Mittwoch, 22. Februar 2012

Replik auf Sinns Target2-Argumente in der FAZ

U. Bindseil von der EZB reagiert in der FAZ auf die jüngsten prominent platzierten Ausführungen von H.-W. Sinn zu den Target-2-Salden im Euroraum. Auch wenn Bindseil natürlich aufgrund seines Arbeitgebers nicht als neutraler Kommentator angesehen werden kann, scheint mir doch ein Punkt zentral für die ganze Diskussion zu sein:
"Sinns Vorschlag, die Target-Salden zu beschränken, ist unvereinbar mit der Existenz einer gemeinsamen Währung und eines einheitlichen Währungsgebietes. Notwendige Anpassungen in der Fiskalpolitik und den Wettbewerbspositionen müssen von nationalen Handlungsträgern in die Wege geleitet werden. Eine Beschränkung der Salden ist hierfür ungeeignet, würde die Märkte nur zusätzlich verunsichern und weitere Kapitalbewegungen auslösen."
Beim Lesen dieses Beitrages wurde mir klar, das dies glaube ich der Hauptpunkt ist, der mich an den Rufen nach einem "Verbot" von nennenswerten Target-2-Salden stört: Ohne die bedingungslose Unterstützung von grenzüberschreitenden Transaktionen in Euro im Euroraum durch die EZB, würde die Währungsunion auf einen Verbund von Staaten mit festen Wechselkursen reduziert. Für die derzeit mit Kapitalausflüssen zu kämpfenden Staaten bedeutete dies, dass sie sich in einer Situation wie z. B. Argentinien zu Anfang des Jahrtausends befinden würden, in der die Verhinderung einer Zahlungsbilanzkrise nur von den nationalen Zentralbankdevisen abhängt.

1 Kommentar:

Bernd hat gesagt…

Die Eurozone ist eine Währungsunion mit festen Wechselkursen. Die permanente Liquiditätsgarantie aller Mitglieder, verhindert die Insolvenz einzelner Mitglieder, es sein denn die gesamte Währungsunion würde insolvent gehen, weil sie insgesamt Auslandsschulden hat und die Währung von den Handelspartnern nicht mehr akzeptiert würde. Es muss aber die auch die Einzelinsolvenz in einer Währungsunion möglich sein. Diese stellt hier sich nur bei Währungsmangel ein. Gibt man Gegensatz hierzu seine eigene Währung heraus und es liegen Auslandsschulden vor und die Währung wird vom ausländischen Gläubiger nicht mehr akzeptiert führt dieses zur Insolvenz. So oder so müssen Insolvenzen möglich sein, wenn das Ausland das "Über die Verhältnisse leben" nicht mehr finanzieren will. Wie sollte sonst ein Markt organisiert werden?

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