Montag, 2. Januar 2012

Rajans Kriesengründe

R. Rajan schreibt über zwei Gründe, die in der Diskussion als Ursache der Krise der Industrieländer herhalten. Zum ersten schreibt er:
"The first, better-known diagnosis is that demand has collapsed because of high debt accumulated prior to the crisis. Households (and countries) that were most prone to spend cannot borrow any more. [...] This narrative – the standard Keynesian line, modified for a debt crisis – is the one to which most government officials, central bankers, and Wall Street economists subscribed, and needs little elaboration."
... und dabei belasse ich es hier auch. Also weiter zum zweiten möglichen Grund, den Rajan identifizert und über den vielleicht mehr diskutiert werden müsste:
"[...] [T]he advanced economies’ fundamental capacity to grow by making useful things has been declining for decades, a trend that was masked by debt-fueled spending. More such spending will not return them to a sustainable growth path. Instead, the advanced countries must improve the environment for growth."
Nun ist erstmal festzuhalten, dass es generell gut ist, wenn das Umfeld, in dem gewirtschaftet wird, möglichst wachstums- bzw. innovationsfreundlich gestaltet wird (d. h. weniger Regulierung, dort wo es nicht nötig ist, aber mehr Regulierung, dort wo Marktmechanismen versagen); keine Einwände also. Aber mir leuchtet nicht ganz ein, wieso er wachsende Schulden der privaten Haushalte mit der Produktivitätsentwicklung zusammenbringt - oder anders: was mit "masked by debt-fueled spending" gemeint ist. Das suggeriert, die Industrieländer hätten eigentlich gar nicht so viel produzieren können, wie sie getan haben. D. h. wenn sich die Haushalte mit niedrigem Einkommen nicht verschuldet hätten, dann wäre das Wachstum noch viel stärker zurück gegangen.

Aber das bedeutet doch einfach nur, dass die Industrieländer mit einem Verteilungsproblem konfrontiert sind - und nicht mit einem Produktivitätsproblem (jedenfalls keinem stärkeren als es die Produktionsentwicklung der vergangenen Dekaden anzeigen). Denn produziert wurde ja - und zwar bei abnehmenden Inflationsraten. Das heißt nichts anderes, als dass es möglich war, mit den zur Verfügung stehenden Angebotsfaktoren die beobachtete Menge an Gütern und Dienstleistungen zu produzieren.

Rajan schließt:
"The advanced countries have a choice. They can act as if all is well, except that their consumers are in a funk, and that “animal spirits” must be revived through stimulus. Or they can treat the crisis as a wake-up call to fix all that has been papered over in the last few decades."
Folgt man der Argumentation oben, dann wäre "all that", was also seiner Meinung nach in den vergangenen Dekaden ignoriert wurde, allerdings die Entwicklung der Einkommens- und Vermögensverteilung - und nicht in erster Linie die Innovationsfähigkeit der Industrieländer.

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