Mittwoch, 8. Februar 2012

Gros über Sparpolitik

Daniel Gros argumentiert in der FTD, dass "sich die Sparsamkeit der Staaten langfristig auszahlt." Und deswegen die Kritik, dass höhere Steuern und Sparanstrengungen die Krise verschärfen, nicht gerechtfertigt ist. Er schreibt:
"Allerdings fragen sich viele Beobachter, ob eine derartige "Sparpolitik" nicht selbstzerstörerisch sein könnte. Könnte eine Reduzierung der Staatsausgaben (oder eine Erhöhung der Steuern) zu einem derart steilen Rückgang bei Wirtschaftsaktivität führen, dass die Staatseinnahmen fallen und sich die Haushaltslage weiter verschlechtert?

Dies ist angesichts der Funktionsweise unserer Volkswirtschaften höchst unwahrscheinlich. Mehr noch: Wenn es so wäre, würde daraus folgen, dass Steuersenkungen zur Verringerung der Haushaltsdefizite führen, weil das größere Wirtschaftswachstum selbst angesichts niedrigerer Steuersätze für höhere Staatseinnahmen sorgt. Diese Annahme wurde in den USA schon mehrmals getestet - immer folgten auf diese Steuersenkungen höhere Defizite."
Mir scheinen in seinem Beitrag zum einen langfristige und kurzfristige Auswirkungen vermengt zu werden und zum anderen die derzeitige Sondersituation verkennt, in der die Geldpolitik die Wirtschaft bei einer drastischen Sparpolitik seitens der Finanzpolitik nicht (bzw. nur wenig oder über andere Maßnahmen (QE, NGDP-Targeting), deren Auswirkungen in der Praxis aber aufgrund mangelnder Erfahrung sehr unsicher sind) zusätzlich stimulieren kann, weil die Zinsen bereits fast bei 0 % sind.

Darüber, dass langfristig (ceteris paribus) eine niedrige Schuldenquote des Staats gut für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes ist, besteht glaube ich kein Dissenz. Aber ob es eine optimale Entscheidung ist, den Pfad hin zu den dafür notwendigen niedrigen strukturellen Defiziten zu einem Zeitpunkt zu starten, an dem sich die Wirtschaft zumindest am Rande einer Schulden-Deflations-Spirale befindet und die Instrumente der Notenbank, von denen wir einigermaßen sicher wissen, wie sie wirken, ausgereizt sind, (und dann auch noch in allen Staaten gleichzeitig) ist nicht so klar.

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