Samstag, 17. Dezember 2011

Gründe für Stark-Rücktritt

Nun ist auch offiziell, dass J. Stark als EZB-Chefvolkswirt nicht in erster Linie aus persönlichen Gründen zurückgetreten ist, sondern weil er vor der Mehrheit im EZB-Rat, die nicht seiner Meinung über das Programm zum Aufkauf von Wertpapieren war, kapituliert hat.
"Doch nun hat der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, erstmals offen über die wahren Hintergründe gesprochen: Es gebe "ein großes Thema, das dies begründet", sagte er der "Wirtschaftswoche". "Ich bin nicht zufrieden damit, wie sich diese Währungsunion entwickelt hat."

"Der weitere Kauf von Staatsanleihen sei keine Lösung, auch wenn das "rund 90 Prozent der selbst ernannten oder wirklichen Experten rund um den Globus" forderten. Wer nun die US-Notenbank "als leuchtendes Beispiel" nenne, zeige sein "Unverständnis des institutionellen Rahmens" in Europa, sagte Stark."
Nun kann man solche Gewissensentscheidungen auf der einen Seite gutheißen. Auf der anderen Seite ist aber auch zu fragen, ob man als politischer Beamter und Repräsentant Deutschlands nicht eine gewisse Verantwortung für die Reputation seines Landes hat. Und das Standing von Deutschland, was die Besetzung von Spitzenjobs in internationalen Gremien angeht, hat sich durch die überraschenden Rücktritte von Stark (und Weber) nicht unbedingt verbessert.

Und jetzt kurz vor dem Ausscheiden aus der EZB nachzutreten, ist auch nicht die feine Art und wird es seinen nachfolgenden deutschen Vertretern nicht einfacher machen. Das hätte er auch in ein paar Jahren in einer Biographie erklären können - gerade weil insgeheim sowieso jeder wusste, warum er zurückgetreten ist.

In gewisser Weise scheint es Deutschland an einem ausreichenden Pool von loyalen Spitzenbeamten für internationale Aufgaben zu fehlen.

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