Mittwoch, 29. Februar 2012

Fehlen Deutschland Querdenker-Ökonomen?

Martin Kaelble bemängelt in der FTD, dass es in der deutschen Ökonomenlandschaft an Querdenkern mangelt, die alte liebgewonnene Theorien und Weltanschauungen ins wanken und mit der realen Welt in Einklang bringen.
"Manch deutscher Wirtschaftsprofessor vertritt in Talkshows eine nationale Gartenzwergökonomie aus D-Mark-Zeiten, die die Realität der Krise zu ignorieren scheint. Bei einigen Ökonomen regiert offenbar eine Art Fundamentalismus - man klammert sich fest an dogmatischen Grundprinzipien, die eine komplexe Welt vereinfachen, und wehrt sich vehement gegen Aufklärung. Das Streben nach einer reinen Lehre, nach theorielastigen Positionen, erdacht in einem wissenschaftlichen Elfenbeinturm - all das ist verbreitet unter deutschen Volkswirtschaftlern.

Die Weiterentwicklung der Ökonomie ist dabei irgendwo zwischen Preisstabilität, Ordnungspolitik und Privatisierungsplädoyers stehen geblieben. Für Pragmatismus und Pluralismus ist wenig Platz. Das führt zunehmend in die Isolation. Ist es doch die Meinungsvielfalt, die für Bewegung und Weiterentwicklung sorgt."
Ganz so pessimistisch sehe ich das nicht ... es gibt schon einzelne Querdenker (wobei man zugeben muss, dass wahrscheinlich die am quersten denkenden deutschen Ökonomen im Ausland zu finden sind).

Was allerdings 100-prozentig stimmt, ist, dass die deutsche Ökonomenlandschaft zu wenig Vertreter produziert, die sich darauf einlassen, pragmatisch mit politischen Zwängen und der unvollkommenen Welt da draußen umzugehen:
"Deutsche Ökonomen, die bereit sind, den auf internationaler Bühne notwendigen Pragmatismus an den Tag zu legen, sind rar. Das zeigte sich 2011 deutlich: Wo waren die deutschen Kandidaten, als es um die Nachfolge auf dem IWF-Chefposten ging? Der aussichtsreichste deutsche Kandidat auf den EZB-Chefposten warf darüber hinaus kurz vorm Ziel freiwillig das Handtuch. Und auch der deutsche EZB-Chefökonom räumte 2011 seinen Stuhl. In beiden Fällen lässt sich mutmaßen, dass die unperfekte Welt da draußen nicht so recht mit den hehren Prinzipien der reinen Lehre vereinbar war."
Aber was noch nicht ist, kann sich ja langsam ändern ...

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