Dienstag, 28. Februar 2012

Bofingers Replik auf Sinn

P. Bofinger antwortet heute auf Spiegel Online auf die Ausführungen von H.-W. Sinn zu den Target-2-Salden im Euroraum. Auszüge:
"Aber mal abgesehen von Sinns [...] allenfalls den Stammtisch stimulierenden Metaphern: Die Diskussion leidet vor allem darunter, dass es sich bei den Target-Salden nicht um ein eigenständiges Problem, sondern vielmehr um ein Symptom einer tieferliegenden Krise handelt. Sie besteht darin, dass das Vertrauen in die Banken der Problemländer massiv gelitten hat und dass zudem immer mehr Investoren einen Austritt einzelner Länder aus der Währungsunion befürchten."

"Wenn man ohnehin an der Sinnhaftigkeit der Währungsunion zweifelt, mag man durchaus bereit sein, solche Konsequenzen [das Ende des Euro] in Kauf zu nehmen. Aber man sollte sie dann auch entsprechend deutlich zum Ausdruck bringen.

Wenn man hingegen Deutschlands Zukunft in der Währungsunion sieht, sollte man das funktionslose Klagen über die Target-Salden einstellen und sich stattdessen fragen, wie man das tieferliegende Problem umfassend therapieren kann. Zu einer solchen Lösung gehört zum einen eine grundlegende Sanierung der Banken in den Problemländern des Euro-Raums. Hierfür könnten die Mittel des EFSF eingesetzt werden. Zugleich müsste so schnell wie möglich eine einheitliche Bankenaufsicht für den Euro-Raum geschaffen werden, die verhindert, dass weiterhin von unsoliden Banken schlechte Kredite vergeben werden."

"Die Jammer-Diskussion über die Target-Salden verdeutlicht somit nicht zuletzt, dass es der Politik nach wie vor an einem umfassenden Lösungskonzept für die Euro-Krise fehlt. Der Versuch, die Situation mit strengen Sparmaßnahmen, immer komplexeren Vertragswerken zur Fiskaldisziplin und Rettungsschirmen zu stabilisieren ist gescheitert. Er hat nur dazu geführt, dass die gesamte Anpassung über die Notenbankkreisläufe geleistet werden muss. Hans-Werner Sinn hat völlig recht, wenn er darauf hinweist, dass das keine Dauer-Lösung werden darf. Aber es gibt darauf nur zwei Antworten: Entweder man gibt die Währungsunion auf, und dann besser heute als morgen, oder man macht sich mit aller Energie daran, die Fiskalintegration in Europa deutlich voranzubringen."

Das alles trifft eigentlich ziemlich viel genau auf den Punkt.

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