Montag, 23. April 2012

Schulden und Wachstum

In einer neuen Studie greifen Panizza und Presbitero die Aussage an, dass hohe öffentliche Schuldenstände in Industriestaaten ursächlich für Wachstumseinbußen sind. In der Kurzzusammenfassung auf Voxeu schreiben sie dazu:
"To answer the question "Do high levels of public debt reduce economic growth?" we follow the econometric procedure of trying to reject the proposition that “debt has no growth effects”. Our research shows that this proposition cannot be rejected, so it may well be that it is true. We cannot, however, be sure. Think of a murder trial where the jury finds the man has not been proven guilty “beyond a reasonable doubt”. This certainly suggests that he is innocent, but establishing innocence is not what the trial was about, so technically, we cannot claim that the jury declared him innocent."
Wie immer in empirischen Arbeiten kann zwar eine Hypothese verworfen werden ... das heißt aber formal nicht, dass damit das Gegenteil bewiesen wäre!

Für die Wirtschaftspolitik ergibt sich laut den Autoren dadurch in Anlehnung an ein Zitat von Mark Twain ...
"It ain’t what you don’t know that gets you into trouble. It’s what you know for sure that just ain’t so."
... folgende Implikation:
"There might be many good (or bad) reasons for fiscal austerity, even during recessions. We do not want to enter that debate here. However, we do not find any evidence that high public debt hurts future growth in advanced economies. Therefore, given the state of our current knowledge, we believe that the debt-growth link should not be used as an argument in support of fiscal consolidation."
Ich zitiere die Studie hier nur, um deutlich zu machen, dass viele Sachverhalte, die - gerade in Deutschland - in der Diskussion als Tatsachen dargestellt werden, bei einer empirischen Prüfung in ganz anderem (nämlich weit diffuseren) Licht erscheinen.

(Eine technische Anmerkung: Die Studie nutzt eine IV-Schätzung zur Umgehung des Endogenitätsproblems (Abschnitt 2 im Aufsatz). Meiner Erfahrung nach sind dabei die Ergebnisse sehr von der genauen Spezifikation abhängig (vor allem, wenn die Instrumente schwach sind), so dass man die Robustheit und Validität der Studie so richtig wohl nur gegenchecken könnte, wenn man den Datensatz in die Hände bekäme.)

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