Donnerstag, 10. Mai 2012

ifo zu Wachstumsdebatte

Eine ifo-Pressemitteilung mal einfach (fast) ganz unkommentiert:
"„Sparen“ oder „Wachstum“ – dies seien die alternativen Wirtschaftspolitiken, zwischen denen Politiker gegenwärtig wählen könnten. So ist es im Zuge der Wahlen in Frankreich und Griechenland sowie den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen in der öffentlichen Debatte transportiert worden.
Dieses Mutmaßen kommt einer Irreführung der Öffentlichkeit gleich, denn wachsen kann eine Volkswirtschaft nur, indem sie spart. Sparen ist das Gegenteil von Konsumieren und stellt die Finanzmittel für Investitionen bereit, aus denen Wachstum entsteht. Investitionen vergrößern den Kapitalstock einer Volkswirtschaft und insofern deren Produktionskapazität.

Was man mit dem Slogan in Wahrheit meinen könnte, ist ein Wachstum mit fremder Ersparnis, so wie es in den Jahren vor der Finanzkrise in Südeuropa stattfand. Aber die Verwendung fremder Ersparnis verlagert die Wachstumskräfte nur. So hat Deutschland in der Zeit seit der Ankündigung des Euro auf dem Gipfel in Madrid 1995 den Löwenanteil seiner Ersparnis über sein Banken- und Versicherungssystem exportiert und zu Hause nur noch ganz wenig investiert. Das führte zu seiner eigenen Eurokrise. Deutschland hatte extrem niedrige Investitionen, trug die rote Laterne beim europäischen Wachstum und durchlitt eine Massenarbeitslosigkeit, die die Regierung Schröder zu schmerzlichen Sozialreformen zwang. Nach der Finanzkrise hat sich die Situation insofern für Deutschland verbessert, als dass sich Sparkapital nun nicht mehr aus dem Land heraustraut. So kam es in den Jahren seit 2010 zu einem Investitionsboom, der das deutsche Wachstum noch immer antreibt. Wenn manche EU-Länder die deutsche Ersparnis mit dem Slogan „Wachsen statt Sparen“ nun wieder über öffentlich besicherte Kreditkanäle ins Ausland leiten wollen, ist das zwar verständlich. Doch sollte die deutsche Politik wissen, dass sie damit das deutsche Wachstum schwächt und das deutsche Importdefizit aufrechterhält, über das sich die anderen EU-Länder beklagen. Es ist an der Zeit, dass die peripheren Euroländer beginnen, aus ihrer eigenen Ersparnis zu wachsen."
Erinnert mich ein wenig an HWSs pauschale Aussagen über "gute Nachfrage" (Investitionen) und "schlechte Nachfrage" (Konsum). Aber vielleicht kann in der Textform "Pressemitteilung" die vielschichtige Debatte über die Auswirkungen von Finanzpolitik in depressiven Volkswirtschaften einfach nicht differenziert wiedergegeben werden.

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