Dienstag, 6. Dezember 2011

EZB, Schuldenkrise, Ratingagenturen

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank über den möglichen Einfluss der EZB auf die Finanzierungsbedingungen von Spanien und Italien:
"Die Regierungen Monti (Italien) und Rajoy (Spanien) scheinen entschlossen, die Staatsfinanzen zu sanieren und die Wirtschaftspolitik zu reformieren. Dies wird ihnen aber nur gelingen, wenn die monetären Bedingungen in ihren Ländern nicht so restriktiv sind, dass die Wirtschaft erdrückt wird. Sollen die monetären Bedingungen in diesen Ländern gelockert werden, so reicht es nicht, den Refi-Satz zu senken. Die Kapitalmarktzinsen müssen auch herunter kommen, und dazu sollte die EZB den Zins auf Staatsanleihen durch Marktinterventionen nach oben begrenzen."
Thomas Mayer weist hier auf ein Problem hin, dass sich auch in der Ankündigung von Standard & Poors spiegelt. Auch hier liegt die Begründung für den negativen Ausblick in erster Linie in den schlechteren Konjunkturaussichten, die aber ja zu einem großen Teil durch die heftigen Sparprogramme in den Schuldenkrisenländern bedingt sind. D. h. kurzfristig schaden die Sparbemühungen - aber die Marktteilnehmer honorieren sie nicht durch ein Zinsniveau, das eine wirkliche Konsolidierung zulassen würde.

Mayer außerdem zum Vor- und Nachteil von Eurobonds und EZB-Intervention:
"Wenn Eurobonds am Anfang der Anpassung stehen, machen sie diese überflüssig und bereiten den Weg zur Transferunion. Stehen sie dagegen am Ende der Anpassungsprozesse, können sie durchaus sinnvoll sein, um einen großen und liquiden Markt für Euroland-Staatsanleihen zu schaffen. Außerdem sollte man bedenken, dass Eurobonds, wenn sie einmal eingeführt sind, kaum wieder abgeschafft werden können. D.h., das Risiko einer Transferunion ist bei vorzeitiger Einführung groß. Dagegen kann der Kauf von Staatsanleihen durch die EZB, also die Anschubfinanzierung für die Reformprogramme, vom EZB-Rat jederzeit wieder rückgängig gemacht werden, wenn sie zur Dauerfinanzierung zu werden droht."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen