Sonntag, 4. März 2012

Nettoexporte und Forderungsaufbau

Mark Schieritz zeigt auf Herdentrieb noch mal deutlich den Zusammenhang zwischen Exportsalden und dem Aufbau von Forderungen gegenüber dem Ausland auf ... und wie der Zusammenhang in der deutschen Diskussion oftmals unter den Tisch gefallen lassen wird.
"Es ist schon erstaunlich, dass exakt diejenigen, die die deutschen Exportüberschüsse damals verteidigten, jetzt Hans-Werner Sinn zujubeln und eine Begrenzung der Target-Salden fordern. Wie Gustav Horn korrekt schreibt: Ein Überschuss in der Leistungsbilanz bedeutet zwingend, dass Forderungen gegenüber dem Ausland aufgebaut werden. Wer mehr exportiert als er importiert, wird zum Gläubiger der Welt und macht sich damit abhängig von der Zahlungsfähigkeit seiner Handelspartner. Wir tauschen also Güter gegen Papier. Ob das nun Target-Forderungen sind, Lehman-Zertifikate oder kolumbianische Staatsanleihen.

Sinn ist sich dieser Zusammenhänger immerhin bewusst und er hat deshalb als einer der wenigen konservativen deutschen Ökonomen schon vor einiger Zeit auf die Schattenseiten hoher Exportüberschüsse hingewiesen. Sinns Anhänger dagegen verzichten auf jede Stringenz. Sie wollen den Handelspartnern in Europa die Zentralbankgeldzufuhr abschneiden und trotzdem weiter fleissig Waren dorthin verkaufen. Sie wollen, dass der Rest Europas endlich aufhört, über seine Verhältnisse zu leben, wir aber weiter unter unseren Verhältnissen leben. Sie wollen also, dass der Süden sein Leistungsbilanzdefizit schlagartig reduziert, wir aber weiter Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaften."

Was Sinns Position angeht hat Schieritz recht. Was ich nur immer wieder an H.-W. Sinns Ausführungen kritisiert habe, ist, dass er über eine Beschneidung der Kapitalströme eine abrupte Anpassung der Güterströme fordert ... aber (im Gegesatz zu seinen (in meinen Augen jeweils deutlich zu hohen) Schätzungen für das Risiko, das Deutschland über finanzpolitische Garantien und Buchungen im ESZB eingeht,) nie Schätzungen anbietet, welche Folgen das für die Länder mit Anpassungsbedarf und für Deutschland hätte.

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