Dienstag, 13. März 2012

Jetzt spricht der Chef!

J. Weidmann hat sich in der FAZ zur Debatte um die Target-2-Salden gemeldet. Die wichtigsten Aussagen:
"Die Übertragung wird ausgelöst, wenn aus einem Land Zentralbankgeld in ein anderes Land überwiesen wird. Dabei entstehen Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB), die als eine Art Clearingstelle fungiert. Bei der überweisenden Notenbank entsteht eine Verbindlichkeit - ein negativer Target2-Saldo. Die empfangende Notenbank erhält eine Forderung - hier entsteht ein positiver Target2-Saldo. Wäre die Geldpolitik im Euroraum bei der EZB zentralisiert, gäbe es zwar keine Target2-Salden, dies würde aber für sich genommen noch nichts an den Risiken aus der Liquiditätsbereitstellung ändern."

"Es ist die Aufgabe des Eurosystems, Zentralbankgeld zur Verfügung zu stellen - an solvente Banken gegen ausreichende Sicherheiten und ohne Gefährdung der Preisniveaustabilität. [...] Es ist nicht Aufgabe der Geldpolitik, marode Banken künstlich am Leben zu erhalten oder die Zahlungsfähigkeit von Staaten abzusichern. [...] Die Abgrenzung zwischen Liquiditätsengpässen und Solvenzrisiken bei Banken ist sicherlich nicht immer trennscharf möglich, und gerade in krisenhaften Situationen ist vorübergehend eine gewisse Flexibilität angezeigt."

"Die Zunahme von Target2-Salden kann somit durchaus Ausdruck einer Geldpolitik sein, die im Rahmen ihres Mandats entstehenden Liquiditätskrisen Rechnung trägt. Die Kritik an den Salden per se ist insofern - und dies hat die Bundesbank immer wieder betont - nicht sachgerecht. Für mich stellen die Target2-Forderungen der Bundesbank auch kein eigenständiges Risiko dar, weil ich ein Auseinanderbrechen der Währungsunion schlichtweg für absurd halte."

"Auch in einem solchen Fall [dem unkoordinierten Austritt eines Eurostaates mit negativem Target-2-Saldo], von dem ich nicht ausgehe, ist das Risiko ursächlich in der Art und dem Umfang der Liquiditätsbereitstellung begründet. Hierbei könnte es zu teilweisen Forderungsausfällen bei der EZB kommen. Verluste der EZB wären aber gegebenenfalls von allen Notenbanken des Eurosystems zu tragen - unabhängig von deren Target2-Saldo."

"Die Risiken, die das Eurosystem übernimmt, sind zu einem gewissen Grad unvermeidlich, aber wir setzen uns mit Nachdruck dafür ein, dass sie in vertretbaren Grenzen bleiben. [...] Der Schlüssel zur Lösung der Krise liegt am Ende nicht bei den Notenbanken, sondern bei den Mitgliedstaaten."
Was er sagt, ist - kurz zusammengefasst -, dass die Target-2-Salden eine reine Sache der Buchhaltung sind und kein eigenständiges Problem darstellen. Die Risiken für das ESZB entstehen aus der Lockerung der Bedingungen an Sicherheiten und dem Anstieg der Forderungen ggü. den Geschäftsbanken im Euroraum (und ggü. Mitgliedsstaaten).

In Nuancen unterscheide ich mich von dieser Bundesbankposition darin, dass ich die Notwendigkeit einer schnellen Rückführung der Liquidität nicht sehe bzw. für kontraproduktiv halte. Aber ansonsten könnte ich das alles unterschreiben. Frage mich nur, was die die Initiative der Bundesbank zur Besicherung von Target-2-Forderungen sollte ...?



Update: Auch im Jahresbericht stellt die Bundesbank ihre Position dar, die FT Alphaville folgendermaßen "übersetzt":
“yadda, yadda, yadda… all very conerning, concerning, concerning…a dysfunctional interbank market and transmission channels to consider, but… by and large… Target2 only a problem if and when the Eurozone breaks apart — something the Bundesbank doesn’t foresee happening right now.”
Update2: Olaf Storbeck schreibt auf seinem Blog, dass die FAZ-Interpretation/-Nachrichten über den Brief Weidmanns an Draghi wohl die Position der Bundesbank missverstanden hat. Diese habe nie, auch nicht zwischenzeitlich, weitere Sicherungsmechanismen innerhalb des ESZB gefordert. Vor dem Hintergrund der heute veröffentlichten Positionen zu Target-2 wäre das sehr plausibel (siehe meine Frage oben).

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