Sonntag, 12. Februar 2012

Supply and Demand

Paul Krugman greift auf seinem Blog einen Aspekt des "Nach-Krisen-Diskurses" auf, über den ich auch schon öfters gestolpert bin (z. B. hier). Und zwar die Vermischung/Verwechslung von gesamtwirtschaftlicher Nachfrage und gesamtwirtschaftlichem Angebot.
"Wow. I often encounter the fallacy of confusing supply with demand, where people say, “spending was boosted by the bubble, so the GDP you see then was greater than potential”; this is a misunderstanding because potential GDP is a measure of how much the economy can produce, not of how much people want to spend. But Bullard goes even further, seeming to say that a drop in asset prices is itself a destruction of output capacity. What?"
Zur Definition des Produktionspotentials würde ich anmerken, dass ich darunter das Produktionsniveau verstehe, das ohne Inflationsbeschleunigung unterhalten werden kann. Da die Inflation aber in den Industriestaaten in den Jahren vor der Krise mehr oder weniger auf niedrigem Niveau "unter Kontrolle" war, deckt sich das in diesem Fall mit Krugmans Definition.

Festzuhalten ist aber, dass die Volkswirtschaften vor der Krise in der Lage waren deutlich mehr zu produzieren als momentan (in vielen Fällen absolut, in fast allen Fällen dann, wenn man zwischenzeitliche Veränderungen in den Produktionsfaktoren (z.B. Bevölkerung oder technischen Fortschritt) berücksichtigt).

Vier Argumente finden sich nun in der Debatte, die "erklären", warum das Potential heute niedriger ist als damals. Das erste wird in Krugmans Post besprochen ... und erklärt in Wirklichkeit, warum die Nachfrage jetzt niedriger ist (nicht das Angebot/Potential).

Das zweite Argument besagt, dass ein Teil des Kapitalstocks obsolet geworden ist, weil vor der Krise Produkte nachgefragt wurden, die jetzt nicht mehr nachgefragt werden (bzw. jetzt viel weniger). Dazu ist aber anzumerken, dass das kurzfristig in einigen wenigen Bereichen so sein mag (z. B. bei einem Überangebot von Baukränen in den USA). Generell sollten sich aber die Relativpreise so anpassen, dass die Kapazitäten wieder ausgelastet sind. Dass ein gesamtwirtschaftlich nennenswerter Teil des Kapitalstocks komplett abgeschrieben werden musste, weil es wirklich überhaupt keine Verwendung mehr dafür gibt, erscheint mir nicht plausibel.

Das dritte Argument besagt, dass es einen negativen Produktivitätsschock gegeben hat, so dass mit den vorhandenen Kapitalstöcken und dem Erwerbspersonenpotential weniger produziert werden kann als vor der Krise. Dazu ist zu sagen: Warum in aller Welt sollte hier auf einmal Technologie/Wissen/Fähigkeiten verloren gegangen sein?

Das vierte Argument besagt, dass wir derzeit das "normale" Produktionspotential beobachten, während jenes vor der Krise wegen der exzessiven Überschuldung künstlich aufgebläht war. Hierzu ist aber das gleiche anzumerken wie in Krugmans Post: Das ist eigentlich ein Nachfrageargument und erklärt höchstens, warum die Nachfrage vor der Krise höher war als das Produktionspotential (wobei ich sagen würde, dass der Unterschied nicht sooo groß gewesen sein kann, weil die Inflation relativ moderat war). Aus diesem Argument lässt sich also, wenn überhaupt, ableiten, dass sich aus der ungleichen Vermögens-/Einkommensverteilung Probleme für die (schuldenfreie) Aufrechterhaltung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ergeben (hier sind wir wieder bei diesem alten Beitrag von mir). Mit Produktionspotential hat das nichts zu tun.

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