wahrscheinlich nur solche politischen Lösungen den Kreislauf unterbrechen könnten, die in Deutschland momentan mehrheitlich abgelehnt werden.

EZB, Schuldenkrise, Ratingagenturen

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank über den möglichen Einfluss der EZB auf die Finanzierungsbedingungen von Spanien und Italien:
"Die Regierungen Monti (Italien) und Rajoy (Spanien) scheinen entschlossen, die Staatsfinanzen zu sanieren und die Wirtschaftspolitik zu reformieren. Dies wird ihnen aber nur gelingen, wenn die monetären Bedingungen in ihren Ländern nicht so restriktiv sind, dass die Wirtschaft erdrückt wird. Sollen die monetären Bedingungen in diesen Ländern gelockert werden, so reicht es nicht, den Refi-Satz zu senken. Die Kapitalmarktzinsen müssen auch herunter kommen, und dazu sollte die EZB den Zins auf Staatsanleihen durch Marktinterventionen nach oben begrenzen."
Thomas Mayer weist hier auf ein Problem hin, dass sich auch in der Ankündigung von Standard & Poors spiegelt. Auch hier liegt die Begründung für den negativen Ausblick in erster Linie in den schlechteren Konjunkturaussichten, die aber ja zu einem großen Teil durch die heftigen Sparprogramme in den Schuldenkrisenländern bedingt sind. D. h. kurzfristig schaden die Sparbemühungen - aber die Marktteilnehmer honorieren sie nicht durch ein Zinsniveau, das eine wirkliche Konsolidierung zulassen würde.

Mayer außerdem zum Vor- und Nachteil von Eurobonds und EZB-Intervention:
"Wenn Eurobonds am Anfang der Anpassung stehen, machen sie diese überflüssig und bereiten den Weg zur Transferunion. Stehen sie dagegen am Ende der Anpassungsprozesse, können sie durchaus sinnvoll sein, um einen großen und liquiden Markt für Euroland-Staatsanleihen zu schaffen. Außerdem sollte man bedenken, dass Eurobonds, wenn sie einmal eingeführt sind, kaum wieder abgeschafft werden können. D.h., das Risiko einer Transferunion ist bei vorzeitiger Einführung groß. Dagegen kann der Kauf von Staatsanleihen durch die EZB, also die Anschubfinanzierung für die Reformprogramme, vom EZB-Rat jederzeit wieder rückgängig gemacht werden, wenn sie zur Dauerfinanzierung zu werden droht."

Sonntag, 4. Dezember 2011

Causa Commerzbank

Die Commerzbank muss demnächst neues Kapital aufnehmen, um die angehobenen Kapitalanforderungen zu erfüllen. Im derzeitigen Marktumfeld dürfte das schwierig werden. Anscheinend streubt sich der Bund nicht mehr dagegen, die Mehrheit bei der Commerzbank zu übernehmen. Alles andere wäre, wenn der Staaten denn nochmals mit einer Kapitalsprize aushilft, auch ein Witz. Aber anscheinend hat man aus der letzten schlecht gestalteten Hilfsaktion, bei der der Steuerzahler sehr wenig Gegenleistung bekommen hat, gelernt.

Bei einem Kapitalbedarf von 5 Mrd. Euro hätte der Bund, wenn er denn die ganze Kapitalerhöhung stemmen würde, bei einer derzeitigen Marktkapitalisierung der Commerzbank von gut 7,5 Mrd. Euro nachher rund 55 % der Anteile (derzeit 25 %). Und gut wäre es, wenn der Staat die neuen Anteile mit einem Abschlag bekommt, weil die Bank sonst ja abgewickelt werden müsste - und die Altaktionäre wahrscheinlich mit deutlich weniger aus der Sache heraus kämen.

Mal schauen, wie sich das weiter entwickelt ...