Donnerstag, 19. April 2012

Frühjahresgutachten, jetzt offiziell

Heute um 11h wurde dann auch offizell das Frühjahresgutachten der Gemeinschaftsdiagnose vorgestellt, nachdem das Handelsblatt das gestern schon für die wichtigsten Kennziffern übernommen hatte. Deswegen waren die Prognosen für den Anstieg des realen BIP von 0,9 % (2012) und 2,0 % (2013) bereits bekannt.

Für die Weltwirtschaft ist der Ausblick verhalten optimistisch:
"Ein kräftiger Aufschwung der Weltwirtschaft im Prognosezeitraum ist nach Einschätzung der Institute trotz aktuell aufwärtsgerichteter Vertrauensindikatoren nicht zu erwarten, da eine Reihe von Belastungsfaktoren weiterhin besteht. So wird die Finanzpolitik in wichtigen fortgeschrittenen Volkswirtschaften, insbesondere in einigen Ländern des Euroraums, dämpfend wirken. Zudem sind die privaten Haushalte und Unternehmen in vielen Volkswirtschaften nach wie vor bemüht, ihre Schulden zu verringern."
Für den Euroraum nicht gerade rosig (siehe dazu auch diesen Beitrag):
"Im Euroraum wird die gesamtwirtschaftliche Produktion im Jahr 2012 wohl um 0,3 % zurückgehen, und die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt auf 10,9 % steigen [...]. Der Verbraucherpreisanstieg liegt trotz schwacher Konjunktur mit 2,3 % in diesem Jahr oberhalb der Zielmarke der EZB. Für das Jahr 2013 ist mit einer moderaten Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 1,1 % zu rechnen, vor allem, weil der Restriktionsgrad der Finanzpolitik im nächsten Jahr wohl etwas nachlassen wird."
Deutschlands Konjunktur dürfte sich - vor allem aufgrund des niedrigen Zinsniveaus - dagegen deutlich beschleunigen:
"Die Konjunktur in Deutschland nimmt im Frühjahr 2012 nach einer mehrmonatigen Schwächephase wieder Fahrt auf. [...] Für den Prognosezeitraum erwarten die Institute, dass die konjunkturellen Auftriebskräfte in Deutschland die Oberhand gewinnen. Zwar bleibt die Konjunktur im übrigen Euroraum sehr schwach. Doch wird das Zinsniveau durch die am gesamten Euroraum ausgerichtete Zinspolitik der EZB sowie durch die Attraktivität Deutschlands als „sicherer Hafen“ gedrückt, was die Investitionen beflügelt. Zudem ist die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen, vor allem wegen der niedrigen Bewertung des Euro an den Devisenmärkten, derzeit höher als zu irgendeinem Zeitpunkt der vergangenen 30 Jahre. Der Export ist deshalb trotz der Rezession im wichtigsten Absatzgebiet deutscher Hersteller, dem Euroraum, und des sich nur langsam verbessernden weltwirtschaftlichen Umfelds aufwärts gerichtet. Schließlich ist der Arbeitsmarkt, auch wegen der zurückliegenden Arbeitsmarktreformen in sehr guter Verfassung; der weitere Rückgang der strukturellen Arbeitslosenquote stimuliert Einkommen, Einkommenserwartungen und privaten Konsum."
Das Sonderkapitel (Kapitel 6) befasst sich mit den Anpassungsprozessen in denjenigen Ländern des Euroraums, die in den vergangenen Jahren und Monaten in die Krise geraten sind.

Zu den aufgrund der Krise im Euroraum notwendigen Politikmaßnahmen gab es in einem Punkt keine Einigkeit zwischen den Instituten:
"IWH [und Kiel Economics] und RWI [und IHS] erachten einen „Buyer of Last Resort“ für notwendig, der insbesondere sicherstellt, dass die Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte eines Landes nicht nur aufgrund eines Zinsanstieges verloren geht. IfW und ifo halten dies nicht für zielführend, weil das deutsche Haftungsvolumen deutlich ausgeweitet und der von den Kapitalmärkten ausgehende Druck auf die Krisenländer erheblich reduziert würde, so dass der Reformeifer dort nachließe."
Zur deutschen Finanzpolitik steht im Gutachten, dass das strukturelle Budgetdefizit auf -0,5 % des BIP geschätzt wird, und:
"Die verbesserte Finanzlage des Staates sollte somit nicht zum Anlass genommen werden, in den Konsolidierungsbemühungen nachzulassen."
Dazu Mark Schieritz auf Herdentrieb.

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