Sonntag, 30. Dezember 2012

"Verdammte Prognosen"

... das ist der Titel eines angenehm unaufgeregten Beitrags in der F.A.Z., in dem es um die Zuverlässigkeit von Prognosen in verschiedenen Lebensbereichen geht.

Samstag, 29. Dezember 2012

Fiskalklippe

... noch im Weihnachtsurlaub. Deswegen nur kurz ein Update zum Stand der Verhandlungen über die "Fiskalklippe" in den USA, von deren Ausgang die weitere Entwicklung der Konjunktur in den USA (und in der Welt) maßgeblich abhängt.

Freitag, 21. Dezember 2012

Fiskalklippe in den USA

Die Republikaner in den USA lassen noch keine Kompromissbereitschaft im Streit um die Abfederung der Fiskalklippe erkennen, die den USA zu Jahresbeginn droht.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Anleihenrückkauf anscheinend gelungen

Anscheinend haben sich relativ viele private Gläubiger Griechenlands an der Rückkaufaktion für griechische Staatsanleihen beteiligt.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Rezession wegen Kampf gegen Steuerhinterziehung?

Wolfgang Münchau argumentiert auf SPON, dass die europaweit ergriffenen Maßnahmen zur Aufdeckung von Steuerhinterziehung oder -vermeidung Gift für die sowieso schon schwache Konjunktur seien.

Mittwoch, 28. November 2012

Spieltheorie und Klimawandel

Habe gerade eine SPON-Reportage über ein spieltheoretisches Experiment zum Verhalten in Klimaschutzverhandlungen gelesen.

Dienstag, 27. November 2012

Nächstes Griechenland-Paket

Weil die Wirtschaftsleistung in Griechenland immer weiter sinkt und sich die vorherigen Projektionen der Schuldenquote mal wieder als zu optimistisch herausgestellt hatte, haben EU, EZB und IWF nun ein weiteres Rettungspaket für Griechenland auf den Weg gebracht.

Freitag, 9. November 2012

Vermögen in den USA

Die Vermögensverluste während der Großen Rezession scheinen in den USA sehr ungleich über die verschiedenen Schichten verteilt zu sein.

Spitzensteuersatz

Bill McBride greift auf Calculated Risk vor dem Hintergrund der Diskussion um die "fiskalische Klippe" in den USA die Frage der Effekte einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Prognosen für die US-Wahl

Regelmäßige Leser wissen ja schon, dass ich vor wichtigen Ereignissen hin und wieder mal auf Prognosemärkte schaue.

Freitag, 26. Oktober 2012

Krugman and Stiglitz on the economy and economics

P. Krugman und J. Stiglitz sprechen auf einer Veranstaltung des INET über die Krise, steigende Ungleichheit und mögliche Wege aus dem Schlamassel.

Maue US-Konjunktur

Nach erster Schätzung ist das reale BIP in den USA im dritten Quartal mit aufs Jahr hochgerechneten 2 % gestiegen.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Sonntag, 14. Oktober 2012

EEG vs. Quotenregelung

Justus Haucap und Jürgen Kühling votieren in der F.A.Z. dafür, das Erneuerbare-Energien-Gesetzt (EEG) zugunsten eines Quotenmodells abzuschaffen, bei dem alle Energieversorger und Großverbraucher nachweisen müssen, dass sie eine bestimmte Menge des verkauften/verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Quellen bezogen haben.

Nobelpreise 2012

Morgen wird verkündet, wer den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften (jaja, heißt eigentlich nicht so, ich weiß) dieses Jahr bekommen wird.

Freitag, 12. Oktober 2012

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Montag, 8. Oktober 2012

Freitag, 5. Oktober 2012

Wer profitiert vom "Aufschwung" in den USA

Egghat greift in seinem Blog neue Zahlen zur Einkommensentwicklung in den USA auf, die zeigen, wie ungleich die verschiedenen Einkommensschichten vom Aufschwung profitieren.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Liikanen-Report

Heute wurde der EU der Liikanen-Report vorgelegt, in dem eine Gruppe von Experten Vorschläge für die Reform der Bankenregulierung in der EU macht.

Mittwoch, 26. September 2012

Geburt des ESM

Die F.A.Z. beschreibt in einer kurzen Reportage den Aufbau des ESM in Luxemburg.

Reaktionen auf QE3

In einem Interview im Handelsblatt mit John Taylor über das QE3-Programm der US-Fed ist mir wieder eine Asymmetrie im Denken aufgefallen, die ich in den vergangenen Jahren schon häufig im Kontext der wirtschaftspolitischen Stabilisierungsmaßnahmen im Zuge der Wirtschaftskrise bemerken konnte.

Freitag, 14. September 2012

Donnerstag, 23. August 2012

BIP-Details

Die Details zur Entwicklung des BIP im zweiten Quartal sind heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht worden.

Fußball-Prognosen

Die Bundesliga-Saison 2012/13 steht vor der Tür ... und natürlich boomt dadurch direkt wieder das Fußballprognosebusiness.

Dienstag, 21. August 2012

Noch mal was zum sanften Paternalismus

Ich hatte bereits in der Vergangenheit in einem Beitrag beschrieben, dass ich Probleme mit der Argumentation derjenigen habe, die dem Umsetzen von Erkenntnissen aus der Verhaltensökonomie - unter dem Stichwort "sanfter Paternalismus" - ablehnend gegenüber stehen. Heute findet sich zu diesem Thema in der F.A.Z. ein weiterer Beitrag, dessen Argumentation ich nicht einleuchtend finde.

Weidmanns Rolle

Das Handelsblatt druckt zwei Meinungen zur Rolle von J. Weidmann bzw. der Bundesbank für die europäische Geldpolitik.

Sonntag, 19. August 2012

Läutet die EZB eine neue Runde im Euro-Spiel ein?

Der Spiegel berichtet, dass die EZB wohl auf der nächsten Sitzung im September beschließen könnte, Obergrenzen für die Zinsaufschläge bei Staatsanleihen aller Mitgliedsstaaten gegenüber deutschen Staatsanleihen zu spezifizieren.

Dienstag, 14. August 2012

F.A.Z. zur EZB-Politik

Dass man das jüngste Manöver des ESZB zur Erhaltung der griechischen Zahlungsfähigkeit so wie die F.A.Z. nicht gutheißen kann, versteht sich. Und den Satz ...
"Die Überlebenshilfe ist ein politischer Dienst für die Staats- und Regierungschefs, die dadurch erst nach dem Sommerurlaub über die Konsequenz aus dem tristen „Fortschrittsbericht“ der Troika für Hellas entscheiden müssen."
... sollte man in allen Finanzministerien des Euroraums großflächig plakatieren.

Gleichzeitig wäre es mal erfrischend einen EZB- bzw. Euroraum-Wirtschaftspolitik-kritischen Beitrag zu lesen, in dem auf die Kritik am Seienden ein konkreter Vorschlag des Wünschenswerten folgt.

Und um auf H. Steltzners Frage zu antworten: Eine langfristige Rettung des Euro war die Aktion natürlich nicht - dazu sind Maßnahmen ganz anderer Tragweite notwendig. 

Aber ohne die nun schon recht zahlreichen Aktionen der EZB hätte der Euroraum in den vergangenen Jahren schon mehrfach auf Pfade einschwenken können, an deren jeweiligem Ende der Zusammenbruch der gemeinsamen Währung gestanden hätte. Insofern: Kurzfristig hat das ESZB dem Euro mal wieder den Arsch gerettet.

Denn: Mal schnell Griechenland pleite gehen und austreten lassen und dann fröhlich und ohne Sorgen weitermachen, als wäre nichts gewesen, ist keine (billige) Option (wie auch der Economist schreibt) und wird wohl nur von denjenigen als solche ernsthaft diskutiert, die die Literatur über transnationale Ansteckungseffekte nicht kennen oder deren Ergebnissen sehr wenig Gewicht beimessen.

Mittwoch, 8. August 2012

Finanzstressindikator, Ergebnisse für Juli

Nach dem Urlaub habe ich nun den Wert des Finanzstressindikators basierend auf den Daten bis Juli berechnet.


Der Index ist - anders als man bei den Diskussionen um die Zukunft des Euroraums denken würde - stark von 1,32 auf 0,68 gefallen. Insbesondere die Volatilität am Aktienmarkt sowie die Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen gingen deutlich zurück.

Freitag, 27. Juli 2012

Blog-Urlaub

Ab morgen ist hier Sendepause, weil ich in Ferien in Österreich bin, wo ich - Stand heute Abend ;-) - meinen Urlaub noch in Euro zahlen kann.

Ab übernächster Woche geht es dann weiter ... und Aktuelles zur Eurokrise wird es auch dann noch geben - da bin ich mir sicher.

Mittwoch, 25. Juli 2012

... und 'ne Rechnung des ifo

Unter dessen hat das ifo Institut eine Liste mit Kosten für verschiedene Griechenlandszenarien aufgestellt.

Noch 'ne Meinung ...

So: Wo nun fast jeden Tag neue Ökonomenmeinungen zur Eurokrise in die Öffentlichkeit getragen werden, will ich auch die jüngste Schrift nicht unerwähnt lassen.

Eurozone

mainly macro hat einen Beitrag über den zwischenstaatlichen Umgang im Euroraum, der mittlerweile vorherrscht.

Weizsäcker über Kapitaltheorie

Auf dem Fazit-Blog steht ein interessantes Interview mit Carl Christian von Weizsäcker über die Implikationen seiner Überlegungen zur Kapitaltheorie.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Eigenkapital und Kreditvergabe

Das Handelsblatt berichtet über neue Studien, die zeigen, dass höhere Eigenkapitalvorschriften für Banken nicht notwendigerweise mit einem Einbruch der Kreditvergabe durch die Banken einhergehen.

Dienstag, 17. Juli 2012

Montag, 16. Juli 2012

db research über makroprudenzielle Aufsicht

... wo wir schon mal bei db research sind: Die Volkswirte dort weisen (natürlich) darauf hin, dass man bei der Regulierung nicht allein nur die Banken berücksichtigen sollte:
"Sie sollte nicht voreilig auf Vorschriften für die Kapital- und Liquiditätsausstattung der Banken eingeengt werden. Sinnvoll erscheinen vielmehr eine sorgfältige Analyse bei der Auswahl der Instrumente und eine umfassende Überprüfung des derzeitigen institutionellen, rechtlichen und steuerlichen Rahmens. Darüber hinaus sind Instrumente zur Abwehr systemischer Risiken aus Finanzgeschäften von Nichtbanken zu entwickeln."
Stimmt natürlich. Aber sollte nicht so interpretiert werden, als dass die Regulierung der Banken dafür lockerer sein sollte.

Hauspreise in Deutschland

Hin und wieder werden steigende Immobilienpreise als Kronzeuge dafür herangezogen, dass in Deutschland aufgrund der expansiven Geldpolitik schon die neue Blase und riesige Fehlinvestitionen entstehen.

Münchau über Euro-Diskussion

Wolfgang Münchau schreibt in der FT über die Parallelen der aktuellen Diskussion um die Bankenunion in Deutschland und den Diskussionen über die Euro-Einführung in Großbritannien in den 1990ern.

Freitag, 13. Juli 2012

Rezessionsbekämpfung und Strukturreformen

Brad DeLong schreibt über den seiner Meinung nach nicht existierenden Widerspruch zwischen Maßnahmen zur Wiederherstellung einer normalen Kapazitätsauslastung und Reformen, die das strukturelle Wachstumspotential einer Volkswirtschaft beleben.

So sieht empirische Makroforschung aus ...

Ein Beispiel dafür gefällig, wie empirische Makroökonomie arbeiten sollte bzw. wie die Basis von Politikberatung geschaffen werden sollte?

Mittwoch, 11. Juli 2012

Das Ende ist nah ...

Folgende Abbildung aus einem Report der Credit Suisse steht heute auf FT Alphaville und zeigt, dass die Politik schleunigst erklären muss, wie sie den Euroraum langfristig überlebensfähig machen will.

Dienstag, 10. Juli 2012

Sanierung des spanischen Bankensektors

Vor einiger Zeit wurde ja beschlossen, dass Spanien Hilfen aus dem EFSF bzw. dem ESM bekommt, um damit seinen Bankensektor zu sanieren, in dem aufgrund der hohen Abschreibungen aus dem Immobiliensektor so einige Banken praktisch insolvent sind.

Freitag, 6. Juli 2012

Gegenaufruf von Ökonomen

Als Antwort auf den Protestaufruf der Ökonomengruppe um HWS haben einige andere Ökonomen heute im Handelsblatt einen Gegenaufruf veröffentlicht.

Donnerstag, 5. Juli 2012

Reaktionen auf Ökonomenaufruf

Mittlerweile werden verschiedene Ökonomen zitiert, die sich gegen den Aufruf der Ökonomen um HWS wenden.

Protestaufruf

Der Protestaufruf deutscher Ökonomen ist jetzt von der F.A.Z. veröffentlicht worden.

So unterschiedlich ...

... können Reaktionen auf politische Entscheidungen sein. Derzeit wird viel über die ungleichmäßige Geldschöpfung im Euroraum, die zu den Target-2-Salden führt, und über die beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels diskutiert.

Finanzstressindikator, Ergebnisse für Juni

Der von mir monatlich berechnete Finanzstressindikator für den deutschen Finanzmarkt ist im Juni nochmals leicht um rund 0,1 Punkte auf 1,32 gestiegen.

Sonntag, 1. Juli 2012

IWF über notwendige Wirtschaftspolitik in Europa

Bin gerade über einen Diskussionsbeitrag des IWFs zur Wirtschaftspolitik in Europa und im Euroraum im Speziellen gestoßen.

Makro, Evidenz und (konservative) Politik

In den USA gibt es derzeit in den Blogs eine interessante Debatte darüber, ob es eine Asymmetrie zwischen konservativen und keynesianisch orientierten Ökonomen hinsichtlich ihrer Bereitschaft Modelle und Weltanschauung aufgrund von empirischer Evidenz anzupassen.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Montag, 4. Juni 2012

EM-Prognose

Mal wieder eine Sportprognose. Diesmal von der Deka-Bank.

Ökonomie der Energiewende

In der F.A.Z. findet sich ein Interview mit J. Haucap, dem Leiter der Monopolkommission, über fehlenden Wettbewerb im Bereich der Erneuerbaren Energien.

Soros zur Eurokrise

Auszüge aus einer Rede George Soros zur Krise im Euroraum, in der er die Grundlagen der Krise herausarbeitet und aufzeigt, warum die Politik im Euroraum so lange so falsch auf die Krise reagiert hat:

Bankenunion

Aus der FT über die Chancen für eine Bankenunion im Euroraum und die Bedeutung des bisherigen Fehlens einer solchen für die derzeitige Krise:

Samstag, 2. Juni 2012

Break-Even-Inflationsraten

Nachdem P. Krugman auf die sinkenden Break-Even-Inflationsraten im Euroraum hingewiesen hat (und eine Neuausrichtung der Zentralbanken fordert, die mehr Symmetrie um das Inflationsziel herum bedeuten würde), ist mir eingefallen, dass ich ja auch noch mal auf meine gespeicherten Bloomberg-Charts gucken könnte.

Kandidaten für IWH-Chefposten

Es gibt erste Spekulationen darüber, wer sich denn auf den Chefposten am IWH in Halle beworben hat, das nach dem Rücktritt von U. Bluhm eine neue Leitung sucht.

Donnerstag, 31. Mai 2012

Donnerstag, 24. Mai 2012

Grexit

Anscheinend hat bei der Citibank mal jemand versucht zu schätzen, was ein Exit Griechenlands ("Grexit", ich liebe Banker für ihre Wortschöpfungen!) für die globale Konjunktur bedeuten würde.

Details zur Konjunktur zum Jahresanfang

Die Details zur VGR für das erste Quartal wurden heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht.

FT Alphaville: What Bagehot said

Nur für an Geldpolitik Interessierte: Ein lesenswerter Beitrag auf FT Alphaville über Auszüge aus Bagehots "Lombard Street", in denen er darüber schreibt, wem eine Zentralbank als Lender of Last Ressort in Finanzkrisen Liquiditätshilfen geben sollte.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Krisenzeichen

Dass die Krise noch lange nicht vorbei ist und die Politik im Euroraum immer noch vor gewaltigen Aufgaben steht, kann man auch daran ablesen, dass sich Deutschland heute für zwei Jahre Geld (4,555 Mrd. Euro) für 0,07 % leihen (der Kupon liegt sogar einfach bei 0 %, aber der Ausgabepreis lag geringfügig unter dem Nennwert).

Lesehilfe für Sarrazin-Buch

Robert v. Heusinger bietet auf dem Herdentrieb-Blog eine kleine Lesehilfe für das neue Buch von T. Sarrazin an.

Montag, 21. Mai 2012

Gefahr für den Euroraum

W. Münchau bringt es (mal wieder) auf den Punkt: Die größte Gefahr für das Fortbestehen des Euroraums geht im Moment von dem Risiko, dass es zu Bank-Runs in den Krisenstaaten kommt, aus (siehe dazu auch den Post vom vorletzten Sonntag).

Dienstag, 15. Mai 2012

Freitag, 11. Mai 2012

Reaktionen auf "Bundesbankrevolution"

Ich war schon kurz davor, einen Beitrag über den Artikel in der Bildzeitung über die "neue" Bundesbankposition zur Inflation und den immer noch herumgeisternden akuten Inflationsgefahren zu schreiben ...

Donnerstag, 10. Mai 2012

Bohei um Äußerungen der Bundesbank

"Deutschland werde infolge der Schuldenkrise höchstens auf kurze bis mittlere Sicht höhere Preissteigerungen hinnehmen, hieß es nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters im Umfeld von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Deutschland habe in den ersten Jahren der Währungsunion mit Inflationsraten unterhalb der Zwei-Prozent-Marke gelebt, nun könne die stärkste Volkswirtschaft der Euro-Zone auch eine Zeit lang höhere Teuerungsraten verkraften."
SPON kommentiert das mit der Aussage:

ifo zu Wachstumsdebatte

Eine ifo-Pressemitteilung mal einfach (fast) ganz unkommentiert:
"„Sparen“ oder „Wachstum“ – dies seien die alternativen Wirtschaftspolitiken, zwischen denen Politiker gegenwärtig wählen könnten. So ist es im Zuge der Wahlen in Frankreich und Griechenland sowie den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen in der öffentlichen Debatte transportiert worden.

Montag, 7. Mai 2012

Sparfolgen

Mein Koautor Prakash hat zusammen mit zwei Kollegen für den IWF in einem Aufsatz untersucht, welche Folgen staatliche Sparprogramme in der Vergangenheit hatten.

Samstag, 5. Mai 2012

US-Konjunktur Q1

Habe es leider nicht geschafft - leider nicht viel Zeit im Moment -, vor der ersten Veröffentlichung der VGR-Zahlen für die USA, mein Kurzfristindikatormodell laufen zu lassen.

Finanzstressindikator, Ergebnisse für April

Nur kurz - wenig Zeit im Moment - die Ergebnisse des Finanzstressindikators auf Basis der Daten bis April 2012.

Donnerstag, 26. April 2012

ESM für Bankenstützung?

Anscheinend wird nun doch - endlich - überlegt, ob die Finanzmittel des ESM nicht dazu genutzt werden sollten, marode Bankensysteme direkt zu stützen (anstatt den Weg über die nationalen öffentlichen Budgets zu gehen).

Mittwoch, 25. April 2012

Abrechnung mit RBC-Modellen

Auf Noahpinion steht seit vorgestern eine Abrechnung mit RBC-Modellen (Real Business Cycle Modellen), die sehr lesenswert - um nicht zu sagen amüsant - ist.

Asymmetrie in Wipo-Empfehlungen

Ich habe hier ja schon des Öffteren angemerkt, dass ich nicht verstehe, warum vielen Kommentatoren der Makorökonomie durchgegangen lassen wird, dass sie in vielen Fällen sehr asymmetrisch argumentieren

Dienstag, 24. April 2012

Erholung der Weltwirtschaft

Mein Mitautor Prakash Loungani hat zusammen mit zwei Kollegen für den IWF World Economic Outlook untersucht (Box 1.2), wie der Verlauf der aktuellen Erholung der Weltwirtschaft im Vergleich zu früheren Aufschwungsphasen abschneidet.

Freitag, 20. April 2012

Fiskalmultiplikatoren


Der IWF hat untersucht (im Fiscal Monitor), wie sich die Fiskalmultiplikatoren (d. h. um wie viele Prozentpunkte das BIP sich verändert, wenn man das öffentliche Budget um 1 Prozentpunkt des BIP verändert) unterscheiden, jenachdem in welchem Zustand die Auslastung der Produktionskapazitäten in der Wirtschaft sind.

Donnerstag, 19. April 2012

Presseecho auf Frühjahresgutachten

Das schreiben die Zeitungen in Deutschland zum Frühjahresgutachten:

Frühjahresgutachten, jetzt offiziell

Heute um 11h wurde dann auch offizell das Frühjahresgutachten der Gemeinschaftsdiagnose vorgestellt, nachdem das Handelsblatt das gestern schon für die wichtigsten Kennziffern übernommen hatte. Deswegen waren die Prognosen für den Anstieg des realen BIP von 0,9 % (2012) und 2,0 % (2013) bereits bekannt.

Erweiterter BigMac-Index

Das Fazitblog der FAZ berichtet über eine Studie, die das Konzept des BicMac-Index noch erweitert und untersucht hat, wie viele BigMacs sich ein BigMac-Verkäufer nach einer Stunde Arbeit leisten kann.

Mittwoch, 18. April 2012

Frühjahresgutachten

Irgendjemand hat wieder geplappert. Das Handelsblatt kennt bereits angebliche Eckpunkte des Frühjahresgutachten der Gemeinschaftsdiagnose.

Outlook für Euroraum

Auf dem Liberty-Street-Blog der New-York-Fed werden auf Basis der SPF der EZB die Konjunkturaussichten für den Euroraum analysiert. Das Fazit: Nicht sehr rosig.

Der beste Chart:


Er zeigt, dass bei der jüngsten Umfrage negativen Zuwachsraten sogar mehr Wahrscheinlichkeit beigemessen wurde, als mitten in der Rezession 2008/2009.

PS: Am Donnerstag wird das Frühjahresgutachten der Gemeinschaftsdiagnose veröffentlicht ... da gibt's dann auch noch ein paar neue Zahlen zu den Euroraumperspektiven.

Revealed Macro-Preference

Via Mark Thoma eine Meta-Analyse der Makropolitik in depressiven Industriestaaten von interfluidity:
"We are in a depression, but not because we don’t know how to remedy the problem. We are in a depression because it is our revealed preference, as a polity, not to remedy the problem. We are choosing continued depression because we prefer it to the alternatives. [...]

But the preferences of developed, aging polities — first Japan, now the United States and Europe — are obvious to a dispassionate observer. Their overwhelming priority is to protect the purchasing power of incumbent creditors. That’s it. That’s everything. All other considerations are secondary. These preferences are reflected in what the polities do, how they behave. They swoop in with incredible speed and force to bail out the financial sectors in which creditors are invested, trampling over prior norms and laws as necessary. The same preferences are reflected in what the polities omit to do. They do not pursue monetary policy with sufficient force to ensure expenditure growth even at risk of inflation. They do not purse fiscal policy with sufficient force to ensure employment even at risk of inflation. They remain forever vigilant that neither monetary ease nor fiscal profligacy engender inflation. The tepid policy experiments that are occasionally embarked upon they sabotage at the very first hint of inflation. The purchasing power of holders of nominal debt must not be put at risk. That is the overriding preference, in context of which observed behavior is rational."

Dienstag, 17. April 2012

Bundesbank verklagt

LOL.

Andere Positionen zu Politikempfehlungen des IWF

Mark Thoma über Jonathan Portes über die Empfehlungen des IWFs zur Finanzpolitik in den Industriestaaten.
"I think it's also important to recognize that much of the push for austerity is ideological. The real goal is smaller government by whatever means and the (failed) confidence fairy economic argument - the idea that cutting the deficit would increase our confidence in the future and cause enough spending to more than compensate for the austerity measures - is used to justify cutting government spending. This is why those who push for austerity only want to talk about cutting government spending. Increasing taxes, another way to close the budget gap and call the mythical confidence fairy, is completely off the table."

IWF: Neuer WEO publiziert

Der IWF hat heute den neuen World Economic Outlook (WEO) publiziert. (Zusammenfassung kann über diesen Link eingesehen werden.) Darin geht der IWF davon aus, dass sich das globale Wirtschaftswachstum von 4 % in 2011 auf 3,5 % im laufenden Jahr abkühlen wird, bevor die Konjunktur mit 4,1 % in 2013 wieder anzieht. (Für Deutschland gehen die Kollegen von 0,6 % Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr und 1,5 % für 2013 aus.)

Als größte Risiken werden eine Eskalation der Schuldenkrise im Euroraum sowie ein scharfer Anstieg des Ölpreises aufgrund der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten genannt.

Zur Politik im Euroraum empfiehlt der IWF:
"Given prospects for very low domestic inflation, there is room for further monetary easing; unconventional support (notably LTROs and purchases of government bonds) should continue to ensure orderly conditions in funding markets and thereby facilitate the pass-through of monetary policy to the real economy. In addition, banks must be recapitalized – this may require direct support from a more flexible EFSF/ESM."
Dazu würde ich anmerken, dass die ersten Maßnahmen notwenig sind ... aber nur Symptome lindern, während die Rekapitalisierung der Bankensysteme das ist, was schleunigst in Angriff genommen werden sollte.

Ein ganzes Kapitel widment sich der Frage, welche Auswirkungen sich aus dem starken Aufbau der Verschuldung der privaten Haushalte in vielen Ländern vor der Krise ergeben und was die Politik tun kann, um die negativen Effekte abzumildern. Dazu eine Abbildung aus dem Kapitel:


Freitag, 13. April 2012

INET-Konferenz

Derzeit findet in Berlin eine Konferenz des Institute for New Economic Thinking über "Rethinking Economics + Politics" statt.

Man kann das ganze per Livestream verfolgen (was ich heute z. T. getan habe und was sehr zu empfehlen ist). Für alle, die es verpasst haben, gibt es aber auch alle Vorträge und Diskussionen als Video zum nachgucken. Und zwar: Hier.

Das Programm für morgen findet sich: Hier.

Von der Konferenz berichten unter anderem: Der Fazit-Blog der FAZ und der Wirtschaftswunderblog der FTD.

Dienstag, 10. April 2012

Finanzstressindikator, Ergebnisse für März

Der von mir monatlich berechnete Finanzstressindikator zeigt für März einen Rückgang der Spannungen auf dem Finanzmarkt in Deutschland an.


Der Index ging relativ deutlich von 1,07 im Vormonat auf 0,82 Punkte zurück. Allerdings scheinen zuletzt wieder vermehrt Befürchtungen über eine "Rückkehr der Schuldenkrise" im Euroraum aufgekommen zu sein. Ein Rückprall nach oben ist für April also nicht auszuschließen ...

Sonntag, 1. April 2012

Sendepause

Unterwegs auf Dienstreise in Sachen Konjunkturprognose. Deswegen: "Limited posting during the next days!"

Sonntag, 25. März 2012

Nudge

Der Economist, üblicherweise die Speerspitze des Liberalismus, steht der politischen Umsetzung von Erkenntnissen der Verhaltensökonomie deutlich aufgeschlossener gegenüber als FAZ-Autor Philip Plickert.

Wie schon vor ein paar Tagen dargelegt, halte ich es da eher mit der Position des Economist und meine, dass man Institutionen so gestalten soll, dass man irrationales Verhalten von Menschen so lenkt, dass das sozial bessere Ergebniss herauskommt.

Donnerstag, 22. März 2012

Keynesianismus während der Großen Rezession

Netter Aufsatz von Farrell und Quiggin über "The Rise and Fall of Keynesianism During the Economic Crisis". Darin erörtern die Autoren, wie das Zurückgreifen auf Finanzpolitik während der Wirtschafts- und Finanzkrise erst prominent wurde und dann

Die Autoren heben deutlich die Rolle des IWFs hervor:
"The Keynesian resurgence was not entirely a product of the crisis. A Keynesian analysis and associated prescriptions had already begun to emerge in expert debate in January 2008, before the crisis proper hit. Dominique Strauss-Kahn, the Managing Director of the IMF, had announced at Davos that “a new fiscal policy is probably today an accurate way to answer the crisis”, prompting Larry Summers to note that “This is the first time in 25 years that the IMF managing director has called for an increase in fiscal deficits” [Giles and Tett, 2008]. Both Strauss-Kahn and the IMF’s chief economist, Olivier Blanchard, were pragmatic Keynesians, with a theoretical bent that differed markedly from the previous consensus position at an institution notoriously fond of advocating fiscal retrenchment for countries in difficulty. However, it was only as the recession began to change into an actual crisis from September 2008 on, that Keynesianism began to really shape debate. By late 2008, economists such as Barry Eichengreen and Paul Krugman were taking to the press to make the case for aggressive coordinated fiscal policy [Eichengreen, 2008]."
"All this [die Aussagen des IWFs und andere im Text erwähnte Entwicklungen] led to the appearance of a new apparent consensus among expert economists - that fiscal stimulus was the appropriate tool to deal with the recession. The new consensus quickly reshaped opinion among economic policy makers in international institutions with close ties to the research community, such as the IMF. On November 15 2008, Dominique Strauss-Kahn proposed a global fiscal stimulus program to the G-20, suggesting a stimulus of 2% of world GDP was necessary to help maintain growth. What was remarkable was not so much Strauss-Kahn’s proposal, as the nearly complete absence of dissent within the IMF, an institution which had until recently been associated with very different economic ideas."
Als stärkste Widersacher des "neuen zeitweiligen Konsens" wird im Aufsatz die EZB ...
"The European Central Bank was far more skeptical about the benefits of fiscal stimulus. In speeches and press briefings, ECB President Jean-Claude Trichet and his senior colleagues repeatedly stressed the need to observe EU rules on deficit reduction, and for weaker states to return to fiscal consolidation as quickly as possible. However, they systematically declined to criticize Keynesian policies and the Keynesian approach as such. As described by a senior ECB official:

"At the time, we were cautious in saying well, there may be some in a better position fiscally, notably Germany and a couple of others, where we we wouldn’t necessarily object, but there were others who were in no position to open the purse and lavishly spend all sorts of discretionary spending programs."

While ECB officials were privately unconvinced by the logic of Keynesian demand stimulation, they refrained from openly expressing their disquiet. Hence, the expert consensus among economists over the benefits of Keynesianism was not only the result of prominent economists with Keynesian leanings finding their voice, and former prominent anti-Keynesians experiencing Damascene conversions. It was also supported by the reticence of those who disagreed with the new consensus, sometimes vigorously, yet found it impolitic or inopportune to express their doubts openly."
... und (anfänglich) die deutsche Politik ausgemacht:
"Rather than worrying about the instability of the private economy, German ‘ordoliberals’ emphasized the role that private sector actors could play in coordinating and organizing capitalism. [...] Facing into the crisis, German politicians - primed by an anti-inflation consensus among both economists and voters, were strongly opposed to activist fiscal policy."
Im Laufe der (sehr schwachen) Erholung nach der Rezession gewannen dann laut den Autoren die anti-Keynesianer wieder die Oberhand:
"The Keynesian revival was relatively short-lived. The Keynesian revival saw its peak in early 2009. By mid-2010, Keynesians such as Brad DeLong were lamenting that they had lost the war"
Warum?
"Part of the answer lay in the lurking crisis of government debt. By early 2010, the cost of the bailout, and the likelihood of further banking failures, had begun to threaten the solvency of a few beleaguered governments."

"Thus, an apparent consensus among economists - that Keynesian measures were necessary and urgent - began to give way to a visibly two-sided debate over how and when to move back towards fiscal balance. Moreover, some economists sought strategically to widen the debate so as to discredit fiscal policy more generally. The European Central Bank had taken a back seat in debates about fiscal policy during the early stages of the crisis, correctly sensing that it was not a politically opportune time to press member to observe the fiscal strictures of Economic and Monetary Union. However, as the crisis receded, Bank officials used arguments about the timing of retrenchment to reassert their authority."
Zum Schluss beschreiben die Autoren auf der Metaebene, wie es zu einem solch starken Umschwung des Konseses 2008/09 kommen konnte und warum das Pendel nach der Rezession wieder so schnell umschwang:
"In 2008-2009, it was important [für den Verlauf der Debatte] that a relatively small number of ‘star’ economists, mostly based in the US, made vigorous arguments for Keynesianism. It was also important that some key figures who previously had not been favorably disposed to Keynesianism changed their minds. This helped propagate the idea of Keynesian stimulus to economists who otherwise would likely have been inoculated against it. Some of these economists - such as members of the Council of Economic Experts [SVR] - played a key role in changing the field of debate within Germany and other European countries. Even if the actual consensus among economists was rather less solid than it appeared to outside observers, the appearance of an emerging consensus was what mattered. In 2010 in contrast, it mattered that there was a greater degree of disunity among economists in the US and within the IMF than there had been in the previous period. It also mattered that a new group of elite economists - those associated with the European Central Bank - had entered the fray. The debate was not nearly as one sided as it had been in the first instance. The contagion of the previous period in part reversed its course."
Es lohnt sich auf jeden Fall den ganzen Aufsatz durchzulesen, um die Entwicklung des Diskurses in den vergangenen Jahren zu verstehen.

Mittwoch, 21. März 2012

Debatte über Produktionspotential und -lücke

Im angelsächsischen Raum tobt - vor dem Hintergrund der expanisven wirtschaftspolitischen Reaktion auf die heftige Rezession in den Industriestaaten - eine Debatte über die Schätzung von Produktionspotential (üblicherweise verstanden als das Produktionsniveau, das ohne Preisdruck (nach oben und unten) langfristig aufrechterhalten werden kann) und Produktionslücke (die Differenz zwischen der tatsächlichen Produktion und diesem Potential).

Dieser Beitrag von Tim Duy fasst die Anfänge der Debatte, die durch Äußerungen des Präsidenten einer regionalen Fed ausgelöst wurde, gut zusammen.

Die alles entscheidende Frage, weil man das Potential natürlich nicht direkt beobachten kann, ist, wie sich das Potential während und nach der Großen Rezession entwickelt hat, d. h. welcher Teil des Produktionsverlusts temporär, rein zyklisch bedingt ist und welcher Teil permanent ist. Mark Thoma drückt es prägnant so aus:
"One of the big questions for policymakers is how much of the current downturn represents of temporary cyclical fluctuation and how much of it is a permanent reduction in out productive capacity."
Auf dem Blog des Economist zieht ein Beitrag Paralellen zu den beiden Fällen im 20. Jahrhundert, wo die Politik das Potential der Wirtschaft krass falsch eingeschätzt hat: Die Große Depression, wo das Potential dramatisch unterschätzt wurde, und die Inflation der 1970er, wo das Potential dramatisch überschätzt wurde, wodurch es zu kontinuierlich zu expansiver Politik und hoher und persistenter Inflation kam.
"TWO spectacular failures stain 20th century macroeconomic policy in America: the Great Depression and the Great Inflation. They share an important ingredient: in both, policy makers could not properly gauge the economy’s potential output, i.e. its productive capacity."
Der Beitrag nennt einen weiteren Grund, warum es so schwierig ist, in Echtzeit das Potential einzuschätzen, nämlich, dass das Potential selbst auf die Konjunktur reagiert - mitnichten als exogen ist:
"Potential has long been known to have a strong cyclical component: a recession will normally discourage businesses and workers from investing in physical and human capital. [...] Where the supply and demand side explanations for the economy’s depressed state converge is when demand remains deficient for so long that its cyclical impact on potential becomes structural."
Mir scheint der Knackpunkt bei der Beurteilung des Auslastungsgrad der Wirtschaft in Echtzeit die Beobachtung der Preisentwicklung zu sein. Und damit meine ich nicht das - in Deutschland weit verbreitete - angstvolle Starren auf jeden Monatswert des Verbraucherpreisindex, sondern eine breite Beurteilung der Lohnentwicklung, der Entwicklung der Kernrate der Inflation (also ohne Energie und variable Lebensmittelpreise) oder der Entwicklung des Deflators des Bruttoinlandprodukts. Zeigt sich keine Inflationsbeschleunigung, kann es mit der Überhitzung nicht weit her sein. In die andere Richtung verkomplizieren Preis- und vor allem Lohnrigiditäten, die Einschätzung der Lage allerdings, wie ein anderer Beitrag auf dem Economist-Blog argumentiert:
"[T]he literature suggests that we should not expect accelerating disinflation in the presence of large output gaps. This is not based on an ex-post assessment that expectations are well anchored but on the ex-ante observation that wages and prices display substantial downward nominal rigidity."
Bezogen auf Deutschland bin ich persönlich der Meinung, dass das Potential wahrscheinlich höher ist, als es die gängigen Methoden derzeit ausweisen. Vor allem perspektivisch, weil die expansive Geldpolitik zu einem stärkeren Aufbau des Kapitalstocks führen wird und zu einer guten Arbeitsmarktentwicklung, die mittelfristig positiv auf das vorhandene Humankapital wirken dürfte.

(D. Wermuth schreibt auf Herdentrieb auch, dass das potential unterschätzt wird. Allerdings schätzt er mit einer nicht praxistauglichen, unplausiblen Methode ein viel, viel höheres Potential ("Outputlücke von [minus; aber in seinem Konzept gibt es sowieso keine positiven Produktionslücken] 4,81 Prozent"), was ich wiederum als vollkommen überzogen einschätze.)

Mehr zu dem Thema für den deutschen Kontext und zur Revisionsanfälligkeit der angewandten Potentialschätzungsmethoden vielleicht demnächst mal hier ... bei Ihrem Ökonomiebeobachter.

Freitag, 16. März 2012

Bedrohung der Freiheit durch Verhaltensökonomie?

Philip Plickert befürchtet auf dem Fazit-Blog, dass die Ergebnisse der Verhaltensökonomik in Unfreiheit und Paternalismus münden.
"Die Verhaltensökonomik, die seit einigen Jahren schwer in Mode gekommen ist, kehrt dieses Paradigma um. Sie hält den Menschen ihre Unmündigkeit vor. Mit Experimenten weist sie nach, wie irrational und widersprüchlich wir handeln.

Daraus folgt eine paternalistische Agenda: Vater Staat solle die unmündigen Menschen - wie Kinder - vor den Folgen ihrer eigenen Unvernunft beschützen. Er soll sie sanft lenken, (be-)steuern und ihr Glück mehren."
Sein Fazit:
"Sobald die Annahme der "offenbarten Präferenzen" wegbricht, ist die Türe offen für weitreichende Interventionen, mehr Steuern und sanften bis harten Paternalismus. Die Verhaltensökonomik ist für Politiker attraktiv, denn sie legt nahe, dass der Mensch nicht weiß, was er wirklich will. Er braucht einen Sozialvormund. Der Staat, beraten von Experten, schiebt die Menschen in die Richtung, in die sie gingen, wenn sie bei klarem Verstand wären. Schon die frühen Wohlfahrtsstaaten hatten paternalistische Züge. Die Armen sollten nicht nur durchgefüttert, sondern auch moralisch gebessert und erzogen werden. Das deklarierte Ziel war aber immer noch die Mündigkeit. Die Verhaltensökonomik kann nun vermeintlich zeigen, dass dieses Ziel unerreichbar ist. Ein toller Fortschritt."
Bei aller Zuspitzung; ich denke, dass Philip Plickert hier etwas über das Ziel hinausschießt. In erster Linie geht es doch darum aufzuzeigen, in welchen Situationen Menschen sich nicht-rational verhalten und dann das institutionelle Design so zu gestalten, dass die Menschen bei - Beibehaltung ihrer prinzipielle Wahlfreiheit - so wählen, dass von den möglichen Resultaten, jenes herauskommt, das für die Gesellschaft besser ist.

Das schöne Beispiel ist immer jenes der Organspende, das auch im Blog-Beitrag erwähnt wird:
"Auch die Quote der Organspender kann drastisch erhöht werden, wenn die Frage nach der Teilnahme umgedreht wird: Man muss explizit seine Verweigerung kundtun, nicht die Bereitschaft zur Organspende."
Denn: Viele Menschen scheinen so indifferent zwischen den beiden Optionen zu sein, dass ihnen die Kosten eines Widerspruchs gegen welche Standardoption auch immer zu hoch sind. Sie füllen kein Kärtchen aus, um Organe zu spenden, wenn der Standard das Nicht-spenden ist; sie füllen aber auch keins aus, um keine Organe zu spenden, wenn der Standard das Spenden ist.

Wo liegt nun der Zwang, die Freiheitsberaubung und der Paternalismus, wenn man auf diese Erkenntnis aufbaut und das Spenden zum Standard macht?

(Die im Beitrag erwähnten "Sündensteuern" (z. B. auf Zucker oder Tabak) fallen mMn in eine vollkommen andere Diskussion, nämlich derjenigen über die Internalisierung von Externalitäten. Das hat nichts mit Verhaltensökonomik zu tun ... bis auf die Tatsache, dass man normalerweise von einem Gut weniger konsumiert je höher es besteuert ist. Meiner Meinung nach spricht - nicht einmal die liberalste Ökonomik - dagegen beim Nachweis externer Effekte, die Kosten dieser Effekte über Steuern den Verursachern aufzuhalsen.)

Dienstag, 13. März 2012

Jetzt spricht der Chef!

J. Weidmann hat sich in der FAZ zur Debatte um die Target-2-Salden gemeldet. Die wichtigsten Aussagen:
"Die Übertragung wird ausgelöst, wenn aus einem Land Zentralbankgeld in ein anderes Land überwiesen wird. Dabei entstehen Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB), die als eine Art Clearingstelle fungiert. Bei der überweisenden Notenbank entsteht eine Verbindlichkeit - ein negativer Target2-Saldo. Die empfangende Notenbank erhält eine Forderung - hier entsteht ein positiver Target2-Saldo. Wäre die Geldpolitik im Euroraum bei der EZB zentralisiert, gäbe es zwar keine Target2-Salden, dies würde aber für sich genommen noch nichts an den Risiken aus der Liquiditätsbereitstellung ändern."

"Es ist die Aufgabe des Eurosystems, Zentralbankgeld zur Verfügung zu stellen - an solvente Banken gegen ausreichende Sicherheiten und ohne Gefährdung der Preisniveaustabilität. [...] Es ist nicht Aufgabe der Geldpolitik, marode Banken künstlich am Leben zu erhalten oder die Zahlungsfähigkeit von Staaten abzusichern. [...] Die Abgrenzung zwischen Liquiditätsengpässen und Solvenzrisiken bei Banken ist sicherlich nicht immer trennscharf möglich, und gerade in krisenhaften Situationen ist vorübergehend eine gewisse Flexibilität angezeigt."

"Die Zunahme von Target2-Salden kann somit durchaus Ausdruck einer Geldpolitik sein, die im Rahmen ihres Mandats entstehenden Liquiditätskrisen Rechnung trägt. Die Kritik an den Salden per se ist insofern - und dies hat die Bundesbank immer wieder betont - nicht sachgerecht. Für mich stellen die Target2-Forderungen der Bundesbank auch kein eigenständiges Risiko dar, weil ich ein Auseinanderbrechen der Währungsunion schlichtweg für absurd halte."

"Auch in einem solchen Fall [dem unkoordinierten Austritt eines Eurostaates mit negativem Target-2-Saldo], von dem ich nicht ausgehe, ist das Risiko ursächlich in der Art und dem Umfang der Liquiditätsbereitstellung begründet. Hierbei könnte es zu teilweisen Forderungsausfällen bei der EZB kommen. Verluste der EZB wären aber gegebenenfalls von allen Notenbanken des Eurosystems zu tragen - unabhängig von deren Target2-Saldo."

"Die Risiken, die das Eurosystem übernimmt, sind zu einem gewissen Grad unvermeidlich, aber wir setzen uns mit Nachdruck dafür ein, dass sie in vertretbaren Grenzen bleiben. [...] Der Schlüssel zur Lösung der Krise liegt am Ende nicht bei den Notenbanken, sondern bei den Mitgliedstaaten."
Was er sagt, ist - kurz zusammengefasst -, dass die Target-2-Salden eine reine Sache der Buchhaltung sind und kein eigenständiges Problem darstellen. Die Risiken für das ESZB entstehen aus der Lockerung der Bedingungen an Sicherheiten und dem Anstieg der Forderungen ggü. den Geschäftsbanken im Euroraum (und ggü. Mitgliedsstaaten).

In Nuancen unterscheide ich mich von dieser Bundesbankposition darin, dass ich die Notwendigkeit einer schnellen Rückführung der Liquidität nicht sehe bzw. für kontraproduktiv halte. Aber ansonsten könnte ich das alles unterschreiben. Frage mich nur, was die die Initiative der Bundesbank zur Besicherung von Target-2-Forderungen sollte ...?



Update: Auch im Jahresbericht stellt die Bundesbank ihre Position dar, die FT Alphaville folgendermaßen "übersetzt":
“yadda, yadda, yadda… all very conerning, concerning, concerning…a dysfunctional interbank market and transmission channels to consider, but… by and large… Target2 only a problem if and when the Eurozone breaks apart — something the Bundesbank doesn’t foresee happening right now.”
Update2: Olaf Storbeck schreibt auf seinem Blog, dass die FAZ-Interpretation/-Nachrichten über den Brief Weidmanns an Draghi wohl die Position der Bundesbank missverstanden hat. Diese habe nie, auch nicht zwischenzeitlich, weitere Sicherungsmechanismen innerhalb des ESZB gefordert. Vor dem Hintergrund der heute veröffentlichten Positionen zu Target-2 wäre das sehr plausibel (siehe meine Frage oben).

Freitag, 9. März 2012

Chefsuche am DIW

Der Blog der FAZ berichtet über die schwierige Kandidatensuche für den Chefposten des DIW, der im kommenden Jahr neu zu besetzen ist. Angeblich gibt es bislang vier Kandidaten ...
"Nach Informationen dieser Zeitung [FAZ] sind dies der Makroökonom Ansgar Belke von der Universität Duisburg-Essen, Daniel Gros vom Brüsseler Think Tank CEPS, der Volkswirt Marcel Fratzscher von der Europäischen Zentralbank und der Wirtschaftsprofessor Hans Peter Grüner von der Uni Mannheim."
... von denen aber wohl nur einer wirklich in Frage kommt:
"In der Berufungskommission wurden nach Informationen dieser Zeitung die Managerqualitäten von Daniel Gros gelobt, der das einflussreiche Centre for Economic Policy Studies in Brüssel leitet und in EU-Kreisen bestens vernetzt ist. "Das ist sicherlich ein starker Bewerber", hieß es. Wenig Chancen werden Belke eingeräumt, der als zu Zimmermann-nah gilt. Der EZB-Makroönom Fratzscher wurde für seine Publikationen gelobt, doch sei sein Forschungsfeld "etwas eng" auf monetäre Fragen beschränkt. Hans Peter Grüner komme mangels Führungserfahrung nicht in Frage für das DIW".
Eine Favoritin von B. Rürup, der dem Kuratorium des DIW vorsitzt, ist angeblich Claudia Buch, die vor kurzem in den SVR berufen wurde.

Mal schauen, wie sich das Kandidatenkarussell in den nächsten Monaten weiterdreht.

Donnerstag, 8. März 2012

Inflationspanik

Philip Plickert von der FAZ wettert mal wieder gegen die EZB, die ja dieses Jahr - ach wie schlimm - wahrscheinlich schon wieder eine Inflationsrate von über 2 Prozent im Euroraum zulassen werden muss.
"Die Europäische Zentralbank steht zunehmend unter Druck, obwohl EZB-Chef Mario Draghi betont gelassen tut.

Auch in diesem Jahr wird sie ihr Preisstabilitätsziel deutlich verfehlen. Entgegen früherer Angaben bleibt die Inflation hartnäckig über dem Zielwert von knapp 2 Prozent."
Hier dazu die Entwicklung der Verbraucherpreise im Euroraum seit 1990 (logarithmische Skala):

Sieht das so aus, wie die Preisentwicklung eines Währungsraumes, dessen Zentralbank die Kontrolle über Inflationserwartungen und Preisentwicklung verloren hat?

Wenn überhaupt liegt das Preisniveau derzeit etwas unter dem Trend seit 1999. (Der hat zugegebenermaßen eine Steigung von 2,1 % ... aber davon geht die Welt ja nicht unter.)

Wo waren die Aufschreie 2008/2009, als das Preisniveau über ein Jahr stagnierte? Es gab keine ... und deswegen sollte es jetzt auch keine geben, wenn das Preisniveau mal etwas aufholt.

Und dann am Rande noch ein Punkt, der immer wieder schön zeigt, dass einzelne Beobachter immer noch nicht in der Währungsunion angekommen ist:
"Für Deutschland liegt der Leitzins zudem real bei minus 1,4 Prozent, also viel zu niedrig. Die Bürger fragen sich, wofür Draghi steht: Ist sein oberstes Ziel, mit billigem Geld Banken und Staaten zu retten? Oder ist das oberste EZB-Ziel weiterhin Preisstabilität?"
Jeder Beitrag, in dem ohne weitere Qualifizierung argumentiert wird, dass die EZB-Politik für ein einzelnes Land der Währungsunion unangebracht ist, sollte auf der Stelle zensiert werden. Die EZB macht, muss laut Mandat machen und sollte aufgrund ökonomischer Argumente ihre Politik für den GANZEN EURORAUM machen. Jeder der anders argumentiert, sollte stets offen dazu sagen, dass er die Währungsunion für Mist hält und mit seinen Argumenten nur für eine Abschaffung des Euroraums und der EZB wirbt.

Mittwoch, 7. März 2012

Die Sehr Große Rezession?

P. Krugman vergleicht die Entwicklung der Industrieproduktion in Europa während und nach der jüngsten Rezession mit der Entwicklung während und nach der Großen Depression in den 1930ern.

Die Daten legen nahe, dass der aktuelle Stand der Industrieproduktion rund 2/3-mal so schlimm ist, wie nach der Großen Depression. (Industrieproduktion liegt bei 91% des Peakoutputs ggü. 86% nach der Großen Depression nach dem gleichen Zeitraum.)

Müssen wir im Laufe des Jahres, nachdem der Euroraum zurück in die Rezession gefallen ist, den mittlerweile gebräuchlichen Terminus "Große Rezession" für die jüngste Wirtschaftskrise in "Sehr Große Rezession" oder "Kleine Depression" ändern?

Montag, 5. März 2012

Bundesbank springt auf Target-Zug auf

Anscheinend will nun auch die Bundesbank die Target-Salden begrenzen. Denn darauf läuft die Forderung von J. Weidmann nach besserer Besicherung der Forderungen innerhalb des ESZB effektiv hinaus.

W. Münchau schreibt dazu in der FT:
"It also tells us something else: by seeking insurance against a collapse of the euro, the Bundesbank tells us it no longer regards the demise of the euro as a zero-probability event. If the Bundesbank seeks insurance, so should everybody else."
Entwickelt sich die Währungsunion also langsam zum (spekulationsanfälligen) System fester Wechselkurse zurück?

Sonntag, 4. März 2012

Mikrofundierte Makro

Müssen wir weiter nach den richtigen Mikrofundierungen für unsere Makromodelle suchen? Noah Smith sagt ja.
"I think that this is the real argument against microfoundations as they are currently used in macro. Basically, Krugman is saying that the "microfoundations" we now use really deserve to have quotes around them, because they actually don't describe individual behavior.

In other words, our current microfoundations are mostly just garbage.

If this is true - and I think that the evidence overwhelmingly says that it is! - it means that our modern "microfounded" macro models are no more useful than aggregate-only models. The logic should be obvious. Using wrong descriptions of how people behave may or may not yield aggregate relationships that really do describe the economy. But the presence of the incorrect microfoundations will not give the aggregate results a leg up over models that simply started with the aggregates.

In other words, if you put garbage in, you may or may not get garbage out, but why bother putting the garbage in in the first place?"
Und ich stimme ihm da zu: Derzeit brauchen alle mikrofundierten Modelle noch ein oder mehrere ad-hoc Features, um die beobachteten Daten wirklich zu erklären (bzw. um einigermaßen gute Prognosen zu liefern).

Ich bin aber recht optimistisch, dass sich das - bei genügender Offenheit der Makroökonomen - in der Zukunft bessern könnte, weil die Mikroökonomie bei der Erklärung menschlichen Verhaltens ja schon um einiges weiter ist als das einfache Konzept des rational agierenden "homo oeconomicus". (Wahrscheinlich schlagen sich führende Mikroökonomen die Hände über'm Kopf zusammen, wenn sie sehen, was heutzutage als mikrofundierende Annahmen in der Makroökonomie verwendet wird.)

Nettoexporte und Forderungsaufbau

Mark Schieritz zeigt auf Herdentrieb noch mal deutlich den Zusammenhang zwischen Exportsalden und dem Aufbau von Forderungen gegenüber dem Ausland auf ... und wie der Zusammenhang in der deutschen Diskussion oftmals unter den Tisch gefallen lassen wird.
"Es ist schon erstaunlich, dass exakt diejenigen, die die deutschen Exportüberschüsse damals verteidigten, jetzt Hans-Werner Sinn zujubeln und eine Begrenzung der Target-Salden fordern. Wie Gustav Horn korrekt schreibt: Ein Überschuss in der Leistungsbilanz bedeutet zwingend, dass Forderungen gegenüber dem Ausland aufgebaut werden. Wer mehr exportiert als er importiert, wird zum Gläubiger der Welt und macht sich damit abhängig von der Zahlungsfähigkeit seiner Handelspartner. Wir tauschen also Güter gegen Papier. Ob das nun Target-Forderungen sind, Lehman-Zertifikate oder kolumbianische Staatsanleihen.

Sinn ist sich dieser Zusammenhänger immerhin bewusst und er hat deshalb als einer der wenigen konservativen deutschen Ökonomen schon vor einiger Zeit auf die Schattenseiten hoher Exportüberschüsse hingewiesen. Sinns Anhänger dagegen verzichten auf jede Stringenz. Sie wollen den Handelspartnern in Europa die Zentralbankgeldzufuhr abschneiden und trotzdem weiter fleissig Waren dorthin verkaufen. Sie wollen, dass der Rest Europas endlich aufhört, über seine Verhältnisse zu leben, wir aber weiter unter unseren Verhältnissen leben. Sie wollen also, dass der Süden sein Leistungsbilanzdefizit schlagartig reduziert, wir aber weiter Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaften."

Was Sinns Position angeht hat Schieritz recht. Was ich nur immer wieder an H.-W. Sinns Ausführungen kritisiert habe, ist, dass er über eine Beschneidung der Kapitalströme eine abrupte Anpassung der Güterströme fordert ... aber (im Gegesatz zu seinen (in meinen Augen jeweils deutlich zu hohen) Schätzungen für das Risiko, das Deutschland über finanzpolitische Garantien und Buchungen im ESZB eingeht,) nie Schätzungen anbietet, welche Folgen das für die Länder mit Anpassungsbedarf und für Deutschland hätte.

Samstag, 3. März 2012

Finanzstressindikator, Ergebnisse für Februar

Nach meinem monatlich Berechneten Finanzstressindikator für Deutschland hat sich die Lage am Finanzmarkt im Februar deutlich beruhigt. Der Index ging von knapp 2 auf 1,07 Punkte zurück.


Vor allem die Risikoaufschläge für Bankanleihen, Unternehmensanleihen und auch am Geldmarkt gingen deutlich gegenüber Januar zurück und haben den Rückgang des Index maßgeblich getrieben. Vorerst scheint die Krise im Euroraum also eingedämmt zu sein ... jedenfalls zeigen sich die Finanzmarktakteure derzeit nicht sonderlich beunruhigt. (Das kann man auch daran erkennen, dass zuletzt Nachrichten über Probleme/Verzögerungen bei Rettungspakten oder Ratifizierungsprozessen keine nennenswerten Marktreaktionen mehr ausgelöst haben.)

Donnerstag, 1. März 2012

QE und Anleihenblase

Patrick Bernau von der FAZ findet es gar nicht gut, dass durch das viele Geld, was die EZB den Banken bereitstellt, die Anleihenkurse stabilisiert werden. Er bezeichnet, das, was gerade an den Anleihemärkten für Staatsanleihen im Euroraum passiert, als Blase.

Recht hat er, wenn er damit meint, dass die Kurse höher sind, als sie wären, wenn es keine Zentralbankaktionen gegeben hätte. Aber es ist nun mal der Sinn von QE-Maßnahmen, die langfristigen Zinsen zu drücken, damit das Sparen für die Privaten unattraktiver wird und die Nachfrage nach Gütern angekurbelt wird ... und an der mangelt es ja bei immer noch schwacher Kapazitätsauslastung in fast allen Industriestaaten derzeit.

Unrecht hat er meiner Meinung, wenn er das als "Problem" thematisiert. Relativ konventionelle monetäre Theorie legt genau diese Art von Aktionen nahe. (Aus politischen Gründen bzw. aufgrund des supranationalen Charakters des Euroraums kann und sollte die EZB nicht auf Dauer selber Anleihen kaufen. Deswegen nun der Umweg über die Banken, denen man dadurch aber auch die Gewinne aus den Geschäften zugesteht.)

Was wären die Alternativen? Die Zinsen anheben, damit die Anleger, die Bernau sehr am Herzen zu liegen scheinen, höhere Renditen einfahren und die Nachfrage noch weiter gedämpft wird? Den Mangel an Nachfrage also sadomasochistisch hinnehmen, und es sich auf einem niedrigen Produktionspfad gemütlich machen?

Porträt über Claudia Buch

Managergehälter

Aus dem Handelsblatt: Manager werden nicht nach Leistung bezahlt. Ach, wer hätte das gedacht!?!

Mittwoch, 29. Februar 2012

Fehlen Deutschland Querdenker-Ökonomen?

Martin Kaelble bemängelt in der FTD, dass es in der deutschen Ökonomenlandschaft an Querdenkern mangelt, die alte liebgewonnene Theorien und Weltanschauungen ins wanken und mit der realen Welt in Einklang bringen.
"Manch deutscher Wirtschaftsprofessor vertritt in Talkshows eine nationale Gartenzwergökonomie aus D-Mark-Zeiten, die die Realität der Krise zu ignorieren scheint. Bei einigen Ökonomen regiert offenbar eine Art Fundamentalismus - man klammert sich fest an dogmatischen Grundprinzipien, die eine komplexe Welt vereinfachen, und wehrt sich vehement gegen Aufklärung. Das Streben nach einer reinen Lehre, nach theorielastigen Positionen, erdacht in einem wissenschaftlichen Elfenbeinturm - all das ist verbreitet unter deutschen Volkswirtschaftlern.

Die Weiterentwicklung der Ökonomie ist dabei irgendwo zwischen Preisstabilität, Ordnungspolitik und Privatisierungsplädoyers stehen geblieben. Für Pragmatismus und Pluralismus ist wenig Platz. Das führt zunehmend in die Isolation. Ist es doch die Meinungsvielfalt, die für Bewegung und Weiterentwicklung sorgt."
Ganz so pessimistisch sehe ich das nicht ... es gibt schon einzelne Querdenker (wobei man zugeben muss, dass wahrscheinlich die am quersten denkenden deutschen Ökonomen im Ausland zu finden sind).

Was allerdings 100-prozentig stimmt, ist, dass die deutsche Ökonomenlandschaft zu wenig Vertreter produziert, die sich darauf einlassen, pragmatisch mit politischen Zwängen und der unvollkommenen Welt da draußen umzugehen:
"Deutsche Ökonomen, die bereit sind, den auf internationaler Bühne notwendigen Pragmatismus an den Tag zu legen, sind rar. Das zeigte sich 2011 deutlich: Wo waren die deutschen Kandidaten, als es um die Nachfolge auf dem IWF-Chefposten ging? Der aussichtsreichste deutsche Kandidat auf den EZB-Chefposten warf darüber hinaus kurz vorm Ziel freiwillig das Handtuch. Und auch der deutsche EZB-Chefökonom räumte 2011 seinen Stuhl. In beiden Fällen lässt sich mutmaßen, dass die unperfekte Welt da draußen nicht so recht mit den hehren Prinzipien der reinen Lehre vereinbar war."
Aber was noch nicht ist, kann sich ja langsam ändern ...

Schön, dass es doch noch Optimisten gibt ...

Mein Koautor Prakash Loungani hat mit Fred Bergsten, Gründer des Peterson Instituts, ein Interview geführt, in dem sie u. a. über den Euro und die derzeitige Krise sprechen. (Kurzfassung auf Prakashs Blog.)

Bergsten argumentiert, dass die derzeitige Eurokrise nur eine einer Reihe von Krisen ist, aus denen die Europäische Union jeweils gestärkt und stärker integriert hervorgegangen ist. Seine Kernaussage dazu, warum der Euro überleben wird:
"[...] but again, based on this political kind of motive, I say very strongly Germany will pay whatever it has to pay, both because of that continuing geo-strategic imperative, but also now because the euro is so hugely important to Germany’s economy. The ECB will discount to whatever extent it has to to avoid a collapse even though they can’t say that they’ll do it and, therefore, can’t give the markets the assurance they want.

So I’m actually quite confident still, despite all the rumor mills, that the euro will survive. There will be no widespread defaults. The Greeks might have to, but you might say they’ve already defaulted a lot."
Und das wäre auch mein Basisszenario. Auf den ersten Blick wird das vielleicht nicht billig für die "Nordeuropäer" (inkl. Deutschland) ... aber geopolitisch ist der Erhalt des Euro mehr oder weniger unbezahlbar.

Arbeitsmarkt im internationalen Vergleich

Die BA hat heute gemeldet, dass die Arbeitslosigkeit (saisonbereinigt) weiter zurückgeht. Sie ist in Deutschland auf ein 21-Jahres-Tief gefallen. Nach BA-Definition liegt sie derzeit bei 7,4 %.

Um diese Entwicklung in den internationalen Kontext zu setzen und zu zeigen, von welcher "Sonderarbeitsmarktkonjunktur" Deutschland momentan profitiert, habe ich mal die deutsche (harmonisierte) Arbeitslosenquote denen für alle OECD-Staaten und für die europäischen OECD-Staaten gegenübergestellt (Angaben in %).


Während also in Deutschland die Quote (nach dieser Definition) seit 2005 von über 11 % auf 5,5 % gefallen ist (ohne in der jüngsten Rezession nennenswert nach oben zu gehen), liegt sie im übrigen OECD-Gebiet nach dem rasanten Anstieg während der Rezession nun deutlich höher.

Und bei dem derzeit sehr niedrigen Zinsniveau in Deutschland werden auch in Zukunft die Investitionen angeregt werden und dadurch auch die Nachfrage nach weiterer Arbeitskraft steigen. Das Ende der Fahnenstange dürfte also noch nicht erreicht sein ...

Zweiter Dreijahrestender

Die EZB hat heute zum zweiten Mal für 3 Jahre Geld an Banken verliehen. Im Vorfeld war darüber spekuliert worden, wie hoch wohl die Nachfrage seitens der Banken sein würde.

Eben hat die EZB bekannt gegeben, dass an 800 Banken insgesamt 529,5 Mrd. Euro verliehen wurden. Das war etwas mehr als die 450 Mrd. Euro, die vorher als Konsensschätzung erwartet worden waren.

... und für alle, die jetzt in den Zeitungen wieder lesen, dass dieses Geld für 3 Jahre für 1 % verliehen wurde: Ich verstehe die Bedingungen immer noch so, dass sich der am Ende der Laufzeit zu bezahlende Zins aus dem durchschnittlichen Hauptrefinanzierungssatz über die gesamte Laufzeit ableitet, d. h. wenn die Zinsen in den 3 Jahren steigen sollten, dann werden auch diese heute vergebenen Kredite teurer.

Update: FAZ und FTD haben das mit der Zinsberechnung jetzt gecheckt. Handelsblatt und Spiegel Online immer noch nicht - die sprechen immer noch von einem (fixen) Zinssatz von 1 %.

Buiter: EZB-Pleite unwahrscheinlich

W. Buiter und Kollege E. Rahbari von der Citibank erläutern in einem aktuellen Aufsatz noch mal, warum eine Zentralbank, die den Großteil ihrer Assets in der eigenen Währung hält, so schnell nicht pleite gehen kann. (ht: FT Alphaville)

Die wichtigste Einsicht dabei ist, dass die Zentralbank enorme Profite aus zukünftiger Geldschaffung (sogenannte Seignorage) erwarten kann ... und das selbst bei Einhaltung des Inflationsziels. Buiter beziffert das Verlustabsorptionsvermögen der EZB auf insgesamt 3,4 Billionen Euro - das ist weit mehr als ihre derzeitige Bilanzsumme.

Seine Schlussfolgerungen:
"We do not consider ECB default and hyperinflation in the euro area to be material risks. ‘Roublezonefication’, balkanization of the EA monetary and financial system, and banking systems with too many insolvent but liquid zombie banks are material risks, in our view."
Das heißt natürlich nicht, dass man aus verteilungspolitischen Gründen den (auf Vermögenswerte weniger Mitgliedsstaaten fokussierten) Erwerb von risikoreichen Vermögenswerten durch die EZB kritisieren kann (im Verlustfall würde der Zentralbankgewinn, den alle Mitgliedsländer unter sich aufteilen könnten, über Jahre geschmählert). Inflationsängste können durch das Zentralbankbilanzargument aber nicht argumentativ untermauert werden.

Dienstag, 28. Februar 2012

Bofingers Replik auf Sinn

P. Bofinger antwortet heute auf Spiegel Online auf die Ausführungen von H.-W. Sinn zu den Target-2-Salden im Euroraum. Auszüge:
"Aber mal abgesehen von Sinns [...] allenfalls den Stammtisch stimulierenden Metaphern: Die Diskussion leidet vor allem darunter, dass es sich bei den Target-Salden nicht um ein eigenständiges Problem, sondern vielmehr um ein Symptom einer tieferliegenden Krise handelt. Sie besteht darin, dass das Vertrauen in die Banken der Problemländer massiv gelitten hat und dass zudem immer mehr Investoren einen Austritt einzelner Länder aus der Währungsunion befürchten."

"Wenn man ohnehin an der Sinnhaftigkeit der Währungsunion zweifelt, mag man durchaus bereit sein, solche Konsequenzen [das Ende des Euro] in Kauf zu nehmen. Aber man sollte sie dann auch entsprechend deutlich zum Ausdruck bringen.

Wenn man hingegen Deutschlands Zukunft in der Währungsunion sieht, sollte man das funktionslose Klagen über die Target-Salden einstellen und sich stattdessen fragen, wie man das tieferliegende Problem umfassend therapieren kann. Zu einer solchen Lösung gehört zum einen eine grundlegende Sanierung der Banken in den Problemländern des Euro-Raums. Hierfür könnten die Mittel des EFSF eingesetzt werden. Zugleich müsste so schnell wie möglich eine einheitliche Bankenaufsicht für den Euro-Raum geschaffen werden, die verhindert, dass weiterhin von unsoliden Banken schlechte Kredite vergeben werden."

"Die Jammer-Diskussion über die Target-Salden verdeutlicht somit nicht zuletzt, dass es der Politik nach wie vor an einem umfassenden Lösungskonzept für die Euro-Krise fehlt. Der Versuch, die Situation mit strengen Sparmaßnahmen, immer komplexeren Vertragswerken zur Fiskaldisziplin und Rettungsschirmen zu stabilisieren ist gescheitert. Er hat nur dazu geführt, dass die gesamte Anpassung über die Notenbankkreisläufe geleistet werden muss. Hans-Werner Sinn hat völlig recht, wenn er darauf hinweist, dass das keine Dauer-Lösung werden darf. Aber es gibt darauf nur zwei Antworten: Entweder man gibt die Währungsunion auf, und dann besser heute als morgen, oder man macht sich mit aller Energie daran, die Fiskalintegration in Europa deutlich voranzubringen."

Das alles trifft eigentlich ziemlich viel genau auf den Punkt.

EZB akzeptiert keine Griechen-Bonds mehr

Die EZB hat nach der erneuten Herabstufung der Bonität griechischer Staatsanleihen durch Standard & Poor's beschlossen bis auf weiteres keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheiten für Refinanzierungsgeschäfte zu akzeptieren (Wichtig: Bisher wurden diese Anleihen nur zu ihrem aktuellen Marktwert akzeptiert ... und dann auch noch mit einem saftigen Haircut versehen. D. h. viel Geld (in Relation zum Nennwert) bekam man schon lange nicht mehr für diese Papiere.):
"The Governing Council of the European Central Bank (ECB) has decided to temporarily suspend the eligibility of marketable debt instruments issued or fully guaranteed by the Hellenic Republic for use as collateral in Eurosystem monetary policy operations. This decision takes into account the rating of the Hellenic Republic as a result of the launch of the private sector involvement offer."
Allerdings hat die EZB schon angekündigt, diesen Schritt rückgängig zu machen, wenn das zweite Rettungspaket für Griechenland endgültig verabschiedet ist:
"Marketable debt instruments issued or fully guaranteed by the Hellenic Republic will become in principle eligible upon activation of the collateral enhancement scheme agreed by the Heads of State or Government of the euro area on 21 July 2011, and confirmed on 26 October 2011, together with a number of other measures aimed at assisting Greece in its adjustment programme. This is expected to take place by mid-March 2012."
Vielleicht kann man den heutigen Schritt als einen ersten Versuch der EZB ansehen, sich aus den Zwängen von "quasi-fiskalischen" Aufgaben zu befreien, bzw. die Regierungen des Euroraums daraufhinzuweisen, dass es eigentlich ihre Aufgabe ist, die Funktionstüchtigkeit/Solvenz des griechischen (und zypriotischen) Bankensystems wiederherzustellen.